Zweittagesmarsch durch die Athener Startup-Welt

Mein Programm für die Startup Safary Athens

Nächstes Wochenende gehe ich auf Safari! Nicht in Afrika, sondern auf die Startup Safary Athens, wo zahlreiche Startups und Inkubatoren eine Art Tag der offenen Tür mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen organisieren. Das Ganze ist eingebettet in eine ganze Woche mit Veranstaltungen zum Thema Innovation, Unternehmertum und Startups. Angefangen mit der TEDxAthens und der Disrupt 2014, die dieses Wochenende stattgefunden haben, über die Woche für Social Entrepreneurship, die heute beginnt, bis hin zur Startup Safary Athens selbst am nächsten Wochenende.

Inzwischen macht es die schiere Menge an Veranstaltungen und Initiativen unmöglich, den kompletten Überblick zu bewahren. Dennoch möchte ich versuchen, mir zumindest einen kleinen Überblick zu verschaffen, und nutze dazu vor allem die Veranstaltungen während der Startup Safary Athens am 22. und 23. November.

Das vorläufige Programm, zu dem täglich noch neue Veranstaltungen hinzukommen, ist hier zu finden: http://athens.startupsafary.com/program/

Da viele Veranstaltungen parallel laufen, werde ich wohl Event-Hopping betreiben. Die folgende Agenda ist eigentlich eher für mich selbst gedacht und wird sich vermutlich noch spontan ändern, aber ich freue mich natürlich darauf, auf der Tour ein paar alte und viele neue Gesichter zu treffen. Vielleicht ergibt sich aus dem einen oder anderen Treffen ja ein neuer Blogbeitrag.

Freitag, 21.11.2014

Der Freitag ist noch einfach: Da bin ich vermutlich ab 9 Uhr auf der Veranstaltung digitales Griechenland, auf der sich die griechischen Fonds und einige Startups präsentieren.

Samstag, 22.11.2014, 10-11:00 Uhr (Travelplanet24)

Ich wollte schon immer mal ein größeres griechisches Startup besuchen und mache das bei TravelPlanet24 von Philipp Brinkmann. Siehe auch Blogbeitrag hier: https://eulenausathen.com/2013/08/04/tripsta-de-oder-travalplanet24-com/

Samstag, 22.11.2014, 11-13:00 Uhr (IQbility)

Da bin ich vermutlich im IQbility, dem Inkubator der Quest-Gruppe und des PJ Catalyst Fond. Dort stellen sich zum einen die Organisatoren vor und zum anderen ausgewählte Startups, die ich fast alle schon einmal auf diesem Blog präsentiert habe.

Samstag, 22.11.2014, 13-14:30 Uhr (Innovathens)

Innovathens ist der „Knotenpunkt für Innovation und Unternehmertum der Stadt Athen“. Das wollte ich mir eh anschauen. Zu der Zeit, in der ich vorhabe, dort zu sein, wird Herr Salavopoulos von der griechischen Botschaft in Berlin über Synergien zwischen Berlin und Athen bezüglich Startups sprechen.

Samstag, 22.11.2014, 14:30 – 16:30 Uhr (Orange Grove)

Das Orange Grove ist eine spannende Initiative der Niederländischen Botschaft. Statt nur zu reden, haben sie in der Botschaft in Athen gleich ein ganzes Stockwerk geräumt und einen Inkubator für Startups geschaffen. Mein persönliches Highlight hierbei: Peter Economides, der mich auch zu diesem Blog inspiriert hat (siehe Beitrag), spricht über Branding für Startups.

Samstag, 22.11.2014, 18:00-20:00 Uhr (Found.ation)

Die Found.ation ist einer der größten Co-working-spaces und Technologie-Hubs in Athen – und ich war noch nie da. Aber jetzt! Der Anlass diesmal: Startups im Bereich Gesundheit. Bin gespannt.

Sonntag 23.11.2014, 12-13:00 Uhr (The egg)

The Egg (enter, grow, go) ist eine gemeinsame Initiative der Eurobank und Corallia, die das Ziel hat Unternehmertum zu unterstützen und Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Der Anlass für meinen Besuch ist das Thema E-Commerce und Argarwirtschaft, aber die Initiative und vor allem Corallia interessieren mich auch sehr.

