schooX

Sozialer kann Lernen nicht mehr werden

Wenn ich an Lernen denke, ist meine erste Assoziation eigentlich, dass es etwas sehr Eigenständiges und Einsames ist. Aber das Lernen hat durchaus auch etwas Soziales: in der Schule und an der Uni gab es Lerngruppen, man hat sich vor Prüfungen getroffen, um gemeinsam zu lernen, und selbst heute, wenn ich etwas lernen will, unterhalte ich mich mit bestimmten Leuten über das Thema, das ich vertiefen und besser verstehen möchte.

Schoox_Startseite

Eine Akademie für soziales Selbstlernen

Die griechischen Unternehmer Lefteris Ntouanoglou, Costas Vasiliou, Apostolis Agrafiotis und Vassilis Lolos haben 2012 die E-Learning-Plattform schooX entwickelt, die ich als ein E-Learning-Social-Network bezeichnen würde. schooX ist eine Anwendung im Internet, die Privatpersonen, aber vor allem auch Unternehmen und Schulen hilft, kontinuierliche Lernprogramme aufzusetzen, bereitzustellen und zu nutzen.

Mein soziales Netzwerk auf Schoox

Mein soziales Netzwerk auf schooX

Und das funktioniert so: Jeder der etwas lernen oder selbst Lerninhalte anbieten will, kann sich kostenlos einschreiben. Als „Schüler“ hat man Zugriff auf tausende Inhalte anderer und als „Lehrer“ oder Experte kann man seine Lehrinhalte einfach über die Plattform erstellen und für Dritte bereitstellen. Dabei entscheidet jeder selbst, ob er sein Angebot nur einer bestimmten Gruppe zur Verfügung stellt oder allen Nutzern der Plattform. Er bestimmt auch, ob die Inhalte kostenlos sind oder deren Nutzung etwas kosten sollte. Da alle Inhalte und Nutzer über schooX miteinander verbunden sind, entsteht ein engmaschiges Netz an Lehrenden, Lernenden und Lehrinhalten. Über die Lerninhalte, die Kurse und die Gruppen können die Mitarbeiter miteinander kommunizieren, sich austauschen und Fragen stellen.

Für Personen, Unternehmen und Schulen

„Allerdings geht schooX noch einen wesentlichen Schritt weiter und verbindet diese eher persönlichen Initiativen mit speziellen Funktionen für Unternehmen und Akademien“, sagt Costas Vassiliou. „So kann ein Unternehmen oder eine Akademie beispielsweise Kurse für die eigenen Mitarbeiter anbieten und auch Zertifizierungsprüfungen über schooX abwickeln. Dasselbe gilt für Akademien und Schulen, die ihren Schülern solche Kurse frei oder kostenpflichtig bereitstellen können – das ist nicht nur für Fernuniversitäten interessant, sondern für jede Art beruflicher Aus- und Weiterbildung“, erklärt Costas Vassiliou.

Arizona Inn Akademie über schooX

Arizona Inn Akademie über schooX

Das Geschäftsmodell und erste Erfolge

Für Privatpersonen und Mitarbeiter der Unternehmen ist die Anmeldung und Nutzung von schooX kostenlos, dadurch hat die Anwendung bereits eine sehr große Verbreitung. Inzwischen nutzen über 100.000 Mitarbeiter von Unternehmen schooX. Für die Unternehmens- und Expertenfunktionen kann man ein Abonnement erwerben, das abhängig von der Anzahl der Mitarbeiter ist. Inzwischen nutzen über 300 Kunden mit eigenen „Akademien“ schooX. Unternehmen schätzen die Funktionalität vor allem, weil schooX eine einzigartige Kombination aus privaten und sozialen Aspekten auf der einen Seite und eher Unternehmensfunktionen, wie Nutzungsanalyse, systematische Mitarbeiterqualifikation und Zertifizierungen auf der anderen Seite, mitbringt. Diese gehen soweit, dass über schooX ganze Qualifizierungsprogramme durchgeführt werden können, die über ein sogenanntes Kurrikulum, also eine vordefinierte Liste an Fächern und Prüfungen, abgewickelt werden können.

Die Gründer und das Unternehmen

Die vier Gründer kommen aus Thessaloniki und hatten alle bereits viele Jahre Berufserfahrung, bevor sie sich mit schooX selbstständig gemacht haben. Lefteris Ntouanoglou, der auch als erster die Idee hatte und die Geschäfte führt, ist übrigens in Stuttgart aufgewachsen, dann aber nach der Schule nach Thessaloniki zum Studium gewechselt und dort geblieben.

