Blueline

Ärztliche Behandlung zu Hause

Blueline_LogoEs scheint wie aus einer anderen Zeit, in Filmen sieht man es noch ab und zu: ein Arzt, der zum Patienten nach Hause kommt. Vielleicht gibt es das noch irgendwo auf dem Land, ich habe es noch nie erlebt. Wenn man heutzutage in der Stadt krank wird, muss man sich üblicherweise zum Arzt schleppen, ein längere Zeit im Wartezimmer zusammen mit anderen Kranken herumsitzen, um dann für ein paar Minuten behandelt zu werden bzw. sein Rezept oder seine Krankmeldung abzuholen . Eine Prozedur, die für einen gesunden Menschen schon nervig ist, für einen Kranken aber wirklich sehr anstrengend –und vermutlich auch nicht gesundheitsfördernd. Als Patient fühlt man sich ein wenig wie eine Ressource in einem auf Hocheffizienz getrimmten Gesundheitsapparat. Dennoch haben wir das inzwischen als selbstverständlich hingenommen und können es uns kaum noch anders vorstellen.

Nicht so das griechische Startup Blueline. Der Bedarf und der Wunsch nach Behandlung zu Hause sind ja immer noch da und Blueline versucht gerade dies wieder zu ermöglichen.

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„Uber für Ärzte“

In der Theorie könnte überall, wo Angebot und Nachfrage bestehen, ein elektronischer Marktplatz entstehen. Patienten suchen Ärzte und Ärzte wollen Patienten behandeln. Also müsste es auch möglich sein, einen elektronischen Marktplatz zu schaffen, der Patienten und Ärzte zusammenbringt. Und genau das macht Blueline. Ärzte registrieren sich bei Blueline und geben Informationen zu ihren Qualifikationen an. Wenn sie Zeit haben, melden sie dem System, dass sie jetzt verfügbar sind. Patienten wiederum können über die Blueline-App nach Ärzten in der Nähe mit bestimmten Qualifikationen suchen, sich evtl. noch Bewertungen anderer Patienten anschauen und einen Arzt anfordern. Nikos Naoum, einer der Gründer von Blueline, meinte dazu „Es ist wie Uber für Ärzte“. Ich hätte eher gesagt, wie Taxibeat für Ärzte, da sich nicht jeder bei der App anmelden kann, sondern nur ausgebildete Ärzte (so wie bei Taxibeat nur lizensierte Taxifahrer mitmachen können).

Fokus auf Großstädte

Ende März soll es in Athen losgehen. Dann geht es weiter in anderen Großstädte Europas und im Rest der Welt. „Auf der Welt leben ca. 1 Milliarde Menschen in Großstädten und der persönliche Arzt ist dort eher eine Seltenheit“, so Nikos Naoum im Gespräch. „Wir sprechen mit Blueline nicht nur Einheimische an, sondern auch Personen, die geschäftlich oder als Tourist unterwegs sind“, so Nikos weiter.

Eine Frage, die ich mir natürlich auch gestellte habe: Ist eine ein Hausbesuch für die meisten nicht viel zu teuer? „Aktuell kann ein privater Termin tatsächlich oft noch recht teuer werden, aber das ist auch dem Gesamtsystem geschuldet. Unser Ziel ist es, über Blueline nicht nur die Qualität der Behandlung zu erhöhen, sondern auch die Kosten für eine private Behandlung zu Hause zu reduzieren“, so Nikos. Um das zu erreichen, setzen sie auch auf junge Ärzte, die sich beispielsweise keine eigene Praxis leisten können. Oder auf Ärzte, die neben ihrer Tätigkeit im Krankenhaus noch zu selbst bestimmten Zeiten Patienten behandeln wollen, um sich so etwas dazuzuverdienen. „Gesamtwirtschaftlich sind wir auch davon überzeugt, dass Kosten durch mehr und vor allem rechtzeitige ambulante Behandlung stark reduziert werden können.“

Das Unternehmen und viele weitere Ideen

Das griechische Startup Blueline wurde von Nikos Naoum, Epistimi Sachitzi, George Dimitriou und George Tesseris gegründet. Erster Investor und Mitgründer ist übrigens Dimitris Tsigos, den ich hier ja hier schon porträtiert habe.

Hier noch ein kleines Video in dem Epistimi Sachitzi sich und Blueline vorstellt:

Die Ideen gehen auch schon weiter. So gibt es erste Überlegungen, das System für Krankenschwestern, Physiotherapeuten etc. auszubauen oder auch in Richtung Tele-Health, also Videoberatung für Patienten anzubieten. Und warum auch nicht gleich noch die Lieferung von Rezepten und Medizin nach Hause? Die Möglichkeiten auf so einem elektronischen Marktplatz für Patienten und Gesundheitsdienstleistungen sind unendlich und ich habe nach dem Gespräch das Gefühl mitgenommen, dass der Arzt, der einen zu Hause besucht, nur der Anfang ist.

Ich hoffe ja, dass ich bei meinen Griechenlandaufenthalten nicht krank werde, aber falls doch, weiß ich jetzt, wo ich schnell einen Arzt herbekomme.

Portrait: Dimitris Tsigos

Der Serieninkubator

10513441_10152233682606476_954572767124566068_nWenn man sich mit der griechischen Startup-Szene beschäftigt, kommt man nicht umhin, sehr bald auf Dimitris Tsigos zu treffen. Sei es auf irgendeiner Veranstaltung oder in den sozialen Netzen. Ich kenne wenig Menschen, die so allgegenwärtig sind und so viele Sachen gleichzeitig machen – und viele davon sehr erfolgreich. Er war natürlich auch einer der Ersten, die mir bei meinen Blog-Aktivitäten über den Weg gelaufen sind (siehe hier). Aber eins nach dem anderen.

