Sensorflare

Das Internet der Dinge wird intelligent

Eins der bekanntesten Zitate in der IT-Welt, das übrigens vermutlich fälschlich Thomas John Watson, Sr. (IBM) zugeschrieben wird, lautet: „Ich glaube, dass es auf der Welt einen Bedarf von vielleicht fünf Computern geben wird.“ (Quelle Wikipedia). In Zeiten, in denen jeder mit einem Computer in der Hosentasche oder in der Uhr herumläuft, weiß man es natürlich besser. Nur wie sieht die Zukunft aus, wenn jeder Mensch bald im Durchschnitt zwei oder drei Computer hat?

Ganz oben auf Gardners Hype Cycle von 2014 thront der Begriff Internet of Things (IoT), oder auf Deutsch „Internet der Dinge“  (siehe z.B. Forbes-Artikel). Computer verschwinden als separate Gegenstände und verschmelzen immer mehr mit Alltagsgegenständen. Ausgestattet mit Sensorik und Rechenmöglichkeiten funkt in Zukunft alles, was uns umgibt, beobachtet, informiert und handelt vielleicht sogar autonom. Fabriken und Produktionsstätten bekommen ihre eigene Intelligenz, aber auch der öffentliche Raum und natürlich unsere Wohnungen. Es gibt bereits Schätzungen, nach denen ein US-amerikanischer Haushalt in 10-15 Jahren 500 aktive Geräte haben wird.

Bei aller Liebe zum Fortschritt, wie soll man das noch steuern?

Sensorflare_Startseite

Lernende Systeme, die uns unterstützen

Sensorflare_LogoSensorflare ist ein griechisches Startup, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die uns bald umgebende Technik intelligent und für uns zu steuern. „Wir sind der Überzeugung, dass eine aktive Bedienung all dieser Geräte über ein Smartphones nicht mehr handhabbar ist. Wir benötigen neue Paradigmen, in denen die Geräte selbstständig lernen und in unserem Sinne agieren“, so Marios Logaras, einer der Gründer von Sensorflare.

Üblicherweise gehen IoT-Infrastrukturen von einer Kopplung von Hardware und Software aus, in der man alles von einem der großen Anbieter kauft, wie bei INSTEON, SmartThings oder natürlich bei Nest, die letztes Jahr von Google übernommen wurden. Im Gegensatz dazu geht Sensorflare einen anderen Weg: Da man nicht davon ausgehen kann, dass alles von einem Hersteller kommt, ist es ihr Ziel, eine Zwischenebene einzuziehen, bei der man die Sensoren der unterschiedlichen Hersteller registrieren kann. Hinzu kommt zusätzliche Intelligenz, die vom Verhalten der Nutzer lernt und damit sukzessive autonom die Geräte steuert. So werden sich wiederholende Handlungsabfolgen im Raum beobachtet und mit der Zeit automatisiert.

Sensorflare_Idee

Wie der Lernprozess beispielsweise für die Garagentür aussehen kann, zeigt dieses kleine Video:

Das Team und die ersten Schritte

Sensorflare hat den Sitz in Patras, eine griechische Hochburg im Bereich der Mikroelektronik. Die Gründer von Sensorflare Ioannis Chatzigiannakis, Orestis Akrivopoulos und Marios Logaras sowie einige der ersten Team-Mitglieder Dimitrios Amaxilatis und Evi Vasiliou haben bereits langjährige Erfahrungen im Bereich der Sensorik und des IoT gesammelt, erst an der Universität Patras und später auch in frühen Versuchen, mit dem Thema unternehmerisch tätig zu werden.

Sensorflare_Team

Dann haben sie das Programm des Athener Accelerators von Metavallon durchlaufen und sind gerade in der Finanzierungsphase. Mit ihren Ideen haben sie schon diverse Preise gewonnen, wie erst kürzlich den IoT-Award als Peoples Choice in den Kategorien ‘Plattform and Tools’ sowie ‘Connected Home Product’

Eine gute Möglichkeit, damit uns das Internet der Dinge nicht über den Kopf wächst?

Grexit #2: AbZorba Games

AbZorba-Games-LogoSeit ein paar Monaten habe ich auf meiner Watchlist ein griechisches Startup, das innerhalb kürzester Zeit enorme Wachstumszahlen hingelegt hat. Doch manchmal überschlagen sich die Ereignisse, sodass ich jetzt statt von einem erfolgreichen griechischen Startup von Grexit Nummer 2 spreche.

