Fundstück #3: Heeeelp.me

Zeitjung.de war schneller

Ich habe eine Liste mit griechischen Unternehmen, die ich demnächst mal auf Deutsch präsentieren möchte. Eins davon war auch heeeelp.me, ein Startup aus Griechenland, das sich zur Aufgabe machen will, die Art zu ändern, mit der sich die Menschen gegenseitig helfen. Ich freue mich, dass mir diesmal die Online-Zeitung Zeitjung.de zuvorgekommen ist.

heeeelp.me-Startseite

Eine Bemerkung aus dem Artikel, die auch meinen Beobachtungen entspricht:

„Griechenland bietet der start-up Community hier im Moment sehr viele Chancen was die Vernetzung einzelner Akteure angeht. Jungen Unternehmern wird auf vielen Events und Konferenzen eine Plattform geboten, um sich kennen zu lernen und Ansichten und Visionen auszutauschen. Diese Art des Networking bildet dabei dann die Basis aller Arten von neuen Partnerschaften und Projekten, was man wirklich als sehr glücklichen Umstand beschreiben kann.“

Auch in folgendem Satz finde ich mich natürlich wieder:

Dopios, BugSense, Taxibeat, Park Around, mist.io, Incrediblue, Workable HR, Codebender, PollFish, Truckbird, Pinnatta und Doctoranytime sind ein paar der zahlreichen, erwähnenswerten start-up Projekte in Griechenland.“

Hier geht’s zum Interview mit Alexandros Melis, einem der Gründer von heeeelp.me: http://www.zeitjung.de/menschen/9217-die-art-revolutionieren-wie-menschen-sich-helfen-das-griechische-start-up-projekt-heeeelpme/

Ich finde es toll, dass weitere deutschsprachige Medien die griechische Jungunternehmerwelle entdecken – und das ohne diesen ständigen Hinweis auf die Krise. Ich wünsche heeeelp.me viel Erfolg.

P.S. Falls ihr weitere deutschsprachige Beiträge über griechische Jungunternehmer seht, freue ich mich über einen Hinweis.

P.P.S Den Hinweis habe ich übrigens von John Economou über Twitter bekommen (@hsoc)

Zusammenarbeit mit der Griechenland Zeitung

Innovation „made in Greece“

Seit dem 10. Juli 2013 arbeite ich mit der Griechenland Zeitung zusammen. Dort findet ihr jetzt eine zehnteilige Serie mit dem Titel Innovation „made in Greece“, in der ich ausgewählte innovative Unternehmen und Startups den Leserinnen und Lesern der Griechenland Zeitung vorstelle. Viele Artikel stammen aus diesem Blog, werden jedoch jeweils aktualisiert und für den Wirtschaftsteil der Zeitung aufbereitet. Die Griechenland Zeitung hat eine Auflage von 10.000, erscheint wöchentlich und ist die größte deutschsprachige Zeitung Griechenlands.

Griechenland_Zeitung_logo

Die Serie startete am 10. Juli 2013 mit einem Beitrag zu Dopios und ist auf zehn Ausgaben ausgelegt. Jede Woche folgt ein weiterer Betrag, den ich dann auch auf diesem Blog unter „Presse“ ergänze.

Lasst euch überraschen oder abonniert gleich die Griechenlandzeitung.

Ich freue mich über die Zusammenarbeit.

Vielversprechend #4: Pandora

Roboter zur Hilfe bei Katastrophen

Wenn nach einer Katastrophe Menschen nicht mehr in das Katastrophengebiet können, müssen Roboter ran. Die Schwierigkeit dabei ist, dass sich diese Roboter zum einen auf sehr unbekanntem und vor auf allem sehr unwegsamen Gelände bewegen müssen, und zum anderen auch noch die Fähigkeit haben sollten, Sachen wegzuräumen oder aufzuspüren.

