#GRStartupScene am Scheideweg

Ich bin zurück. Nach ein paar Wochen mit viel Arbeit und wenig Zeit und dann drei Wochen Urlaub, lege ich wieder mit neuem Elan los. Es gibt viel zu erzählen über neue Innovationen und Startups aus Griechenland. Am Wochenende kommt mein neuer Beitrag zu einem weiteren interessanten Tech-Startup raus.

Bis dahin, hier einmal eine andere Perspektive auf das, was in Griechenland so los ist. Diesmal durch die Brille von Demetrios Pogkas, einem in Athen sehr bekannten Startup-Journalisten (Kurze Bio am Ende des Beitrags*). Er ist vielleicht etwas pessimistischer als ich, aber eine andere Sicht ist ja auch mal gut. Passt also prima zu diesem Blog und ich freue mich, dass ich hier einen seiner aktuellen Beiträge veröffentlichen darf.

Der Beitrag wurde ursprünglich auf Englisch geschrieben und dann ins Deutsche für das Magazin „Berlin Valley“ (http://berlinvalley.com/) übersetzt und in der Oktoberausgabe veröffentlicht. Anlass war die nächste Startup Safary in Athen, die im November 2015 startet.

Nun also ein bisschen Werbung für die nächste Startup Safary Athens:

und mein Bericht darüber vom letzten Jahr: Startup Safary Athens 2014

Ich habe den Beitrag unverändert gelassen und nur ab und zu einen weiterführenden Link eingebaut. Das Original als PDF findet ihr, zusammen mit vielen anderen interessanten Beiträgen, unter http://berlinvalley.com/.

Beitrag von Demetrios Pogkas (*) erschienen im Berlin Valley Magazin, Oktober 2015

#GRStartupScene am Scheideweg

Griechenland hat ebenfalls eine gefeierte Startup-Szene. Doch die ist in Gefahr

Griechenland ist seit Jahrzehnten für viele, verschiedene Dinge bekannt. Seine historische Vergangenheit, seine Kultur und Traditionen, seine Touristenziele, sein Essen und seine Produkte. Wofür Griechenland bisher nicht wirklich bekannt war, ist seine Technologie und die Fähigkeit globale Unternehmen in diesem Sektor aufzubauen. In den letzten Jahrzehnten hat Griechenland Dutzende von Multimillionären hervorgebracht, die meisten davon tätig im Schiffsverkehr oder Baugewerbe. Der IT-Sektor jedoch, war bisher nicht wirklich unser Ding.

In den letzten Jahren aber, als Griechenland durch die Wirtschaftskrise im internationalen Medienfokus stand, gewann auch die Tech- und Startup-Szene, welche vornehmend in der Hauptstadt Athen angesiedelt ist, zunehmend an Aufmerksamkeit.

Die ersten High–Tech-Gründungen gab es in Athen bereits 1990, zusammen mit dem Rest der Welt. Griechenland erlebte zwar nicht die dot.com-Blase, wie es in den USA der Fall war, jedoch mussten auch hier die ersten griechischen News-Portale, Online-Shops, Auktionshäuser etc. wieder geschlossen werden. Anfang 2000 sprossen dann die ersten griechischen, global tätigen Digital-Unternehmen aus dem Boden.

Firmen wie InternetQ, Upstream, Velti und GLOBO wurden in den Startup-Metropolen London und New York heiß diskutiert. Später in diesem Jahrzehnt trugen große Online-Reiseagenturen wie AirFastTickets, TravelPlanet24/Tripsta, AirTickets und PameDiakopes die Fackel der großen, griechischen Online-Unternehmen weiter.

Die Wurzeln für das, was die heutige Startup-Szene Athens geformt hat, liegen in 2008/2009 und der Community der Open Coffee Meetups, die bereits 2006 gegründet wurde.

Dieser Community gelang der Durchbruch in 2009/2010, als die neugewählte Regierung PASOK unter George Papandreou nicht nur ein schmerzvolles Sanierungsprogramm für die griechische Wirtschaft auf den Weg brachte, sondern auch die öffentliche Diskussion für Unternehmertum und Startups als neues Zukunftsmodell für Griechenland anregte.