Die Vorgeschichte

Im Jahr 2008 haben Manos Moschus und Dimitris Tsigos mobile Dienstleistungen im Unternehmen mVISION angeboten und unter anderem eines der erfolgreichsten Community-Portale in Griechenland mit damals über 200.000 Nutzern entwickelt. Ein Thema war, Online-Spiele anzubieten, also Spiele auf der Plattform, die durch mehrere Benutzer über das Internet gespielt werden können. Das erste Spiel war Black Jack. Mit Aufkommen von Android und dem Smartphone-Boom haben die beiden Gründer 2010 eins der weltweit ersten verfügbaren Multiplayer-Spiele entwickelt. Der Erfolg war so groß, dass weitere Casual Casino Games folgten (also Casino-Spiele ohne Geld, wie Black Jack, Poker, Roulette etc.). Im Mai 2012 haben sie dann zusammen mit Andrew Hughes, einem weiteren Partner und Angel-Investor AbZorba Games gegründet und sich damit ausschließlich auf das Thema Spiele für Smartphones konzentriert.

Das Unternehmen war so erfolgreich, dass es innerhalb kürzester Zeit auf heute 6 Millionen Downloads gekommen ist und zeitweise einer der Topseller in den diversen App-Stores war.

Der Grexit #2

AbZorba-Games-Startseite

Diese Woche hat nun Grexit #2 stattgefunden: Das Unternehmen Greentube, eine Tochter des österreichischen Spielekolosses Novomatic, hat AbZorba Games übernommen. Wie in den Meldungen (z.B. Pressemitteilung Novomatic oder Meldung bei Startupper)  zu lesen ist und mir Dimitris am Telefon bestätigt hat, bleibt AbZorba Games als Athener Tochter bestehen. Das bedeutet nicht nur, dass die Arbeitsplätze inklusive Management in Athen bleiben, sondern, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren auch weiter wachsen soll. Mehrere offene Stellen sind schon online.

Besonders freut mich, dass es sich um eine Zusammenarbeit aus dem deutschsprachigen Raum handelt, über die ich hier berichten kann. Und das in dieser verrückten Zeit. Die Österreicher haben es vorgemacht. Vielleicht ist das ja mal ein Ansporn an deutsche Investoren, sich die Szene in Griechenland etwas genauer anzuschauen und Politik Politik sein zu lassen.

Tribe Wearables

Mit Biosensorik zum persönlichen Trainingsprogramm

Alles fing mit einer Sportverletzung an: Dimitris Stordopoulos ist begeisterter Kampfsportler und spürte irgendwann beim Training Schmerzen im Knie-Bereich. Als Student der Uni Heraklion auf Kreta hatte er das Glück, das komplette Ärzteprogramm der Uni-Klinik durchlaufen zu dürfen, um herauszufinden, was eigentlich das Problem ist. Ihn interessierte dabei besonders, wie er das Problem in Zukunft vermeiden konnte. Im Rahmen der Gespräche mit den Ärzten entwickelte er eine Idee, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat: Könnte man moderne Biosensorik nutzen, um zum einen sportliche Übungen zu überwachen und zum anderen ein auf ein bestimmtes Ziel (Abnehmen, Fitness etc.) abgestimmtes Programm für einen bestimmten Körper mit all seinen Eigenheiten bereitzustellen? Die Idee von Tribe Wearables war geboren.

Tribewearables_Startseite

Weit mehr als nur ein Fitness-Gadget

Ich muss zugeben, ich gehöre nicht zur Zielgruppe der Fitness-Gadgets. Aber man hört ja einiges darüber in letzter Zeit: Armbänder, Uhren, Schuhe und alles, was man so trägt, wird aufgerüstet, mit dem Ziel, die sportliche Leistung zu messen. Das Ganze am besten mit Facebook-Anbindung, um seinen Freunden die letzten sportlichen Meilensteine mitteilen zu können. Auch wenn diese sicherlich ganz nett sind und man nicht mehr auf die Uhr schauen muss, um festzustellen, dass man die letzten 2,872 Km in 00:11:56 gelaufen ist und somit 239 kcal zusätzlich verbraucht hat, so weiß man damit noch nicht, ob das jetzt für das persönliche Trainingsprogramm gut oder schlecht war. Man kann daraus also nicht schließen, ob man sich überanstrengt hat, falsch trainiert hat oder zu wenig gemacht hat.

Die Idee von Tribe Wearables geht einen großen Schritt weiter: Das Team von Dimitris experimentiert mit Biosensorik, die direkt mit der Sportkleidung verwebt wird. Diese Sensoren messen aktuell beispielsweise Muskelspannung oder Muskelmüdigkeit direkt und kontinuierlich während des Trainings. Gekoppelt mit einer entsprechenden Software gibt das System Anweisungen, ob man beispielsweise weiter trainieren, einen andere Übung durchführen oder besser eine Pause einlegen sollte.

