#GRStartupScene am Scheideweg

Ich bin zurück. Nach ein paar Wochen mit viel Arbeit und wenig Zeit und dann drei Wochen Urlaub, lege ich wieder mit neuem Elan los. Es gibt viel zu erzählen über neue Innovationen und Startups aus Griechenland. Am Wochenende kommt mein neuer Beitrag zu einem weiteren interessanten Tech-Startup raus.

Bis dahin, hier einmal eine andere Perspektive auf das, was in Griechenland so los ist. Diesmal durch die Brille von Demetrios Pogkas, einem in Athen sehr bekannten Startup-Journalisten (Kurze Bio am Ende des Beitrags*). Er ist vielleicht etwas pessimistischer als ich, aber eine andere Sicht ist ja auch mal gut. Passt also prima zu diesem Blog und ich freue mich, dass ich hier einen seiner aktuellen Beiträge veröffentlichen darf.

Der Beitrag wurde ursprünglich auf Englisch geschrieben und dann ins Deutsche für das Magazin „Berlin Valley“ (http://berlinvalley.com/) übersetzt und in der Oktoberausgabe veröffentlicht. Anlass war die nächste Startup Safary in Athen, die im November 2015 startet.

Nun also ein bisschen Werbung für die nächste Startup Safary Athens:

und mein Bericht darüber vom letzten Jahr: Startup Safary Athens 2014

Ich habe den Beitrag unverändert gelassen und nur ab und zu einen weiterführenden Link eingebaut. Das Original als PDF findet ihr, zusammen mit vielen anderen interessanten Beiträgen, unter http://berlinvalley.com/.

Beitrag von Demetrios Pogkas (*) erschienen im Berlin Valley Magazin, Oktober 2015

#GRStartupScene am Scheideweg

Griechenland hat ebenfalls eine gefeierte Startup-Szene. Doch die ist in Gefahr

Griechenland ist seit Jahrzehnten für viele, verschiedene Dinge bekannt. Seine historische Vergangenheit, seine Kultur und Traditionen, seine Touristenziele, sein Essen und seine Produkte. Wofür Griechenland bisher nicht wirklich bekannt war, ist seine Technologie und die Fähigkeit globale Unternehmen in diesem Sektor aufzubauen. In den letzten Jahrzehnten hat Griechenland Dutzende von Multimillionären hervorgebracht, die meisten davon tätig im Schiffsverkehr oder Baugewerbe. Der IT-Sektor jedoch, war bisher nicht wirklich unser Ding.

In den letzten Jahren aber, als Griechenland durch die Wirtschaftskrise im internationalen Medienfokus stand, gewann auch die Tech- und Startup-Szene, welche vornehmend in der Hauptstadt Athen angesiedelt ist, zunehmend an Aufmerksamkeit.

Die ersten High–Tech-Gründungen gab es in Athen bereits 1990, zusammen mit dem Rest der Welt. Griechenland erlebte zwar nicht die dot.com-Blase, wie es in den USA der Fall war, jedoch mussten auch hier die ersten griechischen News-Portale, Online-Shops, Auktionshäuser etc. wieder geschlossen werden. Anfang 2000 sprossen dann die ersten griechischen, global tätigen Digital-Unternehmen aus dem Boden.

Firmen wie InternetQ, Upstream, Velti und GLOBO wurden in den Startup-Metropolen London und New York heiß diskutiert. Später in diesem Jahrzehnt trugen große Online-Reiseagenturen wie AirFastTickets, TravelPlanet24/Tripsta, AirTickets und PameDiakopes die Fackel der großen, griechischen Online-Unternehmen weiter.

Die Wurzeln für das, was die heutige Startup-Szene Athens geformt hat, liegen in 2008/2009 und der Community der Open Coffee Meetups, die bereits 2006 gegründet wurde.

Dieser Community gelang der Durchbruch in 2009/2010, als die neugewählte Regierung PASOK unter George Papandreou nicht nur ein schmerzvolles Sanierungsprogramm für die griechische Wirtschaft auf den Weg brachte, sondern auch die öffentliche Diskussion für Unternehmertum und Startups als neues Zukunftsmodell für Griechenland anregte.

