goodvid.io

Ein persönliches Video sagt mehr als tausend Worte

Ich weiß nicht, wie viele von euch schon mal online etwas gekauft haben, aber ich bin sicher: Es werden immer mehr (was auch die aktuellen E-Commerce Statistiken belegen. In der Anfangsphase des E-Commerce fehlte vielen Kunden das nötige Vertrauen in die Online-Käufe. Dank Bewertungsmöglichkeiten und Berichten durch Käufer ist das Vertrauen in Produkte und Shops inzwischen wesentlich höher.

Goodvidio_Startseite

In unserem multimedialen Zeitalter reicht das jedoch noch lange nicht aus, außerdem ist das Lesen unzähliger Kritiken anstrengend.  Vielleicht erklärt das die enorme Beliebtheit von Testvideos: Immer mehr Nutzer schauen sich mehr oder weniger professionell erstellte Filmchen an, die irgendein begeisterter oder genervter Käufer in Youtube,  Vimeo oder auf eine spezielle Testfilmseite hochgeladen hat, um ein Surrogat für die direkte Erfahrung zu finden. Das haben auch die Anbieter von Handelsplätzen im Internet erkannt, weshalb sie ihre Beschreibungen immer mehr durch solche, sagen wir unprofessionellen Filme, ergänzen. Das Problem für die Anbieter von Plattformen für den elektronischen Handel ist nun herauszufinden, welche Videos es überhaupt  für ein bestimmtes Produkt gibt und welche dieser Videos geeigneter als andere sind, um potenzielle Käufer zu überzeugen – ein beliebig komplexes und kostenintensives Problem des Information Filtering.

Die besten Erklärvideos automatisch auswählen

Das griechische Startup goodvid.io entwickelt aktuell eine Lösung als Software as a Service (SaaS), mit der Shop-Anbieter ganz einfach ihre Produkte um Erklär- und Testvideos  ergänzen können – und zwar nicht zufällig, sondern gezielt nach vorgegebenen Kriterien.  Die beiden Gründer von goodvid.io Dimitrios Kourtesis und Konstantinos Bratanis erklärten mir das so: „goodvid.io scannt kontinuierlich Videos über Produkte in den großen Videoportalen, kategorisiert diese und sammelt zu den Videos das Nutzungsverhalten. Umgekehrt können Shop-Inhaber angeben, zu welchen Artikeln sie Videos anzeigen wollen und goodvid.io macht ihnen entsprechend Vorschläge“.  Das Einzige, was der Shop-Inhaber noch machen muss, ist, eins oder mehrere der vorgeschlagenen Videos auszuwählen und freizugeben. Über das integrierte Feedback durch die Shops lernt goodvid.io auch selbst ständig dazu, so dass die Auswahl der Videos immer besser wird.

Integration in Shop-Software

Jetzt ist es so, dass fast alle Shops, über die wir täglich einkaufen, auf der Plattform einer der vier großen Anbieter für Shop-Software aufbauen, also Magento, Shopify, BigCommerce oder Volusion. Statt also jeden Shop-Inhaber direkt anzusprechen, vertreibt goodvid.io seinen Dienst als kostenloses Plugin für diese Plattformen. Damit erreichen sie 370.000 Shops weltweit.

Integration von goodvidio

Wir vertrauen Kritikern mehr als Unternehmen

 „Gut gemachte private Videos sind nicht nur für Kunden interessant, sondern auch für Shops. So wurde festgestellt, dass die Kaufwahrscheinlichkeit um bis zu 64 % steigt, wenn neben einem Produkt auch ein Social Video sichtbar ist, also eines, das das Produkt erklärt oder testet“, so Dimitris und Kostas weiter. Interessanterweise gilt das auch für Videos, die nicht nur positiv über das Produkt sprechen. „Der Clou ist Vertrauen“, wissen die beiden Gründer. Es ist wohl erwiesen, dass wir solchen Social Videos deutlich mehr vertrauen als Informationen, die vom Händler selbst kommen.  Was ich nicht wusste: Es gibt sogar Unternehmen, wie das griechische Unternehmen Unboxholics, die sich mit objektiven Bewertungsfilmen ein Renommee geschaffen haben und darüber ihr Geld verdienen.