Wie gesagt, dies ist nur eine kleine Auswahl. Insgesamt gehen die Organisatoren von ca. 100 Einzelveranstaltungen und einigen tausend Besuchern aus. Ich freue mich darauf, 2-3 Tage den neuen Puls von Athen zu spüren.

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Fundstücke #5: Beyond Silicon Valley – The Greek Story

Kürzlich bin ich darauf angesprochen worden, ob es nicht an der Zeit wäre mal einen Dokumentarfilm zu drehen, über all das was ich als neues griechisches Unternehmertum bezeichnen würde. Daher freue ich mich besonders auf das folgende Fundstück. Es handelt sich um eine ganze Serie aus kurzen Filmen, die unter anderem mit der Alba Business School in Athen und Metavallon produziert wurde, einer Organisation, der Unternehmern in der frühen Phase hilft ihre Ideen zu entwickeln und zu starten.

Sie wurden im Rahmen eines Online-Courses für Unternehmer  erstellt und geben einen Eindruck über das, was in Griechenland gerade passiert, was für Chancen gesehen werden, aber auch welche strukturellen Probleme es noch gibt, die in den nächsten Jahren überwunden werden müssen.

logo

Die Episoden sind auf griechisch mit englischen Untertiteln. Hier die Filme der Reihe nach:

  1. Contemporary History of Greek Entrepreneurship

  • /The Role of Government

  1. The Role of Philanthropy

  1. Intermediary Organizations

  1. Anchor Institutions

  1. Financing

  1. Entrepreneurship in Agrofood

  1. Entrepreneurship in Tourism

  1. Glimpse into the Future


Viel Spaß bei anschauen.

Athen: Free Thinking Zone

Das ist zwar keine technologische Innovation, aber mir gefällt, wie die Free Thinking Zone als Prototyp für zukünftige Buchhandlungen dienen könnte: „Die Free Thinking Zone ist nicht einfach nur eine Buchhandlung, sondern ein Knotenpunkt für progressive Gedanken, Konzepte und Themen, um die zeitgenössischen Probleme aktiv anzugehen“. Übrigens arbeiten die auch eng mit der griechischen Startup-Szene zusammen.

100mentors

Professionalisierung des Netzwerkens

Wo will ich hin und wie kann ich das erreichen? Diese Frage haben wir uns in Bezug auf unsere berufliche Karriere sicher alle schon gestellt. Das betrifft die Wahl unserer Universität ebenso wie weitere Schritte auf dem Weg zu unserem Ziel. Persönliche Interessen sollten dabei natürlich eine große Rolle spielen. Aber oft sind es auch Zufälle, das persönliche Netzwerk oder einfach nur der sanfte Druck von Freunden und Verwandten, die ausschlaggebend für unsere Zukunft sind. Kein Wunder, dass es so viele Juristen- oder Ärzte-Dynastien gibt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Was ist aber, wenn der Apfel spürt, dass er lieber in der Nähe eines ganz anderen Stamms landen würde? Was ist mit Leuten, die kein privates oder familiäres Netzwerk haben, das ihnen den Weg ebnen kann?

Mit deinem zukünftigen Ich reden

Hat man eine Vision für sein Leben in 5 oder 10 Jahren, die sich außerhalb seines aktuellen Umfelds abspielt, so ist es naheliegend, sich mit jemandem zu unterhalten, der bestimmte Entscheidungen im Leben getroffen hat, die ihn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist und wo man selbst gerne sein würde. Quasi mit seinem Stellvertreter in der Zukunft. Dabei helfen klassische Plattformen für soziale Netzwerke nur wenig, oder warum sollte ein leitender Android-Entwickler bei Google oder ein Raketenforscher bei der NASA sich Zeit nehmen, um sich mit mir zu unterhalten?