Schon in 2009 etablierten sich die ersten Fonds für Start- und Risikokapital durch die Unterstützung der Open Office Community, der Piraeus Bank (aktuell Griechenlands größte Bank) und privaten Investoren.

Ein Schlüsselmoment an Inspiration für die griechische Startup-Community war definitiv die Gründung von Taxibeat – Athens größter Taxi-App, die 2011 gegründet wurde. Inmitten von Taxifahrer-Streiks und Demonstrationen gegen Maßnahmen, die ihren überregulierten und überbeschützten Markt etwas auflockern sollten. Der Erfolg Taxibeats’, der in den kommenden Monaten und Jahren folgte, wurde eine Inspiration für viele andere Gründer.

Der Katalysator für das griechische Startup-Ökosystem, welches ihm zu seiner heutigen Größe verhalf, war die Errichtung des JEREMIE Fonds in 2012 (ein Programm, das zu 70% von der Europäischen Union gefördert wird und zu 30% von privaten Investoren).

In 2013 habe ich persönlich aufgezeichnet, dass 55 Millionen US-Dollar in griechische Startups geschüttet wurden, während die letzten, offiziell verfügbaren Daten für 2015 eine Summe von 30,6 Millionen US-Dollar bzw. 8,15 Millionen Euro aufzeigen. Der JEREMIE Fonds ist für die Startups eine Hauptbezugsquelle für Startkapital und dem Zugang zu weiteren Deals mit privaten Investoren und Business Angels, sowie einigen britischen und amerikanischen Fonds in späteren Finanzierungsrunden.

Innovative Unternehmer in Griechenland werden mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert, von begrenzt verfügbarem Venture Capital, bis hin zu hoher Bürokratie und nur eingeschränkter, internationaler Erfahrung. Oft wird ein griechisches Startup außerhalb von Griechenland registriert und etabliert (meist in Großbritannien oder den USA) und dann eine Tochtergesellschaft gegründet, die in Griechenland sitzt und operiert. Das Kernteam arbeitet dann hier, während ein oder zwei Gründer die Geschäftsentwicklung von außerhalb des Landes vorantreiben.

Mit der Wirtschaftskrise in Griechenland, die alles noch erschwert hat, ist die griechische Startup-Szene an einem Scheideweg, bei welcher ihr auch der Untergang droht. Die neuesten Kapitalverkehrskontrollen machen es vielen Tech-Unternehmern (vor allen denen ohne Venture Capital) schwer, Geld zu überweisen oder auch nur für ihre Domain, ihr Hosting oder die Suchmaschinenkampagnen zu zahlen. Aber das wirkliche Problem wird erst entstehen, wenn Griechenland nicht bald ein neues JEREMIE-Programm entwickelt, um seine Startups auch in Zukunft zu finanzieren.

Freilich hat der JEREMIE Fonds und sein Netzwerk-Effekt (mit Erfolgs- und Misserfolgsbeispielen, Serienunternehmern und erfahrenen Managern) nicht nur die Entwicklung seiner geförderten Unternehmen nach vorn katapultiert, sondern auch die des gesamten Unternehmertums in Athen und ganz Griechenland. Ihre Investitionsperiode endet in 2015 und bisher wurde noch keine offizielle Weiterführung bekanntgegeben. Es kommt hinzu, dass es noch keinen wirklichen Markt für innovative Investitionen aus dem privaten Sektor gibt.

Ganz sicher werden die besten Startups und Gründer einen Weg finden, sich auch außerhalb von Griechenland eine Förderung zu sichern und dies geschieht auch bereits, aber ohne eine massive Steigerung der Förderungsoptionen, könnte das gefeierte #GRstartupscene früher oder später wieder aufgelöst werden müssen.

Startup Profile:

Obwohl noch jung und aufkeimend, konnte das griechische Startup-Ökosystem in den letzten Jahren bereits einige erfolgreiche Startups hervorbringen und hält daneben auch noch vielversprechende Kandidaten bereit.