Das Unternehmen und nächste Schritte

Wie schon bei einigen der Startups, die ich hier beschrieben habe, ging es auch bei goodvid.io Schlag auf Schlag: Die erste Idee wurde im Oktober 2013 geboren, im November hatten die beiden Gründer bereits einen ersten Prototypen, mit dem sie auf dem Startup Weekend Sheffield gleich den zweiten Platz gewonnen haben. Im Dezember waren sie zu Gast bei der Global Startup Battle und haben dort unter 98 Gruppen aus der ganzen Welt auf Anhieb den dritten Platz im Bereich E-Commerce erhalten. Und irgendwann dazwischen habe ich die beiden zufällig im Café Rih in Karlsruhe getroffen (die Welt ist manchmal klein).

Zufälliges Treffen mit den beiden Gründer von goodvid.io Konstantinos Bratanis und Dimitrios Kourtesis im Café Rih in Karslruhe

Zufälliges Treffen mit den beiden Gründer von goodvid.io Konstantinos Bratanis und Dimitrios Kourtesis im Café Rih in Karlsruhe

Seit Januar 2014 gibt es das Unternehmen goodvid.io mit Sitz in der Technopolis in Thessaloniki.  Aktuell sind die beiden in einer privaten Beta-Phase, in der sie mit fünf ausgewählten Shops die Funktionalität testen und ausbauen. Wenn die so weiter machen, bin ich zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr die ersten „good videos“ auf deutschen Shops sehen werden.   

Vidavo

Der direkte Draht zum Arzt – drahtlos!

Bei jedem Gespräch mit griechischen Unternehmern lerne ich etwas. Wusstet ihr beispielsweise, dass ca. 60 % aller Europäer irgendeine chronische Erkrankung haben? Oder dass über 70 % aller Gesundheitskosten in Europa zur Behandlung von chronischen  Erkrankungen verwendet werden? Ich fühle mich eigentlich recht wohl, aber angesichts solcher Zahlen sollte ich mich vielleicht mal durchchecken lassen.

Ein Problem bei der Behandlung chronischer Erkrankungen ist, dass die Patienten, wenn die Symptome gerade akut sind, natürlich zum Arzt gehen und geloben, ihr Leben zu ändern. Sobald sie sich jedoch wieder besser fühlen, vergessen sie alle Ratschläge bezüglich weniger Fett, Alkohol, Zucker oder mehr Bewegung wieder oder lassen die Vorsorge zumindest schleifen – bis zum nächsten akuten Vorfall.

Vidavo-Startseite

Überwache dich selbst – mit ärztlicher Unterstützung

Das griechische Unternehmen Vidavo, das von Markela Psymarnou und Pantelis Angelidis gegründet wurde, entwickelt mit Vida24 eine Lösung, mit der Patienten ganz einfach ihre Vitalfunktionen und spezifischen Werte überprüfen und regelmäßig mit ihrem Arzt austauschen können. Natürlich gibt es für alle möglichen Untersuchungen bereits ambulante Messgeräte. Neu am Ansatz von Vidavo ist, dass diese Messgeräte per Bluetooth mit dem Handy und das Handy über das Internet mit dem persönlichen Profil des Patienten abgeglichen wird. Wenn der Patient es wünscht, kann er seinem Arzt Zugang zu seinem Krankheitsverlauf gewähren. Dadurch kann der Arzt ihm immer wieder und auch zwischen den Untersuchungen Tipps geben oder einfach nur ein Auge auf die aktuelle Entwicklung des Patienten haben. Auf dem Server laufen dann auch regelmäßige Prüfroutinen, die beispielsweise Warnungen bei erhöhten Werten oder steigenden Trends ausgeben.