Schon in 2009 etablierten sich die ersten Fonds für Start- und Risikokapital durch die Unterstützung der Open Office Community, der Piraeus Bank (aktuell Griechenlands größte Bank) und privaten Investoren.

Ein Schlüsselmoment an Inspiration für die griechische Startup-Community war definitiv die Gründung von Taxibeat – Athens größter Taxi-App, die 2011 gegründet wurde. Inmitten von Taxifahrer-Streiks und Demonstrationen gegen Maßnahmen, die ihren überregulierten und überbeschützten Markt etwas auflockern sollten. Der Erfolg Taxibeats’, der in den kommenden Monaten und Jahren folgte, wurde eine Inspiration für viele andere Gründer.

Der Katalysator für das griechische Startup-Ökosystem, welches ihm zu seiner heutigen Größe verhalf, war die Errichtung des JEREMIE Fonds in 2012 (ein Programm, das zu 70% von der Europäischen Union gefördert wird und zu 30% von privaten Investoren).

In 2013 habe ich persönlich aufgezeichnet, dass 55 Millionen US-Dollar in griechische Startups geschüttet wurden, während die letzten, offiziell verfügbaren Daten für 2015 eine Summe von 30,6 Millionen US-Dollar bzw. 8,15 Millionen Euro aufzeigen. Der JEREMIE Fonds ist für die Startups eine Hauptbezugsquelle für Startkapital und dem Zugang zu weiteren Deals mit privaten Investoren und Business Angels, sowie einigen britischen und amerikanischen Fonds in späteren Finanzierungsrunden.

Innovative Unternehmer in Griechenland werden mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert, von begrenzt verfügbarem Venture Capital, bis hin zu hoher Bürokratie und nur eingeschränkter, internationaler Erfahrung. Oft wird ein griechisches Startup außerhalb von Griechenland registriert und etabliert (meist in Großbritannien oder den USA) und dann eine Tochtergesellschaft gegründet, die in Griechenland sitzt und operiert. Das Kernteam arbeitet dann hier, während ein oder zwei Gründer die Geschäftsentwicklung von außerhalb des Landes vorantreiben.

Mit der Wirtschaftskrise in Griechenland, die alles noch erschwert hat, ist die griechische Startup-Szene an einem Scheideweg, bei welcher ihr auch der Untergang droht. Die neuesten Kapitalverkehrskontrollen machen es vielen Tech-Unternehmern (vor allen denen ohne Venture Capital) schwer, Geld zu überweisen oder auch nur für ihre Domain, ihr Hosting oder die Suchmaschinenkampagnen zu zahlen. Aber das wirkliche Problem wird erst entstehen, wenn Griechenland nicht bald ein neues JEREMIE-Programm entwickelt, um seine Startups auch in Zukunft zu finanzieren.

Freilich hat der JEREMIE Fonds und sein Netzwerk-Effekt (mit Erfolgs- und Misserfolgsbeispielen, Serienunternehmern und erfahrenen Managern) nicht nur die Entwicklung seiner geförderten Unternehmen nach vorn katapultiert, sondern auch die des gesamten Unternehmertums in Athen und ganz Griechenland. Ihre Investitionsperiode endet in 2015 und bisher wurde noch keine offizielle Weiterführung bekanntgegeben. Es kommt hinzu, dass es noch keinen wirklichen Markt für innovative Investitionen aus dem privaten Sektor gibt.

Ganz sicher werden die besten Startups und Gründer einen Weg finden, sich auch außerhalb von Griechenland eine Förderung zu sichern und dies geschieht auch bereits, aber ohne eine massive Steigerung der Förderungsoptionen, könnte das gefeierte #GRstartupscene früher oder später wieder aufgelöst werden müssen.

Startup Profile:

Obwohl noch jung und aufkeimend, konnte das griechische Startup-Ökosystem in den letzten Jahren bereits einige erfolgreiche Startups hervorbringen und hält daneben auch noch vielversprechende Kandidaten bereit.