Untenstehend einige Unternehmen beider Beispiele:

BugSense: 2011 von zwei Ingenieuren gegründet, konnte es bereits 110.000$ im Silicon Valley einstreichen. Ihr Produkt, eine Fehlertracking-Plattform für App-Entwickler, wurde von seinen Kunden sofort geschätzt und geliebt und der Umsatz kurbelte die Expansion von sich aus an. 2013 wurden sie vom NASDAQ-gelisteten Unternehmen Splunk akquiriert, um deren mobile Präsenz im Bereich Business Intelligence auf dem amerikanischen Markt nach vorne zu bringen.

AbZorba Games: Ein Anbieter von sozialen Online-Casinospielen, der in Heraklion auf Kreta startete und dann nach Athen übersiedelte. 2011 mit einem Business Angel aus Griechenlands StartTech Projekt gestartet, holten sie sich 2012 Co-Founder und CEO Andrew Hughes aus Großbritannien ins Boot, um die internationale Geschäftsentwicklung voranzutreiben.

Die zunehmende Etablierung, eine Partnerschaft mit der riesigen, mobilen Plattform Tango.me und das Überschreiten der 3 Millionen-Nutzer-Marke waren wesentliche Meilensteine, bevor sie durch GreenTube, einer Tochtergesellschaft von Novomatic, einem österreichischen Glückspielgiganten akquiriert wurden.

e-food: Online-Lieferservice-Apps sind auf der ganzen Welt im Kommen und Griechenland ist da keine Ausnahme. Der dominierende, lokale Player ist e-food.gr, welches 2012 von Serienunternehmern und privaten Investoren gegründet wurde. Von 20.000 monatlichen Bestellungen Ende 2012, schossen sie Ende 2014 auf 150.000 Bestellungen pro Monat. Als Rocket Internet’s Lieferheld Yemeksepeti (in der Türkei und im mittlerem Osten dominierend) akquirierte, bekamen sie auch Click Delivery, Griechenlands zweitgrößter Player auf diesem Gebiet. Daher schnappten sie sich auch e-food und besitzen dadurch heute 50% des griechischen Marktanteils.

Workable: Gehandelt als der nächste Multimillionen-Exit der griechischen Startup-Szene, startete Workable 2012 mit Ex-Topmanagern von Upstream (welche die Erstfinanzierung zur Verfügung stellten. Bis zum heutigen Tag hat ihre Software für Einstellungsprozesse in Unternehmen 7 Millionen US-Dollar von griechischen und israelischen Wagniskapitalgebern eingenommen (letztere waren North83, ehemalige Partner von Greylock, einem der ursprünglichen LinkedIn Investoren). Seit 2014, werden Geschäftsentwicklung und Verkauf von Boston aus geregelt, da die USA der größte Absatzmarkt für das Unternehmen ist.

Resin.io: Mit einer A-Runden-Finanzierung von 3 Millionen US-Dollern durch den Top Silicon Valley-Fonds Draper Fisher Jurvetson (DFJ) und privaten Investoren setzten sie die Segel, um die Schlüssellösung für die Verwaltung mehrerer, mobiler Geräte in unserer vorherrschenden Internet-Ära zu werden. Entwickler müssen nur ihren Code eingeben und die Plattform händelt alles andere. Während Management-Teams in Großbritannien und den USA sitzen, arbeitet ein großes Forschungs- und Entwicklerteam von Athen aus. Ein typisches Schema für griechische Startups mit globalen Ambitionen.

Pollfish: Sie entwickelten ein neues Monetarisierungsmodell für App-Entwickler, welches Unternehmen erlaubt, wertvollen Zugang zu Nutzerinformationen und Kundenmeinungen zu gewinnen. Partnerunternehmen stellen Umfragen auf Pollfish ein, Entwickler bauen Pollfishs’ Software Development Kit in ihre App ein und die Nutzer beantworten die Umfragen um Guthabenpunkte zu bekommen oder Preise zu gewinnen. Nach Erstfinanzierungsrunden bei griechischen Wagniskapitalgebern und privaten Investoren, heimste Pollfish zuletzt 2,5 Millionen US-Dollar aus griechischen und internationalen Fonds, sowie von Business Angels ein, da auf dem amerikanischen Markt ein stark wachsender Markt für dieses Geschäftsmodell besteht.

