Infamous Labs – Smaf.tv

Die Zukunft des Fernsehers

Nach Radio und Kino war der Fernseher eine Zeit lang die Innovation schlechthin, die wie kaum ein anderes Medium die täglichen Abläufe und Gespräche bestimmt hat. Inzwischen ist der Fernseher überall. In jedem Haushalt, in jedem Hotel und in jedem Geschäft. Das Fernsehen ist mit Abstand die liebste mediale Unterhaltung in Deutschland (und vermutlich auch weltweit), wie die Statistik von Statista.com zeigt. Du, lieber Blog-Leser, verbringst fünfmal mehr Zeit vor dem Fernseher als im Internet (statistisch gesehen). Das hat mich doch stark verwundert (vor allem, weil ich gar keinen Fernseher besitze). Weiterlesen

mist.io

Die Wolkenverwalter

Es gibt wenig Trends in der Informatik, die eine so große Diskussion, Verwirrung und so viele Ängste hervorgerufen haben, wie Cloud Computing. Bereits 2009 thronte die Wolke ganz oben auf dem Gartner-Hype-Cycle, als einer der Megatrends. Thomas Berbner vom NDR riet 2011 noch dazu, „die Datenwolke möglichst klein zu halten“ (Tagesschau, 01.03.2011, ab 22:23 Min.). Aber aller Warnungen und Ängste zum Trotz kenne ich niemanden, der ernsthaft sein Verhalten geändert hat – die Verlockung durch die Vorteile der Cloud für Privatnutzer mit Facebook, Twitter, Google und das Effizienzversprechen für Unternehmen ist einfach zu groß. Übrigens läuft auch dieses Blog über WordPress.com und ist damit irgendwo in der Wolke. Weiterlesen

Agrostis

Traditionelle Landwirtschaft trifft die Moderne

Wenn ich an Landwirtschaft denke, dann denke ich vor allem an eine idyllische Landschaft. Beim Spaziergang sieht man weite Felder, gesunde und glückliche Tiere, ab und zu einen Bauern, der entspannt auf seinem Traktor über das Feld fährt und einen vielleicht noch nett grüßt. Nicht nur, weil ich mich beruflich immer mehr mit dem Thema IT und Agrarwirtschaft beschäftige, ist mir natürlich bewusst, dass die moderne Landwirtschaft wenig mit dieser Idylle zu tun hat. Die Landwirtschaft heute ist ein hochoptimierter Produktionsbetrieb und bewegt sich wie kaum eine andere Branche in einem Spannungsfeld zwischen Natur- und Landschaftsschutz und Profit bzw. Überlebenskampf sowie Tradition und Moderne. Aber schon die alten Griechen haben sich Gedanken zur Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion gemacht, beispielsweise Archimedes mit seiner „archimedischen Schraube“ (Schneckenpumpe) zur Beförderung von Wasser.

Essen müssen wir alle und auch wenn man es in Zeiten des Internets und der Suche nach dem „next big thing“ gerne mal übersieht: Lebensmittel sind immer noch das wichtigste Produktionsgut überhaupt. Deshalb ist es verständlich, dass die Landwirtschaft wie kaum ein anderer Bereich Regeln und Regulierungen unterliegt, gefördert und überwacht wird. Für kleine und mittlere Betriebe bedeutet dieser Optimierungs- und Regulierungsdruck jedoch auch, dass sie ihre Prozesse anpassen müssen, genau prüfen müssen, wann sie was machen, Saat, Düngung und Ernte planen und natürlich Kosten und Liquidität überwachen müssen – und vor allem müssen sie alles dokumentieren. Für Familienbetriebe oder Betriebe mit traditionellen Anbaumethoden ist das eine immer größere Herausforderung. Und von denen gibt es alleine in Griechenland ca. 250.000!

iFarma_Startseite

Professionelles Farmmanagement

Die Firma Agrostis aus Thessaloniki hat 2012 begonnen, iFarma zu entwickeln, ein Farmmanagementsystem für kleine und mittelgroße Betriebe. Von Anfang an als Cloud-basierte Lösung für den Browser und Smartphones konzipiert, deckt iFarma alles ab, was ein Landwirt benötigt, um seinen Betrieb zu verwalten. Seine Felder, was, wo angepflanzt wurde, welche Aktionen als nächstes anstehen, welche Mengen noch auf Lager sind, wie die Tages-, Monats- oder Jahresplanung aus sieht, wie es mit den Finanzen steht etc.