Dimitris Tsigos wurde 1977 in Aspropirgos in der Nähe von Athen geboren und hat in den 90er Jahren auf Kreta Informatik studiert. Ich kann mich noch erinnern, dass Kreta bereits damals zu einer der renommiertesten Informatik-Fakultäten in Griechenland zählte, unter anderem wegen der vielen Professoren, die aus den Vereinigten Staaten kamen. „Auf Kreta herrschte damals schon eine andere Einstellung zum Gründen von Unternehmen, was mir auch sehr geholfen hat“, so Dimitris im Gespräch. Seine Professoren waren es, die ihn damals auch dazu bewegt haben, unternehmerisch zu handeln. In einem der Seminare wurde angeregt, statt einfach nur ein Gruppenprojekt durchzuführen, spielerisch ein Unternehmen zu gründen. Aus den Studentengruppen wurden plötzlich Unternehmen und man machte sich neben der Technik Gedanken zu Marketing und Wirtschaftlichkeit. „Dieses ‚Spiel‘ ging ein Jahr und war sehr entscheidend für mich“, sagt Dimitris und so haben Dimitris und drei weitere Studenten noch während des Studiums ihr erstes Unternehmen im Bereich Content Management gegründet.

Die ersten Jahre

Diese facebook-20140905-113444erste Gründung hatte viele Höhen und Tiefen. Erste große Kunden, dann fast pleite, Gründer gegangen, neue Ansätze versucht usw. In diesen Jahren haben sie unter anderem Portale für Unternehmen und Banken entwickelt und sogar für das Verteidigungsministerium. „Aus dem ganzen Prozess habe ich viel gelernt und früh festgestellt, dass wir nicht nur reine Dienstleistungen anbieten, sondern auch Software-Produkte entwickeln sollte, um besser skalieren zu können. Mit der Krise ab 2008 kam noch dazu, dass das klassische Dienstleistungsgeschäft quasi am Boden lag“. Hieraus hat Dimitris schrittweise einen ganzen Prozess zur Gründung von Unternehmen entwickelt. Wenn man so will, war das der Grundstein für seine heutigen Unternehmungen.

Starttech Ventures

Starttech Ventures heißt sein Unternehmen, das die Klammer zu allen seinen Unternehmungen und Beteiligungen bildet. Man könnte es als Inkubator bezeichnen oder als Company-Builder. Die Grundidee von Starttech Ventures ist folgende: Über Beratungsdienstleistungen und Forschungsprojekte werden erste Prototypen und Produkte entwickelt. Aus diesen werden dann eigene Firmen gegründet, die jedoch unter dem Dach von Starttech Ventures als Investor bleiben. Systemadministration, Office, Rechtsanwälte, Finanzen etc. werden zentral organisiert und sparen damit Kosten und Overheads und die Gründer können sich um das Kerngeschäft kümmern. Insgesamt hat Starttech so in den Jahren 2003 bis 2011 12 Firmen gegründet und Investitionen in Höhe von 4 Millionen Euro getätigt. Da es das Prinzip der Risikofinanzierung in Griechenland noch nicht gab, hat Dimitris den größten Teil über private Kredite eingebracht – ein hohes Risiko, das sich aber wohl ausgezahlt hat. Inzwischen arbeiten über 50 Mitarbeiter in den aktuellen Projekten und Unternehmen.

Die Projektleiter der neuen Projekte werden zu Gründern und erhalten Gehalt und Anteile von den Neugründungen. Was sich am Anfang noch rein instinktiv entwickelt hat, ist inzwischen als Inkubationsprozess formalisiert und Starttech Ventures gründet kontinuierlich weitere Unternehmen. Nicht alle erfolgreich, aber doch recht viele davon.

Das wirtschaftlich erfolgreichste Startup aus der ersten Serie war Abzorba Games, über das ich hier schon berichtet hatte. Aber auch andere Unternehmen wie Epignosis entwickeln sich immer weiter. Epignosis ist mit dem Produkt eFront einer der bekanntesten europäischen Anbieter für eLearning-Software und expandiert selbst inzwischen rasant mit weiteren Produkten wie TalendLMS, die ich vor drei Jahren hier vorgestellt habe, und ganz neu Snapico.

Und es geht gerade so weiter. Zur Familie von Starttech gehören unter anderem yodeck, eine Plattform für die Steuerung digitaler Werbeflächen, Pakia, eine Plattform zur Verwaltung von Versicherungen, oder Elurus zur Verwaltung der Finanzen und Rechnungen für kleine Unternehmen. Insgesamt findet man im Portfolio von Starttech Ventures aktuell 14 Unternehmen.

Starttech_Portfolio

Spannend finde ich, dass Dimitris von Griechenland aus inzwischen auch international investiert, wie beispielsweise in das russisches Startup Mailburn oder das israelische Startup Take&Make.

Vielseitiges Engagement als „aktiver Bürger“

Wenn man Dimitris Aktivitäten verfolgt, fällt auf, wie viel er neben den Gründungen noch macht. In den Sozialen Netzen ist er omnipräsent, er schreibt Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen in Griechenland, war einer der Treiber und Gründer des griechischen Startup-Verbandes und fünf Jahre Präsident der European Confederation of Young Entrepreneurs (YES). Darüber hinaus ist er Board Member im European Business Angel Network EBAN.

Tsigos_Session

Durch dieses Engagement und oft kritische Äußerungen zum aktuellen politischen Geschehen in Griechenland eckt er sicherlich auch an und wurde schon oft gefragt, ob er Politiker werden will. Dem widerspricht er und sieht sich selbst einfach nur als „aktiver Bürger“.

Ich habe großen Respekt vor seinem Engagement und seinen vielen wichtigen Beiträgen im sich immer schneller entwickelnden Startup Ökosystem Griechenlands.

Fundstück #10: Klimis Olivenkernkohle

Ökologische Alternative aus Griechenland für den Grillweltmeister

Bis zur Grillsaison ist es zwar noch etwas hin, aber ich habe gerade eine Firma entdeckt, über die ich unbedingt berichten wollte. Deutschland ist ja bekanntlich nicht nur Grillweltmeister, sondern mit 218.000 Tonnen (2013) auch Weltmeister im Import von Holzkohle (Quelle)

Holzkohle-Import-Statistik

Das sind absolute Zahlen, die sogar höher sind als die von China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern. Die importierte Holzkohle kommt übrigens zu großen Teilen von Ländern mit Tropenwäldern und zumindest fragwürdiger Herkunft.