Health in hands fb banner

 

Das Unternehmen und die Entwicklung

Markela Psymarnou und Pantelis Angelidis haben Vidavo bereits 2002 gegründet, als direkte Ausgründung aus der Universität und mit einem starken Forschungs- und Dienstleistungsschwerpunkt.  „Als wir mit den Arbeiten begonnen haben, war das Thema noch extrem neu und es mussten erst einmal die Forschungsgrundlagen geschaffen werden“, erzählt Pantelis Angelidis. „2006 kam dann für uns der Durchbruch, als wir mit Vid24 unser erstes Produkt lanciert und eine erste Investition von unserem Incubator Thermi in Thessaloniki erhalten haben“, so Pantelis weiter. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Vidavo hat sich nicht nur einige der Lösungen patentieren lassen, sondern hat inzwischen auch die Grenzen des griechischen Markts Richtung Albanien, Rumänien und Nordafrika überschritten. Am besten jedoch lässt sich der Erfolg vermutlich mit einer Zahl zeigen: Aktuell nutzen in den Ländern bereits über 100.000 Patienten die Lösung. „Die technischen Möglichkeiten sind inzwischen da und die Technologien sind reif. Das Hauptproblem ist nun, das entsprechende Bewusstsein für einen solchen Lösungsansatz bei Patienten, Kliniken und Versicherungen zu schaffen“, sagt Pantelis Angelidis.

_MG_8283

Weitere Expansion und Wachstum

history2013en

Was als kleiner Forschungsdienstleister in Thessaloniki angefangen hat, ist inzwischen ein etabliertes Unterhemen. Vidavo arbeitet vor allem mit Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen zusammen und das Geschäftsmodell basiert auf Abonnement oder direkter Lizensierung der Software. Aktuell sind sie dabei, ihre Fühler in weitere Länder auszustrecken und zu untersuchen, inwieweit sie mit einem Full-Service-Angebot für vertikale Produkte (also Angebote, die ausschließlich für eine bestimmte Patientenklasse bestimmt sind), auch global aktiv werden können.

Ich bin gespannt, wann die ersten Kliniken und Patienten in Deutschland mit Vida24 von Vidavo aus Griechenland ausgestattet werden.

HopIn

Autostop 2.0 oder die Echtzeitmitfahrzentrale

Ich habe die Zeit noch gerade so miterlebt, in der es auf dem Land üblich war, Fremde mit dem Auto ein Stück mitzunehmen,  wenn man die gleiche Strecke fuhr.  Man hielt ein kurzes Schwätzchen, lernte vielleicht noch jemanden vom Ort kennen und zog seines Weges. Heutzutage ist die spontane Mitnahme Dritter eher unüblich – man hat Angst, will keine Scherereien oder weiß nicht, wie das versicherungstechnisch abgedeckt ist. Auf Langstrecken ist das noch etwas anders. Da gibt es inzwischen organisierte Mitfahrzentralen. Allerdings ist das auch nicht ganz das Selbe. Bei der Dichte an Mobiltelefonen und dem  Verkehrskollaps in den Städten zur Rushhour stellt sich jedoch die Frage, wieso es heutzutage nicht möglich ist, ad-hoc Personen, die in die gleiche Richtung wollen, zusammenzubringen – das wäre nicht nur umweltschonender, sondern könnte auch Fahrtkosten reduzieren und man würde vielleicht auch ein paar nette Leute kennenlernen.

Hopinside_Startseite

Mit Freunden mitfahren – sofort

Die beiden griechischen Unternehmer Nikiforos Doukas und Evangelos Pittas haben erkannt, dass durch die extreme Verkehrsdichte in Großstädten und die Verbreitung von mobilen Endgeräten sowie sozialen Netzen das Thema ganz neu aufgerollt und modernisiert werden kann. Das Ergebnis ist HopIn, eine Plattform zur Verwaltung von Fahrern und Mitfahrern sowie einer App für Smartphones, mit der man angeben kann, wohin man fährt (oder fahren will). Den Rest erledigt HopIn für einen: Es sucht nach geeigneten Teilstrecken, gleicht die Gesuche und Angebote ab und macht Vorschläge. Die Nutzer können sich über die Mitfahrer informieren und einer Fahrt zustimmen oder sie ablehnen. Wenn die Fahrt durchgeführt wurde, errechnet das System im Hintergrund die Kosten und teil sie fair zwischen den Teilnehmern auf.