„Oft sind es auch Gruppen von 10, 20 oder 100 Landwirten, die zusammenarbeiten und gemeinsam über iFarma verwaltet werden. Diese Zusammenschlüsse haben dann eine zentrale Verwaltung, die alle Aktivitäten auf den Feldern beaufsichtigt und die einzelnen Bauern berät, was sie als nächstes machen sollten“, so Vagelis Vassiliadis, einer der Gründer von Agrostis im Interview.

Das Unternehmen und die Gründer

Das griechische Unternehmen Agrostis wurde von Vagelis Vassiliadis und Athanassios Sapounas 2012 gegründet. Vagelis hat langjährige Erfahrungen im IT-Consulting gehabt und Athanassios ist promovierter Agrarwissenschaftler – eine sehr gute Kombination für ein gemeinsames Unternehmen im Bereich der Agrar-IT. Die beiden haben das Unternehmen selbst finanziert, hochgezogen und beschäftigen inzwischen immer mehr Mitarbeiter, die die Anwendung für die inzwischen 3.000 Nutzer von iFarma kontinuierlich weiterentwickeln.

Agrostis_Startseite

Agrostis weitet sein Portfolio immer weiter aus. So beispielsweise mit Mint, einer Anwendung, mit der man Befall durch Insekten frühzeitig erkennen und ihm entgegensteuern kann, oder QIfresh zur Qualitätsprüfung durch Inspektoren des Handels vor Versand der Waren.

iFarma und die anderen Anwendungen gibt es inzwischen auf Griechisch und Englisch und über ein stark wachsendes Partnernetzwerk ist Agrostis gerade dabei, in weiteren europäischen Märkten Fuß zu fassen.

Parachute Fonts

Die Macht des Unscheinbaren

Vor vielen Jahren ist mir zum ersten Mal die Macht von Typographie bewusst geworden. Es war eine Werbung von Mercedes-Benz, in der man zunächst nur einen Text las, aber sofort wusste, dass jetzt gleich ein elegantes und teures Auto um die Ecke fährt. Seitdem achte ich wesentlich mehr darauf, schaue mir bei neuen Marken die Schriftsätze an und manchmal versuche ich herauszufinden, was sich die Firmen bei der Auswahl gedacht haben mögen. Waren es rein ästhetische Gesichtspunkte, sollte der Schriftsatz Seriosität oder Eleganz ausdrücken, ist er eine Anspielung an eine andere zeitliche Epoche oder will er das Gefühl von einer langen Tradition vermitteln?

Im Zeitalter der Digitalisierung und vor allem Globalisierung ist das nicht anders. Allerdings haben sich die Medien gewandelt und nun gilt es, das Schriftbild einheitlich über alle Kontinente zu vermitteln – egal ob der Empfänger der Botschaften in Westeuropa, Russland, Griechenland, im arabischen Raum oder gar in Indien oder China sitzt.

Parachute_Startseite

Wie aus einem regionalen Mangel eine Chance in der globalisierten Welt wurde

Parachute Fonts ist ein kleine Unternehmen mit Sitz in Griechenland und wurde 2001 gegründet. Der Gründer Panos Vassiliou ist Ingenieur, hat sich aber schon während seines Studiums für das Thema Typographie interessiert. „Mir ist damals aufgefallen, dass in Griechenland immer die gleichen Schriftsätze zum Einsatz kommen und so habe ich angefangen, selbst neue zu entwerfen“ so Panos im Gespräch. Offensichtlich war der Markt reif, denn innerhalb kürzester Zeit hat er es geschafft, in Griechenland zum Standardlieferanten für Schriftsätze zu werden und es gibt heute kaum einen Verlag oder eine Werbeagentur in Griechenland, die nicht auf seine Fonts zurückgreifen. 2007 hat Parachute Fonts dann den Schritt über die Grenzen gewagt und eine internationale Nische besetzt: Schriftsätze, die alle europäischen Zeichen enthalten: lateinische (inkl. der diversen Sonderzeichen), kyrillische und natürlich auch griechische.