Wie Costas im Rückblick meint, ist die Gründungsgeschichte ein typisches Startup-Märchen: „Nachdem wir beschlossen, das Unternehmen zu gründen und das erste laufende System von schooX hatten, sind wir ins Flugzeug gestiegen und direkt in die USA geflogen, um nach Investoren zu suchen. Zunächst natürlich ins Silicon Valley. Quasi auf dem Rückweg sind wir dann in Austin fündig geworden und haben jetzt eine sehr gute Finanzierung und Zusammenarbeit mit amerikanischen Investoren aus der Restaurant-, Hotel- und Einzelhandelsbranche.“ Die gesamte Software-Entwicklung von schooX findet in Griechenland statt, das Hauptquartier und die Geschäftsentwicklung ist in Austin, Texas. Im Moment konzentrieren sie sich auf die Bereiche Restaurants, Hotels und Einzelhandel, in denen der Bedarf nach kontinuierlicher Weiterbildung und die notwenigen Zertifizierungen im Vordergrund stehen.

Ich wünsche den Gründern noch viel Erfolg und dass das Startup-Märchen so erfreulich weiter geht.

The Huffington Post Post

Griechische Innovation Huffington Post kommt nach Deutschland

Nächste Woche kommt die sagenumwobene, viel diskutierte und umstrittene Huffington Post nach Deutschland. Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach und liegt im Internetzeitalter auf der Hand: Man nehme viele Redakteure, die im Internet recherchieren, Informationen zusammentragen und aus diesen dann neue Beiträge generieren, die sie mit Verweisen auf die Quellen veröffentlichen. Wie bei Online-Redaktionen immer üblicher, vermarktet der Redakteur selbst seine Beiträge über Social Media oder andere Kanäle und beobachtet seinen Erfolg. Wenn er merkt, dass der Beitrag nicht so gut läuft, legt er werbewirksam nach.

Allerdings geht es nicht nur um eine Zusammenführung von News. Die Huffington Post beschäftigt auch eigene Journalisten und Blogger, die vereinzelt oder regelmäßig auch für die Huffington Post schreiben bzw. ihre Beiträge auch dort veröffentlichen. Daher ist die Reaktion der „klassischen“ Medien nicht ganz verständlich:

Der Spiegel:

„Konsequent und Dreist“ (Quelle)

und

„Piraten in Sicht“, (Quelle)

Mathias Döpfner vom Axel Springer Verlag:

„Die Huffington Post [ist] das Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“ (Quelle)

Ich wollte schon immer mal Newsjacking betreiben, also hier mein Beitrag zur Diskussion:

„Die Huffington Post ist eine griechische Innovation“

Tatsächlich wurde die Huffington Post von Arianna Stassinopoulou gegründet, einer Athenerin, die später nach England und die USA gegangen ist und einen gewissen Michael Huffington geheiratet hat. Man könnte sogar sagen, dass es einer der erfolgreichsten griechischen Exits war (Grexit), da die Huffington Post 2011 für 315 Millionen Doller an AOL verkauft wurde

„a merger of visions“

so Arianna Stassinopoulou selbst (Quelle).

Übrigens: Dass die Huffington Post sehr wohl journalistisch tätig ist, zeigt sich beispielsweise darin, dass sie 2012 sogar einen Pulitzer Preis gewonnen hat (Quelle).

Thoughts of a European serial start-up entrepreneur before going to the Silicon Valley

Heute bin ich auf einen Beitrag aufmerksam geworden, der einen Teil der Entwicklung der griechischen Startup-Szene sehr schön aus einer persönlichen Perspektive beschreibt. Dimitris Tsigos ist einer der Gründer von Virtual Trip und von Epignosis, die unter anderem eFront und TalentLMS entwickelt haben.