Holzkohle-Export_Statistik

 

Dabei gibt es eine wesentlich bessere Alternative, und zwar nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten, sondern auch bzgl. der Brenneigenschaften: Kohle aus Olivenkernen von der Firma Klimis aus Kalamata.

Klimis-Startseite

Sogar der Naturschutzbund (NABU), den ich jetzt nicht direkt mit Barbecues in Verbindung gebracht hätte, ist begeistert und meint: „Sie glimmen besser, erzeugen eine höhere Hitze und entwickeln eine gleichmäßigere Glut als herkömmliche Grillkohle. Weitere Pluspunkte sind die geringe Rauchentwicklung und das Ausbleiben eines Funkenflugs beim Durchmischen“ (Quelle).

Griechenland produziert übrigens 2 Mio. Tonnen Oliven, also 10 % der Weltproduktion (Quelle). Jetzt versuche ich mal eine kleine Rechnung. Falls einer meiner Leser mehr Ahnung hat als ich, bitte melden:

  • Weltweit werden 20 Mio. Tonnen Oliven produziert (Quelle)
  • Aus einem Kilo Oliven gewinnt man ungefähr 100 ml Öl (also Verhältnis 10:1) (Quelle)
  • 90 % der Oliven werden zu Öl verarbeitet (Quelle)
  • Zwischensumme: 20 Mio. Tonnen Oliven, davon 18 Mio. Tonnen für die Olivenölproduktion machen 1,8 Mio. Tonnen Olivenöl und damit 16,2 Mio. Tonnen „Rest“.
  • Jetzt habe ich leider nicht herausgefunden, wie viel Olivenkernkohle man aus einem Kilo von dem „Rest“ machen kann, aber ich treffe einfach mal eine mutige Annahme und sage: ein Verhältnis von 1:10.

Wenn die Annahmen stimmen, könnte die weltweite Jahresproduktion etwas 1,6 Mio. Tonnen sein. Damit könnten dann immerhin zwei Drittel des weltweiten Imports von 2,2 Mio. Tonnen an Holzkohle ersetzt werden. Für die Grillweltmeister reicht es allemal.

Um das zu erreichen, müsste Klimis allerdings anfangen, Olivenkerne zu importieren oder die Technik in andere Länder lizensieren, was ja auch nicht schlecht wäre.

Übrigens: Klimis war national Champion für die European Business Awards 2014/2015 und ist Mitglied von EMAS.

In Deutschland gibt es die Kohle auch schon zu kaufen. Sie werden von Olio Bric vermarktet. Wie es dazu kam, ist eine andere Geschichte und steht z. B. hier.

Wie wäre es also mit einer ökologisch interessanteren Alternative zur Holzkohle beim nächsten Grillfest?

Infamous Labs – Smaf.tv

Die Zukunft des Fernsehers

Nach Radio und Kino war der Fernseher eine Zeit lang die Innovation schlechthin, die wie kaum ein anderes Medium die täglichen Abläufe und Gespräche bestimmt hat. Inzwischen ist der Fernseher überall. In jedem Haushalt, in jedem Hotel und in jedem Geschäft. Das Fernsehen ist mit Abstand die liebste mediale Unterhaltung in Deutschland (und vermutlich auch weltweit), wie die Statistik von Statista.com zeigt. Du, lieber Blog-Leser, verbringst fünfmal mehr Zeit vor dem Fernseher als im Internet (statistisch gesehen). Das hat mich doch stark verwundert (vor allem, weil ich gar keinen Fernseher besitze).

 

Die Bildschirme wurden über die Jahre flacher, größer, hochauflösender, aber das Prinzip blieb über Jahrzehnte das Gleiche: Einer sendet (oder inzwischen vielleicht 500 oder 1000) alle anderen schauen zu. Dennoch: Wenn man über technische Innovationen redet, so meint man doch eher Internet, Smartphones, Tablets, Social media….

Der Fernseher wird intelligent und wünscht Interaktion

Doch das ändert sich gerade. Seit ein paar Jahren erfindet sich die Grande Dame der Unterhaltungstechnologie neu. Aus dem Fernseher wird „Smart TV“ und immer mehr Menschen kaufen sich einen Fernseher mit integriertem Computer, Internetanschluss, Speicher etc., wie eine kurze Anfrage bei Google Trends zeigt (Interessant ist die Spitze im Dezember, scheint ein beliebtes Familienweihnachtsgeschenk zu sein).

 

Inzwischen werden, ähnlich wie für Smartphones, Apps entwickelt, die im Fernseher laufen und mit denen man parallel zum Fernsehprogramm interagieren kann. Da in fast jedem Haushalt ein Fernseher steht und bald wohl auch ein Smart-TV, sind die Möglichkeiten der Interaktion schier unendlich.

Era of connected TV

Ein Problem jedoch bleibt: Jeder Hersteller von Smart-TVs hat seine eigene technische Plattform, zeitweise waren es 25 Varianten, auch wenn sich die inzwischen etwas konsolidiert haben. Was bisher fehlte, war eine Möglichkeit für Entwickler, einfach Apps zu entwickeln, die auf den unterschiedlichen Plattformen veröffentlicht werden (so ähnlich wie bei der Problematik im Smartphone-Bereich, mit Android, iOS, Windows, Blackberry…).

Market_Fragmentation

Und hier setzt das griechische Startup Infamous Labs mit smaf.tv an.

Smaf.tv – die Plattform zur Entwicklung von Apps für Smart-TV

Das griechische Startup Infamous Labs entwickelt mit smaf.tv die zentrale Plattform zur Entwicklung von Apps für Smart-TVs. Die Plattform unterstützt systemübergreifende Analytics-Funktionen, zusätzliche Services für die Analyse und Bereitstellung von Interaktions- und Benachrichtigungsmöglichkeiten bis hin zur Anbindung an Zahlungssysteme. Auch wenn die einzelnen Hersteller selbst eigene Plattformen entwickeln, ist smaf.tv aktuell die einzige, die die Bereitstellung von Apps und den dazugehörigen Services über alle gängigen Plattform ermöglicht.

