Zorba the Entrepreneur

Über Rebranding und soziales Unternehmertum

Zorba the EntrepreneurEs ist ein seltenes Phänomen, wenn eine fiktive Person aus einem Roman – und vor allem aus einem Film – das Bild eines ganzen Landes so sehr prägt, wie es vielleicht ein paar tausend Jahre Geschichte nicht können. So geschah es mit Alexis Zorbas, der Titelfigur aus dem gleichnamigen Buch von Nikos Kazantzakis, das 1946 erschien und 1964 mit Anthony Quinn verfilmt wurde. Besonders durch den Film ist Alexis Zorbas zum Sinnbild des Griechen geworden, der tanzende Lebemann, den Millionen Touristen Jahr für Jahr auf den griechischen Inseln gesucht haben und in jedem Griechen im Ausland vermeindlich wiederentdeckten.

Was an Klischee kaum noch zu übertreffen ist, aber dennoch jahrelang wohltuend für die Wirtschaft in Griechenland war, wurde mit der internationalen Finanzkriese zum echten Problem. Wie Peter Economidis schon vor zwei Jahren treffend formulierte, wurde der dionysische Lebemann Zorbas, den die Touristen im Urlaub, verkörpert durch Kostas, Yiannis, Nikos oder Giorgos, liebten (auch wenn er ab und zu den Kaffee vielleicht etwas zu teuer verkaufte) plötzlich zum Sinnbild des griechischen Betrügers und Faulenzers. Econimides nannte es, aus Marketingsicht, ein echtes Branding-Problem für ganz Griechenland.

Diese Entwicklung im Kopf, habe ich mich riesig gefreut, als ich von einer Initiative hörte, die den schillernden Namen „Zorba the Entrepreneur“ trägt. Mit dem Image des Griechen-Zorbas spielend geht es um nicht mehr und nicht weniger, als zur Image-Änderung eines ganzen Landes beizutragen, aber eben auch gleichzeitig darum, ein Unternehmen zu schaffen und soziales Unternehmertum zu unterstützen.

Hinter Zorba the Entrepreneur stecken Stathis Kassios, ein Grieche, der nach seinem Studium in Schweden mitten in der Krise zurück nach Griechenland kam, und Sheridan Tatsuno, ein Silicon-Valley-Unternehmer, Drehbuchautor und Philhellene. Wie mir Stathis erklärt, besteht die Initiative aus drei Teilen: „Sheridan Tatsuno schreibt gerade ein Drehbuch, das die fiktive Geschichte eines Diaspora-Griechen erzählt, der zurück nach Griechenland kommt, um ein Unternehmen zu gründen“. Das Thema ist als Transmedia-Projekt aufgesetzt, soll also die Geschichte über unterschiedliche Medienarten erzählen, vom Film über Soziale Medien und sogar Spiele. Hieraus soll sich ein Netzwerk aus Personen, Unternehmen und Initiativen entwickeln, die die positiven Bilder und Botschaften des neuen Unternehmertums transportieren.

Hellene_Landingpage

„Neben dem Netzwerk und der Botschaft in Zorba the Entrepreneur gibt es eine zweite Säule der Initiative, die um das Thema soziales Unternehmertum und Erzeugung neuer Jobs kreist“, so Stathis weiter. „Unter dem Namen Hellene soll eine Plattform entstehen, die Produkte und Dienstleistungen aus Griechenland positioniert und vermarktet und damit direkt zur Reduktion der Arbeitslosigkeit von Künstlern, Kunstwerkstätten, Handwerkern etc. beiträgt“. Als E-Commerce-Plattform konzipiert soll sie die zentrale Anlaufstelle für Kleinkunst, Handwerk und Kunsthandel aus Griechenland werden. Damit hat sie das Potential, selbst dem kleinsten Teilnehmer persönlich zu helfen, damit auch der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und das „neue unternehmerische Griechenland“ als Gesamtsystem zu fördern.

Im Moment arbeiten Stathis und Sheridan noch im Bootstrapping-Modus, bereiten also die Bestandteile der Initiative mit eigenen Mitteln und mit ihrem Netzwerk vor. In einigen Monaten wollen sie dann über ein Crowdfunding das Fundament setzen und sukzessive über weitere Beteiligte und Investoren die Initiative zu einem Gesamtunternehmen ausbauen.