Untenstehend einige Unternehmen beider Beispiele:

BugSense: 2011 von zwei Ingenieuren gegründet, konnte es bereits 110.000$ im Silicon Valley einstreichen. Ihr Produkt, eine Fehlertracking-Plattform für App-Entwickler, wurde von seinen Kunden sofort geschätzt und geliebt und der Umsatz kurbelte die Expansion von sich aus an. 2013 wurden sie vom NASDAQ-gelisteten Unternehmen Splunk akquiriert, um deren mobile Präsenz im Bereich Business Intelligence auf dem amerikanischen Markt nach vorne zu bringen.

AbZorba Games: Ein Anbieter von sozialen Online-Casinospielen, der in Heraklion auf Kreta startete und dann nach Athen übersiedelte. 2011 mit einem Business Angel aus Griechenlands StartTech Projekt gestartet, holten sie sich 2012 Co-Founder und CEO Andrew Hughes aus Großbritannien ins Boot, um die internationale Geschäftsentwicklung voranzutreiben.

Die zunehmende Etablierung, eine Partnerschaft mit der riesigen, mobilen Plattform Tango.me und das Überschreiten der 3 Millionen-Nutzer-Marke waren wesentliche Meilensteine, bevor sie durch GreenTube, einer Tochtergesellschaft von Novomatic, einem österreichischen Glückspielgiganten akquiriert wurden.

e-food: Online-Lieferservice-Apps sind auf der ganzen Welt im Kommen und Griechenland ist da keine Ausnahme. Der dominierende, lokale Player ist e-food.gr, welches 2012 von Serienunternehmern und privaten Investoren gegründet wurde. Von 20.000 monatlichen Bestellungen Ende 2012, schossen sie Ende 2014 auf 150.000 Bestellungen pro Monat. Als Rocket Internet’s Lieferheld Yemeksepeti (in der Türkei und im mittlerem Osten dominierend) akquirierte, bekamen sie auch Click Delivery, Griechenlands zweitgrößter Player auf diesem Gebiet. Daher schnappten sie sich auch e-food und besitzen dadurch heute 50% des griechischen Marktanteils.

Workable: Gehandelt als der nächste Multimillionen-Exit der griechischen Startup-Szene, startete Workable 2012 mit Ex-Topmanagern von Upstream (welche die Erstfinanzierung zur Verfügung stellten. Bis zum heutigen Tag hat ihre Software für Einstellungsprozesse in Unternehmen 7 Millionen US-Dollar von griechischen und israelischen Wagniskapitalgebern eingenommen (letztere waren North83, ehemalige Partner von Greylock, einem der ursprünglichen LinkedIn Investoren). Seit 2014, werden Geschäftsentwicklung und Verkauf von Boston aus geregelt, da die USA der größte Absatzmarkt für das Unternehmen ist.

Resin.io: Mit einer A-Runden-Finanzierung von 3 Millionen US-Dollern durch den Top Silicon Valley-Fonds Draper Fisher Jurvetson (DFJ) und privaten Investoren setzten sie die Segel, um die Schlüssellösung für die Verwaltung mehrerer, mobiler Geräte in unserer vorherrschenden Internet-Ära zu werden. Entwickler müssen nur ihren Code eingeben und die Plattform händelt alles andere. Während Management-Teams in Großbritannien und den USA sitzen, arbeitet ein großes Forschungs- und Entwicklerteam von Athen aus. Ein typisches Schema für griechische Startups mit globalen Ambitionen.

Pollfish: Sie entwickelten ein neues Monetarisierungsmodell für App-Entwickler, welches Unternehmen erlaubt, wertvollen Zugang zu Nutzerinformationen und Kundenmeinungen zu gewinnen. Partnerunternehmen stellen Umfragen auf Pollfish ein, Entwickler bauen Pollfishs’ Software Development Kit in ihre App ein und die Nutzer beantworten die Umfragen um Guthabenpunkte zu bekommen oder Preise zu gewinnen. Nach Erstfinanzierungsrunden bei griechischen Wagniskapitalgebern und privaten Investoren, heimste Pollfish zuletzt 2,5 Millionen US-Dollar aus griechischen und internationalen Fonds, sowie von Business Angels ein, da auf dem amerikanischen Markt ein stark wachsender Markt für dieses Geschäftsmodell besteht.