InfamousLabs_Startseite

Und die Einsatzmöglichkeiten sind enorm. Natürlich dachte ich auch zuerst ans Shoppen von zu Hause und das Schalten von Werbung, abhängig von der aktuellen Sendung. „Das ist sicherlich ein wichtiges Einsatzgebiet“, so Unternehmensgründer Kostas Tsakalos im Gespräch. „Allerdings gibt es noch viele andere, wie die zentrale Bereitstellung von persönlichen Informationen in Hotels oder auch im Krankenhaus, den Preisvergleich oder die Anzeige von Alternativen direkt im Geschäft und und und“.

Entwicklungszentrum in Berlin geplant

Infamous Labs wurde 2013 von Konstantinos (Kostas) Tsakalos zusammen mit Theodore Aggelopoulos, Ioannis Foukarakis, gegründet. Kostas Tsakalos war übrigens ein Mitschüler von mir auf der Deutschen Schule Athen und wir haben auch ein paar Jahre zusammen in Karlsruhe studiert. Man begegnet sich mindestens drei (!) Mal im Leben, wie man so schön sagt. Das Unternehmen ist durch die Investition von privaten Investoren gut ausgestattet und aktuell auf starkem Expansionskurs. In diesem Zusammenhang plant Infamous Labs auch gerade ein neues Entwicklungszentrum in Berlin. Neben der Suche nach schlauen Köpfen will Infamous Labs durch diesen Schritt auch bei der Entwickler-Community in Deutschland sichtbarer werden.

Wenn das mal keine Schlagzeile wert ist: „Griechisches Startup schafft Arbeitsplätze im durch Arbeitslosigkeit und Schulden gebeutelten Berlin“ ; )

Vielversprechend #9: der Koloss von Rhodos

Im Jahr 2000 haben wir einen Road Trip entlang der Westküste der USA gemacht, von San Francisco nach Seattle. Irgendwo auf dem Weg, und recht früh erkennbar, gab es ein Schild und dann noch eins und noch eins: Hier geht’s lang zum „Drive Through Tree“.

Wir hatten noch nie davon gehört, aber bei all den Schildern sind wir neugierig geworden und haben uns mit unserem Auto angestellt bei dieser offensichtlichen Attraktion der Region. Für einen gewissen Obulus und nach einer gewissen Wartezeit waren wir dran und durften durch dieses Meisterwerk hindurchfahren. Es war ein Baum (zugegebenermaßen ein sehr großer) mit einem ausgesägten Loch, durch das man mit dem Auto fuhr. Nach dieser großartigen Erfahrung haben wir uns noch die entsprechenden Mitbringsel gekauft (passenderweise einen Kugelschreiber, den man kippen konnte, um dann einem kleinen Auto zuzusehen, wie es durch einen Baum fährt).

Kugelschreiber
Irgendwie hat mich diese Erfahrung nie richtig losgelassen. Wie schaffen es die Amerikaner bloß, aus dem Nichts und ohne jeglichen historischen oder zeitlichen Bezug eine solche Attraktion zu schaffen, zu der die Leute dann auch noch gerne hin pilgern und dafür Geld ausgeben?

Es gibt sicherlich bessere Beispiele für regionale Symbole, die keine wirkliche Funktion haben, aber für die die Leute sogar lange Reisen in Kauf nehmen, oder die über die Jahre hinweg zum Symbol schlechthin einer Stadt (Space Needle in Seattle) oder eines ganzen Landes wurden (Eiffelturm in Paris).

Colossus_Project_Startseite

 

Was muss es erst für eine Wirkung haben, wenn eins der sieben Weltwunder, lange vergangen, wieder errichtet wird. Und genau das ist das Ziel des „Colossus of Rhodes Project“. Besonders gefällt mir, dass das internationale Team des Projekts nicht nur einfach die alte Statue nachbauen, sondern ein neues modernes Symbol unserer Zeit schaffen will. Fünfmal so groß wie das Original, als Leuchtturm, Kulturzentrum und Bibliothek und als Verbindungselement zwischen drei Kontinenten. Die wirtschaftliche Bedeutung für die Region wäre kaum auszurechnen.

Colossus_Project_Bild

Das Projekt soll übrigens über eine Crowd-Funding-Kampagne finanziert werden, sobald die politische Unterstützung gesichert ist. Alle, die dann daran teilnehmen, werden im siebten Weltwunder namentlich verewigt. Alle Infos zum Projekt findet man auf der Webseite bzw. bei Facebook.

Vielleicht wird es ja mal die Freiheitsstatue für Europa – ein Symbol für Freiheit, Unabhängigkeit und ganz aktuell auch für die Willkommenskultur Europas.

Hier noch ein paar Videos zum Thema:

Was ist ein griechisches Startup?

Ein neues Jahr gibt immer wieder Anlass, sich ein paar Fragen zu stellen, die man sich schon des Öfteren gestellt hat, und diese zur Abwechslung auch mal zu beantworten. Nach nunmehr 38 Monaten und 54 griechischen Startups, die ich hier auf diesem Blog vorgestellt habe, möchte ich auf eine Frage zurückkommen, die ich relativ früh unbeantwortet gelassen habe:

„Was ist eigentlich ein griechisches Startup?“

Ich könnte die gleiche Frage natürlich auch für „deutsches Startup“ oder „finnisches Startup“ stellen, aber das würde meine Bloggäste, die wissen, dass ich über griechische Startups schreibe, vermutlich verwundern.

Ich könnte es mir natürlich einfach machen. Da ich der einzige bin, der regelmäßig im deutschsprachigen Raum über griechische Startups schreibe, habe ich ja quasi Definitionshoheit. Meine Antwort könnte also lauten:

„Ein griechisches Startup ist ein Unternehmen, das auf ‚Eulen aus Athen‘ vorgestellt wurde“.

