Helic / nanotropic

Chip Design? Chip Design!

Das Design und die Herstellung von Microchips ist vermutlich eine der technologisch anspruchsvollsten Tätigkeiten im IT-Umfeld und damit, zumindest in meiner Wahrnehmung, weitestgehend den als technologisch führend geltenden Ländern vorbehalten. Wenn ich an Microchips denke, denke ich an die USA (Silicon Valley, Intel, AMD), Japan und Südkorea (Fujitsu, Samsung)  oder evtl. noch Deutschland (Infineon). Ich muss selbst gestehen, dass ich mitnichten an Griechenland gedacht hätte.

Produktseite

Auch deshalb hat es mich neugierig gemacht, als ich hörte, dass das griechische Unternehmen Helic seit über zehn Jahren Software für das Chip Design herstellt – und das sehr erfolgreich. Die beiden Unternehmer Dr. Yorgos Koutsoyannopoulos und Dr. Sotiris Bantas haben in Athen studiert und promoviert und aus den Ergebnissen ihrer Dissertationen ein Unternehmen gegründet. „Der Anfang war sehr schwer, da alle potentiellen Kunden für Chip-Design-Software außerhalb von Griechenland sind“ sagte mir Yorgos Koutsoyannopoulos. Sie haben zu Beginn sehr viel Zeit bei den Herstellern verbracht, um genau zu verstehen, wo die Probleme liegen und wie die Software besser auf deren Bedürfnisse angepasst werden kann. Nach mehreren Millionen Investitionssumme und viel harter Arbeit haben sie es geschafft: Alle oben genannten Chip-Hersteller gehören inzwischen zu ihren Kunden und viele weitere mehr.

Anwendung, Marktanteil und noch eine Gründung

Dazu muss man verstehen, dass der Designprozess aus sehr vielen hoch spezialisierten Einzelschritten besteht und teilweise bis zu hundert verschiedene Werkzeuge für die Einzelschritte im Einsatz sind. „Wir decken mit unseren Produkten einen bis zwei dieser Schritte ab. Dort haben wir ca. 30 bis 40% Marktanteil“ sagte mir Dr. Yorgos Koutsoyannopoulos im Interview. Die Entwicklung der drei Produkte VeloceRF, VeloceRaptor und VeloceWired findet vollständig in Athen statt. Um dennoch die Kundennähe zu gewährleisten, ist die Zentrale mit Vertrieb und Kundensupport inzwischen in den USA und es gibt ein Büro in Japan.

Der Erfolg von Helic hat den Gründern  Recht gegeben und so haben sie 2008 ein zweites Unternehmen gegründet. Mit dem Unternehmen nanotropic adressieren sie speziell das Thema Energie-Effizienz bei Microchips.

High-Tech-Cluster in Athen

Interessant fand ich auch, dass sich inzwischen ein kleines High-Tech-Cluster mit Unternehmen aus diesem Bereich in Athen entwickelt hat. Im folgenden Beitrag der Deutschen Welle (auf Englisch) bekommt man einen kleinen Eindruck. Ungefähr ab Zeit 1:40 im Film geht es um Helic und man sieht und hört auch Dr. Yorgos Koutsoyannopoulos.

http://www.youtube.com/watch?v=cPLgUIsQet8″

Ich bin beeindruckt!

Parking Defenders (park around)

Was haben Flugzeuge und Parkplätze gemeinsam

Will man heutzutage einen Flug buchen, so weiß man, dass die Preise täglich oder gar stündlich schwanken. Abhängig von der erwarteten Nachfrage, von den bereits gebuchten Sitzen, von der Jahreszeit, den Schulferien etc. Verständlich: Die Fluggesellschaften wollen bei harter Konkurrenz ihre Flugzeuge möglich voll ausbuchen, ohne sich dabei unter Wert zu verkaufen. Das Prinzip dahinter heißt Ertragsmanagement (oder Yield-Management). Auch wenn man allgemein von  Preisdifferenzierung sprechen könnte, hat das Yield-Management ein besonderes Charakteristikum: Es ist nicht nur von der Art der Leistung abhängig, sondern vor allem von der Beschränkung des Kontingents zu einem bestimmten Zeitpunkt – wie bei den Plätzen in einem Flugzeug bei einem bestimmten Flug. Blöd für die Fluggesellschaft wird es, wenn der Flug halbleer startet oder noch 100 weitere Tickets hätte verkaufen können, weil sie „zu günstig“ waren.