Pandora-Team

Eine Forschungsgruppe der Universität von Thessaloniki, bestehend aus drei Professoren und vielen Studenten und Mitarbeitern, beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit diesem Thema. Dass sie in der obersten „Roboter-Liga“ spielen, haben sie gerade in Eindhoven gezeigt: Dort fand dieses Jahr ein weltweiter Robocup-Wettbewerb statt, in dem Roboter aus unterschiedlichen Ländern und Disziplinen gegeneinander antreten. Im Bereich „Rescue – Best of class in autonomy“ hat das Team Pandora den zweiten Platz in einem Feld von 20 Teilnehmern erreicht.

Ich finde Pandora vielversprechend und ich wünsche dem Team noch viel Erfolg.

Quellen und weitere Informationen: auf Griechisch und auf Englisch.

Kinems

Spielend lernen nach pädagogischen Gesichtspunkten

Anders als meine Eltern war ich schon als 15-Jähriger davon überzeugt, dass mir die vielen Stunden an Spielkonsolen und vor dem Commodore 64 etwas bringen. Schnelle Reaktionen waren gefragt, Mitdenken und vor allem der Ehrgeiz, auch eine schwierigere Mission zu erfüllen, und natürlich die Bestätigung, wenn man etwas geschafft hat, was ein paar Tage vorher noch unvorstellbar war.

Die Spieleindustrie ist inzwischen eine der Boom-Branchen schlechthin. Viele Eltern denken dabei vermutlich mit Horror an Ego-Shooter oder irgendwelche düsteren Phantasiewelten. In den letzten Jahren wird jedoch immer mehr erkannt, dass Spielen ein Mittel ist, mit dem man gezielt etwas lernen kann. Neudeutsch heißt das Gamification, also die Anwendung spieltypischer Elemente und Prozesse in spielfremdem Kontext (siehe auch hier).

kinems-Startseite

Gamification und Lernen

Oft werden Gamification-Ansätze eher im Aufbau einer Fangemeinde (Community) eingesetzt, wie beispielsweise das Sammeln von Statuspunkten (Badges) bei Locish, die den Ehrgeiz wecken sollen, in einer Gruppe eine gewisse Reputation zu erlangen. Immer häufiger werden auch Techniken entwickelt, innerhalb von Unternehmen oder Schulen per Gamification auf bestimmte Verhaltensmuster aufmerksam zu machen, um diese ins Positive zu ändern, wie es etwa Intelen im Bereich des Energieverbrauchs anstrebt.

Ich bin kein Pädagoge, aber ich vermute, dass Spielen schon immer eine der besten und am wenigsten beachteten Möglichkeiten war, etwas über sich und sein soziales Umfeld zu lernen – und natürlich, um bestimmte Fähigkeiten zu trainieren. Genau hier setzt das griechische Startup Kinems an, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern mit Entwicklungsstörungen zu helfen, bestimmte Fähigkeiten durch speziell entwickelte und auf die Kinder eingestellte Spiele zu trainieren.

Wissenschaftliche Trainingsmethoden auf Spiele übertragen

Für motorische Störungen oder Lern-, Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörungen, wie Dyslexie, Autismus oder ADHD, existieren viele wissenschaftlich nachgewiesene Trainingsmethoden, mittels derer die Kinder diese teilweise oder ganz abtrainieren können. Typische Probleme sind beispielsweise Schwierigkeiten, Gesehenes mit Bewegungen zu koordinieren, Planung und Durchführung von bestimmten Bewegungsabläufen oder auch Konzentrationsschwierigkeiten oder ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis. „Unsere Idee ist es, diese wissenschaftlichen Methoden und die typischen Übungsaufgaben in Spiele zu übersetzen“, so Michalis Boloudakis, einer der Gründer von Kinems. „Um das zu erreichen, arbeiten wir direkt mit Therapeuten zusammen, die uns die Übungen erklären, die sie mit den Kindern durchführen. Diese Übungen überführen wir dann in einen spielerischen Ablauf.“

Die Technologie für die Spiele basiert auf Microsoft Kinect für Windows, mit der Spieler allein durch Körperbewegungen die Software bedienen können. Ein Beispiel für so eine Übung eignet sich für den Bereich der Grobmotorik. Die traditionelle Methode sieht vor, dass ein Kind mit der Hand immer wieder unterschiedliche, aber gleichmäßige langsame Bewegungen vor einem Spiegel durchführt. Kinems hat genau diese Abfolgen in ein Spiel mit dem Namen Walks übersetzt, in dem der Spieler die Hauptfigur des Spiels entlang eines Pfades an unterschiedlichen Hindernissen vorbei führt.