Demetrios Pogkas*Demetrios Pogkas ist Athener Journalist, der vor allem über Wirtschaft und Technologien schreibt. Sein journalistischer Schwerpunkt liegt auf der Berichterstattung zu griechischen Startups und Investoren. Seine Berichte sind unter anderem in EMEA.gr, Startupper.gr, The Huffington Post Greece, The Global Post, Fortune Greece und vielen Zeitschriften erschienen. Dimitris freut sich über Kontakte oder Rückfragen z. B. auf Twitter unter @pogkas, Facebook unter /demetrios.pogkas und natürlich über Kommentare auf seinem Blog http://www.demetriospogkas.com/Blog.

 

Unboxing MonthlyFlavors

Video

Gestern ist mein erstes Paket von MonthlyFlavors angekommen. Eine Überraschungsbox mit Delikatessen aus Griechenland im Abo. Ich wollte schon immer mal ein Unboxing-Video machen. Wenn man primär über Software-Startups berichtet, ist das allerdings eher schwer.

Aber jetzt! Hier also mein erstes Unboxing-Video der Überaschungsbox aus Griechenland. Und weltweit das erste deutschsprachige Unboxing-Video von MonthlyFlavors:

Wer MonthlyFlavors mal ausprobieren will: monthlyflavors.com

Eine kleine Motivation zur Nachahmung: Alle, die es mir nachmachen und MonthlyFlavors unboxen & dazu ein Video oder Fotos in ihren Netzwerken posten, werden hier lobend erwähnt.

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Abspann:

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MonthlyFlavors – Die Food Box aus Griechenland

Das Aroma Griechenlands als Care-Paket für jeden.

MonthlyFlavors_LogoDas Mittelmeer und speziell Griechenland war schon immer ein Melting Pot der Aromen aus Ost und West, aus Nord und Süd. Hinzu kommt, dass sich über die Jahrhunderte eine sehr spezielle Flora von ca. 6000 Pflanzen entwickelt und bis heute erhalten hat (Quelle). Vermutlich wegen der über 3000 Inseln sind ca. 20 % davon endemisch, kommen also nur in Griechenland vor. Diese Mischung aus Geschmacksrichtungen und Aromen macht für mich die griechische Küche zu etwas ganz Besonderem – und natürlich auch mein Heimweh …

Auslandsgriechen (und davon gibt es verdammt viele ) lassen sich gerne ein Care-Paket aus der Heimat schicken mit Gewürzen, Süßigkeiten, Oliven, Honig, Öl, Wein oder was auch immer sie ein bisschen an die Heimat erinnert. Mir geht es da natürlich nicht anders (danke Mama!).

Obwohl griechische Düfte und Aromen bei den Millionen Auslandsgriechen und den noch viel mehr Griechenlandtouristen ein Teil der Erinnerung und der Sehnsucht sind, sind in den Supermärkten der Welt griechische Produkte stark unterrepräsentiert. Man findet inzwischen griechischen Joghurt und Feta, oft schlechten Wein (obwohl es verdammt gute Weine gibt) und ab und zu Oliven und Olivenöl; aber im Vergleich zu der Vielfalt und der Möglichkeiten ist das gar nichts.

Das ändert sich ab heute!

MonthlyFlavors_StartseiteJeden Monat ein Paket mit griechischen Köstlichkeiten als Food Box

MonthlyFlavors ist angetreten, die Aromen Griechenlands in jeden Haushalt dieser Welt zu bringen. Über ein Abo zu einem festen Preis erhält man jeden Monat ein Überraschungspaket mit einer Auswahl an exquisiten Produkten aus griechischer Produktion. Oft stammen sie von kleinen Familienunternehmen, die eher für den regionalen Markt produzieren. Ein Teil des Clous dabei ist, dass man im Vorfeld nicht bestellt, was man haben will: Man lässt sich überraschen und lernt dabei jeden Monat neue Köstlichkeiten kennen.