„Unser Ziel ist es, ein ganz persönliches Trainingsprogramm über am Körper angelegte Biosensorik bereitzustellen und kontinuierlich zu überwachen“, so Dimitris Stordopoulos. Ein echter persönlicher Trainer, der die aktuelle Kondition des Körpers misst, in Interaktion mit dem Sportler ein optimales und persönliches Trainingsprogramm entwickelt und den Sportler dann kontinuierlich mit Überwachung und Übungshinweisen begleitet.

Tribewearables_Funktionen

Übrigens: der Name ist in Anlehnung an die antiken Olympischen Spiele entstanden, in denen eine Gruppe von Trainern und Sportlern als Fyli (φυλή) bezeichnet wurden, also auf Deutsch als „Stamm“, „Sippe“ oder eben Englisch „Tribe“).

Der Prototyp steht

Neben Dimitris besteht das Team noch aus Yiannis Vourvoulakis und Evangelos Barakos. Besonders spannend finde ich auch die enge Zusammenarbeit und Beratung durch Nikos Aggeloussis, einer der renommiertesten europäischen Biosensorik-Professoren von der Demokrit-Universität in Komotini. Diese Zusammenarbeit und die Möglichkeit der Nutzung der Labore ist übrigens auch ein Grund, warum Tribe Wearables seinen Sitz in Komotini (Thrakien) hat.

Tribewearables_Team_und_Mentor

Im Gegensatz zur Entwicklung von App- oder Web-Anwendungen ist die Entwicklung von Biosensorik sicherlich kein einfaches und günstiges Unterfangen. Um beweisen zu können, dass der Ansatz funktioniert, hat Dimitris eine kleine Pre-Seed-Finanzierung erhalten und einen ersten Prototyp entwickelt, der die Funktionalität zeigt. Auf dieser Basis verhandelt er aktuell mit Investoren, um die Gesamtfinanzierung zu sichern.

Die Idee, Biosensorik in Kleidung zu verweben, gibt es zwar schon eine Weile, auch in Forschungslaboren, aber daraus ein funktionierendes und massentaugliches Geschäft zu entwickeln, ist ganz neu. Aktuell sind es vielleicht 2-3 Startups weltweit, die so weit gehen. Und wie Dimitris ganz selbstbewusst nach seinen Zwischenergebnissen sagt: „Wir sind besser“.

Portrait: Apostolos Apostolakis

Der König der Marktplätze

Apostolos ApostolakisJedes neue Jahr sollte man etwas Neues ausprobieren. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, die Aktivitäten in der Startup-Szene etwas zu bündeln: Deshalb möchte ich künftig außer über einzelne Startups auch mehr über bestimmte Cluster oder einzelne Persönlichkeiten berichten, die durch ihr Wirken viel zum neuen Boom beitragen. Den Anfang macht heute Apostolos Apostolakis, der nicht nur ein Multi-Entrepreneur ist, sondern auch maßgeblich zur Formung des neuen griechischen Startup-Systems beigetragen hat.

Ich habe mit Apostolos zum ersten Mal Anfang 2013 gesprochen, also gerade mal ein paar Monate nach meinen ersten Blogbeiträgen. Damals ging es um Doctoranytime, der griechischen Plattform zur Vermittlung von Ärzten. Seitdem begegne ich ihm immer wieder – er ist eine zentrale Person im griechischen Startup-Ökosystem.

Angefangen hat alles im Jahr 1998: Amazon hatte gerade die erste internationale Webseite bereitgestellt, als er zusammen mit 2 Kommilitonen und noch während des Studiums keinen geringeren Anspruch hatte, als das griechische Amazon zu gründen. Gedacht, getan. E-shop.gr war seine erste Gründung und ist bis heute mit knapp 100 Millionen Euro Umsatz der größte Online-Shop Griechenlands. Die Krise hatte zwar zwischendurch auch hier ihre Spuren hinterlassen, aber inzwischen ist das Unternehmen wieder auf starkem Wachstumskurs. Eine echte Erfolgsgeschichte bis heute.

Aber das war erst der Anfang. Nach den ersten Jahren mit e-shop.gr wollte Apostolos etwas breitere Erfahrungen sammeln und seine Studien komplettieren und wechselte für einen MBA in die USA und dann zur Boston Consulting Group. Von 2004 bis 2008 war er wieder Vollzeit bei e-shop.gr, bevor er sich dann langsam aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Diese Erfahrungen haben ihm dabei geholfen, systematisch das noch ganz junge Startup-Ökosystem mit aufzubauen. So hat er beispielsweise zusammen mit den Organisatoren des Open Coffee Greece den ersten griechischen Fund (Open Fund I) aufgebaut. Der Nachfolger Open Fund II, für den er als Berater weiterhin aktiv ist, ist mittlerweile einer der wichtigsten Investitionsinstrumente der noch jungen griechischen Startup-Szene.