Besonders gefällt mir, dass Dimitris nicht einfach nur von einer Übertragung des Silicon-Valley-Modells nach Griechenland träumt, sondern von einem eigenen europäischen Modell für Unternehmensgründungen und Startups. Ein Gedanke, über den man sicher auch in Deutschland nachdenken könnte. Hier ein kleiner Auszug:

„Hersonissos is a popular tourist destination in the island of Crete, Greece, almost 30 km from the city of Heraklion where Virtual Trip was created. I remember going there in the late 90s and seen a fast-food called “McDelis”, having exactly the same colors and similar logo to the famous international brand “McDonald’s”. I remember that first it looked ridiculous and then it made me feel sad. Life is too short for not being authentic, for having a copied identity. Cretan Mediterranean diet is supposed to be one of the healthiest in the World, if not the healthiest. How does it make sense to be in the food business in Crete and prefer copying McDonald’s instead of creating your own, authentic brand, taking advantage of the Region’s symbolic capital? It absolutely makes no sense at all, likewise it makes no sense to try to become the “Silicon Valley of Europe” like many European Regions claim to be. They simply follow the “McDelis” way.“

Zum vollständigen Artikel von Dimitris geht’s hierlang.

Thank you Dimitri for this contribution.

 

tradeNOW

Die Renaissance des Tauschhandels

Einst, in der Zeit des prämonetären Zahlungsverkehrs, wurde eine Ware gegen eine andere getauscht. Nach dieser direkten Form des Austauschs von Waren und noch bevor Geld eingeführt wurde, gab es sogenannte „Zwischenmittel“, bestimmte standardisierte Gegenstände wie Werkzeuge, Waffen oder Schmuck, die man gegen Waren tauschen konnte. Die Einführung von Geldmünzen als Zahlungsmittel ist nicht mal 3000 Jahre alt (laut Wikipedia waren es die Lyder im 7. Jahrhundert vor Christus).

In Zeiten und Regionen, in denen viele vieles besitzen, aber Geld eher knapp ist, liegt die Idee eigentlich nahe, wieder auf die traditionellen Mittel des Tauschs zurückzugreifen – nur vielleicht etwas moderner und angepasst an die Zeit.

tradenow_logo

Tauschen statt kaufen

Das griechische Unternehmen tradeNOW hat diesen Gedanken aufgegriffen und eine Internet-Plattform geschaffen, über die Waren zwischen Anbietern unterschiedlicher Waren getauscht werden können. „Wir gehen davon aus, dass Unternehmen und Personen zu viele Sachen besitzen, die sie eigentlich nicht brauchen und gerne gegen etwas tauschen würden, was sie benötigen“, so Yiannis Deliyiannis, einer der Gründer von tradeNOW.

Um am Tauschhandel teilzunehmen, muss man sich einmal auf der Plattform registrieren und kann dann kontinuierlich sein „Angebot“ bzw. seine n „Bedarf“ registrieren. Die Plattform übernimmt die Koordination und bringt potentielle Tauschpartner zusammen. Jetzt beginnt der Bazar, in dem die beiden feilschen können, wenn sie wollen. Einigt man sich über eine Differenz im Wert, wird diese Differenz ebenfalls ohne Geld ausgeglichen und in Handelspunkten (Trade Points) bewertet, die bei anderen Tauschvorgängen genutzt werden können.

tradeNOW_Startseite

Der Deal wird abgeschlossen, indem die Waren entweder über einen Kurier, mit dem tradeNOW zusammenarbeitet, getauscht werden oder man sich in einem tradeNOW-Treffpunkt trifft, beispielsweise einem Café, in dem es dann noch ein Stück Kuchen oder Kaffee aufs Haus gibt.

B2B2C2C – ein kleines Wirtschaftssystem

Im Gespräch mit Yiannis habe ich erfahren, dass hinter tradeNOW mehr als eine einfache Tauschplattform steckt. Im Prinzip handelt sich um ein vollständiges Wirtschaftssystem innerhalb der Plattform. Als eine der ersten Plattformen dieser Art ist sie sowohl für Unternehmen (B2B) als auch für Privatpersonen (C2C ) offen. Außerdem kann natürlich ebenfalls zwischen Privatpersonen und Unternehmen (B2C, C2B) getauscht werden. Aus der Liste der Angebote bzw. des Bedarfs der Nutzer versucht das System automatisiert optimale Tauschpartner zu identifizieren und zusammenzubringen.