Parking Defenders Startseite

Parking Defenders– Finde das beste Parkplatzangebot in der Nähe

Das griechische Unternehmen Parking Defenders hatte als erstes Unternehmen weltweit (zumindest soweit ich das überblicken kann) die Idee, das Prinzip des Yield-Management auf Parkhäuser und Parkplätze zu übertragen. Wie die Gründer Kostas Arkadas, John Katsiotis, Otto Antoniou und Nikos Antoniou richtig erkannt haben, steht ein Parkhausbetreiber vor genau derselben Herausforderung wie die Fluggesellschaften: Wie schaffe ich es, dass die Parkplätze möglichst gut belegt sind und dies möglichst über den ganzen Tag gleichmäßig verteilt.

Vorab buchen  oder in Echtzeit entscheiden – alles ist möglich

Die zentrale Idee hinter Parking Defenders ist die Dynamisierung und Flexibilisierung des Preises für Parkplätze. Im Gespräch mit Kostas Arkadas habe ich gelernt, dass das nicht nur für Parkplatzbetreiber, sondern vor allem auch für Parkplatzsuchende interessant ist. Dazu gehören sogar Themen wie Frühbucherrabatte, bester Preis für fünf Stunden parken in der Nähe, personalisierte Spezialangebote, die das Parkhaus ad hoc machen kann, bis hin zu Zusatzangeboten, wie Rabatte, wenn gleich eine Autowäsche mitbestellt wird.

„Mit Parking Defenders ermöglichen wir auch zum ersten Mal eine direkte Kommunikation zwischen Anbieten und Kunden, wodurch ganz neue Möglichkeiten der Kundenbindung entstehen“, sagt Kostas Arkadas im Gespräch. „Es ist eigentlich verwunderlich, dass sich noch niemand um das Thema gekümmert hat, wenn man bedenkt, dass das Parkplatzgeschäft in Europa mehrere Milliarden Euro wert ist und noch steigt.“ (Siehe dazu auch die Analyse von Bouwfonds)

Die Ideen der Gründer gehen sehr weit, bis hin zur Integration in die Navigationsgeräte der Autos. Über eine solche Integration könnte man dann nicht nur den Zielort, sondern auch gleich das günstigste Parkhaus für 24h in der Nähe des Zielorts suchen und sich dorthin routen lassen. Eine schöne Ergänzung für das Travelling-Salesman-Problem.

Wenn man nicht gerade in Athen unterwegs ist, wo die App bereits genutzt werden kann, kann man sich hier einen ersten Eindruck verschaffen.

Die Vorgeschichte – Gamification der Parkplatzsuche

Obwohl das Unternehmen noch recht jung ist, merkt man im Gespräch, dass die jungen Unternehmer schnell gelernt und bereits mehrere Entwicklungsstufen in kürzester Zeit durchwandert haben. Dass sie technisch versiert sind, haben sie bereits letztes Jahr in einem europäischen Wettbewerb von Evernote (LeWeb Developer Competition) gezeigt,  bei dem sie prompt den ersten Preis gewonnen haben.