In jener Zeit hat er sich auch zum ersten Mal als sogenannter „Angel“ an anderen Startups beteiligt. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich Taxibeat, über das ich ja hier auch schon berichtet habe. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter: Als Gründer und bzw. Investor mit e-food.gr, dem inzwischen größten griechischen Lieferservice in Griechenland (2011), Doctoranytime (2012) und seit letztem Jahr mit e-table zur Reservierung von Tischen in Restaurants, nannuka, ein Marktplatz für Nannies, Funkmartini zur Vermittlung von Kosmetik-Dienstleistungen oder 100mentors, eine Plattform zur Vermittlung von Mentoren, die ich ebenfalls hier im Blog beschrieben habe.

Bei all seinen Gründungen handelt es sich um sogenannte Virtuelle Marktplätze (e-marketplaces), also Portale, die irgendetwas zwischen Produzenten/Dienstleistern und Konsumenten vermitteln. Seien es Tische im Restaurant, Mentoren oder eben Nannies. Damit ist Apostolos Apostolakis in Griechenland sicherlich der „König der Marktplätze“. Und das Beste: Bei all seiner Zielstrebigkeit ist er sehr sympatisch und hilfsbereit, mit dem man sich gut über alle Mögliche unterhalten kann.

„Bisher habe ich mich vor allem auf den griechischen Markt konzentriert. Das ist zwar ein kleiner Markt, aber er hat einen wesentlichen Vorteil: Man kann über Jahre unter dem Radar der Großen dieser Welt fliegen und damit starke Unternehmen aufbauen“ so Apostolos zu seinem Ansatz. „Seit 2014 konzentriere ich mich zusätzlich auf den Aufbau von internationalen Marken“, so Apostolos weiter. Das zeigt auch die internationale Ausrichtung beispielsweise von nannuka und 100mentors.

Ich wünsche ihm dabei viel Glück und immer ein gutes Händchen. Ich bin mir sicher, wir werden noch einige Gründungen sehen, die Apostolos Apostolakis Handschrift tragen.

Apostolos Apostolakis_Presentation

Jahresrückblick 2014

Das Jahr der Normalisierung

Greichischer_Euro_mit_EuleBlicke ich auf das Jahr 2014 zurück, so beobachte ich vor allem eine gewisse Normalisierung. Die Anzahl der Startups in Griechenland wächst konstant. Auch die griechischen Medien haben sie entdeckt und betrachten sie inzwischen als einen Teil der Hoffnung für die Zukunft Griechenlands. Diese Normalisierung empfand ich als beruhigend. Doch mit einem Male fühle ich mich wieder zurückversetzt ins Jahr 2012, als die Dauer-Präsenz Griechenlands in den deutschen Medien mich dazu bewogen hatte, dieses Blog zu starten. Die Auszählung der Stimmen zur Präsidentenwahl in Griechenland war noch nicht ganz durch, als die deutsche Medienlandschaft gleich wieder anfing zu hyperventilieren. Meine Empfehlung: Abwarten und Ouzo trinken. Griechenland wird auch in 5 und in 10 Jahren noch den Euro als Währung haben und alles, was wir heute lesen, wird dann lange vergessen sein.

Konzentrieren wir uns also aufs Wesentliche:

  • Während ich zu Beginn des Schreibens noch das Gefühl hatte, in einem Blog quasi alles Relevante zum Thema Innovationen aus Griechenland erfassen zu können, so musste ich 2014 endgültig kapitulieren. Inzwischen finden so viele Gründungen von innovativen Startups statt, dass ich nicht mehr hinterher komme. Mehrere Online-Portale und -Verzeichnisse beschäftigen sich ausschließlich mit dem Thema und alle paar Monate kommen weitere dazu (einige davon findet ihr auch in meiner Blogroll rechts). Einen neuen Versuch, eine Gesamtübersicht zu geben, unternimmt übrigens Tolis Aivalis mit der Startup Nation Greece.
  • Allein die 4 Jeremie Funds, die ausschließlich in Startups investieren, haben inzwischen mehr als 17 Mio Euro investiert (Quelle Startupper.gr). Hinzu kommen zahlreiche Investitionen von anderen Funds. Die Gesamtsumme ist mir leider nicht bekannt.
  • Gleich zwei tolle deutsch-griechische Kooperationen zählen sicherlich zu meinen persönlichen Highlights: Anfang des Jahres war ich von der Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen, um – Suprise, Surprise – einen Einblick in die deutsche Startup-Szene zu geben und in einer zweiten Session Beiträge unterschiedlicher Vertreter der deutschen Startup-Szene zu moderieren. Im November war die Startup Safary Athens – zwei hochinteressante Tage mit vielen Möglichkeiten, hinter die Kulissen zu blicken. Wie es aussieht, findet die Safary jetzt jedes Jahr statt.