Mentoren und Mentees zusammenbringen

100mentors_Startseite

Das griechische Startup 100mentors zielt darauf ab, Mentoren aus unterschiedlichen akademischen und Wirtschaftsbereichen mit sogenannten Mentees, also Beratungssuchenden, zusammenzubringen. „Als Mentor kann sich im Prinzip jeder bewerben, der eine berufliche oder akademische Karriere hat und sein Wissen an Dritte weitergeben möchte“, so Yiorgos Nikoletakis, einer der Gründer von 100mentors. „Um sicherzustellen, dass das Angebot seriös und für die Mentees interessant ist, haben wir einen Prüfprozess, den jeder Kandidat durchläuft, bevor er als Mentor aufgenommen wird“, so Yiorgos weiter. Neben seinem Profil gibt der Mentor an, welche Dienstleistungen er anbietet und für welche Kosten.

Man muss sich 100mentors wie einen Marktplatz für Erfahrungen vorstellen. Das Angebot können beispielsweise einfache Unterhaltungen sein oder konkrete Unterstützung bei der Vorbereitung von Bewerbungen. 100mentors vermittelt Interessenten (Mentees) passende Mentoren und übernimmt die finanzielle Abwicklung. Am Ende des Prozesses steht neben der Abrechnung natürlich auch die Bewertung der Leistung.

Warum machen Mentoren mit?

Dass Karriereanfänger daran interessiert sind, mit Personen aus ihrem zukünftigen Umfeld zu sprechen, ist verständlich. Aber warum machen Mentoren mit, die teilweise schon erfolgreiche Berufslaufbahnen hinter sich haben? „Der Hauptgrund für die Teilnahme der Mentoren ist der Wunsch, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben“, so Yiorgos Nikoletakis. Dazu kommen die Neugier und das Interesse, Personen zu treffen, die vielleicht in ein paar Jahren Kollegen sein werden. Oft wird die Plattform auch als Vorbereitung für das Recruiting genutzt. Man hat die Möglichkeit, interessante Personen kennenzulernen, ihnen zu helfen und wer weiß, vielleicht auch für das eigene Unternehmen zu interessieren. Die Bezahlung scheint dabei eine geringere Rolle zu spielen, da die meisten Mentoren genug verdienen. Wenn überhaupt ist die Bezahlung eher eine Art zu gewährleisten, dass es sich um seriöse und gut vorbereitete Anfragen handelt.

Hintergrund zum Unternehmen und Geschäftsmodell

100mentors wurde im Mai 2014 gegründet, allerdings haben die drei Gründer schon im Vorfeld 2 Jahre auf die Gründung hingearbeitet. Den Anfang machten kleinere Eigeninvestitionen sowie Angel-Investoren aus Griechenland. Inzwischen besteht das Team aus neun Mitarbeitern. Übrigens hat das Team eine starke deutsche Beteiligung. Gleich zwei der neun Team-Mitglieder sind Deutsche, der CTO Miltiadis Zeibekis und die Community-Managerin Cathrin Schriever. Aktuell verhandeln sie mit griechischem Venture Capital und Angel-Investoren über die erste größere Finanzierungsrunde.

100mentors foto_team in meeting_kleiner

100mentors im Team-Meeting. von links nach rechts: Timos Tokousbalides, Nassos Anagnostopoulos, Yiorgos Nikoletakis, Miltiadis Zeibekis, Thodoris Messinis. Nicht im Bild: Alex Pokatilo, Cathrin Schriever, Villy Klada, Teti Psarou, Anna Lali-Tsilidou

Obwohl die Plattform erst seit ein paar Monaten steht, haben sich schon über 500 Mentoren angemeldet und im letzten Monat wurden ca. 100 Mentees an Mentoren vermittelt. Dabei ist interessant, dass sowohl die Mentees als auch die Mentoren jetzt schon aus 40 Ländern aus der ganzen Welt kommen – und alles nur über Empfehlungen, da 100mentors mit der Vermarktung der Plattform noch gar nicht richtig angefangen hat. Ein wichtiger Baustein scheint die Zusammenarbeit mit Universitäten und großen Beratungsunternehmen zu sein. Der Schwerpunkt von 100mentors liegt aktuell vor allem in den Bereichen Technologie, Politik (internationale Beziehungen, Diplomatie) und Wirtschaft. Aber auch erste „Exoten“ fangen an, sich für die Plattform zu interessieren, wie Anfragen zu Studien zur Konservierung von Kunst zeigen.

