Ich bin sprachlos. Dachte ich. Ich bin machtlos. Dachte ich. Doch es sind genau diese Momente, in denen ich Personen begegne, die sich nicht von den aktuellen Ereignissen unterkriegen lassen.
Einer von ihnen ist Stavros Messinis, der unermüdlich in seiner Mission ist, unternehmerisches Handeln in Griechenland und Europa zu unterstützen. Zusammen mit seiner Frau Maria Calafatis betreibt er The Cube, den größten Coworking-Space in Griechenland, und ist in Deutschland vermutlich der bekannteste Startup-Grieche: als Moderator bei den Startup Weekends in Saarbrücken oder Hamburg und natürlich als Oberpirat auf dem Pirate Summit in Köln.
Eine seiner vielen Initiativen ist auch der Campus Bus. Letzten Sommer ist er mit einem kleinen Bus und seinem Team in 5 Monaten in 12 Städten Griechenlands gewesen, um über 2000 Personen, wie er selbst sagt „einen kleinen Schubs“ zu unternehmerischem Handeln und Gründen zu geben. Es sind solche Grassroot-Bewegungen, die sich aktuell überall in Griechenland bilden, und die es gilt zu unterstützen.
Dieses Jahr will er die Aktion wiederholen und – vielleicht mit eurer Unterstützung – noch größer aufziehen. Da ein solches Unterfangen auch Sponsoren benötigt, hat er eine Indigogo-Kampagne gestartet, an der sich jeder mit ein paar Euro beteiligen kann.
Ich würde mich natürlich freuen, wenn ein paar meiner Leser, die gerade sprachlos die Nachrichten hören, einfach mal selbst aktiv werden und genau denen helfen, die versuchen, ein anderes Griechenland jenseits der politischen Verkrustungen zu aktivieren.
Wenn man als Laie das Wort Kredit-Risiko hört, denkt man heute unweigerlich an Griechenland. Das ist ausnahmsweise auch richtig so, denn mit Ark Analytics kommt eins der spannendsten Unternehmen im Bereich des Managements des Kredit-Risikos für Unternehmen aus Griechenland.
Zunächst etwas Theorie: Ein Warenkredit in Industrie und Handel ist quasi das Pendant zu einem Konsumentenkredit oder Bankkredit, der jedoch zwischen zwei Unternehmen vereinbart wird, um beispielsweise die Zahlungen zu strecken. Statt sofort zu zahlen, vereinbaren sie also einen Zahlungsplan über einen definierten Zeitraum. Das ist übliche Praxis und hilft im Endeffekt beim Absatz von Waren. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Konsumentenkredit, bei dem Ratenzahlungen vereinbart werden, wie beispielsweise beim Autokauf – nur eben zwischen zwei Unternehmen.
Natürlich geben Unternehmen nicht blind anderen einen Kredit, sondern versuchen vorab das Ausfallrisiko einzuschätzen und zu minimieren. Je größer die Kredite werden, je mehr Kredite vergeben werden und je variantenreicher die Kredite und Rahmenbedingungen werden, desto unübersichtlicher wird das Ganze. Große Unternehmen beschäftigen ganze Abteilungen, die versuchen, mit hochkomplizierten Berechnungen, Markt- und Kundenanalysen und viel Bauchgefühl das Einzelrisiko, aber auch das Gesamtrisiko zu reduzieren. Immerhin können Ausfälle oder Verzögerungen zu eigenen Liquiditätsengpässen oder Verlusten führen – bis hin zur Insolvenz.
Mehr Fakten, weniger Bauchgefühl.
Das Hauptprodukt von Ark Analytics ist CreditArk, eine Anwendung (Dashboard) für Kreditmanager in Unternehmen, die automatisch Informationen aus internen und externen Datenquellen zusammenführt. Aufbauend auf diesen zusammengeführten Informationen und mit Hilfe von wissenschaftlichen Berechnungsmethoden kombiniert die Anwendung Finanzdaten, Verhaltensdaten und qualitative Daten, um das Kreditrisiko zu berechnen. Beispiele für solche Daten sind frühere Käufe und Abwicklungen mit dem Kunden, Marktposition, Marktentwicklung, Alter des Unternehmens etc. Neben der eigentlichen Berechnung für den Einzelfall betrachtet die Anwendung auch das gesamte Portfolio, um Frühwarnungen auszusprechen, die beispielsweise durch die Konzentration auf ein bestimmtes Kundensegment entstehen.
