Tribe Wearables

Mit Biosensorik zum persönlichen Trainingsprogramm

Alles fing mit einer Sportverletzung an: Dimitris Stordopoulos ist begeisterter Kampfsportler und spürte irgendwann beim Training Schmerzen im Knie-Bereich. Als Student der Uni Heraklion auf Kreta hatte er das Glück, das komplette Ärzteprogramm der Uni-Klinik durchlaufen zu dürfen, um herauszufinden, was eigentlich das Problem ist. Ihn interessierte dabei besonders, wie er das Problem in Zukunft vermeiden konnte. Im Rahmen der Gespräche mit den Ärzten entwickelte er eine Idee, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat: Könnte man moderne Biosensorik nutzen, um zum einen sportliche Übungen zu überwachen und zum anderen ein auf ein bestimmtes Ziel (Abnehmen, Fitness etc.) abgestimmtes Programm für einen bestimmten Körper mit all seinen Eigenheiten bereitzustellen? Die Idee von Tribe Wearables war geboren.

Tribewearables_Startseite

Weit mehr als nur ein Fitness-Gadget

Ich muss zugeben, ich gehöre nicht zur Zielgruppe der Fitness-Gadgets. Aber man hört ja einiges darüber in letzter Zeit: Armbänder, Uhren, Schuhe und alles, was man so trägt, wird aufgerüstet, mit dem Ziel, die sportliche Leistung zu messen. Das Ganze am besten mit Facebook-Anbindung, um seinen Freunden die letzten sportlichen Meilensteine mitteilen zu können. Auch wenn diese sicherlich ganz nett sind und man nicht mehr auf die Uhr schauen muss, um festzustellen, dass man die letzten 2,872 Km in 00:11:56 gelaufen ist und somit 239 kcal zusätzlich verbraucht hat, so weiß man damit noch nicht, ob das jetzt für das persönliche Trainingsprogramm gut oder schlecht war. Man kann daraus also nicht schließen, ob man sich überanstrengt hat, falsch trainiert hat oder zu wenig gemacht hat.

Die Idee von Tribe Wearables geht einen großen Schritt weiter: Das Team von Dimitris experimentiert mit Biosensorik, die direkt mit der Sportkleidung verwebt wird. Diese Sensoren messen aktuell beispielsweise Muskelspannung oder Muskelmüdigkeit direkt und kontinuierlich während des Trainings. Gekoppelt mit einer entsprechenden Software gibt das System Anweisungen, ob man beispielsweise weiter trainieren, einen andere Übung durchführen oder besser eine Pause einlegen sollte.

„Unser Ziel ist es, ein ganz persönliches Trainingsprogramm über am Körper angelegte Biosensorik bereitzustellen und kontinuierlich zu überwachen“, so Dimitris Stordopoulos. Ein echter persönlicher Trainer, der die aktuelle Kondition des Körpers misst, in Interaktion mit dem Sportler ein optimales und persönliches Trainingsprogramm entwickelt und den Sportler dann kontinuierlich mit Überwachung und Übungshinweisen begleitet.

Tribewearables_Funktionen

Übrigens: der Name ist in Anlehnung an die antiken Olympischen Spiele entstanden, in denen eine Gruppe von Trainern und Sportlern als Fyli (φυλή) bezeichnet wurden, also auf Deutsch als „Stamm“, „Sippe“ oder eben Englisch „Tribe“).

Der Prototyp steht

Neben Dimitris besteht das Team noch aus Yiannis Vourvoulakis und Evangelos Barakos. Besonders spannend finde ich auch die enge Zusammenarbeit und Beratung durch Nikos Aggeloussis, einer der renommiertesten europäischen Biosensorik-Professoren von der Demokrit-Universität in Komotini. Diese Zusammenarbeit und die Möglichkeit der Nutzung der Labore ist übrigens auch ein Grund, warum Tribe Wearables seinen Sitz in Komotini (Thrakien) hat.

Tribewearables_Team_und_Mentor

Im Gegensatz zur Entwicklung von App- oder Web-Anwendungen ist die Entwicklung von Biosensorik sicherlich kein einfaches und günstiges Unterfangen. Um beweisen zu können, dass der Ansatz funktioniert, hat Dimitris eine kleine Pre-Seed-Finanzierung erhalten und einen ersten Prototyp entwickelt, der die Funktionalität zeigt. Auf dieser Basis verhandelt er aktuell mit Investoren, um die Gesamtfinanzierung zu sichern.

Die Idee, Biosensorik in Kleidung zu verweben, gibt es zwar schon eine Weile, auch in Forschungslaboren, aber daraus ein funktionierendes und massentaugliches Geschäft zu entwickeln, ist ganz neu. Aktuell sind es vielleicht 2-3 Startups weltweit, die so weit gehen. Und wie Dimitris ganz selbstbewusst nach seinen Zwischenergebnissen sagt: „Wir sind besser“.

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