Griechenland als optimales Gründerland

Eine Sache habe ich mir noch für den Schluss aufgehoben: Da die Gründer internationale Erfahrung besitzen und 2013 mit dem Founder Award des renommierten Deloitte Institutes der London Business School ausgezeichnet wurden, lag es eigentlich nahe, 100mentors in England zu gründen. Sie haben sich aber für Griechenland entschieden, denn: „Der hohe Ausbildungsgrad der Ingenieure in Griechenland in Kombination mit relativ niedrigen Kosten für Büros machen Griechenland zu einem optimalen Standort für uns“. Vielleicht sehen wir ja in Zukunft noch mehr Startups, die in Griechenland gründen – auch wenn deren Ideen irgendwo anders auf der Welt entstanden sind.

Das Wetter ist in Griechenland sicher auch besser als in London oder Berlin.

Startup Safary Athens

Zwei Tage lang die Athener Startup-Szene erleben

Über dieses Blog hatte ich die Gelegenheit, viele Startups und junge Unternehmen aus Griechenland kennenzulernen und ich bin froh darüber, quasi live mitzuerleben, wie sich aus dem Nichts ein ganzes Ökosystem innovativer Unternehmungen in Griechenland gebildet hat. Mein Problem: Es gibt inzwischen so viele Initiativen, Programme, Veranstaltungen und natürlich innovative Gründungen, dass es selbst mir schwer fällt, den Überblick zu bewahren.

StartupSafariAthens_Startseite

Eine gute Gelegenheit, Ein- und Überblick zu bekommen, bietet die „Startup Safary Athens“. Die Idee eines Tages der Offenen Tür für Startups zu machen, kommt übrigens ursprünglich aus Berlin. Vassilis Bartzokas, den wir schon von der Designlobby kennen, hat die Initiative ergriffen und überträgt das Berliner Modell jetzt auf Athen.

Die Safari findet vom 22. bis 23. November 2014 statt. Auch wenn das Programm noch nicht fertig ist, kann man jetzt schon sehen, dass das „Who is Who“ der griechischen Startup-Szene dabei ist. Einige alte Bekannte wie die Gründer von Pollfish, i-Kiosk und Offerial habe ich schon im Programm gesehen und in fast allen Co-working-Spaces, Inkubatoren und „Acceleratoren“ werden zwei Tage lang Kennenlern-Runden und Workshops stattfinden. Sobald das genaue Programm online ist, informiere ich euch darüber.

Ich bin natürlich auch dabei und freue mich auf alte und neue Bekannte und viele neue Ideen, über die ich hier berichten kann.

Vielversprechend #7: Organery

Die Zukunft des Recyclings

Da kann kein produzierendes Gewerbe mithalten: Die Staaten der Europäischen Union produzieren mehr als 2,5 Milliarden Tonnen Abfall pro Jahr, Tendenz steigend. Recycling, Grüner Punkt, Verbrennung und Energiegewinnung: Das Geschäft mit unserem Abfall boomt. Nur die Produzenten des Abfalls gehen leer aus – ich protestiere.

Dabei ist inzwischen bekannt, dass Abfall bares Geld wert ist – natürlich nur, wenn er richtig verwertet wird. Um es auf die Spitze zu treiben: Da ich zu den Produzenten von Abfall gehöre, müsste ich eigentlich auch mit der Wiederverwertung Geld verdienen können. Und nach den gültigen Marktregeln wäre mein Ansporn, zur besseren Verwertung beizutragen, wesentlich höher, wenn ich bei jedem Gang zur Mülltonne noch etwas verdienen könnte.

Intelligente Kompostierung

Organery_Startseite

Ich bin eher zufällig auf die beiden Gründer von Organery bei einem Besuch in Kalamata  gestoßen. Ein Bekannter aus meiner Facebook-Timeline hat mir empfohlen, mich mal mit Yiannis Mourgis und Ippokratis Papadimitrakos in Kalamata zu treffen. Und ich muss sagen, dass ich schwer beeindruckt bin:

Die vielversprechende Idee von Organery besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Zunächst einmal wollen sie intelligente Kompostierungsanlagen bauen, die beim Einwurf von Bio-Abfällen direkt die Qualität prüfen und die Kompostierung vor Ort durchführen. Dadurch erhöht sich die Qualität des Komposts und die Transportkosten werden reduziert, wenn die Kompostierung vor Ort und vor dem Transport stattfindet. Neben der Anlage für Bio-Abfälle haben sie noch eine für Speiseöle in der Planung, die für die Erzeugung von Bio-Kraftstoffen geeignet ist. Das ist natürlich besonders interessant für eine olivenölproduzierende und viel Olivenöl konsumierende Region wie Kalamata.