„Unsere ursprüngliche Idee war eine Parkplatzvermittlung zwischen Parkplatzsuchenden und Personen, die gerade einen öffentlichen Parkplatz verlassen“. Um die Teilnahme für alle interessant zu machen, haben die Gründer mit Gamification-Ansätzen experimentiert. Schon bei diesem ersten Ansatz in der Thematik der Parkplatzsuche haben sie nicht nur Kreativität, sondern auch viel Humor gezeigt, wie folgende ältere Videos zeigen:

oder

Sie hatten damit in kürzester Zeit 6.000 Nutzer in Athen erreicht und ca. 100.000 Parkplatzanfragen verarbeitet. Damit haben sie sich eine Community aufgebaut, die mit täglichen Parkplatzproblemen kämpft. Allerdings haben sie schnell festgestellt, dass die Anzahl der Nutzer wesentlich größer sein muss und das Geschäftsmodell noch nicht richtig tragfähig ist. „Die alte Anwendung läuft weiter, aber wir haben das Thema erst mal geparkt und konzentrieren uns auf den kommerziellen Markt der Parkplatzanbieter, da hier der Bedarf höher ist und das Geschäftsmodell für alle Parteien klarer ist“, wie mir Kostas Arkadas sagt.

Übertragbarkeit auf Deutschland und ein Beitrag zur Reduktion des Verkehrs

Ich habe mich natürlich gefragt, ob der Ansatz auf Deutschland übertragbar ist. Das Problem ist auf jeden Fall ein typisches Großstadtproblem. In Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München ist die tägliche Parkplatzsuche sicher ein Thema. Ich selbst fahre kaum Auto, sodass ich das Problem nicht habe. Aber wenn ich sehe, wie sich Staus an Samstagen selbst in einer kleineren Stadt wie Karlsruhe bilden, nur weil die Fahrer stur zum nächsten Parkhaus in der Nähe ihrer gewünschten Einkaufsmöglichkeit fahren – und dies trotz Parkleitsystem – denke ich schon, dass eine App hilfreich wäre, die die Fahrer zu freien und kostengünstigen Parkplätzen in der Nähe führt.

Viel Spaß bei der Parkplatzsuche.

Nachtrag vom 4.10.2013:

Parking Defenders heißen inzwischen park around, sind finanziert und konzentrieren sich auf das Geschäft mit Parkhäusern. Die neue URL lautet: http://www.parkaround.com/

taxibeat

Ich liebe Taxifahren!

Vielleicht kommt die Angewohnheit noch aus meiner Athener Zeit, aber seitdem ich denken kann, nehme ich mir ein Taxi, wenn ich schnell irgendwo hin muss und die sonstige Verkehrsanbindung zu mühsam, zu langsam oder einfach nicht da ist, wie beispielsweise nachts. Da ich kein Auto besitze, würde ich auch sagen, dass meine persönlichen Mobilitätkosten trotz des „Luxus“ eines Taxis den ich mir ab und zu leiste, weit unter denen eines typischen Autobesitzers liegen.

Das einzige Problem beim Taxifahren: Man weiß nicht, an wen man gerät. Ich habe schon einige skurrile Geschichten erlebt, von Fahrten mit vier „Mitfahrern“ in einem kleinen Auto („rutscht mal zusammen“), über schlecht gelaunte Fahrer, die non-stop über irgendein Ereignis (meist Politisches) herziehen, als ob sie gerade aus dem Film Conspiracy Theory entsprungen wären, oder gar Taxis ohne Sicherheitsgurt („vertraust du mir nicht, Alder?“). Es gibt aber auch viele tolle Geschichten, wie die von dem Taxifahrer aus Karlsruhe, der uns über die neuesten Entwicklungen in der Heavy-Metal-Szene aufgeklärt und uns ein paar seiner aktuellen Lieblingsstücke vorgespielt hat. Oder der Athener Taxifahrer, der sich so gefreut hat, zwei Mal innerhalb kürzester Zeit die gleiche Gruppe an Leuten zu transportieren (sehr selten in Athen), dass er uns die Fahrt geschenkt hat. Oder der New Yorker Taxifahrer, der selbst Grieche war und uns so die erste Sightseeing-Tour durch New York auf Griechisch bescherte. Schade nur, dass ich diese Erfahrungen nicht mit anderen teilen kann, bzw. vorgewarnt werden kann, auf was (oder wen) ich mich da einlasse. Wäre es nicht toll, wenn ich mir genau das Taxi und den Taxifahrer aussuchen könnte, das resp. den ich haben will?