Greek

kyrillisch

Wenn man die Kundenliste sieht, fragt man sich, wieso kaum jemand Parachute Fonts kennt. Allein aus Deutschland sind in der Liste so schillernde Namen wie Adidas, Deutsche Welle, Financial Times Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung oder Hella und die Liste geht international endlos weiter: http://www.parachutefonts.com/AboutUs/Clients/MajorClients

Besonders beeindruckt war ich dann aber, als ich erfahren habe, dass Parachute Fonds auch individuelle Hausschriftsätze entwickelt, die quasi jeder kennt: Emirates (wunderschön!), Bank of America (Respekt!), UEFA (ja, die UEFA!), KFW (ja! ja! die KFW Bank), SAMSUNG (OMG! Samsung!) und die Europäische Kommission höchstselbst. Wenn man so will, kommt also sogar das typographische Bild, das man vom modernen Europa hat, aus Griechenland.

Parachute_CustomFonts

Das Unternehmen heute und nächste Schritte

Heute besteht das Unternehmen aus 15 freien und festangestellten Mitarbeitern und schaut weiter nach vorne. Neben arabischen Schriftsätzen, die sie inzwischen eingeführt haben, konzipieren sie aktuell auch Schriftsätze für mehrere indische Dialekte und arbeiten mit anderen Unternehmen zusammen, um auch das chinesische Schriftbild abzudecken.

arabisch

„Typographie ist meine Leidenschaft und ich bin froh, dass ich mein Interesse zum Beruf gemacht habe. Der nächste wichtige Schritt für das Unternehmen ist, Fonts für Indien in China zu entwickeln und neue internationale Kooperationen einzugehen“, sagt Panos Vassiliou. 

Leider kann ich bei meinem WordPress-Theme keine Fonts von Parachute einbinden. Wenn mir jemand sagt, ob und wie ich das machen kann, wäre das sofort ein Grund, beispielsweise auf ein entsprechendes Theme zu wechseln (nicht selbst gehostet, sondern bei wordpress.com).

Übrigens: Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich auch typorn, den sehr schön gemachten Blog von Parachute Fonts:

Typorn

Sensorflare

Das Internet der Dinge wird intelligent

Eins der bekanntesten Zitate in der IT-Welt, das übrigens vermutlich fälschlich Thomas John Watson, Sr. (IBM) zugeschrieben wird, lautet: „Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“ (Quelle Wikipedia). In Zeiten, in denen jeder mit einem Computer in der Hosentasche oder in der Uhr herumläuft, weiß man es natürlich besser. Nur wie sieht die Zukunft aus, wenn jeder Mensch bald im Durchschnitt zwei oder drei Computer hat?

Ganz oben auf Gardners Hype Cycle von 2014 thront der Begriff Internet of Things (IoT), oder auf Deutsch „Internet der Dinge“  (siehe z.B. Forbes-Artikel). Computer verschwinden als separate Gegenstände und verschmelzen immer mehr mit Alltagsgegenständen. Ausgestattet mit Sensorik und Rechenmöglichkeiten funkt in Zukunft alles, was uns umgibt, beobachtet, informiert und handelt vielleicht sogar autonom. Fabriken und Produktionsstätten bekommen ihre eigene Intelligenz, aber auch der öffentliche Raum und natürlich unsere Wohnungen. Es gibt bereits Schätzungen, nach denen ein US-amerikanischer Haushalt in 10-15 Jahren 500 aktive Geräte haben wird.

Bei aller Liebe zum Fortschritt, wie soll man das noch steuern?