Ich persönlich finde die Initiative höchst spannend, da sie weit über die Gründung eines Unternehmens hinausgeht und das Unternehmertum mit einer starken sozialen Komponente und Imagekampagne für das ganze Land kombiniert. Nach dem Lebemann und dem Betrüger wird eine neue Inkarnation von Zorbas geschaffen: die des Unternehmers.

Das passt perfekt in die Motivation von mir und diesem Blog. Ich unterstütze Zorbas the Entrepreneur und Hellene gerne und werde sicher noch ein paar Mal über die Entwicklung berichten.

Liebe Frau Dr. Merkel,

wie ich heute über die sozialen Medien und diverse Artikel in griechischen Online-Zeitschriften erfahren habe, war Ihr Besuch in Griechenland und vor allem ihr Gespräch mit den griechischen Startups ein voller Erfolg. Ein tolles Zeichen dafür ist, dass beispielsweise das EMEA-Portal, das sehr viel über Unternehmertum und Startups in Griechenland berichtet, Sie als „Cool Merkel“ bezeichnet (siehe hier) – ein schöner Titel, der Annäherung und Verständigung verheißt.

Ich bin mir sicher, Sie hatten einige sehr interessante Gespräche; die Liste der Startups, die an dem Meeting teilgenommen haben, ist jedenfalls sehr beeindruckend. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht ganz einfach war, sich alle Ideen, Unternehmen und vor allem auch die Namen der Gründer zu merken. Daher habe ich für Sie hier die Liste der Teilnehmer zusammengestellt. Einige von ihnen habe ich zu deutschsprachigen Artikeln von mir verlinkt, über die Sie einen detaillierteren Einblick in die Technologien erhalten.

Ich hoffe, die Informationen sind für Sie hilfreich und vielleicht interessiert Sie ja als Wissenschaftlerin auch das eine oder andere Thema oder Unternehmen besonders.

Über eine Rückmeldung oder einen Kommentar im Blog würde ich mich natürlich außerordentlich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wassilios Kazakos

Liste der Teilnehmer mit Verlinkung auf die Artikel, die bereits auf Deutsch vorliegen:

  • Nikos Moraitakis: Workable.
  • Vassilis Stoidis: 7Layers.
  • Kostas Mauroskotis: Food Wealth.
  • Jiannis Papadakis: Pollfish.
  • Aggeliki Papagiannopoulou: Offerial.
  • Dimitris Memos: Marine Traffic.
  • Nikolaos Nanas: Noowit.
  • Anthia Vlassopoulou: Athens Insiders.
  • Vassilis Nikolopoulos: Intelen.
  • Giannis Doxaras: Warply.
  • Andreas Fatouros: Clio Muse.
  • Thanos Papageorgiou: Truck Bird.
  • Stelios Bolanos: Planetek Hellas.
  • Christos Chatziapostolakis: Captainwise.
  • Alexandros Melis: Sponsor Boat.
  • Giorgos Balas: Arura Foods.
  • Giorgos Gatos: Incrediblue.
  • Thanos Kosmidis: Care Across.
  • Thomas Douzis: Ergon Products.
  • Konstantinos Kazanis: Intale.

Das Griechenland der Startups

Griechenland-BlogVon einem Freund und Blog-Follower (übrigens ein Deutscher, der in Griechenland lebt und arbeitet) bin ich heute auf einen Beitrag aufmerksam gemacht worden, den ich euch nicht vorenthalten wollte. Das Griechenland-Blog ist ein Blog, das seit 2009 kontinuierlich aus Griechenland und über Griechenland auf Deutsch berichtet. Es greift dabei auf aktuelle Nachrichten und Meldungen zurück oder kommentiert selbst das Geschehen in Griechenland im Allgemeinen. Immer auf Deutsch. Wie auch die Griechenland-Zeitung richtet es sich an die vielen tausend Deutschen, die in Griechenland leben und arbeiten, und an alle Deutschsprachigen weltweit, die wissen wollen, was in Griechenland gerade los ist.

Mit dem heutigen Beitrag „Das Griechenland der Startups“ fasst es die Themen zusammen, die in den letzten Wochen und Monaten durch die griechischen Zeitungen gegangen sind. Das Thema Startups ist dort sehr heiß und wie ihr ja von mir wisst, passiert dort einiges, was auch über Griechenland hinaus interessant ist. Im konkreten Beitrag werden unter anderem auch die aus diesem Blog bekannten Startups Workable, Taxibeat und Bugsense genannt.