Und nun ist es Zeit, nach vorne zu blicken: Was hält 2015 bereit? Ihr könnt euch auf weitere interessante Beiträge über neue Startups und Technologien freuen sowie auf Porträts griechischer Gründer. Falls ihr weitere Anregungen habt, lasst es mich wissen!

Euch allen ein frohes und erfolgreiches 2015!

Moosend

Weihnachtszeit ist E-Mail-Zeit

Es gab Zeiten, da musste der Weihnachtsmann noch Säcke voll mit künftigem Altpapier durch die Gegend schleppen – diese Zeiten sind lange vorbei. Man ist fast überrascht, wenn man noch eine handgeschriebene Postkarte bekommt. Heute geht alles per E-Mail. Mit über 43 Jahren auf dem Buckel gilt die gute alte E-Mail zwar im Zeitalter der Social Media und Messenger schon als etwas angestaubt, ist aber bis heute wohl das effektivste Marketing-Instrument (siehe z. B. http://blog.custora.com/2013/06/e-commerce-customer-acquisition-snapshot/).

Neben der Tatsache, dass ich (natürlich) auch E-Mail nutze, bin ich ein großer Fan von E-Mail-Verteilern. Das mag bei der heutigen Informationsflut zwar etwas schräg sein, aber wenn mich ein Blog, ein Thema oder ein Unternehmen interessiert, dann abonniere ich gerne den Newsletter (kann man hier übrigens auch machen: einfach oben rechts die E-Mail eingeben. Kein Spam, garantiert! ;-).

So habe ich das auch bei vielen der griechischen Unternehmen und Startups gemacht, die ich hier beschrieben habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass gefühlte 50 % dieser Unternehmen eine Tool namens Moosend nutzen, um mir ihre Updates zu schicken.

Professionalisierung des E-Mail-Versands

Startseite_Moosend

Da ich gerade selbst auf der Suche nach einem moderneren Tool war, um den E-Mail-Versand für unser Produkt GIS 2go zu professionalisieren, habe ich mir Moosend etwas genauer angeschaut. Und siehe da (wen wundert’s noch): Hinter Moosend steckt ein griechisches Gründerteam. Panos Melissaropoulos und Yannis Psarras habe das Unternehmen am Rande des Startup-Hypes still und leise und ohne externe Finanzierung aufgebaut und gehen damit erfolgreich in direkte Konkurrenz zu Größen wie Mailchimp  und vermutlich hunderten anderen. Und sie machen es gut.

Die Auswahl der E-Mail-Verteiler und den E-Mail-Versand selbst machen sie wie alle anderen, aber „wir haben ein besonderes Augenmerk auf API-Integration und Analyse-Funktionen gelegt“, so Panos. Als zentrales Marketing-Instrument muss auch der E-Mail-Versand möglichst direkt in die Prozesse eines Unternehmens eingebaut werden. Dazu kommen umfangreiche Analyse-Funktionen und Methoden zum A/B-Test der E-Mails, die einem helfen, die Kampagnen zu überwachen und zu optimieren. Ein Traum für jeden Marketeer!

Ich denke, damit ist eigentlich schon alles gesagt. Einfach selbst mal ausprobieren unter www.moosend.com.

Ich wünsche euch ein frohes Fest mit vielen E-Mails von euren Liebsten.

Zweittagesmarsch durch die Athener Startup-Welt

Mein Programm für die Startup Safary Athens

Nächstes Wochenende gehe ich auf Safari! Nicht in Afrika, sondern auf die Startup Safary Athens, wo zahlreiche Startups und Inkubatoren eine Art Tag der offenen Tür mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen organisieren. Das Ganze ist eingebettet in eine ganze Woche mit Veranstaltungen zum Thema Innovation, Unternehmertum und Startups. Angefangen mit der TEDxAthens und der Disrupt 2014, die dieses Wochenende stattgefunden haben, über die Woche für Social Entrepreneurship, die heute beginnt, bis hin zur Startup Safary Athens selbst am nächsten Wochenende.