Es würde mir zwar viel Anerkennung bringen, wenn irgendwann diese Definition in Wikipedia oder gar im Duden erscheint, aber so einfach will ich es mir dann doch nicht machen. Außerdem wäre die Definition spätestens dann nicht mehr haltbar, wenn mal ein zweiter Blogger auf die Idee kommt regelmäßig über griechische Startups zu berichten. Bei inzwischen 500 Gründungen von Startups in Griechenland im Jahr (Quelle DLF) gibt es ja genug Stoff zum Schreiben und ich bin mir sicher, dass früher oder später jemand anderes auf diesen Megatrend aufspringen wird.

Also muss ich doch etwas weiter ausholen. Dazu möchte ich zwei recht verbreitete Definitionen des Begriffs „Startup“ bemühen. Zunächst die von Eric Ries: “A startup is a human institution designed to deliver a new product or service under conditions of extreme uncertainty”. Die Definition finde ich völlig unpassend. Was soll denn bitte „extreme Unsicherheit“ heißen? Wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse, würde ich sagen, dass jedes Unternehmen in Griechenland Bedingungen der extremen Unsicherheit ausgesetzt war, aber das macht es noch lange nicht zu einem Startup. Außerdem bewegt man sich als Unternehmer sowieso in einem unsicheren Umfeld. Wenn es so etwas wie Sicherheit bei einer Unternehmensgründung geben würde, würden das ja alle machen.

Also dann doch die zweite und vermutlich bessere Definition von Steve Blank:

“A startup is a temporary organization used to search for a repeatable and scalable business model.”

Die Definition ist weit verbreitet und akzeptiert. Der Übergang von einem Startup zu einem „richtigen Unternehmen“ ist etwas schwammig, aber das macht nichts. Damit kann man arbeiten. Spannender finde ich die Fragen nach dem „griechisch“ in „griechisches Startups“. Hier bieten sich gleich mehrere Varianten einer Definition an, die aber wiederum neue Fragen aufwerfen:

  • „Wurde von Griechen gegründet“. Einer oder alle Gründer sind Griechen? Haben sie einen griechischen Pass oder griechische Vorfahren? Was ist mit Deutschen, die in Griechenland ein Startup gründen? (da fallen mir spontan 2 ein, über dich ich noch nicht geschrieben habe). Was ist mit Griechen, die in Deutschland leben und hier ein Startup gründen? (da kenne ich mindestens 5, über die ich noch nicht geschrieben habe).
  • „Wurden in Griechenland gegründet“. Hört es auf griechisch zu sein, wenn es den Sitz verlegt (was nicht selten passiert) oder gleich woanders gegründet wird (was auch nicht selten passiert), auch wenn die gesamte Mannschaft weiterhin in Griechenland sitzt?
  • „Entwickelt in Griechenland“. Was ist mit deutschen Gründern, die in großem Maße Entwickler in Griechenland beschäftigen? (Gibt es auch).

Nach Percy Bysshe Shelley, die sich vermutlich auf Isokrates Panegyrikos (50) bezieht, sind wir sowieso alle Griechen (“We are all Greeks. Our laws, our literature, our religion, our arts, have their root in Greece.“)  – das vereinfacht die ganze Sache natürlich enorm und macht alle Startups zu griechischen Startups.

Ich muss zugeben, so ganz einfach, wie ich mir das vorgestellt habe, ist die Definitionsfindung dann doch nicht. Aber ich probiere es mal weiter. Bei der Gründung eines Unternehmens lässt man sich ja vermutlich von den Problemen und dem potentiellen Bedarf seines Umfelds inspirieren. Vielleicht ist es etwas, was der Gründer sieht, was nicht richtig funktioniert, was er selbst braucht und nirgendwo findet oder einfach, wovon er gehört hat, dass jemand es brauchen könnte und nicht finden oder lösen konnte. Nun gibt es in jedem Land (sogar in Griechenland) genug Probleme, über die man stolpern könnte. Und vermutlich sieht jemand, der in Finnland lebt, andere Probleme als jemand, der in Griechenland lebt. Ich möchte mal ein paar Beispiele nennen:

  • Auswahl von Taxis nach Qualitätskriterien: Taxibeat.
  • Einfache Anwendung für extrem kleine Geschäfte: i-kiosk von Intale.
  • Einfache Buchungsverwaltung für Familienhotels: Discoveroom.
  • Verwaltung des Ansturms an Bewerbern: Workable.
  • Sehnsucht nach mediterranen Delikatessen: MonthlyFlavors.
  • Wunsch von Touristen nach Kontakt zu Einheimischen: Dopios.

Das Problem, das ich jetzt habe, ist, dass ich damit die anderen 48 Startups und Unternehmen, die ich beschrieben habe, quasi ausschließe. Außerdem gibt es noch mehr Länder mit Qualitätsproblemen bei Taxis oder mit vielen kleinen Familienhotels. Griechenland ist zwar durch Leute, Geschichte, Raum, Sprache, Religion etc. irgendwie geprägt und damit (wie jedes andere Land auch) irgendwie einmalig, aber Probleme, die es tatsächlich nur in Griechenland gibt, fallen mir spontan keine ein (mal abgesehen von den noch zwar gelockerten, aber immer anhaltenden Kapitalverkehrskontrollen, über die aktuell kaum noch geredet wird).

Aber irgendetwas muss es doch geben, was mich all die Jahre instinktiv dazu verleitet hat, über ein Startup zu schreiben, oder eben auch nicht. Vielleicht finde ich ja noch eine Antwort auf meine Frage in den nächsten Jahren. Bis dahin folge ich einfach mal weiter meinem Instinkt, beschreibe Ideen und Unternehmen, die mir gefallen und irgendwie aus dem oben beschriebenen Dunstkreis kommen, und deklariere diese einfach zu griechischen Startups. Mir geht es ja primär darum, einen positiven Blick auf eine Ecke Europas zu lenken, die mir schon aus persönlichen Gründen am Herzen liegt. Und das mache ich natürlich weiterhin.