Das griechische Unternehmen taxibeat hat diese Lücke erkannt und bietet seit 2011 einen weltweit einmaligen Dienst an: Über eine kostenlose App sieht man alle Taxis, die in der Nähe und aktuell  frei sind. Statt sich auf die Straße zu stellen und „Taxi!“ zu rufen, wählt man sich direkt ein Taxi aus und bestellt es. Der Taxifahrer erhält neben der Bestellung auch gleich einen Anfahrtsweg.

Die Anwendung

Der Clou ist, dass sich taxibeat, im Gegensatz zu anderen Taxi-Apps, wie die in Deutschland verbreiteten Apps myTaxi, Taxi.de oder die ganz neue BetterTaxi, die Taxizentralen umgeht und eine direkte Vermittlung zwischen Kunden und Fahrer herstellt. Über die Liste der aktuell in der Nähe befindlichen freien Taxis kann der Kunde ein Taxi nach seinen persönlichen Präferenzen auswählen, wie Nähe zum aktuellen Ort, den Autotyp, aber beispielsweise auch die Sprachen, die der Fahrer spricht, sodass auch ein Tourist, der kein Griechisch spricht, sich verständigen kann. Darüber hinaus kann der Kunde die Bewertungen und Kommentare einsehen und sich so vorab ein Bild vom Fahrer, Fahrstil etc. machen.

Märkte

taxibeat ist inzwischen so erfolgreich, dass „in Athen über 10% aller Taxis bereits damit ausgestattet sind und das Geschäft in Griechenland schon profitabel ist“, wie mir Nikos Drandakis, einer der Gründer von taxibeat, erzählte. „Die Technik steht schon seit über einem Jahr und die Hauptkosten entstehen im Marketing und dem schnellen Ausbau in neue Märkte“. Vor drei Monaten hat taxibeat den Standort Brasilien aufgemacht und dort bereits über 900 Taxis in Sao Paolo und Rio de Janeiro im Angebot. Parallel bauen sie aktuell die Standorte Rumänien, Norwegen und Frankreich (Paris) auf (LINKS).

taxibeat hat sich zu Beginn über Seedfunding vom griechischen OpenFund (http://www.theopenfund.com/) mit 50.000 € finanziert und dann in mehreren weiteren Finanzierungsrunden vor allem Investoren aus Griechenland an Bord geholt.

Deutschland ist bei der Expansion derzeit leider außen vor. „Wir konzentrieren uns aktuell auf Märkte, in denen noch wenig Infrastruktur vorliegt, also dort, wo die Qualität der Taxis und Taxifahrer sehr heterogen ist und es nicht so einfach ist, schnell ein Taxi über eine Zentrale zu bekommen“ betont Nikos Drandakis. „Wichtig für uns ist es, schnell an neuen Märkten die ersten zu sein“. Ich stimme dem zwar nicht 100% zu, da ich den Mehrwert auch für Deutschland sehe (ich bleibe nicht selten in der Warteschleife der Zentralen hängen und hätte mir einen direkten Zugriff auf die Fahrer gewünscht), aber ich kann schon verstehen, dass andere Märkte für taxibeat erst einmal interessanter sind.

Das Geschäftsmodell ist übrigens sehr einfach. Der Kunde zahlt nichts und der Taxifahrer einen kleinen Betrag pro Fahrt. Für die meisten Taxifahrer ist das ein gutes Geschäft, da sie nicht nur die Monatsgebühren sparen und viel mehr Fahrten machen können, sondern auch keine teure Funk-Ausrüstung benötigen und einfach ihr Smartphone für die Annahme der Fahrten benutzen können.