Hopinside_Basic_Idea

Das Unternehmen und das Geschäftsmodell

An der Idee von HopIn arbeiten die beiden griechischen Gründer bereits seit fast zwei Jahren. Im letzten Jahr habe sie das Projekt dann konkretisiert und die Software implementiert. Seit ein paar Tagen sind sie in Athen in der Betaphase. „Wir setzen auf zwei zentrale Aspekte“, so Nikiforos und Evangelos im Gespräch in einem Athener Café. „Neben der Möglichkeit einfach Geld zu sparen, wenn man jemanden mitnimmt, setzen wir stark auf den sozialen Aspekt“. Man sieht in HopIn die Profile der Personen, die man mitnimmt und von denen man mitgenommen wird, und in der nächsten Version sollen dann auch die Freunde in der Karte angezeigt werden, die gerade in der Nähe unterwegs sind. Neue Freundschaften nicht ausgeschlossen. „Nach Athen werden planen wir HopIn zunächst in europäischen Großstädten zu lancieren“, so die beiden  Gründer.

Vielleicht gibt es die Echtzeitmitfahrzentrale ja bald auch in Berlin, München, Hamburg, Köln und –warum nicht – auch in Karlsruhe.

Ich wünsche den beiden noch viel Erfolg und freue mich bei meinem nächsten Besuch darauf, per HopIn durch die Stadt zu fahren.

Jahresrückblick 2013

„Mein“ griechisches Startup-Jahr 2013 in Gefühlen, Zahlen und Fakten

Als ich mit dem Βloggen Ende 2012 begann, war ich so stark von den Medien in Deutschland eingelullt, dass ich selbst nur eine vage Hoffnung hatte, über ein paar nette Geschichten aus Griechenland berichten zu können. Ich hatte das Thema extra breit gefasst unter dem Titel „Innovationen aus Griechenland“. Damit wollte ich sicher stellen, dass ich auch genügend Unternehmen und Themen finde, über die ich berichten kann – notfalls über innovative Olivenerntemethoden.

Jetzt, nach meinem ersten vollen Jahr als Blogger, blicke ich zurück und stelle vor allem eins fest: Ich komme nicht mehr hinterher. Um überhaupt noch Herr der Lage zu bleiben, habe ich meinen Fokus stark eingeschränkt (im Wesentlichen auf Startup-Unternehmen im IT-Sektor) und picke mir quasi die Rosinen raus, also Unternehmen, die mir durch ihre Technologie oder ihr Geschäftsmodell besonders auffallen und von denen ich mir vorstellen könnte, dass sie auch international erfolgreich sein können. Das ist oft hart, da für jedes Unternehmen, das ich hier beschreibe, wohl noch 100 weitere stehen, über die man auch berichten könnte.

Mehr aus Neugier als aus einer Strategie heraus hatte ich mir zum Ziel gesetzt, mit den Gründern zu sprechen, bevor ich über die Unternehmen schreibe – denn ich wollte mehr wissen als das, was hier und da in Zeitungen oder auf der Webseite darüber zu finden war. Heute freue ich mich besonders über diese Idee, da ich dadurch sehr viel über das Denken und Handeln griechischer Jungunternehmer gelernt habe – für mich waren die Höhepunkte des Jahres 2013 ganz klar die zahlreichen Gespräche, die ich mit sehr intelligenten, extrem innovationsfreudigen und hochmotivierten jungen Leuten führen durfte.