Ich wünsche euch ein gesundes, frohes und erfolgreiches neues Jahr!

mist.io

Die Wolkenverwalter

Es gibt wenig Trends in der Informatik, die eine so große Diskussion, Verwirrung und so viele Ängste hervorgerufen haben, wie Cloud Computing. Bereits 2009 thronte die Wolke ganz oben auf dem Gartner-Hype-Cycle, als einer der Megatrends. Thomas Berbner vom NDR riet 2011 noch dazu, „die Datenwolke möglichst klein zu halten“ (Tagesschau, 01.03.2011, ab 22:23 Min.). Aber aller Warnungen und Ängste zum Trotz kenne ich niemanden, der ernsthaft sein Verhalten geändert hat – die Verlockung durch die Vorteile der Cloud für Privatnutzer mit Facebook, Twitter, Google und das Effizienzversprechen für Unternehmen ist einfach zu groß. Übrigens läuft auch dieses Blog über WordPress.com und ist damit irgendwo in der Wolke.

Betrachtet man das Ganze etwas nüchterner, ist Cloud-Computing nichts anderes als das Speichern von Daten und das Ausführung von Programmen in einem Rechenzentrum, also nicht lokal auf dem eigenen Computer oder Server (wer es genauer wissen will, dem empfehle ich wie immer Wikipedia). Es ist etwas unklar, wer die Idee als Erster hatte, aber sie wird einem J.R.C. Licklider zugeschrieben, der 1963 (!) in einem Memo über das „Intergalactic Computer Network“ etwas beschrieben hat, das recht nah an die Idee des Cloud-Computing kommt. Danach ist wohl irgendjemand auf die Idee gekommen, erst das Telefonnetz und dann das Internet als Wolke darzustellen. Für Informatiker meiner Generation war es üblich, eine Wolke zu zeichnen, wenn man in einer Graphik ein Symbol für das Internet brauchte (ich habe leider keine Folien von mir mehr aus den 1990ern gefunden, aber einen Vortrag aus dem Jahr 2001. Auf Folie 3 seht ihr das Internet als Wolke). Insofern fand ich den Begriff Cloud-Computing als „Rechnen im Internet“ oder „Rechnen in der Wolke“ immer ganz einleuchtend und habe mir erst heute beim Schreiben mehr Gedanken zur Begriffsentstehung gemacht.

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Aber zum Thema: Eigentlich müsste man heute von „Clouds-Computing“ (Plural) sprechen, da keineswegs alle Daten und Prozesse in einem Rechenzentrum auf einer Plattform laufen. Schon im privaten Bereich ist das so (meine Daten liegen mindestens bei Google, Facebook, Twitter, Dropbox, WordPress und wer weiß wo noch verteilt) und erst recht bei größeren Unternehmen und IT-Infrastrukturen. Es gibt Anbieter von Public Clouds, wie Amazon oder Microsoft, Anbieter von Software für Private Clouds, wie OpenStack oder VMWare und inzwischen werden Anwendungen auch paketiert in sogenannten Containern und können in unterschiedlichen Clouds ausgeführt werden. Insgesamt ein großer Wirrwarr an Anwendungen und Ausführungsorten, der jedoch vermutlich systemimmanent ist, also nicht zu vermeiden.

Die beste Lösung zur Beherrschung des Cloud-Wirrwarrs

Und hier setzt das griechische Startup mist.io an. Das Unternehmen mist.io entwickelt eine Plattform zur Verwaltung von Cloud-Lösungen mit einem besonderen Schwerpunkt darauf, ein einfaches und überall zugängliches Werkzeug zu schaffen, um der Heterogenität und Verteiltheit von Cloud-Lösungen Herr zu werden. Damit wendet sich mist.io natürlich vor allem an IT-Berater und Administratoren von solchen Infrastrukturen. Um das etwas plastischer zu machen, sei hier die amerikanische Organisation PCCC (http://boldprogressives.org/) genannt, die primär im Umfeld der Demokraten Polit-Kampagnen organisiert und inzwischen Kunde von mist.io ist. Die technische Herausforderung solcher Kampagnen besteht darin, in kürzester Zeit IT-Infrastrukturen hochzuziehen, mit der die Organisation eine Kampagne durchführen kann. Um nicht immer alles beim gleichen Cloud-Anbieter machen zu müssen und damit in eine Abhängigkeit zu geraten, hat PCCC mit mist.io eine Abstraktionsschicht geschaffen, die es ihnen erlaubt, für jede Kampagne die Infrastruktur schnell hochzuziehen, abzubauen und woanders erneut hochzuziehen.

Ein anderes schönes Beispiel ist das Europäische Parlament höchstselbst. Über die Jahre wurden unterschiedliche Technologien für die IT-Infrastruktur genutzt. Erst auf Basis von Solaris, dann VMWare, jetzt OpenStack. Da mit jedem Wechsel und jeder Neuerung die alten Systeme weiter bestehen bleiben und nur langsam auslaufen, nutzt das Europäische Parlament mist.io, um für die Administratoren die Brücke zu schlagen und eine einheitliche Oberfläche und Verwaltung für alle Systeme zu schaffen.

„Es gibt immer mehr Gründe, Daten und Anwendungen in unterschiedlichen Clouds abzulegen. Natürlich versuchen die Anbieter großer Cloud-Lösungen, die Kunden an sich zu binden, aber die Kunden mögen die totale Abhängigkeit selten. Auch ist es bei großen Organisationen quasi unumgänglich, dass sie mehrere Lösungen haben“, so Dimitris Moraitis, Gründer CTO von mist.io im Gespräch. „Der Nachteil beim Einsatz mehrerer Cloud-Lösungen ist, dass man die Möglichkeit einer zentralen und einheitlichen Verwaltung verliert.“ Und genau dafür gibt es mist.io.

Supported providers

Die Gründer und das Unternehmen

Das griechische Startup mist.io wurde von Chris Psaltis, Dimitris Moraitis, Markos Gogoulas und Mike Mouzourakis 2012 gegründet. Sie haben vorher schon in dem Bereich als Berater gearbeitet und haben, wie viele andere in diesem Umfeld, nach einer Lösung gesucht, mit der sich heterogene Infrastrukturen verwalten lassen. 2012 haben sie dann selbst einen Prototyp entwickelt und sind in den USA auf Tour gegangen. Den Anfang machte ein Accelerator aus Kalifornien (WebForward von Mozilla) und eine kleine Investition aus den USA. Inzwischen haben sie eine zweite Investitionsrunde vom griechischen PJ Catalyst Fund, sind profitabel und stellen inzwischen ungefähr einen Mitarbeiter pro Monat ein.