Hier gehts zum Beitrag: http://www.griechenland-blog.gr/2014/03/das-griechenland-der-startups/100493/

Der Titel des Beitrags hätte auch von mir kommen können. Es gibt viel zu berichten und ich freue mich, wenn die Special-Interest-Themen meines Blogs in breiteren deutschsprachigen Medien ihren Platz finden.

Danke an das Griechenland-Blog für die Nennung von Eulen aus Athen als eine der Quellen.

Peekintoo

Der Paradigmenwechsel in den Sozialen Netzwerken wird eingeläutet

Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn, Xing und selbst neuere wie Vine, Whatsapp, Snapchat und viele andere folgen alle demselben Grundprinzip: Sie basieren auf einer direkten und persönlichen Verknüpfung juristischer oder echter Personen. Man folgt sich gegenseitig und gibt möglichst viel über sich, seine Präferenzen, seine Meinung und seine Umgebung preis, um den Kreis der Gefolgschaft zu erhöhen. Man könnte auch von Vanity-Netzwerken sprechen, in denen man sich gegenseitig huldigt und durch „Likes“ persönliche Gefälligkeiten verteilt. In Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen fragen, ob sie als Person wirklich alles von sich preisgeben wollen, ergibt sich ein Dilemma: Kann es eine anonyme und doch gleichzeitig öffentliche soziale Interaktion im Netz geben? Kann man überhaupt noch von einem sozialen Netzwerk sprechen, wenn das Netz nicht mehr über die direkte Beziehung zwischen Personen gespannt wird? Was sich wie ein Paradox anhört, versucht das griechische Unternehmen Peekintoo gerade zu lösen. Mit beachtlichen ersten Erfolgen.

Peekintoo_Startseite

Ein Ort verbindet

En wichtiger Treiber für soziale Interaktion ist Sympathie und etwas gemeinsam Erlebtes. Aber oft will man als soziales Wesen auch einfach nur helfen. Wenn die persönliche Bekanntschaft oder Sympathie aus Gründen der Anonymität als verbindendes Element wegfällt, benötigt man einen anderen Verbinder, um überhaupt von einem Netzwerk sprechen zu können. Die drei Gründer von Peekintoo, Yiannis Verginadis, Fotis Paraskevopoulos und Giorgos Tsoukalas, haben sich für das Naheliegende entschieden: Der Ort sowie der Wunsch zu helfen sind bei Peekintoo die verbindenden Elemente. Und wenn man sich das mal genau überlegt, ist der Ort ein extrem guter Verbinder zwischen Menschen: Wir lernen Menschen in Orten kennen, verbinden Erinnerungen mit Orten, wir reisen zu Orten, wir wollen mehr über sie wissen, wir hören von Orten, wir haben Sehnsucht nach Orten, wir freuen oder ärgern uns über Orte, an denen wir gerade sind, wir sind stolz auf unseren Ort und vielleicht träumen wir auch von Orten, an denen wir noch nie waren.

Das Prinzip Peekintoo

Peekintoo (eigentlich „peek into“), also Englisch für „einen kurzer Einblick in etwas erhalten“ oder auch „kurz reinschauen“) ist eine App, die einem kurze Einblicke in die aktuelle Situation in einem Ort seiner Wahl ermöglicht. Peekintoo funktioniert so, dass man über die Karte einen Punkt auswählt und damit den Wunsch äußert, etwas über diesen Ort zu erfahren. Beispiele können Konzerte, Events, Versammlungen oder auch einfach nur touristisches Interesse oder Neugier sein. Ist ein anderer Teilnehmer in der Nähe des gewählten Orts, bekommt er eine Meldung und kann mit der App einen 12 Sekunden langen Film drehen und zusammen mit einem Kommentar veröffentlichen. Keiner der beiden Teilnehmer erfährt voneinander – und Peekintoo auch nicht. Darüber hinaus kann man auch sogenannte Peekshouts absetzen. Wenn man der Welt etwas über den aktuellen Ort zeigen will, einfach den Peek-Knopf etwas länger gedrückt lassen, einen Minifilm drehen und veröffentlichen. Vielleicht interessiert es ja jemanden da draußen, was gerade bei dir los ist.

Reisefieber und die Faszination des Vergänglichen

Ich habe ein bisschen mit der App herumgespielt und mich hat gleich das Reisefieber gepackt. So habe ich mir Peeks in Barcelona vom MWC 2014 angeschaut, bin dann 12 Sekunden durch San Francisco gelaufen und habe mich in eine Faschingsparty in Kalamata gestürzt, um dann zum Abschied noch einen Blick über die Skyline von Hong Kong zu genießen. Letztes Wochenende habe ich selbst meinen ersten Peek abgesetzt, als ich auf Anfrage ein Filmchen von der Lichtentaler-Allee in Baden-Baden vor dem Frieder Burda Museum „gedreht“ habe.