Inzwischen macht es die schiere Menge an Veranstaltungen und Initiativen unmöglich, den kompletten Überblick zu bewahren. Dennoch möchte ich versuchen, mir zumindest einen kleinen Überblick zu verschaffen, und nutze dazu vor allem die Veranstaltungen während der Startup Safary Athens am 22. und 23. November.

Das vorläufige Programm, zu dem täglich noch neue Veranstaltungen hinzukommen, ist hier zu finden: http://athens.startupsafary.com/program/

Da viele Veranstaltungen parallel laufen, werde ich wohl Event-Hopping betreiben. Die folgende Agenda ist eigentlich eher für mich selbst gedacht und wird sich vermutlich noch spontan ändern, aber ich freue mich natürlich darauf, auf der Tour ein paar alte und viele neue Gesichter zu treffen. Vielleicht ergibt sich aus dem einen oder anderen Treffen ja ein neuer Blogbeitrag.

Freitag, 21.11.2014

Der Freitag ist noch einfach: Da bin ich vermutlich ab 9 Uhr auf der Veranstaltung digitales Griechenland, auf der sich die griechischen Fonds und einige Startups präsentieren.

Samstag, 22.11.2014, 10-11:00 Uhr (Travelplanet24)

Ich wollte schon immer mal ein größeres griechisches Startup besuchen und mache das bei TravelPlanet24 von Philipp Brinkmann. Siehe auch Blogbeitrag hier: http://eulenausathen.com/2013/08/04/tripsta-de-oder-travalplanet24-com/

Samstag, 22.11.2014, 11-13:00 Uhr (IQbility)

Da bin ich vermutlich im IQbility, dem Inkubator der Quest-Gruppe und des PJ Catalyst Fond. Dort stellen sich zum einen die Organisatoren vor und zum anderen ausgewählte Startups, die ich fast alle schon einmal auf diesem Blog präsentiert habe.

Samstag, 22.11.2014, 13-14:30 Uhr (Innovathens)

Innovathens ist der „Knotenpunkt für Innovation und Unternehmertum der Stadt Athen“. Das wollte ich mir eh anschauen. Zu der Zeit, in der ich vorhabe, dort zu sein, wird Herr Salavopoulos von der griechischen Botschaft in Berlin über Synergien zwischen Berlin und Athen bezüglich Startups sprechen.

Samstag, 22.11.2014, 14:30 – 16:30 Uhr (Orange Grove)

Das Orange Grove ist eine spannende Initiative der Niederländischen Botschaft. Statt nur zu reden, haben sie in der Botschaft in Athen gleich ein ganzes Stockwerk geräumt und einen Inkubator für Startups geschaffen. Mein persönliches Highlight hierbei: Peter Economides, der mich auch zu diesem Blog inspiriert hat (siehe Beitrag), spricht über Branding für Startups.

Samstag, 22.11.2014, 18:00-20:00 Uhr (Found.ation)

Die Found.ation ist einer der größten Co-working-spaces und Technologie-Hubs in Athen – und ich war noch nie da. Aber jetzt! Der Anlass diesmal: Startups im Bereich Gesundheit. Bin gespannt.

Sonntag 23.11.2014, 12-13:00 Uhr (The egg)

The Egg (enter, grow, go) ist eine gemeinsame Initiative der Eurobank und Corallia, die das Ziel hat Unternehmertum zu unterstützen und Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Der Anlass für meinen Besuch ist das Thema E-Commerce und Argarwirtschaft, aber die Initiative und vor allem Corallia interessieren mich auch sehr.

Wie gesagt, dies ist nur eine kleine Auswahl. Insgesamt gehen die Organisatoren von ca. 100 Einzelveranstaltungen und einigen tausend Besuchern aus. Ich freue mich darauf, 2-3 Tage den neuen Puls von Athen zu spüren.

Logos_Startup_Safary_Athens

Fundstücke #5: Beyond Silicon Valley – The Greek Story

Kürzlich bin ich darauf angesprochen worden, ob es nicht an der Zeit wäre mal einen Dokumentarfilm zu drehen, über all das was ich als neues griechisches Unternehmertum bezeichnen würde. Daher freue ich mich besonders auf das folgende Fundstück. Es handelt sich um eine ganze Serie aus kurzen Filmen, die unter anderem mit der Alba Business School in Athen und Metavallon produziert wurde, einer Organisation, der Unternehmern in der frühen Phase hilft ihre Ideen zu entwickeln und zu starten.

Sie wurden im Rahmen eines Online-Courses für Unternehmer  erstellt und geben einen Eindruck über das, was in Griechenland gerade passiert, was für Chancen gesehen werden, aber auch welche strukturellen Probleme es noch gibt, die in den nächsten Jahren überwunden werden müssen.

logo

Die Episoden sind auf griechisch mit englischen Untertiteln. Hier die Filme der Reihe nach:

  1. Contemporary History of Greek Entrepreneurship

  • /The Role of Government

  1. The Role of Philanthropy

  1. Intermediary Organizations

  1. Anchor Institutions

  1. Financing

  1. Entrepreneurship in Agrofood

  1. Entrepreneurship in Tourism

  1. Glimpse into the Future


Viel Spaß bei anschauen.

Athen: Free Thinking Zone

eulenausathen:

Das ist zwar keine technologische Innovation, aber mir gefällt, wie die Free Thinking Zone als Prototyp für zukünftige Buchhandlungen dienen könnte: “Die Free Thinking Zone ist nicht einfach nur eine Buchhandlung, sondern ein Knotenpunkt für progressive Gedanken, Konzepte und Themen, um die zeitgenössischen Probleme aktiv anzugehen”. Übrigens arbeiten die auch eng mit der griechischen Startup-Szene zusammen.

Ursprünglich veröffentlicht auf Philea's Blog:

FTZ_schaufensterLange Zeit hatte ich den Traum, ein Bücher-Café zu eröffnen. Es sollte ein Ort sein, an dem sich die Menschen in entspannter und inspirierender Umgebung treffen, um zu lesen oder miteinander zu diskutieren, um sich eine Lesung anzuhören oder eine Ausstellung anzusehen. In Athen gibt es einen Ort, an dem dieser Traum Wirklichkeit geworden ist: Die Konzept-Buchhandlung Free Thinking Zone.

Seit mir meine Schwiegermutter vor einigen Monaten von der Free Thinking Zone in Athen erzählt hatte, wusste ich: Das will ich sehen! Und bei unserem Rundgang durch Athen vor einigen Wochen, führte uns unser erster Weg dorthin. Mit der Free Thinking Zone hat Areti Georgili sich ihren Traum verwirklicht – und das ausgerechnet während der größten wirtschaftlichen Krise, noch dazu am Schnittpunkt zweier Viertel, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Das schicke Kolonáki mit seinen exklusiven Geschäften und Exárchia, ein studentisches Multi-Kulti-Viertel, das für Athens rebellische Vergangenheit (und Gegenwart) steht…

Original ansehen noch 259 Wörter

100mentors

Professionalisierung des Netzwerkens

Wo will ich hin und wie kann ich das erreichen? Diese Frage haben wir uns in Bezug auf unsere berufliche Karriere sicher alle schon gestellt. Das betrifft die Wahl unserer Universität ebenso wie weitere Schritte auf dem Weg zu unserem Ziel. Persönliche Interessen sollten dabei natürlich eine große Rolle spielen. Aber oft sind es auch Zufälle, das persönliche Netzwerk oder einfach nur der sanfte Druck von Freunden und Verwandten, die ausschlaggebend für unsere Zukunft sind. Kein Wunder, dass es so viele Juristen- oder Ärzte-Dynastien gibt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Was ist aber, wenn der Apfel spürt, dass er lieber in der Nähe eines ganz anderen Stamms landen würde? Was ist mit Leuten, die kein privates oder familiäres Netzwerk haben, das ihnen den Weg ebnen kann?

Mit deinem zukünftigen Ich reden

Hat man eine Vision für sein Leben in 5 oder 10 Jahren, die sich außerhalb seines aktuellen Umfelds abspielt, so ist es naheliegend, sich mit jemandem zu unterhalten, der bestimmte Entscheidungen im Leben getroffen hat, die ihn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist und wo man selbst gerne sein würde. Quasi mit seinem Stellvertreter in der Zukunft. Dabei helfen klassische Plattformen für soziale Netzwerke nur wenig, oder warum sollte ein leitender Android-Entwickler bei Google oder ein Raketenforscher bei der NASA sich Zeit nehmen, um sich mit mir zu unterhalten?

Mentoren und Mentees zusammenbringen

100mentors_Startseite

Das griechische Startup 100mentors zielt darauf ab, Mentoren aus unterschiedlichen akademischen und Wirtschaftsbereichen mit sogenannten Mentees, also Beratungssuchenden, zusammenzubringen. „Als Mentor kann sich im Prinzip jeder bewerben, der eine berufliche oder akademische Karriere hat und sein Wissen an Dritte weitergeben möchte“, so Yiorgos Nikoletakis, einer der Gründer von 100mentors. „Um sicherzustellen, dass das Angebot seriös und für die Mentees interessant ist, haben wir einen Prüfprozess, den jeder Kandidat durchläuft, bevor er als Mentor aufgenommen wird“, so Yiorgos weiter. Neben seinem Profil gibt der Mentor an, welche Dienstleistungen er anbietet und für welche Kosten.