Sensorflare_Startseite

Lernende Systeme, die uns unterstützen

Sensorflare_LogoSensorflare ist ein griechisches Startup, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die uns bald umgebende Technik intelligent und für uns zu steuern. „Wir sind der Überzeugung, dass eine aktive Bedienung all dieser Geräte über ein Smartphones nicht mehr handhabbar ist. Wir benötigen neue Paradigmen, in denen die Geräte selbstständig lernen und in unserem Sinne agieren“, so Marios Logaras, einer der Gründer von Sensorflare.

Üblicherweise gehen IoT-Infrastrukturen von einer Kopplung von Hardware und Software aus, in der man alles von einem der großen Anbieter kauft, wie bei INSTEON, SmartThings oder natürlich bei Nest, die letztes Jahr von Google übernommen wurden. Im Gegensatz dazu geht Sensorflare einen anderen Weg: Da man nicht davon ausgehen kann, dass alles von einem Hersteller kommt, ist es ihr Ziel, eine Zwischenebene einzuziehen, bei der man die Sensoren der unterschiedlichen Hersteller registrieren kann. Hinzu kommt zusätzliche Intelligenz, die vom Verhalten der Nutzer lernt und damit sukzessive autonom die Geräte steuert. So werden sich wiederholende Handlungsabfolgen im Raum beobachtet und mit der Zeit automatisiert.

Sensorflare_Idee

Wie der Lernprozess beispielsweise für die Garagentür aussehen kann, zeigt dieses kleine Video:

Das Team und die ersten Schritte

Sensorflare hat den Sitz in Patras, eine griechische Hochburg im Bereich der Mikroelektronik. Die Gründer von Sensorflare Ioannis Chatzigiannakis, Orestis Akrivopoulos und Marios Logaras sowie einige der ersten Team-Mitglieder Dimitrios Amaxilatis und Evi Vasiliou haben bereits langjährige Erfahrungen im Bereich der Sensorik und des IoT gesammelt, erst an der Universität Patras und später auch in frühen Versuchen, mit dem Thema unternehmerisch tätig zu werden.

Sensorflare_Team

Dann haben sie das Programm des Athener Accelerators von Metavallon durchlaufen und sind gerade in der Finanzierungsphase. Mit ihren Ideen haben sie schon diverse Preise gewonnen, wie erst kürzlich den IoT-Award als Peoples Choice in den Kategorien ‚Plattform and Tools‘ sowie ‚Connected Home Product‘

Eine gute Möglichkeit, damit uns das Internet der Dinge nicht über den Kopf wächst?

Tribe Wearables

Mit Biosensorik zum persönlichen Trainingsprogramm

Alles fing mit einer Sportverletzung an: Dimitris Stordopoulos ist begeisterter Kampfsportler und spürte irgendwann beim Training Schmerzen im Knie-Bereich. Als Student der Uni Heraklion auf Kreta hatte er das Glück, das komplette Ärzteprogramm der Uni-Klinik durchlaufen zu dürfen, um herauszufinden, was eigentlich das Problem ist. Ihn interessierte dabei besonders, wie er das Problem in Zukunft vermeiden konnte. Im Rahmen der Gespräche mit den Ärzten entwickelte er eine Idee, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat: Könnte man moderne Biosensorik nutzen, um zum einen sportliche Übungen zu überwachen und zum anderen ein auf ein bestimmtes Ziel (Abnehmen, Fitness etc.) abgestimmtes Programm für einen bestimmten Körper mit all seinen Eigenheiten bereitzustellen? Die Idee von Tribe Wearables war geboren.