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Übrigens: die Software ist zu sehr großen Teilen Open Source und frei zu nutzen (https://github.com/mistio/mist.io). Geld verdient mist.io mit Beratung und der Bereitstellung als Software as a Service, in der neben den Standardmodulen noch ein paar zusätzliche Funktionen für Professional Services“ enthalten sind.

Agrostis

Traditionelle Landwirtschaft trifft die Moderne

Wenn ich an Landwirtschaft denke, dann denke ich vor allem an eine idyllische Landschaft. Beim Spaziergang sieht man weite Felder, gesunde und glückliche Tiere, ab und zu einen Bauern, der entspannt auf seinem Traktor über das Feld fährt und einen vielleicht noch nett grüßt. Nicht nur, weil ich mich beruflich immer mehr mit dem Thema IT und Agrarwirtschaft beschäftige, ist mir natürlich bewusst, dass die moderne Landwirtschaft wenig mit dieser Idylle zu tun hat. Die Landwirtschaft heute ist ein hochoptimierter Produktionsbetrieb und bewegt sich wie kaum eine andere Branche in einem Spannungsfeld zwischen Natur- und Landschaftsschutz und Profit bzw. Überlebenskampf sowie Tradition und Moderne. Aber schon die alten Griechen haben sich Gedanken zur Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion gemacht, beispielsweise Archimedes mit seiner „archimedischen Schraube“ (Schneckenpumpe) zur Beförderung von Wasser.

Essen müssen wir alle und auch wenn man es in Zeiten des Internets und der Suche nach dem „next big thing“ gerne mal übersieht: Lebensmittel sind immer noch das wichtigste Produktionsgut überhaupt. Deshalb ist es verständlich, dass die Landwirtschaft wie kaum ein anderer Bereich Regeln und Regulierungen unterliegt, gefördert und überwacht wird. Für kleine und mittlere Betriebe bedeutet dieser Optimierungs- und Regulierungsdruck jedoch auch, dass sie ihre Prozesse anpassen müssen, genau prüfen müssen, wann sie was machen, Saat, Düngung und Ernte planen und natürlich Kosten und Liquidität überwachen müssen – und vor allem müssen sie alles dokumentieren. Für Familienbetriebe oder Betriebe mit traditionellen Anbaumethoden ist das eine immer größere Herausforderung. Und von denen gibt es alleine in Griechenland ca. 250.000!

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Professionelles Farmmanagement

Die Firma Agrostis aus Thessaloniki hat 2012 begonnen, iFarma zu entwickeln, ein Farmmanagementsystem für kleine und mittelgroße Betriebe. Von Anfang an als Cloud-basierte Lösung für den Browser und Smartphones konzipiert, deckt iFarma alles ab, was ein Landwirt benötigt, um seinen Betrieb zu verwalten. Seine Felder, was, wo angepflanzt wurde, welche Aktionen als nächstes anstehen, welche Mengen noch auf Lager sind, wie die Tages-, Monats- oder Jahresplanung aus sieht, wie es mit den Finanzen steht etc.

„Oft sind es auch Gruppen von 10, 20 oder 100 Landwirten, die zusammenarbeiten und gemeinsam über iFarma verwaltet werden. Diese Zusammenschlüsse haben dann eine zentrale Verwaltung, die alle Aktivitäten auf den Feldern beaufsichtigt und die einzelnen Bauern berät, was sie als nächstes machen sollten“, so Vagelis Vassiliadis, einer der Gründer von Agrostis im Interview.

Das Unternehmen und die Gründer

Das griechische Unternehmen Agrostis wurde von Vagelis Vassiliadis und Athanassios Sapounas 2012 gegründet. Vagelis hat langjährige Erfahrungen im IT-Consulting gehabt und Athanassios ist promovierter Agrarwissenschaftler – eine sehr gute Kombination für ein gemeinsames Unternehmen im Bereich der Agrar-IT. Die beiden haben das Unternehmen selbst finanziert, hochgezogen und beschäftigen inzwischen immer mehr Mitarbeiter, die die Anwendung für die inzwischen 3.000 Nutzer von iFarma kontinuierlich weiterentwickeln.

Agrostis_Startseite

Agrostis weitet sein Portfolio immer weiter aus. So beispielsweise mit Mint, einer Anwendung, mit der man Befall durch Insekten frühzeitig erkennen und ihm entgegensteuern kann, oder QIfresh zur Qualitätsprüfung durch Inspektoren des Handels vor Versand der Waren.

iFarma und die anderen Anwendungen gibt es inzwischen auf Griechisch und Englisch und über ein stark wachsendes Partnernetzwerk ist Agrostis gerade dabei, in weiteren europäischen Märkten Fuß zu fassen.

Parachute Fonts

Die Macht des Unscheinbaren

Vor vielen Jahren ist mir zum ersten Mal die Macht von Typographie bewusst geworden. Es war eine Werbung von Mercedes-Benz, in der man zunächst nur einen Text las, aber sofort wusste, dass jetzt gleich ein elegantes und teures Auto um die Ecke fährt. Seitdem achte ich wesentlich mehr darauf, schaue mir bei neuen Marken die Schriftsätze an und manchmal versuche ich herauszufinden, was sich die Firmen bei der Auswahl gedacht haben mögen. Waren es rein ästhetische Gesichtspunkte, sollte der Schriftsatz Seriosität oder Eleganz ausdrücken, ist er eine Anspielung an eine andere zeitliche Epoche oder will er das Gefühl von einer langen Tradition vermitteln?

Im Zeitalter der Digitalisierung und vor allem Globalisierung ist das nicht anders. Allerdings haben sich die Medien gewandelt und nun gilt es, das Schriftbild einheitlich über alle Kontinente zu vermitteln – egal ob der Empfänger der Botschaften in Westeuropa, Russland, Griechenland, im arabischen Raum oder gar in Indien oder China sitzt.