Ende 2012 habe ich mich noch literarisch versucht, indem ich eine Geschichte geschrieben, in der alle Startups vorkamen, über die ich 2012 geschrieben hatte.  Meine literarischen Ambitionen sind damit erstmal ausgeschöpft, da die Anzahl und Vielfalt der Unternehmen, über die ich 2013 berichtete, ein solches Unterfangen deutlich schwieriger gestalten. Daher diesmal eine Zusammenfassung in Zahlen und Fakten:

Zahlen und Fakten 2013

Anzahl der Beiträge im Jahr 2013 gesamt 41
Anzahl der Gründungen und Gründer, die ich persönlich kennengelernt habe und über die ich gerne noch berichtet hätte über 100
Anzahl der Gründungen, über die ich tatsächlich berichtet habe 26
Monat mit den meisten Beiträgen Mai (7 Beiträge)
Monat mit den wenigsten Beiträgen November (1 Beitrag)  – sorry, da hatte ich wohl zu viel um die Ohren.
Monat mit den meisten Zugriffen Mai (Überraschung!)
Monat mit den wenigsten Zugriffen Juni (Urlaub?)
Beitrag mit den meisten Zugriffen TradeNow – Tauschhandel scheint in Deutschland ein echtes Thema zu sein.
Beitrag mit den wenigsten Zugriffen Fundstück #2 Startopoly  – jetzt schnell noch mal klicken!
Suchbegriffe in Google Deutschland auf die ich besonders stolz bin „griechisches Startup“ (Platz 1) und „Innovationen Griechenland“ (Platz 1)
Anzahl der 8 Startups, die laut Fortune Greece im Jahr 2013 hervorgestochen sind und bereits in Eulen aus Athen beschrieben wurden 6
Land, aus dem die meisten Zugriffe kamen Deutschland
Land, aus dem die wenigsten Zugriffe kamen United Republic of Tanzania
Startup, das mir am besten gefällt Verrate ich nicht
Anzahl griechischer Startups, in die 2013 investiert wurde 28
Anzahl griechischer Startups, in die 2013 investiert wurde und über die auf diesem Blog berichtet wurde 16
Investitionssumme in Startups in Griechenland (Quelle EMEA) 45 Mio. Euro
Anzahl erfolgreicher Exits 1 (Bugsense)

Falls ihr euch fragt, wo die im Titel genannten Gefühle bleiben: Ich habe das Gefühl, ich mach weiter!

Ich wünsche allen Lesern und Gründern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

Καλή χρονιά με υγεία και επιτυχία σε όλους τους Έλληνες νεοεπιχειρηματίες.

WK mit Eulen

 

longaccess

Private Daten sicher speichern – für sehr lange und extrem sicher

Ihr kennt das: Auf Partys, Urlauben, Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen und zu vielen anderen Anlässen werden tausende von Fotos gemacht und gespeichert. Ein Ereignis jagt das nächste und meistens schaut man sich die Fotos zwar anfangs, aber dann erst viele Jahre später wieder an. Man will sie natürlich dennoch aufheben, vielleicht auch um sie eines Tages Kindern und Enkeln zu geben. Doch wird man überhaupt die Möglichkeit haben? Manche Datenträger wie Disketten, die man vor 20-30 Jahren hatte, gibt es nicht mehr. Wenn man nicht kontinuierlich seine Daten von Technik zu Technik transferiert und immer neu gesichert hat, kommt man kaum noch dran. Da die technologische Entwicklung nicht aufhören wird, kann man sich schon die Frage stellen “Habe ich in 30 Jahren noch Zugriff auf meine Fotos, Videos und sonstige privaten Daten?“

Startseite_Longaccess

Der sichere Langzeitspeicher für private Daten

Der griechische Unternehmer Panagiotis Vryonis hat das Unternehmen longaccess gegründet, um genau für dieses Problem eine Lösung anzubieten. longaccess ist eine Cloud-basierte Lösung in der Daten für 30 Jahre abgelegt werden können – und das extrem sicher: Sicher vor Zerstörung, Technologiewechsel, aber vor allem auch vor einem Zugriff durch Dritte.