Viele spezialisierte Spiele, viele Analysemöglichkeiten für die Therapeuten

Sechs solcher Spiele sind schon fertig und das siebte folgt demnächst. „Wir versuchen alle 1-2 Monate ein neues Spiel zu veröffentlichen, das dann immer weitere Übungen enthält“, sagt Michalis. Der rein spielerische Aspekt ist schon ein großer Wert, da Übungen für die Kinder interessanter werden und nicht mehr den Charakter einer Pflichtaufgabe haben.

Allerdings geht die Lösung von Kinems noch wesentlich weiter. Alle Spielestände, Erfolge und Misserfolge werden mit einer zentralen Anwendung synchronisiert, über die Therapeuten nicht nur den Fortschritt beobachten, sondern auch das Spiel konfigurieren können. Wenn sie also merken, dass das Kind eine Übung bereits sehr gut macht, können sie die Übung variieren und den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Ebenso können sie das Tempo drosseln, um dem Kind frühe Erfolgserlebnisse zu geben und weiter mit ihm üben. Über diese zentrale Verwaltung kann darüber hinaus der Therapeut den Fortschritt eines Kindes im Vergleich zur Altersgruppe messen und gegebenenfalls ebenfalls das Programm auf den aktuellen Bedarf einstellen.

Die Unternehmer, das Geschäftsmodell und erste Erfolge

Das Unternehmen wurde im Februar 2012 von Michalis Boloudakis  und Simos Retalis  gegründet. Das Team besteht außer ihnen aus den vier Entwicklern bzw. Designern Valantis Kefalidis, Akis Volanis, Panos Vlamis und Alexandros Podaras. Besonders wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit Pepi Kolara, Expertin für Therapiemethoden für Kinder mit Behinderungen. Sie testet die Spiele in ihrem eigenen therapeutischen Zentrum und kann dadurch direktes Feedback aus der Praxis geben.

kinems-Team

Kinems spricht mit den Spielen ausschließlich Spezial-Therapeuten in entsprechenden Kliniken und Zentren an. Möchte eine solches Zentrum die Spiele in das Therapieprogramm aufnehmen, muss es die Lösung für einen geringen Jahresbeitrag abonnieren und kann dann alle aktuell verfügbaren Spiele für alle betreuten Kinder nutzen. Wenn ein Therapeut der Meinung ist, dass das Kind zu Hause bestimmte Übungen weiter machen soll, kann er den Eltern auch eine kostenlose Home-Edition mitgeben.

„Wo wir auch anrufen, wir stoßen auf großes Interesse“ meint Michalis. „Eigentlich liegt es auf der Hand, die neuen Möglichkeiten von Kinect für die Verbesserung der Grobmotorik zu nutzen“. Vor einem Monat haben sie mit dem Vertrieb angefangen und konnten bereits 10 therapeutische Zentren in Griechenland und Holland gewinnen. Aktuell ist das Team für 3 Monate in Amsterdam bei dem renommiertesten Accelerator, dem Startup Bootcamp. Dass das Team und die Idee nicht nur mich überzeugt hat, zeigt auch, dass Kinems eins der wenigen Startups Europa ist, das von den über 500 Bewerbungen für das Startup Bootcamp ausgewählt wurden. Aktuell sind sie in Gesprächen mit Geldgebern und ich bin sicher, dass sie schnell erfolg haben werden.

Ich bin begeistert von dem Team und der Ausführung und bin mir sicher, dass Kinems noch sehr viel Beachtung in Europa und den USA finden wird.

Zum Schluss noch die offizielle Präsentation über Kinems als Video:

cssigniter

Schöne Web-Designs für alle

WordPress ist eine der am weitesten verbreiteten Plattformen für Blogs. Eulen aus Athen ist ja auch ein WordPress-Blog. Was ich nicht wusste: WordPress inzwischen zu einem der größten Content Management Systeme geworden, über das alle möglichen Webseiten betrieben werden (Top 10). Schätzungen zufolge sind das bereits 16% aller Webauftritte weltweit (siehe z.B. hier).