Parachute_Startseite

Wie aus einem regionalen Mangel eine Chance in der globalisierten Welt wurde

Parachute Fonts ist ein kleine Unternehmen mit Sitz in Griechenland und wurde 2001 gegründet. Der Gründer Panos Vassiliou ist Ingenieur, hat sich aber schon während seines Studiums für das Thema Typographie interessiert. „Mir ist damals aufgefallen, dass in Griechenland immer die gleichen Schriftsätze zum Einsatz kommen und so habe ich angefangen, selbst neue zu entwerfen“ so Panos im Gespräch. Offensichtlich war der Markt reif, denn innerhalb kürzester Zeit hat er es geschafft, in Griechenland zum Standardlieferanten für Schriftsätze zu werden und es gibt heute kaum einen Verlag oder eine Werbeagentur in Griechenland, die nicht auf seine Fonts zurückgreifen. 2007 hat Parachute Fonts dann den Schritt über die Grenzen gewagt und eine internationale Nische besetzt: Schriftsätze, die alle europäischen Zeichen enthalten: lateinische (inkl. der diversen Sonderzeichen), kyrillische und natürlich auch griechische.

Greek

kyrillisch

Wenn man die Kundenliste sieht, fragt man sich, wieso kaum jemand Parachute Fonts kennt. Allein aus Deutschland sind in der Liste so schillernde Namen wie Adidas, Deutsche Welle, Financial Times Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung oder Hella und die Liste geht international endlos weiter: http://www.parachutefonts.com/AboutUs/Clients/MajorClients

Besonders beeindruckt war ich dann aber, als ich erfahren habe, dass Parachute Fonds auch individuelle Hausschriftsätze entwickelt, die quasi jeder kennt: Emirates (wunderschön!), Bank of America (Respekt!), UEFA (ja, die UEFA!), KFW (ja! ja! die KFW Bank), SAMSUNG (OMG! Samsung!) und die Europäische Kommission höchstselbst. Wenn man so will, kommt also sogar das typographische Bild, das man vom modernen Europa hat, aus Griechenland.

Parachute_CustomFonts

Das Unternehmen heute und nächste Schritte

Heute besteht das Unternehmen aus 15 freien und festangestellten Mitarbeitern und schaut weiter nach vorne. Neben arabischen Schriftsätzen, die sie inzwischen eingeführt haben, konzipieren sie aktuell auch Schriftsätze für mehrere indische Dialekte und arbeiten mit anderen Unternehmen zusammen, um auch das chinesische Schriftbild abzudecken.

arabisch

„Typographie ist meine Leidenschaft und ich bin froh, dass ich mein Interesse zum Beruf gemacht habe. Der nächste wichtige Schritt für das Unternehmen ist, Fonts für Indien in China zu entwickeln und neue internationale Kooperationen einzugehen“, sagt Panos Vassiliou. 

Leider kann ich bei meinem WordPress-Theme keine Fonts von Parachute einbinden. Wenn mir jemand sagt, ob und wie ich das machen kann, wäre das sofort ein Grund, beispielsweise auf ein entsprechendes Theme zu wechseln (nicht selbst gehostet, sondern bei wordpress.com).

Übrigens: Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich auch typorn, den sehr schön gemachten Blog von Parachute Fonts:

Typorn

Startups als Innovationstreiber Griechenlands

Beitrag veröffentlicht bei Griechenland Aktuell am 4.11.2015

Am Rande der öffentlichen Aufmerksamkeit hat sich in Griechenland in den letzten Jahren eine neue Unternehmerkultur entwickelt: Junge Unternehmer gründen immer mehr Startups, also Technologieunternehmen, die mit hochinnovativen Produkten sehr schnell und mit enormen Wachstumsraten versuchen, einen globalen Markt zu adressieren. Der hohe Ausbildungsgrad vieler Griechen und die schwierige Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage der letzten Jahre hat zu diesen Gründungsboom beigetragen – und das, obwohl die bürokratischen Hürden in Griechenland, verglichen mit vielen anderen europäischen Staaten, noch hoch sind. Unternehmerisches Handeln liegt den Griechen im Blut. Doch bei den Startups ist zu beobachten, dass die Methoden und Technologien einen Reifegrad erreicht haben, der internationale Standards mehr als nur erfüllt. Viele Startups, wie Taxibeat, Workable, oder Transifex feiern bereits heute internationale Erfolge und schaffen damit auch viele neue Arbeitsplätze in Griechenland.

Nicht alle frischgegründeten Startups sind erfolgreich. Sie alle gehen hohe Risiken ein, doch manche scheitern vollständig und andere erreichen ihre hochgesteckten Ziele nur zum Teil. Aber alle lernen etwas dabei und versuchen es wieder und wieder. Es gibt bereits jetzt zahlreiche Startup-Unternehmer, die – erfolgreich oder nicht – nun bei neuen Initiativen mitwirken, anderen Startups finanziell oder durch Wissenstransfer helfen oder sogar selbst neue Startups gründen.

opencoffee.grWer sich selbst ein Bild machen will, dem empfehlen ich die Teilnahme an einem sogenannten Open Coffee Greece, bei dem sich regelmäßig die Startup-Szene trifft. Das nächste Open Coffee in Athen ist am 13. November 2015.

AhtensStartupSafaryEine weitere interessante Möglichkeit, sich über die Szene zu informieren, ist die Startup Safary Athens vom 20. bis 22. November 2015. Sie wird in diesem Jahr zum zweiten Mal organisiert und ist eine Art Tag der offenen Tür der Athener Startup-Szene. Sie verteilt sich über viele Orte in ganz Athen und umfasst zahlreiche parallele Veranstaltungen, bei denen man Startups, Investoren, Co-Working-Spaces und viele Initiativen kennenlernen kann.

In einer losen Folge werden an dieser Stelle neue Initiativen, Veranstaltungen und natürlich Unternehmen der griechischen Startup-Szene vorgestellt.

Als Nachtrag, ein sehr schönes Video von der letzten Startup Safary in Athen: