Jahresrückblick 2013

„Mein“ griechisches Startup-Jahr 2013 in Gefühlen, Zahlen und Fakten

Als ich mit dem Βloggen Ende 2012 begann, war ich so stark von den Medien in Deutschland eingelullt, dass ich selbst nur eine vage Hoffnung hatte, über ein paar nette Geschichten aus Griechenland berichten zu können. Ich hatte das Thema extra breit gefasst unter dem Titel „Innovationen aus Griechenland“. Damit wollte ich sicher stellen, dass ich auch genügend Unternehmen und Themen finde, über die ich berichten kann – notfalls über innovative Olivenerntemethoden.

Jetzt, nach meinem ersten vollen Jahr als Blogger, blicke ich zurück und stelle vor allem eins fest: Ich komme nicht mehr hinterher. Um überhaupt noch Herr der Lage zu bleiben, habe ich meinen Fokus stark eingeschränkt (im Wesentlichen auf Startup-Unternehmen im IT-Sektor) und picke mir quasi die Rosinen raus, also Unternehmen, die mir durch ihre Technologie oder ihr Geschäftsmodell besonders auffallen und von denen ich mir vorstellen könnte, dass sie auch international erfolgreich sein können. Das ist oft hart, da für jedes Unternehmen, das ich hier beschreibe, wohl noch 100 weitere stehen, über die man auch berichten könnte.

Mehr aus Neugier als aus einer Strategie heraus hatte ich mir zum Ziel gesetzt, mit den Gründern zu sprechen, bevor ich über die Unternehmen schreibe – denn ich wollte mehr wissen als das, was hier und da in Zeitungen oder auf der Webseite darüber zu finden war. Heute freue ich mich besonders über diese Idee, da ich dadurch sehr viel über das Denken und Handeln griechischer Jungunternehmer gelernt habe – für mich waren die Höhepunkte des Jahres 2013 ganz klar die zahlreichen Gespräche, die ich mit sehr intelligenten, extrem innovationsfreudigen und hochmotivierten jungen Leuten führen durfte.

Ende 2012 habe ich mich noch literarisch versucht, indem ich eine Geschichte geschrieben, in der alle Startups vorkamen, über die ich 2012 geschrieben hatte.  Meine literarischen Ambitionen sind damit erstmal ausgeschöpft, da die Anzahl und Vielfalt der Unternehmen, über die ich 2013 berichtete, ein solches Unterfangen deutlich schwieriger gestalten. Daher diesmal eine Zusammenfassung in Zahlen und Fakten:

Zahlen und Fakten 2013

Anzahl der Beiträge im Jahr 2013 gesamt 41
Anzahl der Gründungen und Gründer, die ich persönlich kennengelernt habe und über die ich gerne noch berichtet hätte über 100
Anzahl der Gründungen, über die ich tatsächlich berichtet habe 26
Monat mit den meisten Beiträgen Mai (7 Beiträge)
Monat mit den wenigsten Beiträgen November (1 Beitrag)  – sorry, da hatte ich wohl zu viel um die Ohren.
Monat mit den meisten Zugriffen Mai (Überraschung!)
Monat mit den wenigsten Zugriffen Juni (Urlaub?)
Beitrag mit den meisten Zugriffen TradeNow – Tauschhandel scheint in Deutschland ein echtes Thema zu sein.
Beitrag mit den wenigsten Zugriffen Fundstück #2 Startopoly  – jetzt schnell noch mal klicken!
Suchbegriffe in Google Deutschland auf die ich besonders stolz bin „griechisches Startup“ (Platz 1) und „Innovationen Griechenland“ (Platz 1)
Anzahl der 8 Startups, die laut Fortune Greece im Jahr 2013 hervorgestochen sind und bereits in Eulen aus Athen beschrieben wurden 6
Land, aus dem die meisten Zugriffe kamen Deutschland
Land, aus dem die wenigsten Zugriffe kamen United Republic of Tanzania
Startup, das mir am besten gefällt Verrate ich nicht
Anzahl griechischer Startups, in die 2013 investiert wurde 28
Anzahl griechischer Startups, in die 2013 investiert wurde und über die auf diesem Blog berichtet wurde 16
Investitionssumme in Startups in Griechenland (Quelle EMEA) 45 Mio. Euro
Anzahl erfolgreicher Exits 1 (Bugsense)

Falls ihr euch fragt, wo die im Titel genannten Gefühle bleiben: Ich habe das Gefühl, ich mach weiter!

Ich wünsche allen Lesern und Gründern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

Καλή χρονιά με υγεία και επιτυχία σε όλους τους Έλληνες νεοεπιχειρηματίες.

WK mit Eulen

 

Griechisches Startup beweist Existenz vom Weihnachtsmann

Manchmal ist alles ganz einfach: Wenn man sich über etwas unsicher ist, dann sollte man andere fragen. Wie der aufwerksame Leser sicher weiß, macht das griechische Startup Pollfish Umfragen zu verschiedenen Themen in Echtzeit über Millionen mobiler Nutzer.

Hier die aktuelle Umfrage zum Weihnachtsmann

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Dann wäre das ja auch geklärt. Fröhliche Weihnachten!

The Huffington Post Post

Griechische Innovation Huffington Post kommt nach Deutschland

Nächste Woche kommt die sagenumwobene, viel diskutierte und umstrittene Huffington Post nach Deutschland. Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach und liegt im Internetzeitalter auf der Hand: Man nehme viele Redakteure, die im Internet recherchieren, Informationen zusammentragen und aus diesen dann neue Beiträge generieren, die sie mit Verweisen auf die Quellen veröffentlichen. Wie bei Online-Redaktionen immer üblicher, vermarktet der Redakteur selbst seine Beiträge über Social Media oder andere Kanäle und beobachtet seinen Erfolg. Wenn er merkt, dass der Beitrag nicht so gut läuft, legt er werbewirksam nach.

Allerdings geht es nicht nur um eine Zusammenführung von News. Die Huffington Post beschäftigt auch eigene Journalisten und Blogger, die vereinzelt oder regelmäßig auch für die Huffington Post schreiben bzw. ihre Beiträge auch dort veröffentlichen. Daher ist die Reaktion der „klassischen“ Medien nicht ganz verständlich:

Der Spiegel:

„Konsequent und Dreist“ (Quelle)

und

„Piraten in Sicht“, (Quelle)

Mathias Döpfner vom Axel Springer Verlag:

„Die Huffington Post [ist] das Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“ (Quelle)

Ich wollte schon immer mal Newsjacking betreiben, also hier mein Beitrag zur Diskussion:

„Die Huffington Post ist eine griechische Innovation“

Tatsächlich wurde die Huffington Post von Arianna Stassinopoulou gegründet, einer Athenerin, die später nach England und die USA gegangen ist und einen gewissen Michael Huffington geheiratet hat. Man könnte sogar sagen, dass es einer der erfolgreichsten griechischen Exits war (Grexit), da die Huffington Post 2011 für 315 Millionen Doller an AOL verkauft wurde

„a merger of visions“

so Arianna Stassinopoulou selbst (Quelle).

Übrigens: Dass die Huffington Post sehr wohl journalistisch tätig ist, zeigt sich beispielsweise darin, dass sie 2012 sogar einen Pulitzer Preis gewonnen hat (Quelle).

Zusammenarbeit mit der Griechenland Zeitung

Innovation „made in Greece“

Seit dem 10. Juli 2013 arbeite ich mit der Griechenland Zeitung zusammen. Dort findet ihr jetzt eine zehnteilige Serie mit dem Titel Innovation „made in Greece“, in der ich ausgewählte innovative Unternehmen und Startups den Leserinnen und Lesern der Griechenland Zeitung vorstelle. Viele Artikel stammen aus diesem Blog, werden jedoch jeweils aktualisiert und für den Wirtschaftsteil der Zeitung aufbereitet. Die Griechenland Zeitung hat eine Auflage von 10.000, erscheint wöchentlich und ist die größte deutschsprachige Zeitung Griechenlands.

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Die Serie startete am 10. Juli 2013 mit einem Beitrag zu Dopios und ist auf zehn Ausgaben ausgelegt. Jede Woche folgt ein weiterer Betrag, den ich dann auch auf diesem Blog unter „Presse“ ergänze.

Lasst euch überraschen oder abonniert gleich die Griechenlandzeitung.

Ich freue mich über die Zusammenarbeit.

Would you have invested?

Besuch in der Startup-City Athen

Ich kann mich noch daran erinnern, als vor vielen Jahren ein Bild als E-Mail die Runde machte. Es war ein Foto  mit dem Titel „would you have invested?“, auf dem eine Gruppe mit 11 Personen gezeigt wurde, die bei der Gründung oder sehr früh bei Microsoft dabei waren (das Bild gibt es übrigens hier: http://www.museumofhoaxes.com/photos/microsoft.html).

Irgendwie musste ich letzte Woche an dieses Bild denken. Ich war für ein paar Tage in Athen meine Eltern besuchen und habe mir gedacht, ich schau mal bei den Innovatoren vorbei, über die ich hier im Blog geschrieben habe. Da es doch schon eine ganze Menge waren, gab mir Christina Tsakona (übrigens eine Rechtanwältin, die sich auf Startups spezialisiert hat) den Tipp, doch alle ins 123p einzuladen, einem Arbeitsplatz für Startups  und sehr schönen Räumen im Zentrum von Athen.

Gesagt, getan. Ich habe mich sehr gefreut, dass sehr viele „meiner Eulen“, aber auch ein paar neue Gesichter dabei waren. Im Laufe des Abends kamen ca. 20 Gründer und wir hatten ein sehr schönes Treffen mit vielen Diskussionen über Griechenland, Deutschland, deren Beziehungen und Möglichkeiten und natürlich über griechische Startups.

Irgendwann zwischendrin haben wir ein Foto gemacht. Ich würde mich freuen, wenn es in 5 oder 10 Jahren auch einmal die Runde macht und sich einige ärgern, nicht früher investiert zu haben:

Whould you have invested in greek startups?

Whould you have invested in greek startups?

Vordere Reihe (von links nach rechts) : Nick Tsamis (eventora),  Ioannis Sclavos (123p), Dimitris Tsirikos (jupitee),  Christina Tsakona (Startup Rechtsanwältin),  Nektarios Sylligardakis (erasus),  konstantinos kyranakis (yepp),  George Terezakis (radiojar)

Hintere Reihe (von links nach rechts): Wassilios Kazakos (ich), George Giannakeas (warply), Gregory Zontanos (locish),  Alexandros Trimis (dopios),  Nikos Anagnostou (scicada, metablogging.gr),  Kostas Arkadas (parking defenders), Apostolos Apostolakis (e-food.gr, e-shop.gr, taxibeat, doctoranytime)

Das Foto hat übrigens die Journalistin Elina Makri mit meinem iPhone gemacht und einen sehr netten Beitrag über mein Blog und mich bei Dialogger.eu der Konrad Adenauer Stiftung geschrieben (auf Griechisch).

Ich freue mich über so viel Interesse und vor allem so viel Unternehmergeist. Ich bin sicher, dass wir das wiederholen werden.