Wenn zwischen den Gegenständen, die getauscht werden sollen, eine Wertdifferenz besteht, kann diese über Trade Points ausgeglichen werden. Trade Points können eingekauft, aber nicht wieder zurück in Geld umgewandelt werden. Damit wird Geldwäsche unterbunden. Der Ausgleich der Wertdifferenz durch Trade Points hat den zusätzlichen Effekt, dass alle Handelspartner im System bleiben und weiter tauschen – es will ja schließlich niemand auf seinen Trade Points sitzen bleiben. Die Plattform fungiert dabei in etwa wie eine Zentralbank und sorgt dafür, dass nicht zu viele Trade Points im Umlauf sind. Das erreicht sie, indem Tauschpartner, die zu viele Trade Points haben, höher priorisiert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass sie durch neue Tauschangebote ihre Trade Points schnellwieder loswerden. Im Ansatz ähneln die Trade Points damit den aktuell viel diskutierten Bitcoins, mit dem großen Unterschied, dass Trade Points einen festen Handelswert  haben (ein Trade Point entspricht einem Euro) und somit keiner Spekulation unterliegen.

Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen

Die Idee von tradeNOW ist in einer Zeit in Griechenland entstanden, in der die wirtschaftliche Situation vieler Haushalte sehr kritisch ist, so dass es sehr verständlich ist, dass die Idee zu tauschen statt zu kaufen auf fruchtbaren Boden stößt. Die Idee der Gemeinnützigkeit verfolgt tradeNOW jedoch noch auf einer anderen Ebene: So arbeitet tradeNOW mit zahlreichen gemeinnützigen Organisationen zusammen, denen man beispielsweise sein Trade Points schenken kann oder die über die Plattform zur Finanzierung oder Schenkung von benötigten Gegenständen aufrufen können. Dazu zählen unter anderem die griechische Organisation zum Schutz von Wildtieren Arcturos, die Vereinigung der Hilfsorganisationen für Kinder Mazi gia to paidi, die Hilfsorganisation für Eltern mit krebskranken Kindern Floga sowie Klimaka, eine Organisation, die Personen, die von der Finanzkrise besonders betroffen sind, hilft,  wieder auf die Beine zu kommen.

Die Unternehmer

Die vier griechischen Unternehmer Yiannis Deliyiannis, Michalis Pitsikalis, Giorgos Karamanoglou und Marianthe Stavridou haben tradeNOW 2012 mit eigenem Kapital und viel Einsatz gegründet. Anfang 2013 haben sie die erste private Betaphase erfolgreich durchgeführt und sind nun seit März 2013 in Griechenland online. Ihr Ansatz stößt dabei auf sehr großes Interesse. Obwohl tradeNOW erst wenige Monate aktiv ist, haben bereits über 30 Zeitungen und 2 Sender über das Unternehmen in Griechenland berichtet. Diese frühe Aufmerksamkeit hat ihnen auch geholfen, sehr schnell über 12.000 Einzelmitglieder und 200 Unternehmen auf die Plattform zu bringen.

Trade Now team

Aktuell sind die Unternehmer in Gesprächen mit potentiellen strategischen Investoren und haben das Ziel, 2014 in 2 weitere Länder zu expandieren, vermutlich erst in Süd-Ost-Europa, aber warum nicht auch nach Deutschland?

„Während in den USA B2B- und C2C-Tauschplattformen bereits erfolgreich sind, gibt es noch kaum vergleichbare Ansätze in Europa. Dazu kommt, dass wir mit tradeNOW ein erweitertes Geschäftsmodell im Vergleich zu den amerikanischen Ansätzen haben, das sowohl Konsumenten als auch Unternehmen anspricht“, so Yiannis über die Aussichten.

Das Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell basiert übrigens im Wesentlichen auf Abonnements, also Monats- bzw. Jahresbeiträgen. Für Einzeltransaktionen kann man jedoch auch provisionsbasiert abrechnen. Ende 2013 kommt auch die App raus, so dass man von unterwegs die aktuellen Transaktionen beobachten und begleiten kann.

Nach der Flohmarkt-Welle mit eBay kommt ja vielleicht bald die Tauschwelle mit tradeNOW. Ich bin gespannt.

Große Unternehmer aus Griechenland kommen zu Wort

Die FAZ berichtet über „Die griechische Utopie. Gegen das Griechenland-Bashing“

Manche Sachen gehen runter wie Öl. Seit knapp 10 Monaten betreibe ich dieses Blog, weil ich es leid war, mir jeden Morgen die nächste Negativmeldung über Griechenland anzuhören. Dieses völlig undifferenzierte Bild hat sich inzwischen auch etwas gebessert und für 5-6 Monate hörte man eigentlich gar nichts mehr (was ich schon mal als positiv empfunden habe). 1-2 Monate vor der Wahl krochen wieder die Populisten aus ihren Löchern, um doch noch den einen oder anderen ängstlichen deutschen Wähler für sich zu gewinnen.