MonthlyFlavors_PaketWie ist die Idee entstanden?

Yiannis Voultsis hat Informatik studiert und dann ein Unternehmen im Bereich Logistik gegründet (Global Cargo). „Irgendwann bin ich mit einem Nachbarn ins Gespräch gekommen, der kretische Delikatessen in einem kleinen Geschäft in Athen verkauft und habe angefangen, für ihn den Export zu organisieren“, so Yiannis im Interview. Allerdings ist es extrem schwer für kleine griechische Produzenten, in die Regale europäischer Supermärkte zu kommen. Große Supermärkte und die Zulieferketten sind seit Jahrzehnten eingespielt und auf bestimmte Märkte und vor allem Mengen ausgerichtet. Und das staatlich und privat organisierte Marketing aus Italien und Spanien ist offensichtlich auch wesentlich besser als das griechische (hier übrigens ein guter Artikel in der NZZ zu dem Thema). Im Gespräch mit seinem alten Freund Panos Papadopoulos (den wir aus dem Blog noch als Gründer von Bugsense kennen), ist die Idee entstanden, direkt zu den Konsumenten zu gehen und ihnen griechische Premium-Produkte im Abo anzubieten: MonthlyFlavors war geboren.

Der Markt und das Geschäftsmodell

Inzwischen hat Yiannis Voultsis sein Geschäft bei Global Cargo komplett abgewickelt und kümmert sich seit wenigen Monaten nur noch um MonthlyFlavors. Zwei Monate und damit zwei Pakete sind schon verschickt und der Erfolg hat ihn selbst überrascht. „Ich habe mich zunächst auf Griechenland konzentriert, um die Logistik hinter MonthlyFlavors zu testen und zu verbessern“, so Yiannis. „Ich dachte eigentlich nicht, dass es in Griechenland einen hohen Bedarf gibt, allerdings hat die griechische Presse das Thema gleich aufgegriffen. Das Ergebnis ist, dass auch viele Griechen sich eine Food Box zuschicken lassen“. Inzwischen kommen rein über Empfehlungen und ganz ohne internationales Marketing auch erste Abonnenten aus Dubai oder Stockholm.

MonthlyFlavors verschickt die Food Box natürlich auch nach Deutschland und nach Österreich. Also einfach mal ein Abo abschließen (kann man jederzeit kündigen!) und griechische Aromen im deutschen Herbst genießen: http://monthlyflavors.com/

Ich bin überzeugt, dass die Mischung aus Neugier, Sehnsucht und Qualität auch international zum Erfolg führen wird und freue mich schon auf mein erstes Paket von MonthlyFlavors.

OnWebChat

Rede mit deinen Kunden

Eine Sache, die im Zeitalter der elektronischen Geschäftsabwicklung verloren gegangen ist, ist die Möglichkeit, einfach mal mit jemanden, der sich auskennt, zu quatschen – oder Neudeutsch: zu chatten. Mir geht es oft so, dass ich keine Lust oder Zeit habe, mir alle Informationen einer Webseite durchzulesen, bevor ich etwas kaufe. In letzter Zeit beobachte ich auf immer mehr Webseiten sogenannte Chatfunktionen, eine kleine unauffällige Möglichkeit unten rechts am Rand einer Webseite, um mit jemandem direkt zu kommunizieren. Das ist viel zielführender, als beispielsweise irgendwelche Anfrageformulare auszufüllen, die evtl. nie beantwortet werden.

Einfach losquatschen

home_pageIn den Ring der sogenannten Live-Chat-Anwendungen steigt jetzt auch ein neues Startup aus Griechenland. Der Name ist Programm: OnWebChat. Mehr ist fast nicht zu sagen. Ist man auf einer Seite, die OnWebChat eingebunden hat, kann man direkt mit einem Mittarbeiter des Unternehmens „sprechen“, Fragen stellen, zusätzliche Informationen anfragen etc.