Weihnachtsgeschichte mit griechischen Innovationen

Die Ereignisse überschlugen sich und alles musste jetzt rasend schnell gehen, denn heute würde sein großer Tag werden – er wusste es. Leonidas S. fährt auf den Parkplatz, den er sich über Parking Defenders günstig vorab reserviert hatte, sprang aus dem Auto und rannte die Treppen hoch. Es war schon das zweite Interview in Folge beim Unternehmen Helic und dessen neues Startup nanotropic und er war zuversichtlich, dass es diesmal klappen würde. Die letzten Monate hatte er vergeblich versucht, einen Job zu bekommen. Trotz seines technischen Studiums in Athen und in London war es wegen der Wirtschaftslage fast unmöglich, überhaupt zum Gespräch eingeladen zu werden. Die erste  Änderung bemerkte er, als er workableHR vor ein paar Wochen entdeckte. Er vervollständigte sein LinkedIn-Profil mit seinem doch beachtlichen Lebenslauf und dann ging alles wie von selbst. 5 Gespräche in 3 Tagen und alle bei hochinnovativen Unternehmen – und jetzt zum zweiten Mal bei einem seiner Traumunternehmen.

Sein Interview verlief nach Plan. Mit dem Vertrag in der Tasche überlegte Leonidas, wie er jetzt weiter vorgehen sollte. Erst mal was essen, dachte er. Vor lauter Aufregung  hatte er am Morgen nichts gefrühstückt. Er zückte sein Smartphone und prüfte, was er denn Gutes über Cookisto in der Nähe finden könnte. Mit den frisch zubereiteten Giouvarlakia von Maria setzte er sich auf eine Parkbank und blättert etwas in NOOWIT, dem neuen „Magazin der Zukunft“ auf seinem iPad, um die Highlights aus dem politischen und technischen Geschehen zu überfliegen.

Er wusste, dass Zoe die richtige war und er wollte ihr etwas ganz Besonderes zu Weihnachten schenken. Kennengelernt hatten sie sich vor ein paar Wochen. Sie machte ihr eigenes Radioprogramm über radiojar und berichtete dort über griechische Innovationen gemischt mit Musik, die die Gründer ausgewählt hatten. Eines Abends, während sie die Gründer von bugsense interviewte, einem griechischen Unternehmen, das in den USA gerade Furore macht, beschloss er, dort anzurufen. Eigentlich wollte er den Gründern ein paar Fragen stellen. Was er nicht wusste: Die Sendung war eine Wiederholung und so sprach er mit Zoe. Sie waren sich sofort sympathisch, sodass sie sich 2 Stunden über dies und jenes unterhielten. Neben ihrem Interesse für Technologien teilten sie noch etwas. Beide waren leidenschaftliche Surfer und eine der ersten Nutzer von weendy, der Echtzeit-Wettervorhersage für Surfer. Zoe hatte vor ein paar Monaten ihren Job im öffentlichen Dienst gekündigt, weil sie selbst ein Unternehmen gründen wollte, und half ihren Eltern ab und zu in ihrem Mini-Markt aus. Eine der ersten Änderungen, die sie dort vornahm, war es, i-kiosk einzuführen, das ERP-System für kleine Geschäfte und Kiosks.

Den Ort, den sich Leonidas für sein Date mit Zoe ausgesucht hatte, hat er über Daily Secret gefunden. Er ließ sich seit einigen Wochen die neuesten Empfehlungen zuschicken und hatte ein kleines Lokal mit Blick auf die Akropolis gefunden, das sie sicher bezaubern würde. Allerdings hatte er immer noch kein Weihnachtsgeschenk.

Hektisch lief er durch die Einkaufsstraßen, fuhr zwischen den Stadteilen hin und her, aber ihm kam keine richtig gute Idee. Das Date war in 30 Minuten und er wusste, dass sie bestimmt schon ein Geschenk für ihn hatte. Und plötzlich war sie da, die Idee. Er klappte sein Smartphone auf und suchte sich eine schöne Yacht für einen Wochenendtrip nach Ägina über incrediblue aus. Das würde ihr gefallen!

Völlig entspannt und voller Vorfreude auf einen schönen Vorweihnachtsabend mit seiner Liebsten öffnete er jetzt zum letzten Mal sein Smartphone und bestellte sich ein Taxi über taxibeat . Er hat es geschafft.

… und ich habe es auch geschafft eine Geschichte zu schreiben, in der alle bisher besprochenen Eulen aus Athen nochmal auftreten dürfen.

Ich wünsche allen Innovatoren und allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2013