Neben der Tatsache, dass der Einstieg kostenlos und WordPress extrem einfach zu bedienen ist, hat zum Erfolg sicherlich auch beigetragen, dass man sehr schnell und einfach neue Designs aufsetzen kann, mit dem Ergebnis, dass selbst private Blogs manchmal mit extrem professionellen Designs daherkommen – Eulen aus Athen als Ausnahme bestätigt die Regel 😉

cssigniter-Startseite

Individuelle Designs von der Stange

Gerasimos Tsiamalos und Anastis Sourgoutsidis haben diesen Trend hin zu WordPress früh aufgespürt und gemeinsam das griechische Unternehmen cssigniter gegründet. cssigniter entwickelt in regelmäßigen Abständen wunderschöne WordPress-Designs für unterschiedliche Branchen und Aufgaben. Der Clou: Statt für jeden Kunden ein individuelles Design zu entwickeln, stellen cssigniter die Designs als Abonnement bereit, sodass sich andere Webentwickler und Designer davon bedienen und für ihre Kunden wiederum neue Webseiten erstellen können.

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Die Unternehmer und das Geschäftsmodell

Die beiden griechischen Unternehmer aus Thessaloniki  beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit Webseiten-Entwicklung und -Design und gehörten auch zu den Ersten, die sich in Griechenland auf WordPress-Designs spezialisiert haben. 2010 haben sie dann den Entschluss gefasst, die Designs zu standardisieren und mit cssigniter ein eigenes Unternehmen zu gründen. „Der Anfang war schwer, da wir noch recht wenige Designs hatten und unbekannt waren. Inzwischen haben wir mehrere tausend Mitglieder, sodass wir profitabel sind und auch weitere Designer und Entwickler beschäftigen können. Dabei haben wir bisjetzt noch nichts für Marketing ausgegeben“, so Gerasimos Tsiamalos.

Das Geschäftsmodell ist sehr einfach: Regelmäßig stellt cssigniter neue Designs vor und für einen fixen Jahresbetrag von 39$ kann man beliebig viele der Designs und beliebig oft für seine Kunden nutzen. Inzwischen bieten sie auch ein Affiliate-Programm an, über das auch Dritte die Designs vermarkten können. „Im nächsten Schritt denken wir über eine stärkere Vertikalisierung nach, also beispielsweise Musiker, die besondere Anforderungen an ihre Designs und vor allem an die bereitgestellte Funktionalität haben“.

Die meisten Kunden von cssigniter kommen übrigens aus den USA, aber auch in Deutschland gibt es schon über 200 Kunden.

Voraussetzung für die Nutzung der Designs von cssigniter ist allerdings, dass man WordPress selbst hostet bzw. bei einem Hoster nutzt. Nun wisst ihr auch warum ich nicht gleich selbst auf ein cssigniter-Design umgestellt habe.

Natürlich gibt es auch Platzhirsche im Bereich der WordPress-Designs, wie elegant themes aus den USA oder Woo Themes aus Südafrika, aber ich freue mich, dass auch ein griechisches Unternehmen in dieser Liga mitspielt.

Set Up Your Startup

Das Startup-Rechtsanwalt-Startup

Ich muss zugeben, ich finde Rechtsanwälte und Rechtsfragen meist etwas trocken. Als jemand, der sich eher von einer technischen Idee oder einem Geschäftsmodell begeistern lässt, finde ich die ganzen rechtlichen Angelegenheiten, die rund um eine Innovation oder ein Startup zu klären sind, oft nervig. Solange man sich innerhalb eines Landes bewegt, ist die Sache ja noch einigermaßen überschaubar. Aber wenn man, wie bei vielen Startups der Fall, sich international bewegt, wird die Rechtslage schnell sehr kompliziert und unübersichtlich.

Set Up Your Startup

Umso wichtiger finde ich daher die Initiative der griechischen Rechtsanwältin Christina Tsakona, die in Startup-Manier mit Set Up Your Startup gleich ein internationales Netzwerk von Startup-Rechtsanwälten und Beratungsveranstaltungen aus dem Boden stampft – eine große Hilfe bei dem, was mir wie ein internationales Rechtswirrwarr vorkommt.