Demetrios Pogkas*Demetrios Pogkas ist Athener Journalist, der vor allem über Wirtschaft und Technologien schreibt. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf der Berichterstattung zu griechischen Startups und Investoren. Seine Berichte sind unter anderem in EMEA.gr, Startupper.gr, The Huffington Post Greece, The Global Post, Fortune Greece und vielen Zeitschriften erschienen. Dimitris freut sich über Kontakte oder Rückfragen z. B. auf Twitter unter @pogkas, Facebook unter /demetrios.pogkas und natürlich über Kommentare auf seinem Blog http://www.demetriospogkas.com/Blog.

 

Die Kreativität in den Zeiten der Kapitalverkehrskontrolle

Die Welt ist vernetzt und jedes Startup nutzt Dienste, die irgendwo anders auf der Welt bereitgestellt werden. Solche Dienste, wie Hosting, Amazon Web Services, Google Docs , Shop-Systeme in der Cloud, Domänenregistrierung etc., kosten üblicherweise nur ein paar Euro im Monat, sind aber gleichzeitig die Grundvoraussetzung für die Existenz des Unternehmens. Das Problem: ohne Kreditkarte, kein Service. Im Rahmen der aktuellen Kapitalverkehrskontrolle, die diese Woche in Griechenland eingeführt worden ist, platzen immer mehr Transaktionen, die lebensnotwenig für das unternehmerische Handeln eines jeden Startups sind. Größere Unternehmen mögen darauf eingestellt sein, aber viele Startups haben natürlich keine ausländischen Konten oder Kreditkarten.

Zerofund agiert als Stellvertreter

zerofund-StartseiteUm das Problem ad hoc (oder heute würde man vielleicht „lean“ sagen) zu lösen, haben Panos Papadopoulos und Yiannis Vlachoyiannis, die beiden Gründer von Bugsense (siehe hier und hier) und zerofund (siehe hier), die inzwischen in San Francisco sitzen, kurzerhand einen sehr schlanken Ansatz zur Überbrückung geschaffen: Sie zahlen die Rechnungen für Services, die kurz vor dem Ausfall stehen, aus eigener Tasche mit einer US-Kreditkarte. Sobald die Startups eine Möglichkeit sehen, das Geld irgendwie zu transferieren, schicken sie es ihnen.

Und das funktioniert tatsächlich! Ich bin beeindruckt, wie viele Transaktionen innerhalb kurzer Zeit bereits getätigt wurden und alle ohne kompliziertes Vertragswerk und rein auf Vertrauensbasis. Das erinnert mich an legendäre Geschichten über ehrenwerte Kaufleute im Mittelmeerraum oder auch in der Hanse, die per Handschlag einen Deal gemacht haben, teilweise über viele Kilometer Entfernung und ohne jegliche Chance, ihr Recht auch einzufordern.

Griechische Startups, die kurzfristig Unterstützung brauchen, können sich hier anmelden:

http://zerofund.org/

Weitere Initiativen

Im Schatten der sehr intensiven Diskussion über das Ja oder Nein, die natürlich auch in Griechenland die Medien dominiert, haben auch andere Startups solidarisch Aktionen gestartet. Immer mehr Service-Anbieter gehen proaktiv auf ihre Kunden aus Griechenland zu und lassen Services für 1-2 Monate laufen, ohne irgendwelche Mahnungen oder gar Sperrungen durchzuführen. Das Startup Workable von Nikos Moraitakis hat gleich allen griechischen Startups die nächsten 3 Monate geschenkt. Ein anderes Beispiel ist Moosend, das diverse Rabattaktionen und alternative Zahlungsmethoden für seine Kunden eingeführt hat.

Artikel zum Thema

Den einzigen deutschsprachigen Artikel zum Thema habe ich bei wired.de gefunden:

– WIRED: Griechenlands Startups kämpfen gegen das Chaos

In Griechenland wird das natürlich schon mehr thematisiert, wie beispielsweise hier:

Sicher werden diese Initiativen die Solidarität zwischen den Startups noch mehr stärken. Auch wenn das keine langfristigen Lösungen sind, helfen sie doch schon alleine durch ihre symbolische Kraft.

