Discoveroom

Wiederentdeckung des Besonderen im Urlaub

Mein Großvater stammt aus einem kleinen Ort mit dem Namen Dimitsana im Zentrum von Arkadien. Auf tausend Metern über dem Meeresspiegel hat dieser Ort schon alles miterlebt: In der Antike hieß der Ort noch Teuthis und deren Bewohner haben im trojanischen Krieg gekämpft. Zu Zeiten des römischen Reiches (Byzanz) war Dimitsana ein Ort des Handels und der Klöster, die teilweise bis heute erhalten sind.  Während der osmanischen Herrschaft war der Ort abgelegen genug, um als Zentrum für Lehrer und orthodoxe Priester zu fungieren (mein Urgroßvater war tatsächlich Priester und Gregor der V., einst Patriarch von Konstantinopel stammt ebenfalls aus Dimitsana). Während der griechischen Revolution im 19. Jahrhundert wurde Dimitsana berühmt für die Dynamitherstellung. Danach fing die Landflucht in Arkadien an und als ich Anfang der 1980er Jahre zum ersten Mal selbst in Dimitsana war,  war der Ort wie ausgestorben. Eine steinerne Stadt mitten in den Bergen mit wenigen bewohnten Häusern und vielen Ruinen in einer unvergleichbar malerischen Landschaft – Arkadien eben.

Im Zentrum dieses Ortes steht das Gasthaus Kazakos,  das mit seinen fünf Zimmern im 19. Jahrhundert die Villa der Familie Kazakos war (soweit ich weiß, nicht direkt verwandt) und später eine Grundschule. Warum erzähl ich das alles? Jeder weiß, dass es solche Orte und Hotels gibt und viele wollen genau so etwas im Urlaub finden: Orte mit einer besonderen Tradition und Gasthäuser, die ihre eigene Geschichte erzählen. Versucht man, solche Hotels über Internetportale wie HRS oder Bookings.com zu finden, hat man meistens keine Chance. Inzwischen weiß ich auch, warum.Discoveroom_Startseite

Das Problem: Zu viel Technik, zu hohe Provisionen

Ich weiß nicht, wie das Gasthaus Kazakos das Thema angeht, aber im Gespräch mit Nikos Anagnostou, dem Gründer von Discoveroom, ist mir klar geworden, wo das Problem liegt: „Traditionelle Gasthäuser mit wenig Zimmern fliegen unter dem Radar der großen Computerreservierungssysteme (CRS) oder globalen Distributionssystemen (GDS). Hotels mit 5, 10 oder 20 Zimmern passen nicht in die großen Buchungsinfrastrukturen“. Ich wusste beispielsweise nicht, dass der Großteil aller Buchungen weltweit über die vier großen CRS Amadeus, Galileo, Sabre und Worldspan abgewickelt werden. Dazu kommen Internet-Buchungsseiten wie HRS.com oder Booking.com, die selbst wieder auf die vier Großen zugreifen und um eigene Angebote ergänzen. Für ein kleines Gasthaus ist die Präsenz in diesen internationalen Netzwerken ein Technik-Albtraum. Selbst wenn es die Technik-Hürde überwindet, kostet sie auch noch einen Haufen Geld: Wer will schon 20, 30 oder mehr Prozent seines Umsatzes abgeben, wenn er gerade mal von seinen 5 Zimmer lebt? Das erklärt auch, warum man bei den Buchungsportalen vor allem große Hotels und Ketten findet.

Kostenloses Rundum-Sorglos-Paket für kleine Hotels und Gasthäuser

Das griechische Startup Discoveroom ist angetreten, um eine vollständige Lösung für kleine Hotels und Gasthäuser anzubieten. „Die Grundidee ist, die Hoteliers dort abzuholen, wo sie sind, ihnen also zunächst eine einfach zu bedienende Anwendung anzubieten, über die sie ihre Zimmer verwalten können.“ Die Anwendung ist über Web und über Tablets nutzbar. Da sie kostenlos ist, können Hoteliers damit einfach wie gehabt ihre Reservierungen ablegen und nach freien Zimmern suchen, wenn jemand anruft, etc. Der zweite Teil des Angebots ist ebenfalls kostenlos:  Über das Portal von Discoveroom werden alle beteiligten Hotels gelistet und man kann nach ihnen suchen. Falls gewünscht, kann auch die Buchungen und Abrechnung über Discoveroom durchgeführt werden. Außerdem bietet Discoveroom ein kleines Widget an, das der Hotelbesitzer auf seiner Webseite einbinden kann.

„Das Ziel von Discoveroom ist, den kompletten Prozess im Internet abzubilden, aber nicht aus der Sicht von Reiseportalen, sondern aus der Perspektive der Hoteliers“, so Nikos Anagnostou weiter.