Was einen Teil der Faszination ausmacht, ist, dass alle Videos nur für zwei Stunden zur Verfügung stehen und dann wieder verschwinden. Allerdings kann ihr Leben so lange verlängert werden, wie sich andere für sie interessieren, bis sie irgendwann nicht mehr interessant sind und endgültig von der Plattform entfernt werden – für mich ist Peekintoo fast schon ein Kunstwerk, eine Allegorie für die Schönheit des Moments, aber auch für dessen Vergänglichkeit.

Das Unternehmen und das Geschäftsmodell

Peekintoo ist eine ganz junge Ausgründung aus der Universität Athen. Das Produkt steht in der ersten Version und wurde von Peekintoo ohne Fremdfinanzierung umgesetzt. Im Moment touren die drei griechischen Gründer durch die Lande, um ihre Idee vorzustellen und Meinungen und Ideen zu sammeln. „Der offizielle Start war am 10.12.2013 auf der Konferenz Le Web in Paris. Von den 700 teilnehmenden Startups sind wir bei der Competition gleich unter die 16 Finalisten gekommen, was uns in unserem Ansatz natürlich sehr bestärkt hat“, so Yiannis Verginiadis.

Hier der Vortrag von zwei der drei Gründer auf der Le Web 2013:

Ende Februar waren sie dann noch auf dem MWC 2014 in Barcelona und letzte Woche auf der Konferenz South by Southwest. Ihre Peeks zu den Events kann man übrigens auf Peekintoo ansehen.

Bei aller Schönheit der Idee steckt hinter Peekintoo natürlich auch ein Geschäftsmodell. „Durch die Anonymität und die Entkopplung von persönlichen Beziehungen müssen die üblichen Geschäftsmodelle von sozialen Netzwerken nicht wegfallen“, sagt Yiannis Verginadis. „Sponsoring und Werbung funktioniert auch, ohne die Namen und privaten Details der Benutzer zu kennen“, so Yiannis weiter. Mittelfristig wollen die Unternehmer gezielt gesponserte Peeks versenden, z. B. von Unternehmen, die mit einem bestimmten Ort in Verbindung gebracht werden möchten, oder ein Angebot für einen Ort oder eine Reise dorthin unterbreiten wollen. Darüber hinaus ist Peekintoo auch eine interessante Möglichkeit für Events, sich zu präsentieren und über die 2 Stunden hinaus die Peeks zu einem Event am Leben zu halten – Lebenszeit ist also doch käuflich. „In der Testphase Ende 2013 haben wir beispielsweise den Athen Marathon begleitet und die Peeks, die dort entstanden sind, sind heute noch zu sehen“, erklärt Yannis.

Erste Peeks tauchen auch schon in Deutschland auf und vielleicht informiert man sich in Zukunft über musikalische, sportliche oder auch politische Ereignisse ja nicht nur über die klassischen Medien, sondern indem man einfach mal bei Peekintoo reinschaut, um ein Gefühl für die Situation vor Ort zu bekommen.

Ich wünsche den Gründern viel Erfolg und Peekintoo ein langes Leben mit vielen spannenden Momenten. Sicher werde ich auch weiterhin hier und da Peeks absetzen oder mir selbst anschauen.

Aufbruchsstimmung in der „Digitalen Welt“

Einige „Eulen aus Athen“ in der Zeitschrift „Digitale Welt“

Letzte Woche kam die erste Ausgabe der Zeitschrift „Digitale Welt“ heraus. Es ist eine neue Zeitschrift, die in Kooperation mit der Gesellschaft für Informatik erscheint, quasi dem Dachverband der Informatiker in Deutschland mit ca. 20.000 Mitgliedern. Sie wird an die Mitglieder verschickt, kann aber auch am Kiosk gekauft werden.

Besonders freut mich, dass es in dieser historischen Erstausgabe mein Beitrag zu Startups aus Griechenland auf die Titelseite geschafft hat. Mir ist es nicht leicht gefallen, eine Auswahl zu treffen, da ich inzwischen auch das ganze Heft hätte füllen können. Also habe ich mich, nach einem Schnelldurchlauf durch die Szene, auf vier Startups konzentriert, die für die Leser hoffentlich auch unter dem Gesichtspunkt der Informationstechnologie interessant sind:

  • NOOWIT – das personalisierte Magazin
  • Jupitee – Apps für Jedermann
  • Fleksy – Intelligente Tastaturen
  • Intelen – Energieeffiziente Gebäude

Genannt werden noch Taxibeat, tradeNOW und i-kiosk.