Möge diese unmögliche Episode bald vorübergehen!

Wie kann ich in Startups investieren?

Crowdinvesting in griechische Startups mit Open Circle

Das habe ich schon oft gehört: “Ist ja alles toll, was du hier schreibst, aber kann ich auch in die Startups und Unternehmen investieren?“. Die Antwort lautet natürlich „ja“, allerdings ist es nicht ganz einfach. Mal abgesehen von einer gewissen Bürokratiehürde, die bald als olympische Disziplin eingeführt wird, ist auch der Kreis derer, die mal nebenbei ein paar hunderttausend Euro in ein Innovationsunternehmen stecken können, doch relativ überschaubar. Und selbst, wenn man das kann, möchte man sich vielleicht erst einmal etwas herantasten und nicht gleich alles auf eine Karte setzen – immerhin sind frühe Investitionen in Innovationen nicht nur mit hohen Renditechancen, sondern auch mit sehr hohen Risiken verbunden.

OpenCircle_StartseiteAus dieser Überlegung heraus entstehen (vor allem in Europa) immer mehr sogenannte Crowdinvesting-Plattformen. Die Idee ist einfach: Ein zentraler Träger (die Plattform) trifft eine Vorauswahl, hilft den Startups bei der Präsentation, macht die Unternehmensprüfung („due diligence“) und koordiniert die gesamte Abwicklung der Investitionen. So weit, so gut.

Das magische Wort ist „Crowd“. Statt 2-3 großer Investoren organisiert die Plattform viele Kleininvestoren, die zusammen investieren. Das hat mehrere Vorteile: Auch Personen mit einem kleineren Portemonnaie können sich an Startups beteiligen, man kann das Risiko selbst etwas streuen, indem man sich an mehreren Unternehmen beteiligt und – ebenfalls nicht unwesentlich: Die Beteiligung durch viele kann einen viralen Effekt bewirken, da viele Kleinanleger über ihre Investitionen sprechen, diese fördern und somit das Unternehmen und deren Produkte bekannter machen.

Open Circle

Seit diesem Jahr gibt es nun auch in Griechenland die erste Crowdinvesting-Plattform mit dem Namen Open Circle. Das Unternehmen hinter Open Circle heißt Parnasse und wurde von Socratis Ploussas, Xenofon Krokkidis und Youri Dabrowski gegründet. Bisher haben sie das gesamte Unternehmen selbst finanziert und entwickelt. Sie sind also, wenn man so will, selbst ein Startup. „Unser Hauptanliegen aktuell ist es, Vertrauen aufzubauen und die Plattform auf solide Füße zu stellen“, so Socratis im Interview.

Um das zu erreichen, haben sie sehr viel Arbeit und Detailliebe in die Rechtskonformität gesteckt, was in Griechenland (und vermutlich auch in Deutschland) bei so einem Projekt nicht ganz trivial ist. Aber der Lohn der Anstrengungen ist, dass sie jetzt offiziell gestartet sind und gleich mit zwei Startups, die es in sich haben: Sowohl von ArkAnlytics als auch von Pinnatta wird man demnächst sicher noch einiges hören (u. a. natürlich auf diesem Blog).

OpenCircle_Startseite_InvestmentOpportunitiesWie kann man investieren?

  • Wenn man Investor werden will, muss man sich über die Plattform registrieren (Ausweis und Wohnortnachweis), sodass man freigeschaltet werden kann.
  • Das Startup bestimmt die benötigte Gesamtmenge und die minimale Beteiligungshöhe.
  • Interessiert man sich für eins der Startups, meldet man das und überweist den Beteiligungsbetrag.

Der Deal kommt nur zustande, wenn sich genügend Investoren gefunden haben.

OpenCircle_Startseite_How-it-WorksIn der Anfangsphase liegen die Investitionen bei Open Circle noch in der Höhe von 5.000 €-25.000 € pro Investor. Ziel ist es aber, mittelfristig immer kleinere Beträge und mehr Investoren pro Startup zu bekommen.