Die Anwendung ist als Software as a Service (SaaS) angelegt und wird für jeden Kunden speziell konfiguriert, da jeder Kunde andere Datenquellen und Anforderungen hat.
Folgendes Video zeigt den Gesamtansatz und im zweiten Teil den typischen Ablauf der Anwendung:
FinTech und Predictive Analytics aus Griechenland
Das Unternehmen wurde in Griechenland von Panos Michalopoulos, Michalis Madias, Christos Gianakopoulos und Ilias Panagiotidis im Jahr 2013 gegründet. Die Gründer haben jedoch schon viele Jahre Erfahrung in diesem Bereich. Inzwischen haben sie acht Mitarbeiter und zwei Investoren aus der Schweiz, die früh das Potential von Ark Analytics erkannt haben.
Ark Analytics kombiniert gleich zwei Bereiche, die in der aktuellen Startup-Euphorie heiß laufen: Technologien für Finanzdienstleistungen (FinTech) und Vorhersagemodelle durch Massendatenauswertung (Predictive Analytics). „Wir wussten von Anfang an, dass unser Markt im europäischen Ausland liegt und haben uns darauf konzentriert“, so Panos Michalopoulos im Interview. Die Entwicklung findet in Griechenland statt, die Kunden sitzen in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland. Von Zürich aus wird die Geschäftsentwicklung betrieben. Besonders beeindruckt war ich von der Kundenliste: Zu ihren Kunden zählen keine geringeren als Novartis oder Lafarge und aktuell haben sie erste Teststellungen bei BASF und BAYWA. Wenn sich solche Kolosse für das Produkt interessieren, dann zeigt das auch, wie groß das Problem der Risikobewertung ist und wie weit vorn Ark Analytics mit seiner Lösung ist.
Respekt!
Wachstum durch Investitionen auch über Open Circle
Wie bereits im Artikel über Open Circle kurz erwähnt, ist Ark Analytics eins der Unternehmen, die aktuell über Crowdinvesting weitere Investoren suchen. „Wir sind technologisch sehr innovativ und haben im Moment so viele Anknüpfungspunkte bei großen Unternehmen, dass wir mit den nächsten Investitionen vor allem den Markt in Richtung Großbritannien, Holland, USA und Asien ausbauen wollen“, so Panos.
Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn ausnahmsweise mal FinTech und Predictive Analytics für die Kreditrisikominimierung aus Griechenland für Schlagzeilen sorgt.
Crowdinvesting in griechische Startups mit Open Circle
Das habe ich schon oft gehört: “Ist ja alles toll, was du hier schreibst, aber kann ich auch in die Startups und Unternehmen investieren?“. Die Antwort lautet natürlich „ja“, allerdings ist es nicht ganz einfach. Mal abgesehen von einer gewissen Bürokratiehürde, die bald als olympische Disziplin eingeführt wird, ist auch der Kreis derer, die mal nebenbei ein paar hunderttausend Euro in ein Innovationsunternehmen stecken können, doch relativ überschaubar. Und selbst, wenn man das kann, möchte man sich vielleicht erst einmal etwas herantasten und nicht gleich alles auf eine Karte setzen – immerhin sind frühe Investitionen in Innovationen nicht nur mit hohen Renditechancen, sondern auch mit sehr hohen Risiken verbunden.
Aus dieser Überlegung heraus entstehen (vor allem in Europa) immer mehr sogenannte Crowdinvesting-Plattformen. Die Idee ist einfach: Ein zentraler Träger (die Plattform) trifft eine Vorauswahl, hilft den Startups bei der Präsentation, macht die Unternehmensprüfung („due diligence“) und koordiniert die gesamte Abwicklung der Investitionen. So weit, so gut.
Das magische Wort ist „Crowd“. Statt 2-3 großer Investoren organisiert die Plattform viele Kleininvestoren, die zusammen investieren. Das hat mehrere Vorteile: Auch Personen mit einem kleineren Portemonnaie können sich an Startups beteiligen, man kann das Risiko selbst etwas streuen, indem man sich an mehreren Unternehmen beteiligt und – ebenfalls nicht unwesentlich: Die Beteiligung durch viele kann einen viralen Effekt bewirken, da viele Kleinanleger über ihre Investitionen sprechen, diese fördern und somit das Unternehmen und deren Produkte bekannter machen.
Open Circle
Seit diesem Jahr gibt es nun auch in Griechenland die erste Crowdinvesting-Plattform mit dem Namen Open Circle. Das Unternehmen hinter Open Circle heißt Parnasse und wurde von Socratis Ploussas, Xenofon Krokkidis und Youri Dabrowski gegründet. Bisher haben sie das gesamte Unternehmen selbst finanziert und entwickelt. Sie sind also, wenn man so will, selbst ein Startup. „Unser Hauptanliegen aktuell ist es, Vertrauen aufzubauen und die Plattform auf solide Füße zu stellen“, so Socratis im Interview.
Um das zu erreichen, haben sie sehr viel Arbeit und Detailliebe in die Rechtskonformität gesteckt, was in Griechenland (und vermutlich auch in Deutschland) bei so einem Projekt nicht ganz trivial ist. Aber der Lohn der Anstrengungen ist, dass sie jetzt offiziell gestartet sind und gleich mit zwei Startups, die es in sich haben: Sowohl von ArkAnlytics als auch von Pinnatta wird man demnächst sicher noch einiges hören (u. a. natürlich auf diesem Blog).
Wie kann man investieren?
Wenn man Investor werden will, muss man sich über die Plattform registrieren (Ausweis und Wohnortnachweis), sodass man freigeschaltet werden kann.
Das Startup bestimmt die benötigte Gesamtmenge und die minimale Beteiligungshöhe.
Interessiert man sich für eins der Startups, meldet man das und überweist den Beteiligungsbetrag.
Der Deal kommt nur zustande, wenn sich genügend Investoren gefunden haben.
In der Anfangsphase liegen die Investitionen bei Open Circle noch in der Höhe von 5.000 €-25.000 € pro Investor. Ziel ist es aber, mittelfristig immer kleinere Beträge und mehr Investoren pro Startup zu bekommen.
Besonders interessiert ist Open Circle natürlich auch an Investoren außerhalb Griechenlands, sei es die griechische Diaspora oder einfach Leute, die davon überzeugt sind, dass man trotz oder gerade wegen der Krise in Griechenland bzw. griechische Startups investieren sollte, die auch international nicht nur mithalten, sondern brillieren können.
Eine Sache, die ich sicher nie mit Griechenland in Verbindung gebracht habe, ist der Bau von Flugzeugen. Umso verwunderter war ich, als ich kürzlich zum ersten Mal von Archon gehört habe. Es handelt sich dabei um ein ultraleichtes Aluminium-Flugzeug von der Firma e-aerosports.
Georgos Iliopoulos stammt aus Florina (im Norden Griechenlands) und ist im Hauptberuf Polizist. Seinen ersten Prototypen „Lygistis“ hat er wohl noch mit diversen recycelten Wertstoffen wie alten Möbeln und Metallen in den 80er Jahren gebaut.
Wie das heutige Modell in Aktion aussieht, kann man im folgenden Video sehen.
Ein eigenes Auto war gestern. Falls unter meinen Lesern noch jemand ein Privatflugzeug benötigt, Bestellungen werden hier angenommen: http://aerosports.gr/
Auffallend oft bin ich bei meinen Interviews auf Startups gestoßen, die aus dem Großraum Thessaloniki kommen. Teilweise sind sie noch da, teilweise haben sie ihr Hauptquartier nach Athen oder gleich ins Ausland verlegt, aber alle sind international aktiv. Einige Beispiele, die ich hier auf dem Blog schon vorgestellt habe, sind: cssigniter, schooX, goodvid.io, vidavo oder instabuck.
Mit knapp einer Million Einwohnern (inkl. Großraum) ist Thessaloniki die zweitgrößte Stadt in Griechenland. Ich hatte eigentlich selbst vor, ein paar Tage hinzufahren, um mir einen Überblick zu verschaffen. Leider habe ich das bisher noch nicht geschafft. Solange verweise ich daher auf einen neu erschienenen Artikel von Dimitri Ntembos, den Thessaloniki Startup City Guide, der gerade im StartUs-Magazin erschienen ist
Startup City Guide Thessaloniki (c) StartUs Magazine
Dimitris Ntembos selbst ist übrigens Organisator von Startup Live Thessaloniki, Gründer und Mitwirkender in diversen Startup-Initiativen und aktuell Marketing Engineer bei codebender.
Merke: Beim nächsten Trip nach Griechenland auf jeden Fall mal nach Thessaloniki fahren.
Die Nachricht ging letzte Woche wie ein Lauffeuer durch die griechischen Medien (z.B. EMEAStartups): Das deutsche Startup Delivery Hero hat den größten Anbieter Griechenlands im Bereich der Online-Essensbestellung e-FOOD.gr aufgekauft. Delivery Hero ist eine der großen Beteiligungen von Rocket Internet, eines der auffälligsten deutschen Internetunternehmen um die Brüder Samwer, das im Oktober 2014 an die Börse gegangen ist.
e-FOOD.gr ist der größte Dienst dieser Art in Griechenland. In Deutschland wird Online-Essensbestellung vermutlich oft mit Pizza-Service assoziiert. Ich habe selbst schon ein paar Mal über e-FOOD.gr Gyros Pitta mit Pommes bestellt und muss sagen: funktioniert einwandfrei. Natürlich decken sie auch das gesamte Spektrum ab, von Burger bis Sushi. Am Unternehmen war auch Apostolos Apostolakis beteiligt („der König der Marktplätze in Griechenland“), den ich hier ja schon mal vorgestellt habe.
Ich freue mich, dass damit der erste deutsch-griechische Startup-Deal zustande gekommen ist – und das in der aktuellen Zeit. Ist doch ein schönes Zeichen, dass es sich auch für deutsche Investoren lohnen kann, in Griechenland zu investieren.
Schade finde ich, dass die deutschen Medien und auch die offizielle Pressemitteilung von Rocket Internet vor allem vom Kauf des türkischen Pendants Yemek Sepeti reden (sollte ich da vielleicht den Begriff TRexit einführen?). Die sind sicherlich größer, aber gerade in diesem verrückten Jahr wäre die Meldung doch auch mal ein schönes Signal: Wenn man noch gemeinsam Geschäfte macht, dann bekommt man den Rest hoffentlich auch noch hin.
Dann mal guten Appetit beim nächsten Griechenlandurlaub und einer Bestellung über e-FOOD.gr!
Am 10. April wurde ich auf Facebook von Dimitris Chassapakis eingeladen, eine Facebook-Seite zu „liken“. Die eher minimalistisch gestaltete Seite die Frage „what is none?“ und dieses Bild:
Dazu ein kleines Video und den Aufruf, eine App herunterzuladen. Da ich viel von Dimitris halte, der schon ein paar Unternehmen in Griechenland mitgegründet hat, und mich dieser Minimalismus angesprochen hat, bin ich dem Aufruf gefolgt.
Seitdem sitze ich immer mal wieder vor einem Rätsel.
Die Antwort auf die Eingangsfrage: none* ist quasi die minimalste Form eines Spiels, das ohne Sounds und Graphiken auskommt. Es gibt immer nur jeweils einen rätselhaften Eintrag und eine Tastatur, um die Lösung einzugeben.