Einen gewissen Charme hat der Anachronismus: Die „Digitale Welt“ erscheint nur analog (also auf Papier).

Viel Spaß bei der Lektüre!

#MWC14 – Challenge accepted!

logoCHALLENGE-ACCEPTED3Was letztes Jahr noch als Experiment begann (siehe auch hier), wird dieses Jahr in Barcelona seine Spuren hinterlassen. Mit einem 15-köpfigen Team, 8 Monaten Vorbereitung, einer Radiosendung und fast 40 Unternehmen präsentiert sich Griechenland auf dem größten Kongress für mobile Anwendungen, dem Mobile World Congress 2014 (Twitter Hashtag #MWC14).

Neue Rolle im Markt der mobilen Anwendungen

Koordinator der Initiative ist Vagelis Antoniadis, Geschäftsführer des Unternehmens Cytech und Vorsitzender des Verbands mobiler Anwendungsentwicklungsunternehmen in Griechenland (HAMAC). „Griechenland hat schon seit vielen Jahren hervorragende Unternehmen im Bereich der mobilen Anwendungen“, sagt Vagelis Antoniadis im Gespräch. „Unser Ziel auf dem MWC 2014 ist es zu zeigen, dass Griechenland auch eine herausragende Rolle im internationalen Markt für mobile Anwendungen spielen kann“ so Vagelis weiter. „Wir sind vielleicht nicht der größte Player, aber eben auch nicht der kleinste – daher auch das Motto des griechischen Pavillons: Challenge accepted“.

Auch viele Startups

startupGRmwcNeben etablierten Unternehmen, wie Upstream, Singular Logic und das aus diesem Blog bekannte Vidavo, sind auch viele Startups auf dem Stand. So hat beispielsweise Jupitee wieder die offizielle App zum griechischen Pavillon über ihren App-Generator bereitgestellt (die App gibt es hier für Android und iPhones).Die Liste der teilnehmenden Startups findet sich hier: http://mwc.hamac.gr/startups-at-mwc14/

 

Eigenes Radio

Greece_at_mwc_webradio1Besonders stolz sind die Organisatoren auch darauf, dass das offizielle Tech Talk Radio von WIPJam, das quasi den ganzen Kongress über live über Webradio berichtet, seine Zentrale im griechischen Pavillon hat.

Siehe auch: http://mwc.hamac.gr/webradio/

Ich habe das Gefühl, dass man dieses Jahr die ganze Zeit im griechischen Pavillon verbringen könnte, ohne sich zu langweilen. Wer in Barcelona ist, sollte auf jeden Fall vorbei gehen und auch die „Taste the greek spirit party“ nicht verpassen. Hier geht’s zur Anmeldung: http://mwc.hamac.gr/join-the-taste-the-greek-spirit-party/.

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Discoveroom

Wiederentdeckung des Besonderen im Urlaub

Mein Großvater stammt aus einem kleinen Ort mit dem Namen Dimitsana im Zentrum von Arkadien. Auf tausend Metern über dem Meeresspiegel hat dieser Ort schon alles miterlebt: In der Antike hieß der Ort noch Teuthis und deren Bewohner haben im trojanischen Krieg gekämpft. Zu Zeiten des römischen Reiches (Byzanz) war Dimitsana ein Ort des Handels und der Klöster, die teilweise bis heute erhalten sind.  Während der osmanischen Herrschaft war der Ort abgelegen genug, um als Zentrum für Lehrer und orthodoxe Priester zu fungieren (mein Urgroßvater war tatsächlich Priester und Gregor der V., einst Patriarch von Konstantinopel stammt ebenfalls aus Dimitsana). Während der griechischen Revolution im 19. Jahrhundert wurde Dimitsana berühmt für die Dynamitherstellung. Danach fing die Landflucht in Arkadien an und als ich Anfang der 1980er Jahre zum ersten Mal selbst in Dimitsana war,  war der Ort wie ausgestorben. Eine steinerne Stadt mitten in den Bergen mit wenigen bewohnten Häusern und vielen Ruinen in einer unvergleichbar malerischen Landschaft – Arkadien eben.