„Wenn wir in Rente gehen und auf unser Leben zurückblicken, interessieren uns aktuelle Ereignisse vermutlich weniger, sondern wir werden uns die tausende an Fotos und Videos anschauen wollen, die wir im Laufe unseres Lebens mit Digitalkameras und Smartphones aufgenommen haben“, so Panagiotis Vryonis von longaccess. „Das einzige was man jedoch einigermaßen sicher aufbewahren kann, sind nicht Datenträger, sondern Papier“, so Panagiotis weiter.

1.000.000 Fotos auf einem Blatt Papier

In der Lösung, die longaccess anbietet, stehen daher zwei Aspekte im Vordergrund: lange Speicherung der Daten und die Sicherheit, dass kein Dritter auf die Daten zugreifen kann. Der Ansatz, den longaccess verfolgt, basiert auf einer Client-seitigen Verschlüsselung. Das bedeutet, dass man beispielsweise ein digitales Fotoalbum von der letzten Taufe auf seinem PC mit einem Tool von longaccess verschlüsselt und dann über das Netz auf den Server spielt. Durch die AES256-Verschlüsselung ist sichergestellt, dass kein Dritter (auch longaccess nicht) die Daten entschlüsseln kann. Um in 30 Jahren wieder auf die Daten zuzugreifen, benötigt man dann nur das Blatt Papier, auf dem der Schlüssel steht. Will man die Fotos beispielsweise der Familie geben, gibt man das Papier-Zertifikat mit dem Schlüssel weiter. Handelt es sich um wichtige Urkunden, kann man den Schlüssel auch bei einem Rechtsanwalt oder einem Banksafe hinterlegen.  Wen das Thema Verschlüsselung der Daten interessiert, dem empfehle ich auch den  Blogbeitrag von Longaccess selbst:“When it comes to pricacy proof is better than promise

Longaccess_das Prinzip

Geschäftsmodell und Unterschied zu Dropbox und anderen Cloud-Speichern

Dropbox und andere Cloud-Speicher dienen eher dem regelmäßigen Datenaustausch und zielen weniger auf die Langzeitsicherung ab. Man zahlt monatlich einen Beitrag dafür, dass man Daten hoch- und runterladen oder sie anderen zuschicken kann. Man kann die Daten auch wieder löschen und das Ganze dient eher als ausgelagertes Verzeichnis. Zahlt man nicht mehr, wird der Account gelöscht.

Im Gegensatz zu solchen Lösungen ist die Langzeitsicherung zentraler Bestandteil der Software und des Geschäftsmodells von longaccess. Das bedeutet zunächst, dass man den Speicherplatz nicht für einen Monat oder ein Jahr kauft, sondern für 30 Jahre im Voraus. Damit ist sichergestellt, dass die Daten auch erhalten bleiben, wenn man mal eine Zeit lang sein Abo nicht zahlt oder wenn die Nachkommen beispielsweise im Todesfall nicht  als erstes an den Dropbox-Account denken.

Ein weiterer Aspekt ist, dass man die Daten auch selbst nicht löschen kann. Sie sind für die Ewigkeit gedacht und dazu zählt auch, dass man nicht aus Versehen die Daten löscht.

Stand und nächste Schritte

Aktuell ist longaccess noch im Betastadium. Das System steht soweit und eine erste Finanzierung ist gesichert. Im Gegensatz zu anderen Startups ist die Langlebigkeit Teil der Philosophie von longaccess. Laut Panagiotis Vryonis „wollen viele eine solche Verantwortung nicht übernehmen“. Sie selbst entwickeln gerade ein Geschäftsmodell, dass sie zur Langlebigkeit verpflichtet, in dem die Einnahmen selbst auf 30 Jahre eingefroren werden und jeweils nur ein Teil jährlich zurück in die Firma fließt. Ein kompliziertes Konstrukt, natürlich auch für Investoren.