Besonders interessiert ist Open Circle natürlich auch an Investoren außerhalb Griechenlands, sei es die griechische Diaspora oder einfach Leute, die davon überzeugt sind, dass man trotz oder gerade wegen der Krise in Griechenland bzw. griechische Startups investieren sollte, die auch international nicht nur mithalten, sondern brillieren können.

Grexit #2: AbZorba Games

AbZorba-Games-LogoSeit ein paar Monaten habe ich auf meiner Watchlist ein griechisches Startup, das innerhalb kürzester Zeit enorme Wachstumszahlen hingelegt hat. Doch manchmal überschlagen sich die Ereignisse, sodass ich jetzt statt von einem erfolgreichen griechischen Startup von Grexit Nummer 2 spreche.

Die Vorgeschichte

Im Jahr 2008 haben Manos Moschus und Dimitris Tsigos mobile Dienstleistungen im Unternehmen mVISION angeboten und unter anderem eines der erfolgreichsten Community-Portale in Griechenland mit damals über 200.000 Nutzern entwickelt. Ein Thema war, Online-Spiele anzubieten, also Spiele auf der Plattform, die durch mehrere Benutzer über das Internet gespielt werden können. Das erste Spiel war Black Jack. Mit Aufkommen von Android und dem Smartphone-Boom haben die beiden Gründer 2010 eins der weltweit ersten verfügbaren Multiplayer-Spiele entwickelt. Der Erfolg war so groß, dass weitere Casual Casino Games folgten (also Casino-Spiele ohne Geld, wie Black Jack, Poker, Roulette etc.). Im Mai 2012 haben sie dann zusammen mit Andrew Hughes, einem weiteren Partner und Angel-Investor AbZorba Games gegründet und sich damit ausschließlich auf das Thema Spiele für Smartphones konzentriert.

Das Unternehmen war so erfolgreich, dass es innerhalb kürzester Zeit auf heute 6 Millionen Downloads gekommen ist und zeitweise einer der Topseller in den diversen App-Stores war.

Der Grexit #2

AbZorba-Games-Startseite

Diese Woche hat nun Grexit #2 stattgefunden: Das Unternehmen Greentube, eine Tochter des österreichischen Spielekolosses Novomatic, hat AbZorba Games übernommen. Wie in den Meldungen (z.B. Pressemitteilung Novomatic oder Meldung bei Startupper)  zu lesen ist und mir Dimitris am Telefon bestätigt hat, bleibt AbZorba Games als Athener Tochter bestehen. Das bedeutet nicht nur, dass die Arbeitsplätze inklusive Management in Athen bleiben, sondern, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren auch weiter wachsen soll. Mehrere offene Stellen sind schon online.

Besonders freut mich, dass es sich um eine Zusammenarbeit aus dem deutschsprachigen Raum handelt, über die ich hier berichten kann. Und das in dieser verrückten Zeit. Die Österreicher haben es vorgemacht. Vielleicht ist das ja mal ein Ansporn an deutsche Investoren, sich die Szene in Griechenland etwas genauer anzuschauen und Politik Politik sein zu lassen.

Jahresrückblick 2014

Das Jahr der Normalisierung

Greichischer_Euro_mit_EuleBlicke ich auf das Jahr 2014 zurück, so beobachte ich vor allem eine gewisse Normalisierung. Die Anzahl der Startups in Griechenland wächst konstant. Auch die griechischen Medien haben sie entdeckt und betrachten sie inzwischen als einen Teil der Hoffnung für die Zukunft Griechenlands. Diese Normalisierung empfand ich als beruhigend. Doch mit einem Male fühle ich mich wieder zurückversetzt ins Jahr 2012, als die Dauer-Präsenz Griechenlands in den deutschen Medien mich dazu bewogen hatte, dieses Blog zu starten. Die Auszählung der Stimmen zur Präsidentenwahl in Griechenland war noch nicht ganz durch, als die deutsche Medienlandschaft gleich wieder anfing zu hyperventilieren. Meine Empfehlung: Abwarten und Ouzo trinken. Griechenland wird auch in 5 und in 10 Jahren noch den Euro als Währung haben und alles, was wir heute lesen, wird dann lange vergessen sein.