Innovation und Gamification

Der Clou ist aber meiner Meinung nach ihr Ansatz, die Bevölkerung dazu zu bringen mitzumachen: Jeder, der mitmachen möchte, muss sich identifizieren und ein kleines Online-Training durchführen. Dann bekommt er die Freischaltung auf seiner App und muss sich vor dem Einwurf authentifizieren. Wirft er etwas Ungeeignetes ein, wird er verwarnt oder der Zugang wird gesperrt und er muss sich neu prüfen lassen (wie beim Idiotentest für Autofahrer). Ist sein Einwurf qualitativ hochwertig, bekommt er Punkte gutgeschrieben, die er dann in den regionalen Supermärkten in Waren umwandeln kann.

Durch diese Kombination von intelligenter Vorortkompostierung und dem Gamification-Ansatz erhoffen sie sich nicht nur eine bessere Qualität des wiederverwertbaren Materials, sondern auch eine Sensibilisierung für die Notwendigkeit des Recyclings. Dieses Mehr an Qualität und Kosteneinsparung geben sie zu Teilen an den Bürger zurück – sodass der „Produzent“ auch etwas davon hat und motiviert ist mitzumachen.

Aktueller Stand

Die beiden Gründer von Organery haben mit ihrer Idee bereits einige Innovationspreise gewonnen und entwickeln aktuell zusammen mit einem griechischen Hersteller die ersten Prototypen, die noch 2014 fertig werden sollen. Noch ist das ganze Unternehmen selbstfinanziert und die Preise, die sie gewonnen haben, helfen auch ein bisschen. Sie sind außerdem schon im Gespräch mit einigen Gemeinden in Griechenland, die starkes Interesse zeigen und bei der Pilotierung helfen wollen.

Organery_Gründer

Es gibt gute Ideen, große Ideen und sehr große Ideen. Organery gehört mit Sicherheit zur letzten Kategorie. Ich bin mir sicher, dass so oder so ähnlich die Zukunft des Recyclings in Europa und vielleicht in der Welt aussehen wird und würde mich freuen, wenn ich in 1-2 Jahren die ersten Organery-Biotonnen in Deutschland sehen würde.

Vouliwatch

Mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung

Die alten Griechen haben viel über Staatsformen nachgedacht. Das ist vermutlich bekannt. Nach Analyse ihrer jeweils aktuellen Situation haben sie sich ihre Gedanken gemacht und neue Modelle zur Beschreibung der Staatsformen entwickelt und teilweise angewandt –im Streben, korrigierend einzugreifen und eine kontinuierliche Verbesserung herbeizuführen. Am prägnantesten ist vermutlich der Ansatz von Aristoteles, alle möglichen Varianten der Regierungsform in sechs Archetypen aufzuteilen: nach Anzahl der Herrscher und der Zielgruppe.

Staatsformen nach Aristoteles (Quelle: Wikipedia)

Staatsformen nach Aristoteles (Quelle: Wikipedia)

Ich habe mich schon immer gefragt, wieso sich am Ende der Begriff „Demokratie“ für die heutzutage anerkannte ideale Staatsform durchgesetzt hat und nicht „Politie“ (Πολιτεία), aber das führt hier vermutlich zu weit. Wichtiger ist viel mehr, dass Aristoteles eine Staatsform vorschwebte, in der „das Volk über die Wahl der Beamten und die Kontrolle ihrer Amtsführung seinen rechtmäßigen Anteil an der Regierung hat, die insgesamt zum allgemeinen Wohl und nicht zu Lasten eines Teils des Staates ausgeübt werden sollte“. (Quelle: Wikipedia)

Vouliwatch_Startseite

Zentrale Internetplattform für Information und Kommunikation

Um diese Kontrolle als Volk überhaupt ausüben zu können, benötigt man zunächst mal Transparenz des Handelns der Akteure und öffentliche Informationen. Genau hier setzt Vouliwatch an („Vouli“ bzw. Βουλή ist das griechische Wort für Parlament).