Ich bin gespannt, wie das Ganze ausgeht. So wie ich Panagiotis kennengelernt habe, zieht er das die nächsten 30 Jahre durch und baut etwas auf, dass für Generationen eine Lösung zur Langzeitspeicherung digitaler Güter wird.

the longaccess wale

Nachtrag vom 5.1.2015: BigStash

Das Produkt von LongAccess hieß kurze Zeit Deepfreeze und heißt jetzt BigStash und kann direkt mit Dropbox verbunden werden. Das Unternehmen hat heute eine 300.000€ Finanzierung angekündigt.

schooX

Sozialer kann Lernen nicht mehr werden

Wenn ich an Lernen denke, ist meine erste Assoziation eigentlich, dass es etwas sehr Eigenständiges und Einsames ist. Aber das Lernen hat durchaus auch etwas Soziales: in der Schule und an der Uni gab es Lerngruppen, man hat sich vor Prüfungen getroffen, um gemeinsam zu lernen, und selbst heute, wenn ich etwas lernen will, unterhalte ich mich mit bestimmten Leuten über das Thema, das ich vertiefen und besser verstehen möchte.

Schoox_Startseite

Eine Akademie für soziales Selbstlernen

Die griechischen Unternehmer Lefteris Ntouanoglou, Costas Vasiliou, Apostolis Agrafiotis und Vassilis Lolos haben 2012 die E-Learning-Plattform schooX entwickelt, die ich als ein E-Learning-Social-Network bezeichnen würde. schooX ist eine Anwendung im Internet, die Privatpersonen, aber vor allem auch Unternehmen und Schulen hilft, kontinuierliche Lernprogramme aufzusetzen, bereitzustellen und zu nutzen.

Mein soziales Netzwerk auf Schoox

Mein soziales Netzwerk auf schooX

Und das funktioniert so: Jeder der etwas lernen oder selbst Lerninhalte anbieten will, kann sich kostenlos einschreiben. Als „Schüler“ hat man Zugriff auf tausende Inhalte anderer und als „Lehrer“ oder Experte kann man seine Lehrinhalte einfach über die Plattform erstellen und für Dritte bereitstellen. Dabei entscheidet jeder selbst, ob er sein Angebot nur einer bestimmten Gruppe zur Verfügung stellt oder allen Nutzern der Plattform. Er bestimmt auch, ob die Inhalte kostenlos sind oder deren Nutzung etwas kosten sollte. Da alle Inhalte und Nutzer über schooX miteinander verbunden sind, entsteht ein engmaschiges Netz an Lehrenden, Lernenden und Lehrinhalten. Über die Lerninhalte, die Kurse und die Gruppen können die Mitarbeiter miteinander kommunizieren, sich austauschen und Fragen stellen.

Für Personen, Unternehmen und Schulen

„Allerdings geht schooX noch einen wesentlichen Schritt weiter und verbindet diese eher persönlichen Initiativen mit speziellen Funktionen für Unternehmen und Akademien“, sagt Costas Vassiliou. „So kann ein Unternehmen oder eine Akademie beispielsweise Kurse für die eigenen Mitarbeiter anbieten und auch Zertifizierungsprüfungen über schooX abwickeln. Dasselbe gilt für Akademien und Schulen, die ihren Schülern solche Kurse frei oder kostenpflichtig bereitstellen können – das ist nicht nur für Fernuniversitäten interessant, sondern für jede Art beruflicher Aus- und Weiterbildung“, erklärt Costas Vassiliou.