Eine kleine Anekdote am Rande: Im vermeintlich so fortschrittlichen und liberalen Norwegen versucht gerade die Taxizentralen-Lobby Stimmung zu machen und will taxibeat stoppen (norwegischer Artikel). Manchmal wundert man sich schon, wie wenig die Klischees eines Landes und die Realität zusammenpassen.

Also, wenn es kurzfristig schon nichts mit taxibeat in Deutschland wird, dann die App beim nächsten Urlaub in Griechenland oder Paris einpacken und vor allem zur nächsten Fußballweltmeisterschaft in Brasilien.

taxibeat, Taxi, Samba!

Wer mehr wissen will, hier noch ein Interview mit Nikos Drandakis (auf Englisch) und ein nettes Video über taxibeat (auf Portugiesisch mit griechischen Untertiteln zur Einstimmung auf die WM):

workable

Verschlankung des Bewerbungsprozesses für kleine und mittlere Unternehmen

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie zeitaufwändig der Bewerbungsprozess für ein mittelständisches Unternehmen sein kann. Vor allem, wenn man für eine Stellenausschreibung viele Bewerbungen bekommt und man noch zu klein ist, um eine eigene Personalabteilung zu haben (HR-Abteilung). Wenn es schon in Deutschland aufwändig ist, für ein Unternehmen in Griechenland muss das die Hölle sein: Es kann sein, dass man als 10-Mann-Unternehmen in einem Land mit über 50% Jugendarbeitslosigkeit eine Stelle ausschreibt und plötzlich einige hunderte oder gar tausende Bewerbungen bekommt. In kleineren Unternehmen wird der Bewerbungsprozess üblicherweise „nebenbei“ abgewickelt, also neben dem eigentlichen Geschäft. Wenn man dann hunderte oder tausende Bewerbungen auf den Tisch hat, kann man sich erst einmal ein paar Wochen verkriechen, um die besten Kandidaten herauszufiltern.

Nikos Moraitakis und Spyros Magiatis haben das erkannt und Anfang des Jahres 2012 beschlossen, das griechische Unternehmen workable zu gründen. Ihr Zielmarkt sind kleine und mittelständische Unternehmen in ganz Europa mit 10 bis 200 Mitarbeitern – und davon gibt es unendlich viele. Mir gefällt die Anwendung besonders, weil sie von Mittelständlern für Mittelständler konzipiert ist: Wie Nikos Moraitakis sagt, geht es ihnen nicht darum, die nächste „sexy“ Anwendung zu bauen, sondern einfach ein Werkzeug bereitzustellen, das „sehr einfach zu bedienen ist, da die meisten Nutzer es nur phasenweise zu Bewerbungszeiten nutzen werden. workable hilft Mitarbeiter in Unternehmen beim Einstellen, deren Hauptjob nicht das Einstellen ist“.  Das ist sicher nicht „the next big thing“, aber eine gute und innovative Idee, die vielen Unternehmen in Europa helfen kann.

Die Idee

„Die Zukunft der Bewerbung besteht in der direkten Kopplung von Social Media“ sagt Nikos Moraitakis. Daher haben sie das System von Anfang an so konzipiert, dass der Bewerbungsprozess über Informationen aus LinkedIn, XING, viadeo etc. gesteuert wird.

Die Idee ist eigentlich ganz einfach und doch bestechend: Über ein zentrales Bewerberportal läuft der gesamte Bewerbungsprozess ab. Von der Stellenbeschreibung, die direkt über Social-Media-Kanäle verbreitet wird, über die automatische Klassifikation der Bewerbungen durch Analyse der Profile auf LinkedIn, XING etc., die Verteilung der Bewerbungen, die sich qualifizieren, an die entsprechenden Mitarbeiter, die Kommentierung und Meinungsbildung in den Teams bis hin zum Einladungsgespräch, Zusage bzw. Absage.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die zentrale Innovation und das größte Unterscheidungsmerkmal zu anderen, vor allem amerikanischen Plattformen, wie the Resumator, jobvite, oder SmartRecruiter, ist die volle Integration sozialer Medien und die Unterstützung des europäischen Bewerbungsprozesses (der in Amerika ganz anders abläuft). Die Ankündigung einer neuen offenen Stelle, aber noch viel wichtiger, die erste Einordnung der Bewerber kann über die Lebensläufe in LinkedIn oder XING quasi automatisiert ablaufen. Wer hat schon Zeit, 100 oder 1.000 PDF-Lebensläufe zu scannen und auszuwerten, um die Bewerber mit einem Abschluss in Informatik oder mehr als 5 Jahren Berufserfahrung als Senior Developer herauszusuchen.