Im Zentrum dieses Ortes steht das Gasthaus Kazakos,  das mit seinen fünf Zimmern im 19. Jahrhundert die Villa der Familie Kazakos war (soweit ich weiß, nicht direkt verwandt) und später eine Grundschule. Warum erzähl ich das alles? Jeder weiß, dass es solche Orte und Hotels gibt und viele wollen genau so etwas im Urlaub finden: Orte mit einer besonderen Tradition und Gasthäuser, die ihre eigene Geschichte erzählen. Versucht man, solche Hotels über Internetportale wie HRS oder Bookings.com zu finden, hat man meistens keine Chance. Inzwischen weiß ich auch, warum.Discoveroom_Startseite

Das Problem: Zu viel Technik, zu hohe Provisionen

Ich weiß nicht, wie das Gasthaus Kazakos das Thema angeht, aber im Gespräch mit Nikos Anagnostou, dem Gründer von Discoveroom, ist mir klar geworden, wo das Problem liegt: „Traditionelle Gasthäuser mit wenig Zimmern fliegen unter dem Radar der großen Computerreservierungssysteme (CRS) oder globalen Distributionssystemen (GDS). Hotels mit 5, 10 oder 20 Zimmern passen nicht in die großen Buchungsinfrastrukturen“. Ich wusste beispielsweise nicht, dass der Großteil aller Buchungen weltweit über die vier großen CRS Amadeus, Galileo, Sabre und Worldspan abgewickelt werden. Dazu kommen Internet-Buchungsseiten wie HRS.com oder Booking.com, die selbst wieder auf die vier Großen zugreifen und um eigene Angebote ergänzen. Für ein kleines Gasthaus ist die Präsenz in diesen internationalen Netzwerken ein Technik-Albtraum. Selbst wenn es die Technik-Hürde überwindet, kostet sie auch noch einen Haufen Geld: Wer will schon 20, 30 oder mehr Prozent seines Umsatzes abgeben, wenn er gerade mal von seinen 5 Zimmer lebt? Das erklärt auch, warum man bei den Buchungsportalen vor allem große Hotels und Ketten findet.

Kostenloses Rundum-Sorglos-Paket für kleine Hotels und Gasthäuser

Das griechische Startup Discoveroom ist angetreten, um eine vollständige Lösung für kleine Hotels und Gasthäuser anzubieten. „Die Grundidee ist, die Hoteliers dort abzuholen, wo sie sind, ihnen also zunächst eine einfach zu bedienende Anwendung anzubieten, über die sie ihre Zimmer verwalten können.“ Die Anwendung ist über Web und über Tablets nutzbar. Da sie kostenlos ist, können Hoteliers damit einfach wie gehabt ihre Reservierungen ablegen und nach freien Zimmern suchen, wenn jemand anruft, etc. Der zweite Teil des Angebots ist ebenfalls kostenlos:  Über das Portal von Discoveroom werden alle beteiligten Hotels gelistet und man kann nach ihnen suchen. Falls gewünscht, kann auch die Buchungen und Abrechnung über Discoveroom durchgeführt werden. Außerdem bietet Discoveroom ein kleines Widget an, das der Hotelbesitzer auf seiner Webseite einbinden kann.

„Das Ziel von Discoveroom ist, den kompletten Prozess im Internet abzubilden, aber nicht aus der Sicht von Reiseportalen, sondern aus der Perspektive der Hoteliers“, so Nikos Anagnostou weiter.

Der Unternehmer und nächste Schritte

Ich habe Nikos Anagnostou vor ein paar Monaten persönlich in Athen kennengelernt. Schon mit seinen 15 Jahren Erfahrung als Berater und Projektleiter bei Oracle und mehreren Jahren als Selbständiger im Bereich der IT-Services fällt er aus dem Rahmen des klassischen Startup-Jungstars. Seine Erfahrung hilft ihm auch, seine Idee systematisch zu verwirklichen. Seit Sommer 2013 arbeitet er nun an Discoveroom und hat eine erste Finanzierung durch den griechischen Open Fund II erhalten. Im Moment läuft die Anwendung in Private Beta, also ist noch nicht für die Öffentlichkeit verfügbar. Aber spätestens zur Sommersaison soll es losgehen.

Dem Erhalt des individuellen und regionalen Charmes von Gasthäusern wird Discoveroom sicher helfen und vielleicht kann man ja in ein paar Jahren auch regionale und besondere Gasthäuser in Usedom oder Wolin, der Heimat meines zweiten Großvaters, über Discoveroom finden und buchen. Ich würde mich freuen.