Der Unternehmer und nächste Schritte

Ich habe Nikos Anagnostou vor ein paar Monaten persönlich in Athen kennengelernt. Schon mit seinen 15 Jahren Erfahrung als Berater und Projektleiter bei Oracle und mehreren Jahren als Selbständiger im Bereich der IT-Services fällt er aus dem Rahmen des klassischen Startup-Jungstars. Seine Erfahrung hilft ihm auch, seine Idee systematisch zu verwirklichen. Seit Sommer 2013 arbeitet er nun an Discoveroom und hat eine erste Finanzierung durch den griechischen Open Fund II erhalten. Im Moment läuft die Anwendung in Private Beta, also ist noch nicht für die Öffentlichkeit verfügbar. Aber spätestens zur Sommersaison soll es losgehen.

Dem Erhalt des individuellen und regionalen Charmes von Gasthäusern wird Discoveroom sicher helfen und vielleicht kann man ja in ein paar Jahren auch regionale und besondere Gasthäuser in Usedom oder Wolin, der Heimat meines zweiten Großvaters, über Discoveroom finden und buchen. Ich würde mich freuen.

offerial

Eine neue Waffe im ungleichen Kampf zwischen Hotels und Buchungsportalen

Buchungsportale wie hotels.com, booking.com oder HRS.com helfen Reisenden, Hotels schnell und einfach nach unterschiedlichen Kriterien zu vergleichen und zu buchen. Allerdings gehen Schätzungen davon aus, dass Reisende im Schnitt 22 Webseiten besuchen, bevor sie sich tatsächlich für eine Hotelbuchung entscheiden. Sie gehen also nicht nur auf die Portale, sondern schauen sich auch die Hotelwebseiten selbst an. Das Spannende ist: Die Entscheidung des Reisenden, über ein Buchungsportal zu gehen, kostet das Hotel evtl. 20% des Umsatzes. Da geht es um viel Geld und zum Ärgernis der Hotels buchen die meisten über ein Portal, selbst wenn die finale Entscheidung eher durch eine ansprechende Webseite herbeigeführt wurde.

Das 2012 gegründete griechische Unternehmen offerial entwickelt einen innovativen Ansatz, diesen Trend zu stoppen und den Hotels dabei zu helfen, mehr Direktbuchungen zu erhalten.

Offerial Startseite

Kenne deine Kunden

Der Clou ist, seine Besucher besser zu verstehen, um ihnen gezielte Angebot unterbreiten zu können. offerial hilft den Hotels genau dabei. Hierfür kombiniert offerial diverse Analysetechniken, wie sie allgemein aus der Webseiten-Analyse bekannt sind, und unterbreitet den Besuchern der Hotelseiten in Echtzeit Angebote. Je mehr Webseitenbesucher direkt buchen, statt über ein Buchungsportal zu gehen, desto besser.

Für den Besucher der Webseite gestaltet sich das unauffällig. Wenn er sich auf der Seite bewegt, werden ihm ab und zu Angebote unterbreitet, die er wahrnehmen kann oder auch nicht.

Selbstbewusst: Zahlen nur bei Erfolg

offerial ist ein klassisches Business-to-Business-Angebot für Hotels und natürlich hat so etwas auch seinen Preis. Interessant fand ich daher, dass offerial rein auf Erfolgsbasis arbeitet. Die drei Gründer Akis Laopodis, Angeliki Papagiannopoulou und Konstantinos Papadimitriou sind so überzeugt von ihrem Ansatz, dass sie mit den Hotels ein Ziel vereinbaren. „Ein solches Ziel ist üblicherweise eine bestimmt Erhöhung der Direktbuchungen. Wird das Ziel erreicht, bekommt offerial einen Anteil der zusätzlichen Marge. Wird es nicht erreicht, eben nicht“ so Akis Laopodis im Gespräch.

Obwohl offerial erst seit kurzem am Markt ist, haben sie bereits über 15 Hotels als Kunden. Darunter beispielsweise das Hotel Hera direkt unter der Akropolis, das Hotel Tholos Resort auf Santorin und das Fresh Hotel ebenfalls in Athen. .

Finanzierung und nächste Schritte

Ich habe das Interview mit Akis bereits im Mai geführt und er hatte mich gebeten, noch etwas zu warten, da er gerade dabei war, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Inzwischen hat offerial eine erste Finanzierung vom PJ Tech Catalyst Fund erhalten, um die Software in den Produktivbetrieb zu bringen und die Kundenbasis auszubauen.