Konzentrieren wir uns also aufs Wesentliche:

  • Während ich zu Beginn des Schreibens noch das Gefühl hatte, in einem Blog quasi alles Relevante zum Thema Innovationen aus Griechenland erfassen zu können, so musste ich 2014 endgültig kapitulieren. Inzwischen finden so viele Gründungen von innovativen Startups statt, dass ich nicht mehr hinterher komme. Mehrere Online-Portale und -Verzeichnisse beschäftigen sich ausschließlich mit dem Thema und alle paar Monate kommen weitere dazu (einige davon findet ihr auch in meiner Blogroll rechts). Einen neuen Versuch, eine Gesamtübersicht zu geben, unternimmt übrigens Tolis Aivalis mit der Startup Nation Greece.
  • Allein die 4 Jeremie Funds, die ausschließlich in Startups investieren, haben inzwischen mehr als 17 Mio Euro investiert (Quelle Startupper.gr). Hinzu kommen zahlreiche Investitionen von anderen Funds. Die Gesamtsumme ist mir leider nicht bekannt.
  • Gleich zwei tolle deutsch-griechische Kooperationen zählen sicherlich zu meinen persönlichen Highlights: Anfang des Jahres war ich von der Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen, um – Suprise, Surprise – einen Einblick in die deutsche Startup-Szene zu geben und in einer zweiten Session Beiträge unterschiedlicher Vertreter der deutschen Startup-Szene zu moderieren. Im November war die Startup Safary Athens – zwei hochinteressante Tage mit vielen Möglichkeiten, hinter die Kulissen zu blicken. Wie es aussieht, findet die Safary jetzt jedes Jahr statt.

Und nun ist es Zeit, nach vorne zu blicken: Was hält 2015 bereit? Ihr könnt euch auf weitere interessante Beiträge über neue Startups und Technologien freuen sowie auf Porträts griechischer Gründer. Falls ihr weitere Anregungen habt, lasst es mich wissen!

Euch allen ein frohes und erfolgreiches 2015!

Zweittagesmarsch durch die Athener Startup-Welt

Mein Programm für die Startup Safary Athens

Nächstes Wochenende gehe ich auf Safari! Nicht in Afrika, sondern auf die Startup Safary Athens, wo zahlreiche Startups und Inkubatoren eine Art Tag der offenen Tür mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen organisieren. Das Ganze ist eingebettet in eine ganze Woche mit Veranstaltungen zum Thema Innovation, Unternehmertum und Startups. Angefangen mit der TEDxAthens und der Disrupt 2014, die dieses Wochenende stattgefunden haben, über die Woche für Social Entrepreneurship, die heute beginnt, bis hin zur Startup Safary Athens selbst am nächsten Wochenende.

Inzwischen macht es die schiere Menge an Veranstaltungen und Initiativen unmöglich, den kompletten Überblick zu bewahren. Dennoch möchte ich versuchen, mir zumindest einen kleinen Überblick zu verschaffen, und nutze dazu vor allem die Veranstaltungen während der Startup Safary Athens am 22. und 23. November.

Das vorläufige Programm, zu dem täglich noch neue Veranstaltungen hinzukommen, ist hier zu finden: http://athens.startupsafary.com/program/

Da viele Veranstaltungen parallel laufen, werde ich wohl Event-Hopping betreiben. Die folgende Agenda ist eigentlich eher für mich selbst gedacht und wird sich vermutlich noch spontan ändern, aber ich freue mich natürlich darauf, auf der Tour ein paar alte und viele neue Gesichter zu treffen. Vielleicht ergibt sich aus dem einen oder anderen Treffen ja ein neuer Blogbeitrag.

Freitag, 21.11.2014

Der Freitag ist noch einfach: Da bin ich vermutlich ab 9 Uhr auf der Veranstaltung digitales Griechenland, auf der sich die griechischen Fonds und einige Startups präsentieren.