Dabei denken die beiden Gründer gleich noch einen Schritt weiter und ergänzen die Bewerberinformationen beispielsweise um zusätzliche Rankings, wie die von Universitäten – woher sonst soll ich als griechischer Unternehmer wissen, dass der deutsche Bewerber mit einem Diplom von der Informatik-Fakultät in Karlsruhe an einer der besten Informatik-Fakultäten in Deutschland studiert hat 😉

Natürlich hat sich workable auch Gedanken über das Preismodell für die Zielgruppe der kleinen und mittelständischen Unternehmen gemacht: Die Dienstleistung wird über einen kleinen Monatsbeitrag abgerechnet, der gestaffelt ist nach der Anzahl der in diesem Monat laufenden Stellenanzeigen. Wenn man also gerade keine offenen Stellen hat, zahlt man auch nichts. Und mit wenigen Euro pro Monat und Stellenanzeige sind die Kosten auch sehr überschaubar – das Modell soll sich durch die Masse an kleinen an mittelständischen Unternehmen in ganz Europa oder sogar der Welt tragen.

Vier Monate nach Gründung ist das Unternehmen bereits in Griechenland und England aktiv und hat die Integration mit LinkedIn umgesetzt. Der Ausbau auf für das in Deutschland beliebte XING oder das in Frankreich weit verbreitete viadeo ist in Arbeit. Auch planen die beiden griechischen Unternehmer, in Deutschland und anderen europäischen Ländern Büros einzurichten und so auch in Nordeuropa ein paar neue Stellen zu schaffen.

Das Unternehmen und die Gründer

Was mich an dem griechischen Unternehmen jedoch besonders beeindruckt hat, sind die beiden Gründer und deren sehr schneller Erfolg: Obwohl das Unternehmen erst im Juli gegründet wurde, hat es bereits eine Finanzierung von über 100.000€ und ist gerade dabei weitere 600.000€ an Venture-Capital-Investitionen zu bekommen. Nach gerade mal zwei Wochen Betatest hat workable bereits 250 registrierte Unternehmen und sehr positives Feedback – und da sage man noch, dass niemand in Griechenland investiert.

Im Gespräch habe ich auch verstanden, warum sie so schnell so erfolgreich waren. Nikos Moraitakis und  Spyros Magiatis sehen sich als „Gründer der 2. Generation“. Sie haben selbst viele Jahre bei einem der erfolgreichsten Startups Griechenlands gearbeitet, der Firma Upstream und haben das Unternehmen als Mitarbeiter vom Startup bis hin zu einem Unternehmen mit 200 Angestellten begleitet. Aus dieser Zeit stammt auch ihre Erfahrung mit dem umständlichen Bewerbungsprozess. Die Firma Upstream hat sie bei der Gründung übrigens nicht nur durch Beratung dabei unterstützt, ihr eigenes Geschäft zu starten, sondern auch gleich zur ersten Finanzierung beigetragen. Die Idee „Gründer helfen Gründern“ verfolgen sie auch selbst weiter und helfen anderen griechischen Startups bei deren Gründung.

Im Nachgang habe ich noch ein sehr interessantes Gespräch mit Nikos darüber gehabt, was eigentlich den Unterschied zwischen einem deutschen, amerikanischen oder eben griechischen Startup ausmachen wird. Aber das ist ein weites Feld und es lohnt sich dazu sicher ein separater Blog-Beitrag.