Tribewearables_Startseite

Weit mehr als nur ein Fitness-Gadget

Ich muss zugeben, ich gehöre nicht zur Zielgruppe der Fitness-Gadgets. Aber man hört ja einiges darüber in letzter Zeit: Armbänder, Uhren, Schuhe und alles, was man so trägt, wird aufgerüstet, mit dem Ziel, die sportliche Leistung zu messen. Das Ganze am besten mit Facebook-Anbindung, um seinen Freunden die letzten sportlichen Meilensteine mitteilen zu können. Auch wenn diese sicherlich ganz nett sind und man nicht mehr auf die Uhr schauen muss, um festzustellen, dass man die letzten 2,872 Km in 00:11:56 gelaufen ist und somit 239 kcal zusätzlich verbraucht hat, so weiß man damit noch nicht, ob das jetzt für das persönliche Trainingsprogramm gut oder schlecht war. Man kann daraus also nicht schließen, ob man sich überanstrengt hat, falsch trainiert hat oder zu wenig gemacht hat.

Die Idee von Tribe Wearables geht einen großen Schritt weiter: Das Team von Dimitris experimentiert mit Biosensorik, die direkt mit der Sportkleidung verwebt wird. Diese Sensoren messen aktuell beispielsweise Muskelspannung oder Muskelmüdigkeit direkt und kontinuierlich während des Trainings. Gekoppelt mit einer entsprechenden Software gibt das System Anweisungen, ob man beispielsweise weiter trainieren, einen andere Übung durchführen oder besser eine Pause einlegen sollte.

„Unser Ziel ist es, ein ganz persönliches Trainingsprogramm über am Körper angelegte Biosensorik bereitzustellen und kontinuierlich zu überwachen“, so Dimitris Stordopoulos. Ein echter persönlicher Trainer, der die aktuelle Kondition des Körpers misst, in Interaktion mit dem Sportler ein optimales und persönliches Trainingsprogramm entwickelt und den Sportler dann kontinuierlich mit Überwachung und Übungshinweisen begleitet.

Tribewearables_Funktionen

Übrigens: der Name ist in Anlehnung an die antiken Olympischen Spiele entstanden, in denen eine Gruppe von Trainern und Sportlern als Fyli (φυλή) bezeichnet wurden, also auf Deutsch als „Stamm“, „Sippe“ oder eben Englisch „Tribe“).

Der Prototyp steht

Neben Dimitris besteht das Team noch aus Yiannis Vourvoulakis und Evangelos Barakos. Besonders spannend finde ich auch die enge Zusammenarbeit und Beratung durch Nikos Aggeloussis, einer der renommiertesten europäischen Biosensorik-Professoren von der Demokrit-Universität in Komotini. Diese Zusammenarbeit und die Möglichkeit der Nutzung der Labore ist übrigens auch ein Grund, warum Tribe Wearables seinen Sitz in Komotini (Thrakien) hat.

Tribewearables_Team_und_Mentor

Im Gegensatz zur Entwicklung von App- oder Web-Anwendungen ist die Entwicklung von Biosensorik sicherlich kein einfaches und günstiges Unterfangen. Um beweisen zu können, dass der Ansatz funktioniert, hat Dimitris eine kleine Pre-Seed-Finanzierung erhalten und einen ersten Prototyp entwickelt, der die Funktionalität zeigt. Auf dieser Basis verhandelt er aktuell mit Investoren, um die Gesamtfinanzierung zu sichern.

Die Idee, Biosensorik in Kleidung zu verweben, gibt es zwar schon eine Weile, auch in Forschungslaboren, aber daraus ein funktionierendes und massentaugliches Geschäft zu entwickeln, ist ganz neu. Aktuell sind es vielleicht 2-3 Startups weltweit, die so weit gehen. Und wie Dimitris ganz selbstbewusst nach seinen Zwischenergebnissen sagt: „Wir sind besser“.

Portrait: Apostolos Apostolakis

Der König der Marktplätze

Apostolos ApostolakisJedes neue Jahr sollte man etwas Neues ausprobieren. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, die Aktivitäten in der Startup-Szene etwas zu bündeln: Deshalb möchte ich künftig außer über einzelne Startups auch mehr über bestimmte Cluster oder einzelne Persönlichkeiten berichten, die durch ihr Wirken viel zum neuen Boom beitragen. Den Anfang macht heute Apostolos Apostolakis, der nicht nur ein Multi-Entrepreneur ist, sondern auch maßgeblich zur Formung des neuen griechischen Startup-Systems beigetragen hat.