Man muss sich 100mentors wie einen Marktplatz für Erfahrungen vorstellen. Das Angebot können beispielsweise einfache Unterhaltungen sein oder konkrete Unterstützung bei der Vorbereitung von Bewerbungen. 100mentors vermittelt Interessenten (Mentees) passende Mentoren und übernimmt die finanzielle Abwicklung. Am Ende des Prozesses steht neben der Abrechnung natürlich auch die Bewertung der Leistung.

Warum machen Mentoren mit?

Dass Karriereanfänger daran interessiert sind, mit Personen aus ihrem zukünftigen Umfeld zu sprechen, ist verständlich. Aber warum machen Mentoren mit, die teilweise schon erfolgreiche Berufslaufbahnen hinter sich haben? „Der Hauptgrund für die Teilnahme der Mentoren ist der Wunsch, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben“, so Yiorgos Nikoletakis. Dazu kommen die Neugier und das Interesse, Personen zu treffen, die vielleicht in ein paar Jahren Kollegen sein werden. Oft wird die Plattform auch als Vorbereitung für das Recruiting genutzt. Man hat die Möglichkeit, interessante Personen kennenzulernen, ihnen zu helfen und wer weiß, vielleicht auch für das eigene Unternehmen zu interessieren. Die Bezahlung scheint dabei eine geringere Rolle zu spielen, da die meisten Mentoren genug verdienen. Wenn überhaupt ist die Bezahlung eher eine Art zu gewährleisten, dass es sich um seriöse und gut vorbereitete Anfragen handelt.

Hintergrund zum Unternehmen und Geschäftsmodell

100mentors wurde im Mai 2014 gegründet, allerdings haben die drei Gründer schon im Vorfeld 2 Jahre auf die Gründung hingearbeitet. Den Anfang machten kleinere Eigeninvestitionen sowie Angel-Investoren aus Griechenland. Inzwischen besteht das Team aus neun Mitarbeitern. Übrigens hat das Team eine starke deutsche Beteiligung. Gleich zwei der neun Team-Mitglieder sind Deutsche, der CTO Miltiadis Zeibekis und die Community-Managerin Cathrin Schriever. Aktuell verhandeln sie mit griechischem Venture Capital und Angel-Investoren über die erste größere Finanzierungsrunde.

100mentors foto_team in meeting_kleiner

100mentors im Team-Meeting. von links nach rechts: Timos Tokousbalides, Nassos Anagnostopoulos, Yiorgos Nikoletakis, Miltiadis Zeibekis, Thodoris Messinis. Nicht im Bild: Alex Pokatilo, Cathrin Schriever, Villy Klada, Teti Psarou, Anna Lali-Tsilidou

Obwohl die Plattform erst seit ein paar Monaten steht, haben sich schon über 500 Mentoren angemeldet und im letzten Monat wurden ca. 100 Mentees an Mentoren vermittelt. Dabei ist interessant, dass sowohl die Mentees als auch die Mentoren jetzt schon aus 40 Ländern aus der ganzen Welt kommen – und alles nur über Empfehlungen, da 100mentors mit der Vermarktung der Plattform noch gar nicht richtig angefangen hat. Ein wichtiger Baustein scheint die Zusammenarbeit mit Universitäten und großen Beratungsunternehmen zu sein. Der Schwerpunkt von 100mentors liegt aktuell vor allem in den Bereichen Technologie, Politik (internationale Beziehungen, Diplomatie) und Wirtschaft. Aber auch erste „Exoten“ fangen an, sich für die Plattform zu interessieren, wie Anfragen zu Studien zur Konservierung von Kunst zeigen.

Griechenland als optimales Gründerland

Eine Sache habe ich mir noch für den Schluss aufgehoben: Da die Gründer internationale Erfahrung besitzen und 2013 mit dem Founder Award des renommierten Deloitte Institutes der London Business School ausgezeichnet wurden, lag es eigentlich nahe, 100mentors in England zu gründen. Sie haben sich aber für Griechenland entschieden, denn: „Der hohe Ausbildungsgrad der Ingenieure in Griechenland in Kombination mit relativ niedrigen Kosten für Büros machen Griechenland zu einem optimalen Standort für uns“. Vielleicht sehen wir ja in Zukunft noch mehr Startups, die in Griechenland gründen – auch wenn deren Ideen irgendwo anders auf der Welt entstanden sind.

Das Wetter ist in Griechenland sicher auch besser als in London oder Berlin.