Ich freue mich daher umso mehr über den Beitrag in der FAZ vom 17.09.2013 von Frank Schirrmacher und Dirk Schümer, die in einem Interview einige der größten griechischen Unternehmer zu Wort kommen lassen – und das ein paar Tage vor der Wahl!

Wem der Beitrag zu lang ist, hier ein paar Highlights:

Achilles V. Constantakopoulos, (Temes S. A.,  Costa Navarino):

“Wenn jedes griechische Unternehmen ein oder zwei weitere Beschäftigte einstellte, wären wir aus der Sache heraus.“

Marco Veremis (Upstream):

„Wir gründeten das Unternehmen hier, weil wir wussten, dass Griechenland im Technologiebereich eine recht hohe Qualität vorzuweisen hat.“

Yiannis Retsos (Electra Hotels and Resorts):

“Heute hat der private Sektor eine Vision. Demnach soll Griechenland in acht Jahren, nach der Zahl der Gäste und der Höhe der Einnahmen zu den zehn wichtigsten Tourismusländern gehören.“

Aris Kefalogiannis (Gaea):

„Die Stiftung Warentest hat zweimal innerhalb von fünf Jahren in deutschen Supermärkten angebotenes Olivenöl getestet, und beide Male waren wir das beste abgefüllte Olivenöl auf dem deutschen Markt.“

Yiannis Olympios (V+O Communications):

“Diese Regierung hat viel Zeit und Energie darauf verwendet, ernsthafte, langfristig orientierte Investoren mit geduldigem Kapital zu Investitionen zu bewegen. Erste Anzeichen sind zu erkennen, und ich bin sicher, es wird weitergehen.“

Stellios Boutaris (Kir-Yianni, Boutari):

„Heute haben wir ehrgeizige junge Landwirte, die wirklich etwas von ihren Erzeugnissen verstehen.“

Angelos Stergiou (Sellas Life Science Group):

“In Griechenland dreht sich nicht alles nur um Tourismus und Reedereien.[…] Griechenland kann sich als spezieller Markt für Medizin- und Forschungsexpertise positionieren.[…] Die Bevölkerung hat einen hohen Bildungsstand, mit einem Schwerpunkt auf Mathematik und Naturwissenschaften.

Vielen Dank an Frank Schirrmacher und Dirk Schümer. Und vielen Dank an die sieben Unternehmer. Mögen viele weitere Beiträge dieser Art folgen!

Grexit #1: Bugsense

Die meisten Startups haben als schnell wachsendes Technologieunternehmen zwei mögliche Ziele im Auge: Entweder es wird so groß, dass es einen Börsengang schafft, oder es wird groß und relevant genug, um von einem anderen Börsenunternehmen übernommen zu werden (ein „Exit“). Seit gestern ist es offiziell: Bugsense, eines der ersten griechischen  Startup-Unternehmen, das ich auf Eulen aus Athen vorgestellt habe, wurde erfolgreich vom börsennotierten Unternehmen Splunk akquiriert.

Herzlichen Glückwunsch Panos und John!

Bugsense Startseite

Die Neuigkeiten über den Exit verbreiteten sich gestern wie ein Flächenbrand durch die griechischen sozialen Medien. Man spürt geradezu den Ruck, den dieser Erfolg in der Szene verursacht hat.

Die beiden Gründer von Bugsense, Panos Papadopoulos und John Vlachoyiannis, sind sowieso schon sehr aktive Unterstützer anderer Unternehmer und stehen vielen Startups in Griechenland mit Rat und Tat zur Seite. Unter anderem haben sie auch die Initiative zerofund gestartet, über die ich ja schon berichtet habe. Ich bin daher sicher, dass der Exit von Bugsense der griechischen Startup-Szene nochmal einen ganz neuen Schub verleihen wird.

bugsense_logo

Bei der Gelegenheit möchte ich noch erwähnen, dass Bugsense einer der meistgesuchten auf meinem Blog war. Vielleicht ist es Zeit für einen Eulen-Aus-Athen-Index für baldige Börsengänge oder Akquisitionen 😉

Ich freue mich damit endlich dem Unwort Grexit eine neue Konnotation geben zu können und begründe damit gleich mal eine neue Serie. Mögen der nächste Grexit kommen.