Vouliwatch ist als Nichtregierungsorganisation im März 2014 in Griechenland gestartet und betreibt die gleichnamige Internetplattform. „Wir haben auf der Plattform Profile für alle griechischen Abgeordneten im Parlament und im Europaparlament eingerichtet und sie ermutigt, sich an der Plattform aktiv zu beteiligen“, so Antonios Schwarz, einer der Gründer von Vouliwatch. „Am Anfang sind wir auf einiges Misstrauen gestoßen, aber inzwischen beteiligen sich immer mehr Abgeordnete und gehen auf die Fragen und Anregungen der Bürger ein“, so Antonios weiter. Um mehr Transparenz herzustellen, geht es Vouliwatch vor allem um vier Aspekte:

  • Jeder Bürger sollte die Abgeordneten direkt fragen können und auch Antworten bekommen.
  • Durch Crowd-Sourcing der Gesetzgebung können sich Bürger mit eigenen Vorschlägen einbringen oder auch einfach nur Bewertungen und Kommentare zu aktuellen Gesetzesvorschlägen abgeben.
  • Jeden Monat gibt es ein Schwerpunktthema, über das Vouliwatch Gespräche online durchführt oder Events mit Teilnahme der Abgeordneten organisiert.
  • Und schließlich ist da noch „VoteWatch“, in dem jeder nachlesen kann, wie welcher Abgeordnete zu einem bestimmten Gesetz abgestimmt hat.

Crowd-Funding-Kampagne

Normalerweise spreche ich an dieser Stelle von einem Geschäftsmodell. Das ist bei einer Nichtregierungsorganisation natürlich schwierig. Vouliwatch wurde bisher rein mit eigenen Geldern und Engagement aufgebaut und die Organisatoren sind auch bereit, die Plattform weiter auszubauen und zu betreiben. Sie führen Gespräche mit internationalen und nationalen Stiftungen, die die Idee der Transparenz und der Verbesserung der Bürgerbeteiligung teilen.

Als ein zusätzliches Mittel der Finanzierung haben sie vor drei Tagen eine Crowdfunding-Kampagne auf Indigogo gestartet. Das passt auch zum Ansatz der direkten Beteiligung. Obwohl sich die Kampagne vor allem an Griechen wendet, ist natürlich jeder willkommen mitzumachen. Ich habe selbstverständlich auch meinen Beitrag geleistet – wenn ihr wollt, könnt ihr ab 5 Euro ebenfalls dabei sein:

Vouliwatch auf Indigogo unterstützen.

Einbettung in europäische Initiativen

Aktuell besteht das Team aus sieben direkten Mitarbeitern und vielen Unterstützern. Die ursprüngliche Idee wurde übrigens in Deutschland geboren und die erste Plattform dieser Art war http://www.abgeordnetenwatch.de/. Neben Vouliwatch in Griechenland gibt es inzwischen ähnliche Initiativen in Irland, Luxemburg, Tunesien, Frankreich, Österreich und Marokko.

Vouliwatch_Team_SW

Dabei scheinen sich die Initiativen gegenseitig zu befruchten. Man kennt sich, diskutiert miteinander, was funktioniert und was nicht, und entwickelt ständig neue Ideen. So experimentiert Vouliwatch beispielsweise damit, nicht nur vorhanden Gesetzestexte zu kommentieren, sondern gleich neue Gesetzesvorschläge über die Community zu entwickeln und als Vorschläge einzubringen.

Auch wenn noch nicht alle Mitgliedstaaten der EU dabei sind, merkt man doch, dass sich der Ansatz der direkten Beteiligung und die Erhöhung der Transparenz der Parlamente langsam als soziale Bewegung und mit modernen Mitteln der Kommunikation etabliert. Das wäre sicherlich auch ein interessanter Ansatz für die EU selbst.

Ich freue mich, dass Griechenland eines der ersten Länder ist, in der neue Formen der Bürgerbeteiligung und Transparenz ausprobiert werden.

Aristoteles würde sich bestimmt auch freuen.

Vouliwatch_Team_Farbe