Jeder, der eine Webseite betreibt, kann OnWebChat ganz einfach einbinden, entweder über einen kleinen HTML-Code oder über entsprechende Plugins beispielsweise für WordPress oder Joumla. Einmal eingerichtet läuft die Abwicklung komplett über OnWebChat und man bestimmt als Betreiber der Webseite selbst, wann jemand zum Chatten zur Verfügung steht und wann nicht. Als Webseitenbetreiber sieht man über das Besuchermonitoring auch, wer schon mal da war, welche Seiten vor dem Chat besucht wurden etc. Auch ist es möglich, zusätzliche Dokumente über OnWebChat hin- und herzuschicken.

Das Unternehmen und Geschäftsmodell

Periklis2OnWebChat wurde von Periklis Psillakis in Chania gegründet und ist damit das erste Startup aus Kreta, das ich auf Eulen aus Athen präsentiere. Persiklis hat bereits mit smsbox.gr ein erfolgreiches Unternehmen und damit die Entwicklung des neuen Unternehmens komplett selbst finanziert. OnWebChat ist aktuell in einer erweiterten Betaphase mit mehreren hundert Kunden auf der Plattform. Das Geschäftsmodell basiert auf einem Abo-Modell, das man monatlich kündigen kann und dessen Preise vom benötigten Funktionsumfang abhängen. Neben dem erweiterten Funktionsumfang im Vergleich zu anderen Produkten ist es sicherlich auch eins der günstigsten.

Wer also darüber nachdenkt, eine Chatfunktion auf seiner Webseite anzubieten, sollte sich auf jeden Fall OnWebChat anschauen.

Bitcoin und Kapitalverkehrskontrollen

Seit ein paar Jahren haben elektronische Zahlungssysteme Konjunktur, die wie Parallelwährungen funktionieren. Bitcoin ist vermutlich die bekannteste Variante. Statt einer zentralen Abwicklungsstelle (also einer Bank) funktioniert Bitcoin mit Hilfe des Zusammenschlusses mehrerer Rechner über das Internet (Peer-to-Peer) und die Guthaben in Bitcoin werden in digitalen Brieftaschen gehalten. Ähnlich wie bei einer traditionellen Währung wird der Wert eines Bitcoins aufgrund von Angebot und Nachfrage bestimmt (wer es genauer wissen will, Wikipedia ist wie immer ein guter Anfang: https://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin).

Das hört sich zwar nach einem interessanten Experiment an, aber ich habe mich schon immer gefragt, wozu das eigentlich gut ist. Jetzt weiß ich es: Auch wenn die Berichterstattung über Griechenland in den letzten Wochen etwas nachgelassen hat, bleibt das Hauptproblem bestehen. Es ist kaum möglich, unternehmerisch aktiv zu bleiben, solange der internationale Zahlungsverkehr lahmliegt. Selbst Mikrobeträge von ein paar Euro für Hosting oder einen Domänennamen werden zum Problem, da griechische Kreditkarten im internationalen Zahlungsverkehr nicht angenommen werden.

Schritt 1: Bitcoin Geldautomat

Quelle: Greek Reporter

Quelle: Greek Reporter

Den ersten Schritt in die Verbreitung von Bitcoin in Griechenland hat Stavros Messinis gemacht, den wir in diesem Blog ja schon ein paar Mal angetroffen haben. In seinem Coworking-Space ‚The Cube‘ hat er den ersten Bitcoin-Geldautomaten Griechenlands installiert. Der funktioniert wie ein normaler Geldautomat, man kann also Geld einzahlen und sich auszahlen lassen, nur dass man statt Euro einen Bitcoin-Beleg bekommt. Damit kann man im Internet an allen Stellen zahlen, die Bitcoins akzeptieren. Und das sind inzwischen recht viele. Unter Coinmap.org sieht man alle Bitcoin-Akzeptanzstellen weltweit:

coinmapSchritt 2: Bitcoin Kreditkarte

Trotz der Vielzahl an Annahmestellen besteht natürlich immer noch ein Problem, wenn man genau einen Service nutzt, der keine Bitcoins als Zahlungsmittel unterstützt. Um auch das zu umgehen hat Panagiotis Vryonis, einer der Gründer, die ich hier auch schon vorgestellt habe, ein Experiment gemacht, dass auf großes Interesse gestoßen ist: Es gibt inzwischen Kreditkarten, die man mit Bitcoins befüllen kann. Zahlen tut man dann ganz normal über Euro oder Dollar. Panagiotis hat also die Bitcoins von Stavros Geldautomaten auf eine solche Kreditkarte eingezahlt und fertig ist das alternative Zahlungssystem. Mit der Kreditkarte kann er jetzt überall auf der Welt mit griechischen Euros zahlen.

Hier zum Artikel von Panagiotis, wie er das gemacht hat: https://blog.vrypan.net/2015/08/01/using-btc-to-buy-anything/

Mir ist klar, dass über solche kleinen Transaktionen nicht alle Probleme, die durch die Kapitalkontrollen entstehen, gelöst werden können, aber es ist ein Anfang.

Besser noch für die Startups und die Wirtschaft in Griechenland wäre, wenn endlich alles getan wird, um die Kapitalkontrollen wieder abzuschaffen.

‚Save Greek Startups‘ findet namhafte Unterstützer und verbreitet sich viral

Gerade vorgestern hatte ich hier über die Initiative von Panos und Yiannis vom Zerofund berichtet. Sie versuchen, die Basisinfrastruktur der Startups in Griechenland (Webservices, Hosting etc.) aufrechtzuhalten und helfen kurzfristig mit den aktuell fälligen Raten aus (aus eigener Tasche). Inzwischen gewinnt das Thema an Fahrt. Die ganze Aktion ist sehr lean gestaltet mit einem kleinen Sheet und vielen Mails und wird von den beiden sowie ersten weiteren ‚Aktivisten‘ durchorganisiert. Erste fällige Zahlungen werden schon durchgeführt und die Gründer haben zumindest an dieser Front etwas Ruhe.

Inzwischen ist das Thema auch jenseits des Atlantiks angekommen. Marc Andreessen (einer der Internet-Pioniere, bekannt als Gründer von Netscape) hat schon Unterstützung per Twitter zugesagt und Bloomberg View berichtet.

https://twitter.com/pmarca/status/615791541798334465

Wie könnt ihr helfen?

  1. Der ganze Prozess läuft über Prepaid-Kreditkarten, die irgendjemand erstmal spendet. Wer also eine solche Prepaid-Kreditkarte bereitstellen will, kann das über das Formular von Zerofund tun [hier klicken]. Ich bin mir sehr sicher, dass alle Gründer das Geld zurücküberweisen werden, sobald sie können. Eine Garantie gibt es dafür natürlich nicht, da der ganze Prozess nicht irgendwie rechtlich abgesichert ist und sich natürlich auch nicht alle persönlich kennen. Also im Worst-Case war es die gute Tat des Jahres.
  2. Wenn ihr wisst, wo man einfach und online und idealerweise günstig Prepaid-Kreditkarten in Deutschland (oder woanders) kaufen kann, gerne einen Kommenar hinterlassen. Ich habe eben kurz recherchiert, aber habe nur sehr eigenartige Angebote gefunden oder ein sehr umständliches Vorgehen. In den USA scheint man die als Gift-Card an jeder Ecke zu bekommen.
  3. Wenn ihr jemanden bei Hetzner oder anderen Service-Anbietern (wie z.B. Amazon Web Services) kennt, der auch etwas entscheiden kann, schickt ihnen eine Mail. Die beiden genannten sind offensichtlich sehr beliebt bei griechischen Startups. Es wäre ein echtes Zeichen der Solidarität, wenn Multimillionen-Konzerne Ihren treuen Kunden wegen 30 € nicht gleich den Saft abdrehen, nur weil im Moment der internationale Zahlungsverkehr aus Griechenland nicht funktioniert. Es sind nur Mikrobeträge, aber lebensnotwendig. Sie sollten es als Marketing sehen, da im Moment jede solche Mail in Griechenland durch alle Medien geht. Atlassian macht sich zum Beispiel in Griechenland gerade wegen 80 € sehr unbeliebt (siehe Bild hier).

Am Ende ist es natürlich jedem selbst überlassen. Ich würde mich freuen, wenn auch etwas Support aus Deutschland kommt. Unabhängig von seiner Meinung zum Thema Griechenland und Europa und auch wenn es nur symbolisch ist.

Die Kreativität in den Zeiten der Kapitalverkehrskontrolle

Die Welt ist vernetzt und jedes Startup nutzt Dienste, die irgendwo anders auf der Welt bereitgestellt werden. Solche Dienste, wie Hosting, Amazon Web Services, Google Docs , Shop-Systeme in der Cloud, Domänenregistrierung etc., kosten üblicherweise nur ein paar Euro im Monat, sind aber gleichzeitig die Grundvoraussetzung für die Existenz des Unternehmens. Das Problem: ohne Kreditkarte, kein Service. Im Rahmen der aktuellen Kapitalverkehrskontrolle, die diese Woche in Griechenland eingeführt worden ist, platzen immer mehr Transaktionen, die lebensnotwenig für das unternehmerische Handeln eines jeden Startups sind. Größere Unternehmen mögen darauf eingestellt sein, aber viele Startups haben natürlich keine ausländischen Konten oder Kreditkarten.

Zerofund agiert als Stellvertreter

zerofund-StartseiteUm das Problem ad hoc (oder heute würde man vielleicht „lean“ sagen) zu lösen, haben Panos Papadopoulos und Yiannis Vlachoyiannis, die beiden Gründer von Bugsense (siehe hier und hier) und zerofund (siehe hier), die inzwischen in San Francisco sitzen, kurzerhand einen sehr schlanken Ansatz zur Überbrückung geschaffen: Sie zahlen die Rechnungen für Services, die kurz vor dem Ausfall stehen, aus eigener Tasche mit einer US-Kreditkarte. Sobald die Startups eine Möglichkeit sehen, das Geld irgendwie zu transferieren, schicken sie es ihnen.

Und das funktioniert tatsächlich! Ich bin beeindruckt, wie viele Transaktionen innerhalb kurzer Zeit bereits getätigt wurden und alle ohne kompliziertes Vertragswerk und rein auf Vertrauensbasis. Das erinnert mich an legendäre Geschichten über ehrenwerte Kaufleute im Mittelmeerraum oder auch in der Hanse, die per Handschlag einen Deal gemacht haben, teilweise über viele Kilometer Entfernung und ohne jegliche Chance, ihr Recht auch einzufordern.

Griechische Startups, die kurzfristig Unterstützung brauchen, können sich hier anmelden:

http://zerofund.org/

Weitere Initiativen

Im Schatten der sehr intensiven Diskussion über das Ja oder Nein, die natürlich auch in Griechenland die Medien dominiert, haben auch andere Startups solidarisch Aktionen gestartet. Immer mehr Service-Anbieter gehen proaktiv auf ihre Kunden aus Griechenland zu und lassen Services für 1-2 Monate laufen, ohne irgendwelche Mahnungen oder gar Sperrungen durchzuführen. Das Startup Workable von Nikos Moraitakis hat gleich allen griechischen Startups die nächsten 3 Monate geschenkt. Ein anderes Beispiel ist Moosend, das diverse Rabattaktionen und alternative Zahlungsmethoden für seine Kunden eingeführt hat.

Artikel zum Thema

Den einzigen deutschsprachigen Artikel zum Thema habe ich bei wired.de gefunden:

– WIRED: Griechenlands Startups kämpfen gegen das Chaos

In Griechenland wird das natürlich schon mehr thematisiert, wie beispielsweise hier:

Sicher werden diese Initiativen die Solidarität zwischen den Startups noch mehr stärken. Auch wenn das keine langfristigen Lösungen sind, helfen sie doch schon alleine durch ihre symbolische Kraft.

Möge diese unmögliche Episode bald vorübergehen!