„Die ersten Kunden haben wir in Griechenland gewonnen, sind in nächster Zeit aber vor allem international aktiv“, so Akis Laopodis. Schließlich haben Hotels auf der ganzen Welt dieses Problem. Insofern gibt es sicher gute Chancen für das griechische Startup, auch international zu wachsen.

Ich wünsche den Gründern von offerial dabei viel Erfolg. Jetzt, wo ich weiß, wie das mit den Portalen läuft, werde ich meine nächsten Buchungen lieber immer direkt auf der Hotelseite machen.

Jupitee

WordPress für Apps

Vor 10 Jahren war es noch unvorstellbar, dass quasi jede Person, jedes Unternehmen, jedes Hotel, jedes Event im Web mit einer eigenen Webseite vertreten sein würde. Über hunderte von entsprechenden Angeboten ist es inzwischen möglich, einfach und mit wenigen Klicks seine eigene Webseite zu erstellen. Ich habe es mit WordPress ja auch geschafft und dafür habe ich mein Informatikstudium sicherlich nicht gebraucht. Ein Unternehmen, das nicht im Internet ist, existiert quasi nicht.

Wenn man nun sieht, wie rasant sich die Entwicklung von Apps entwickelt, dann liegt es auf der Hand sich zu überlegen, wie man die App-Entwicklung selbst genauso einfach machen kann wie die Webseiten-Entwicklung. Genau dieser Frage haben sich die Gründer des griechischen Unternehmens Jupittee gestellt und eine Plattform geschaffen, mit der die „Entwicklung von Apps so einfach sein soll, wie die Entwicklung von Webseiten mit WordPress“, so Dimitris Tsirikos, der zusammen mit Vassilis Salis und Panagiotis Gogos das Unternehmen dinocleus gegründet, dass Jupitee entwickelt.

Das Prinzip

Das Prinzip ist denkbar einfach: Nach der Anmeldung klickt man sich durch einen Wizzard, über den man z. B. die Art des Unternehmens auswählt, das man präsentieren will, und dann Schritt für Schritt durch die einzelnen Menüs und Inhalte, die die App enthalten soll. Über die Jupitee-Preview-App, die man im AppStore kostenlos herunterladen kann, sieht man schnell, wie die fertige App aussieht. Danach gibt man nur die Freigabe und schon geht die App ihren Weg in den Appstore.

„Unsere Zielgruppe sind im Prinzip alle Unternehmen, die neben ihrem Webauftritt eine eigene App haben möchten, seien es Hotels, Restaurants, Hotels, Theater, Musiker, Festivals, Sportvereine, Shops etc. Und davon gibt es unendlich viele“, so Dimitris im Gespräch.

Ich wollte das natürlich gleich mal ausprobieren und habe in 5 Minuten eine kleine App für Eulen aus Athen gebaut:

Eulen aus Athen App

„Als Show-Case bauen wir gerade eine App für die Insel Santorini, um Urlaubern die besten Orte, Strände und Bars zu präsentieren“ erzählt mir Dimitris. Das ist sicher eine tolle Idee, auch für andere Urlaubsorte oder für das Stadtmarketing allgemein.

Das Unternehmen

Im Gegensatz zu vielen anderen Startups haben die drei Gründer Vassilis Salis, Panagiotis Gogos und Dimitris Tsirikos bereits viele Jahre Erfahrung in der Entwicklung und im Aufbau eines Unternehmens. Alle haben früher lange bei Singular Logic gearbeitet, einem der größten IT-Dienstleister Griechenlands, bis sie vor etwas mehr als einem Jahr beschlossen haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Erst haben sie sich als App-Entwickler mit dem Unternehmen dinocleus selbstständig gemacht und diverse Umsetzungsprojekte für Apps durchgeführt. Hieraus entstand dann die Idee, einen generischen Mechanismus zu schaffen, um Apps zu entwickeln – das Ergebnis ist Jupitee, das gerade mal seit zwei Monaten online ist und bereits mehrere hundert Anmeldungen hat. Obwohl sie alles ohne Fremdkapital aufgebaut haben, beschäftigen sie bereits 3 weitere Entwickler, die ihnen helfen ihren Traum zu realisieren.

Das Geschäftsmodell

Da der Service komplett über das Internet abgewickelt wird, ist das Geschäftsmodell ein einfaches Abo-Modell. Über eine geringe monatliche Gebühr, die von der benötigten Funktionalität abhängt, kann man seine App gestalten und seinen Kunden bereitstellen. Am Ende macht es die Masse, daher suchen die Gründer aktuell auch Reseller auf der ganzen Welt, die ihre Plattform nutzen, um die Welt mit Apps zu versorgen. Bei Interesse kann ich natürlich gerne einen Kontakt herstellen.

Um es mit den Worten von Jupitee zu sagen: Now it’s App to you!