Arizona Inn Akademie über schooX

Arizona Inn Akademie über schooX

Das Geschäftsmodell und erste Erfolge

Für Privatpersonen und Mitarbeiter der Unternehmen ist die Anmeldung und Nutzung von schooX kostenlos, dadurch hat die Anwendung bereits eine sehr große Verbreitung. Inzwischen nutzen über 100.000 Mitarbeiter von Unternehmen schooX. Für die Unternehmens- und Expertenfunktionen kann man ein Abonnement erwerben, das abhängig von der Anzahl der Mitarbeiter ist. Inzwischen nutzen über 300 Kunden mit eigenen „Akademien“ schooX. Unternehmen schätzen die Funktionalität vor allem, weil schooX eine einzigartige Kombination aus privaten und sozialen Aspekten auf der einen Seite und eher Unternehmensfunktionen, wie Nutzungsanalyse, systematische Mitarbeiterqualifikation und Zertifizierungen auf der anderen Seite, mitbringt. Diese gehen soweit, dass über schooX ganze Qualifizierungsprogramme durchgeführt werden können, die über ein sogenanntes Kurrikulum, also eine vordefinierte Liste an Fächern und Prüfungen, abgewickelt werden können.

Die Gründer und das Unternehmen

Die vier Gründer kommen aus Thessaloniki und hatten alle bereits viele Jahre Berufserfahrung, bevor sie sich mit schooX selbstständig gemacht haben. Lefteris Ntouanoglou, der auch als erster die Idee hatte und die Geschäfte führt, ist übrigens in Stuttgart aufgewachsen, dann aber nach der Schule nach Thessaloniki zum Studium gewechselt und dort geblieben.

Wie Costas im Rückblick meint, ist die Gründungsgeschichte ein typisches Startup-Märchen: „Nachdem wir beschlossen, das Unternehmen zu gründen und das erste laufende System von schooX hatten, sind wir ins Flugzeug gestiegen und direkt in die USA geflogen, um nach Investoren zu suchen. Zunächst natürlich ins Silicon Valley. Quasi auf dem Rückweg sind wir dann in Austin fündig geworden und haben jetzt eine sehr gute Finanzierung und Zusammenarbeit mit amerikanischen Investoren aus der Restaurant-, Hotel- und Einzelhandelsbranche.“ Die gesamte Software-Entwicklung von schooX findet in Griechenland statt, das Hauptquartier und die Geschäftsentwicklung ist in Austin, Texas. Im Moment konzentrieren sie sich auf die Bereiche Restaurants, Hotels und Einzelhandel, in denen der Bedarf nach kontinuierlicher Weiterbildung und die notwenigen Zertifizierungen im Vordergrund stehen.

Ich wünsche den Gründern noch viel Erfolg und dass das Startup-Märchen so erfreulich weiter geht.

Thoughts of a European serial start-up entrepreneur before going to the Silicon Valley

Heute bin ich auf einen Beitrag aufmerksam geworden, der einen Teil der Entwicklung der griechischen Startup-Szene sehr schön aus einer persönlichen Perspektive beschreibt. Dimitris Tsigos ist einer der Gründer von Virtual Trip und von Epignosis, die unter anderem eFront und TalentLMS entwickelt haben.

Besonders gefällt mir, dass Dimitris nicht einfach nur von einer Übertragung des Silicon-Valley-Modells nach Griechenland träumt, sondern von einem eigenen europäischen Modell für Unternehmensgründungen und Startups. Ein Gedanke, über den man sicher auch in Deutschland nachdenken könnte. Hier ein kleiner Auszug:

„Hersonissos is a popular tourist destination in the island of Crete, Greece, almost 30 km from the city of Heraklion where Virtual Trip was created. I remember going there in the late 90s and seen a fast-food called “McDelis”, having exactly the same colors and similar logo to the famous international brand “McDonald’s”. I remember that first it looked ridiculous and then it made me feel sad. Life is too short for not being authentic, for having a copied identity. Cretan Mediterranean diet is supposed to be one of the healthiest in the World, if not the healthiest. How does it make sense to be in the food business in Crete and prefer copying McDonald’s instead of creating your own, authentic brand, taking advantage of the Region’s symbolic capital? It absolutely makes no sense at all, likewise it makes no sense to try to become the “Silicon Valley of Europe” like many European Regions claim to be. They simply follow the “McDelis” way.“

Zum vollständigen Artikel von Dimitris geht’s hierlang.

Thank you Dimitri for this contribution.