Ich habe mit Apostolos zum ersten Mal Anfang 2013 gesprochen, also gerade mal ein paar Monate nach meinen ersten Blogbeiträgen. Damals ging es um Doctoranytime, der griechischen Plattform zur Vermittlung von Ärzten. Seitdem begegne ich ihm immer wieder – er ist eine zentrale Person im griechischen Startup-Ökosystem.

Angefangen hat alles im Jahr 1998: Amazon hatte gerade die erste internationale Webseite bereitgestellt, als er zusammen mit 2 Kommilitonen und noch während des Studiums keinen geringeren Anspruch hatte, als das griechische Amazon zu gründen. Gedacht, getan. E-shop.gr war seine erste Gründung und ist bis heute mit knapp 100 Millionen Euro Umsatz der größte Online-Shop Griechenlands. Die Krise hatte zwar zwischendurch auch hier ihre Spuren hinterlassen, aber inzwischen ist das Unternehmen wieder auf starkem Wachstumskurs. Eine echte Erfolgsgeschichte bis heute.

Aber das war erst der Anfang. Nach den ersten Jahren mit e-shop.gr wollte Apostolos etwas breitere Erfahrungen sammeln und seine Studien komplettieren und wechselte für einen MBA in die USA und dann zur Boston Consulting Group. Von 2004 bis 2008 war er wieder Vollzeit bei e-shop.gr, bevor er sich dann langsam aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Diese Erfahrungen haben ihm dabei geholfen, systematisch das noch ganz junge Startup-Ökosystem mit aufzubauen. So hat er beispielsweise zusammen mit den Organisatoren des Open Coffee Greece den ersten griechischen Fund (Open Fund I) aufgebaut. Der Nachfolger Open Fund II, für den er als Berater weiterhin aktiv ist, ist mittlerweile einer der wichtigsten Investitionsinstrumente der noch jungen griechischen Startup-Szene.

In jener Zeit hat er sich auch zum ersten Mal als sogenannter „Angel“ an anderen Startups beteiligt. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich Taxibeat, über das ich ja hier auch schon berichtet habe. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter: Als Gründer und bzw. Investor mit e-food.gr, dem inzwischen größten griechischen Lieferservice in Griechenland (2011), Doctoranytime (2012) und seit letztem Jahr mit e-table zur Reservierung von Tischen in Restaurants, nannuka, ein Marktplatz für Nannies, Funkmartini zur Vermittlung von Kosmetik-Dienstleistungen oder 100mentors, eine Plattform zur Vermittlung von Mentoren, die ich ebenfalls hier im Blog beschrieben habe.

Bei all seinen Gründungen handelt es sich um sogenannte Virtuelle Marktplätze (e-marketplaces), also Portale, die irgendetwas zwischen Produzenten/Dienstleistern und Konsumenten vermitteln. Seien es Tische im Restaurant, Mentoren oder eben Nannies. Damit ist Apostolos Apostolakis in Griechenland sicherlich der „König der Marktplätze“. Und das Beste: Bei all seiner Zielstrebigkeit ist er sehr sympatisch und hilfsbereit, mit dem man sich gut über alle Mögliche unterhalten kann.

„Bisher habe ich mich vor allem auf den griechischen Markt konzentriert. Das ist zwar ein kleiner Markt, aber er hat einen wesentlichen Vorteil: Man kann über Jahre unter dem Radar der Großen dieser Welt fliegen und damit starke Unternehmen aufbauen“ so Apostolos zu seinem Ansatz. „Seit 2014 konzentriere ich mich zusätzlich auf den Aufbau von internationalen Marken“, so Apostolos weiter. Das zeigt auch die internationale Ausrichtung beispielsweise von nannuka und 100mentors.

Ich wünsche ihm dabei viel Glück und immer ein gutes Händchen. Ich bin mir sicher, wir werden noch einige Gründungen sehen, die Apostolos Apostolakis Handschrift tragen.

Apostolos Apostolakis_Presentation