Weitere Infos zur Akquisition von Bugsense durch Splunk auf Englisch findet man hier:

Micro2Gen

Molekulardiagnose in wenigen Minuten

Wenn zu einem Krankheitsbild viele mögliche Ursachen in Frage kommen, dann passiert es leider viel zu häufig, dass falsch diagnostiziert wird. Besonders, wenn es umständlich und zeitaufwändig ist, die Ursache festzustellen. So ist das beispielsweise bei Zöliakie und die betrifft immerhin 1% aller Europäer. Bei Zöliakie entstehen Schmerzen durch die Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, dem in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweiß.

micro2gen-Startseite

Ähnlich wie Zöliakie gibt es viele Krankheitsbilder, die unter anderem auf genetische Ursachen zurückzuführt werden können. Eine schnelle Untersuchung und dann noch nach unterschiedlichen potentiellen genetischen Ursachen ist heutzutage nur aufwändig und im Labor möglich.

Ein ganzes Labor auf einem Chip

In den letzten Jahren beschäftigen sich immer mehr Forschungseinrichtungen mit dem Thema, wie man beispielsweise Blutanalysen vor Ort, schnell und ohne externe Labore durchführen kann. Allerdings verlässt das Thema die Forschung noch selten. Die beiden griechischen Unternehmer Thanos Demiris und Spyros Blionas haben es gewagt und 2007 ihr Unternehmen Micro2Gen in Athen gegründet. Das Ziel von Micro2Gen ist es, eine Apparatur zu bauen, mit der man in jeder Praxis Blutuntersuchungen direkt vor Ort machen kann.

micro2gen-Prototyp

Beide griechischen Gründer kommen aus der medizinischen Informatik und haben viele Jahre Berufserfahrung in dem Bereich. Nach jahrelanger Forschung steht nun auch ein erster Prototyp, mit dem man solche Untersuchungen machen kann.

micro2gen-SW-Flow-Analysis

Sie spezialisieren sich dabei nicht, wie man zunächst annehmen würde, auf die Chips selbst, sondern auf den technischen Mechanismus, mit dem man mehrere solcher Chips systematisch und kombiniert nutzen kann. Die Chips werden in Zusammenarbeit mit strategischen Partnern in Spanien und Deutschland entworfen und produziert. Finanziert haben sich die beiden Gründer von Micro2Gen über mehrere europäische Forschungsprojekte sowie viel Eigeninvestition. Das Ergebnis: eine ganze Reihe an Patenten im Bereich der Flusskontrolle (Flow-Control) bei den Analysen.

Das Geschäftsmodell: Nespresso für Ärzte

Obwohl ich aus der „Technik“ komme, war es auch für mich nicht ganz einfach zu verstehen, was sie eigentlich genau machen. Thanos Demiris erklärte mir das so: Das System könnten man als Nespresso für Ärzte bezeichnen – nur wesentlich komplexer. Die Apparatur wird mit unterschiedlichen Chips bestückt und es wird ein Tropfen Blut dazugegeben. Das System übernimmt dann die Einzelprüfungen über die konfigurierten Chips und gibt nach einer oder zwei Stunden das Ergebnis aus.

Zukünftige Entwicklung

Noch finanziert sich Micro2Gen vorrangig über Dienstleistungen im Bereich medizinische Informatik mit Kunden in Deutschland, Spanien, aber auch Griechenland. Ihre Vision, ein Labor auf einem Chip zu bauen, verlieren sie dabei nie aus den Augen. Der aktuelle Prototyp ist ungefähr so groß wie ein handelsüblicher Drucker und kann bereits bestimmte Prüfungen beispielsweise für Zöliakie durchführen. Laut Thanos Demiris werden sie jedoch noch 3-4 Jahre Forschung und Entwicklung benötigen, bevor das Produkt marktreif ist.

Thanos Demiris war übrigens mit mir auf der Deutschen Schule Athen (einer der Klassenbesten) und spricht sehr gut Deutsch, da er auch in Heidelberg medizinische Informatik studiert hat. Ich freue mich daher doppelt, dass er das Risiko eingegangen ist, in Griechenland ein Unternehmen mitzugründen. Das Risiko hat sich gelohnt, das Unternehmen hat inzwischen 10 Mitarbeiter.

Ich wünsche den beiden noch viel Erfolg.