Von der ersten Veranstaltung zu einem internationalen Netzwerk

Vor etwas mehr als einem Jahr, im Januar 2012, hat Christina Tsakona zusammen mit den Rechtsanwaltbüros von Andrew Dimitriou und Nayia Antoniou die erste Veranstaltung von Set Up Your Startup in Athen organisiert. Der erste Workshop konzentrierte sich auf das Thema „Firmengründung“. Der Erfolg war so groß, dass es gleich mit zwei weiteren Veranstaltungen weiterging, unter anderem auf Chios und Zypern. Jetzt nimmt Initiative immer mehr Fahrt auf und wird international. Eine Veranstaltung fand schon in Chile bei Start-up Chile statt. Gestern war die erste Veranstaltung in Polen in Warschau (Reaktor) dann geht es weiter nach Danzig (STARTER) und Posen (M26 Lab). Seit dieser Woche hat die Initiative auch eine Webseite, auf der man auch die Ankündigungen für zukünftige Veranstaltungen findet: http://setupyourstartup.com/category/events/

Am 6.6.2013 im betahaus in Berlin

Am 6.6.2013 findet Set Up Your Startup im betahaus in Berlin statt und wird zusammen mit Maximilian Von der Ahé organisiert, dem Gründer des betahaus. Das betahaus ist eins der größten und bekanntesten Co-Working-Spaces in Deutschland. „Mit ‚Set up your Start-up, Berlin‘ knüpfen wir an unsere seit mehr als 4 Jahren erfolgreiche Start-Up- und Gründer Beratung im betahaus an. Wir freuen uns sehr, den Teilnehmern diesmal auch tiefe Einblicke in die rechtliche Praxis im Silicon Valley präsentieren zu können“, so Max bei unserem Gespräch, als ich vor ein paar Tagen kurz im betahaus zu Besuch war.

Max und ich

Ausbau

Obwohl es am Anfang nur griechische Rechtsanwälte waren (aus Griechenland und den USA), war das Ziel von Anfang an, ein internationales Netzwerk von Startup-Rechtsanwälten zu gründen. „Wir würden gerne ein Pendant zum Startup-Weekend  etablieren, allerdings rund um das Thema Recht im Umfeld von Startups“ so Christina Tsakona. Im Moment läuft das als Nebenprojekt bei Christina, da sie hauptsächlich Startups im Silicon Valley und in Griechenland bei rechtlichen Fragen betreut. Aber sie ist zuversichtlich, dass sich Set Up Your Startup als Hauptevent rund um alle Rechtsfragen bei Startups zu etablieren kann. So wie ich Christina Tsakona im Januar in Athen  kennengelernt habe, schafft sie das auch.

Christina Tsakona

Photo Christina Tsakona

Christina Tsakona ist in Athen aufgewachsen und hat dort Jura studiert. Danach hat sie einen Master in Berkeley (USA) gemacht und ist seit 2009 Partner bei der Kanzlei Dimitriou and Associates. Sie betreut vor allem Startups in den USA und in Griechenland mit Schwerpunkt Unternehmensgründung in den USA. Christina pendelt zwischen San Francisco und Athen (und dem Rest der Welt). Es gibt vermutlich keinen Startup-Gründer in Griechenland, der sie nicht kennt.

pollfish

Das Ei des Kolumbus für Umfragen

Ich habe in meinem Leben vielleicht 3 oder 4 Umfragen gemacht, aber meist mit mittelmäßigem Erfolg. Früher wurden Umfragen mühsam mit Zettel und Stift und von Tür zu Tür durchgeführt. In neuerer Zeit immerhin online, aber Umfragen sind immer noch ein schwieriges Geschäft: Zum einen benötigt man immer einen großen Personenkreis, teilweise verteilt auf mehrere Länder und Kontinente, und zum anderen will man diesen Kreis auch noch zielgruppenscharf einteilen. Darüber hinaus ist es natürlich essentiell, dass die Personen in der Zielgruppe auch mitmachen – also motiviert sind, daran teilzunehmen und die Umfrage selbst für sie so einfach wie möglich ist. Die fünf Gründer des griechischen Unternehmens pollfish haben eine weltweit einmalige Lösung geschaffen, um umfangreiche, zielgruppengenaue und einfach durchführbare Umfragen zu erstellen. Eigentlich liegt die Lösung auf der Hand – man muss nur darauf kommen:

pollfish_startseite

Naheliegend und doch weltweit erstmalig

Die fünf Gründer von pollfish, Ioannis Papadakis, Andreas Vourkos, Giannis Zaoudis, Vasileios Mitrousis und Zissis Bellas hatten die Idee, die Umfragen dort erscheinen zu lassen, wo sich die Zielgruppe gerade befindet und wo sie Zeit hat mitzumachen, nämlich unterwegs und auf dem SmartPhone. Die Lösung von pollfish ist eigentlich nur ein Stück Software (SDK), das von einem App-Entwickler in jede herkömmlichen App integriert werden kann. „Angelehnt an das Paradigma der Online-Werbung bei Apps, bietet pollfish statt Werbung die Möglichkeit, an Umfragen teilzunehmen“, so Ioannis Papadakis.

Eine Unternehmen oder Marktforschungsinstitut, das eine Umfrage starten will, setzt die Umfrage auf der Webseite von pollfish auf und gibt die Zielgruppe an, an die sich die Umfrage richten soll. pollfish verteilt die Umfrage zielgruppenscharf an alle teilnehmenden Apps und bei den Nutzern der App erscheint ein unauffälliges Zeichen am Rand, um ihn auf die Umfrage aufmerksam zu machen.

„Durch die Integration in vorhandene und weitverbreitete Apps sind wir in der Lage, innerhalb kürzester Zeit weltweite Umfragen zu starten“, sagt Ioannis Papadakis, der übrigens in Deutschland geboren ist und erst mit fünf Jahren nach Griechenland kam.

OMG! Kaum gegründet und schon 2.193.547 Nutzer weltweit

Ich kann mich noch erinnern, wie ich vor wenigen Monaten zum ersten Mal von pollfish gehört habe. Das war im Februar 2013 im Zusammenhang mit ihrer Bewerbung bei zerofund. Inzwischen sind sie unter den letzten beiden Favoriten und können bereits eine beeindruckende Nutzerzahl vorweisen. Auf der Webseite läuft ein Ticker, über den man zuschauen kann, wie die Nutzerzahl steigt. Als ich den Screenshot gemacht habe, waren es 107 Apps mit 2.193.547 Nutzern und als ich den Artikel online gestellt habe bereits 2.194.709 Nutzer – beeindruckend.

2 Mio-pollfish

Das Geschäftsmodell

Obwohl sie noch in der Entwicklungsphase sind und die Finanzierung noch nicht mal steht, haben sie bereits drei große griechische Marktforschungsinstitute als Kunden gewinnen können, u. a. Kapa Research und Abacus Research. Parallel dazu haben sie angefangen, sich in England und Deutschland nach Kunden umzuschauen.

Das Geschäftsmodell ist übrigens auch für App-Entwickler und für App-Nutzer sehr attraktiv: Das Unternehmen, das die Umfrage startet, gibt einen bestimmten Betrag für einen Fragebogen aus und davon geht ein bestimmter Anteil an die Entwickler der App. Unter den Nutzern wiederum werden kontinuierlich Wertgutscheine verlost. Ab und zu mal an einer Umfrage teilnehmen zu können, finde ich persönlich wesentlich angenehmer als die ständige Werbung auf den Apps.

Interessant fand ich übrigens, dass die Gründer das Thema Verteilung auch auf das Unternehmen selbst abbilden: zwei der Gründer sitzen in Athen, einer auf Chios und zwei auf Zypern.

Manches ist so naheliegend. Und doch muss man erst einmal darauf kommen. Ich bin mir sicher, dass pollfish die Art revolutioniert, wie Umfragen in Zukunft gemacht werden, und freue mich, dass auch diese Idee aus Griechenland kam.

Ich wünsche den fünf Gründern noch viel Erfolg!