Samstag, 22.11.2014, 10-11:00 Uhr (Travelplanet24)

Ich wollte schon immer mal ein größeres griechisches Startup besuchen und mache das bei TravelPlanet24 von Philipp Brinkmann. Siehe auch Blogbeitrag hier: https://eulenausathen.com/2013/08/04/tripsta-de-oder-travalplanet24-com/

Samstag, 22.11.2014, 11-13:00 Uhr (IQbility)

Da bin ich vermutlich im IQbility, dem Inkubator der Quest-Gruppe und des PJ Catalyst Fond. Dort stellen sich zum einen die Organisatoren vor und zum anderen ausgewählte Startups, die ich fast alle schon einmal auf diesem Blog präsentiert habe.

Samstag, 22.11.2014, 13-14:30 Uhr (Innovathens)

Innovathens ist der „Knotenpunkt für Innovation und Unternehmertum der Stadt Athen“. Das wollte ich mir eh anschauen. Zu der Zeit, in der ich vorhabe, dort zu sein, wird Herr Salavopoulos von der griechischen Botschaft in Berlin über Synergien zwischen Berlin und Athen bezüglich Startups sprechen.

Samstag, 22.11.2014, 14:30 – 16:30 Uhr (Orange Grove)

Das Orange Grove ist eine spannende Initiative der Niederländischen Botschaft. Statt nur zu reden, haben sie in der Botschaft in Athen gleich ein ganzes Stockwerk geräumt und einen Inkubator für Startups geschaffen. Mein persönliches Highlight hierbei: Peter Economides, der mich auch zu diesem Blog inspiriert hat (siehe Beitrag), spricht über Branding für Startups.

Samstag, 22.11.2014, 18:00-20:00 Uhr (Found.ation)

Die Found.ation ist einer der größten Co-working-spaces und Technologie-Hubs in Athen – und ich war noch nie da. Aber jetzt! Der Anlass diesmal: Startups im Bereich Gesundheit. Bin gespannt.

Sonntag 23.11.2014, 12-13:00 Uhr (The egg)

The Egg (enter, grow, go) ist eine gemeinsame Initiative der Eurobank und Corallia, die das Ziel hat Unternehmertum zu unterstützen und Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Der Anlass für meinen Besuch ist das Thema E-Commerce und Argarwirtschaft, aber die Initiative und vor allem Corallia interessieren mich auch sehr.

Wie gesagt, dies ist nur eine kleine Auswahl. Insgesamt gehen die Organisatoren von ca. 100 Einzelveranstaltungen und einigen tausend Besuchern aus. Ich freue mich darauf, 2-3 Tage den neuen Puls von Athen zu spüren.

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Startup Safary Athens

Zwei Tage lang die Athener Startup-Szene erleben

Über dieses Blog hatte ich die Gelegenheit, viele Startups und junge Unternehmen aus Griechenland kennenzulernen und ich bin froh darüber, quasi live mitzuerleben, wie sich aus dem Nichts ein ganzes Ökosystem innovativer Unternehmungen in Griechenland gebildet hat. Mein Problem: Es gibt inzwischen so viele Initiativen, Programme, Veranstaltungen und natürlich innovative Gründungen, dass es selbst mir schwer fällt, den Überblick zu bewahren.

StartupSafariAthens_Startseite

Eine gute Gelegenheit, Ein- und Überblick zu bekommen, bietet die „Startup Safary Athens“. Die Idee eines Tages der Offenen Tür für Startups zu machen, kommt übrigens ursprünglich aus Berlin. Vassilis Bartzokas, den wir schon von der Designlobby kennen, hat die Initiative ergriffen und überträgt das Berliner Modell jetzt auf Athen.

Die Safari findet vom 22. bis 23. November 2014 statt. Auch wenn das Programm noch nicht fertig ist, kann man jetzt schon sehen, dass das „Who is Who“ der griechischen Startup-Szene dabei ist. Einige alte Bekannte wie die Gründer von Pollfish, i-Kiosk und Offerial habe ich schon im Programm gesehen und in fast allen Co-working-Spaces, Inkubatoren und „Acceleratoren“ werden zwei Tage lang Kennenlern-Runden und Workshops stattfinden. Sobald das genaue Programm online ist, informiere ich euch darüber.

Ich bin natürlich auch dabei und freue mich auf alte und neue Bekannte und viele neue Ideen, über die ich hier berichten kann.