100mentors

Professionalisierung des Netzwerkens

Wo will ich hin und wie kann ich das erreichen? Diese Frage haben wir uns in Bezug auf unsere berufliche Karriere sicher alle schon gestellt. Das betrifft die Wahl unserer Universität ebenso wie weitere Schritte auf dem Weg zu unserem Ziel. Persönliche Interessen sollten dabei natürlich eine große Rolle spielen. Aber oft sind es auch Zufälle, das persönliche Netzwerk oder einfach nur der sanfte Druck von Freunden und Verwandten, die ausschlaggebend für unsere Zukunft sind. Kein Wunder, dass es so viele Juristen- oder Ärzte-Dynastien gibt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Was ist aber, wenn der Apfel spürt, dass er lieber in der Nähe eines ganz anderen Stamms landen würde? Was ist mit Leuten, die kein privates oder familiäres Netzwerk haben, das ihnen den Weg ebnen kann?

Mit deinem zukünftigen Ich reden

Hat man eine Vision für sein Leben in 5 oder 10 Jahren, die sich außerhalb seines aktuellen Umfelds abspielt, so ist es naheliegend, sich mit jemandem zu unterhalten, der bestimmte Entscheidungen im Leben getroffen hat, die ihn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist und wo man selbst gerne sein würde. Quasi mit seinem Stellvertreter in der Zukunft. Dabei helfen klassische Plattformen für soziale Netzwerke nur wenig, oder warum sollte ein leitender Android-Entwickler bei Google oder ein Raketenforscher bei der NASA sich Zeit nehmen, um sich mit mir zu unterhalten?

Mentoren und Mentees zusammenbringen

100mentors_Startseite

Das griechische Startup 100mentors zielt darauf ab, Mentoren aus unterschiedlichen akademischen und Wirtschaftsbereichen mit sogenannten Mentees, also Beratungssuchenden, zusammenzubringen. „Als Mentor kann sich im Prinzip jeder bewerben, der eine berufliche oder akademische Karriere hat und sein Wissen an Dritte weitergeben möchte“, so Yiorgos Nikoletakis, einer der Gründer von 100mentors. „Um sicherzustellen, dass das Angebot seriös und für die Mentees interessant ist, haben wir einen Prüfprozess, den jeder Kandidat durchläuft, bevor er als Mentor aufgenommen wird“, so Yiorgos weiter. Neben seinem Profil gibt der Mentor an, welche Dienstleistungen er anbietet und für welche Kosten.

Man muss sich 100mentors wie einen Marktplatz für Erfahrungen vorstellen. Das Angebot können beispielsweise einfache Unterhaltungen sein oder konkrete Unterstützung bei der Vorbereitung von Bewerbungen. 100mentors vermittelt Interessenten (Mentees) passende Mentoren und übernimmt die finanzielle Abwicklung. Am Ende des Prozesses steht neben der Abrechnung natürlich auch die Bewertung der Leistung.

Warum machen Mentoren mit?

Dass Karriereanfänger daran interessiert sind, mit Personen aus ihrem zukünftigen Umfeld zu sprechen, ist verständlich. Aber warum machen Mentoren mit, die teilweise schon erfolgreiche Berufslaufbahnen hinter sich haben? „Der Hauptgrund für die Teilnahme der Mentoren ist der Wunsch, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben“, so Yiorgos Nikoletakis. Dazu kommen die Neugier und das Interesse, Personen zu treffen, die vielleicht in ein paar Jahren Kollegen sein werden. Oft wird die Plattform auch als Vorbereitung für das Recruiting genutzt. Man hat die Möglichkeit, interessante Personen kennenzulernen, ihnen zu helfen und wer weiß, vielleicht auch für das eigene Unternehmen zu interessieren. Die Bezahlung scheint dabei eine geringere Rolle zu spielen, da die meisten Mentoren genug verdienen. Wenn überhaupt ist die Bezahlung eher eine Art zu gewährleisten, dass es sich um seriöse und gut vorbereitete Anfragen handelt.

Hintergrund zum Unternehmen und Geschäftsmodell

100mentors wurde im Mai 2014 gegründet, allerdings haben die drei Gründer schon im Vorfeld 2 Jahre auf die Gründung hingearbeitet. Den Anfang machten kleinere Eigeninvestitionen sowie Angel-Investoren aus Griechenland. Inzwischen besteht das Team aus neun Mitarbeitern. Übrigens hat das Team eine starke deutsche Beteiligung. Gleich zwei der neun Team-Mitglieder sind Deutsche, der CTO Miltiadis Zeibekis und die Community-Managerin Cathrin Schriever. Aktuell verhandeln sie mit griechischem Venture Capital und Angel-Investoren über die erste größere Finanzierungsrunde.

100mentors foto_team in meeting_kleiner

100mentors im Team-Meeting. von links nach rechts: Timos Tokousbalides, Nassos Anagnostopoulos, Yiorgos Nikoletakis, Miltiadis Zeibekis, Thodoris Messinis. Nicht im Bild: Alex Pokatilo, Cathrin Schriever, Villy Klada, Teti Psarou, Anna Lali-Tsilidou

Obwohl die Plattform erst seit ein paar Monaten steht, haben sich schon über 500 Mentoren angemeldet und im letzten Monat wurden ca. 100 Mentees an Mentoren vermittelt. Dabei ist interessant, dass sowohl die Mentees als auch die Mentoren jetzt schon aus 40 Ländern aus der ganzen Welt kommen – und alles nur über Empfehlungen, da 100mentors mit der Vermarktung der Plattform noch gar nicht richtig angefangen hat. Ein wichtiger Baustein scheint die Zusammenarbeit mit Universitäten und großen Beratungsunternehmen zu sein. Der Schwerpunkt von 100mentors liegt aktuell vor allem in den Bereichen Technologie, Politik (internationale Beziehungen, Diplomatie) und Wirtschaft. Aber auch erste „Exoten“ fangen an, sich für die Plattform zu interessieren, wie Anfragen zu Studien zur Konservierung von Kunst zeigen.

Griechenland als optimales Gründerland

Eine Sache habe ich mir noch für den Schluss aufgehoben: Da die Gründer internationale Erfahrung besitzen und 2013 mit dem Founder Award des renommierten Deloitte Institutes der London Business School ausgezeichnet wurden, lag es eigentlich nahe, 100mentors in England zu gründen. Sie haben sich aber für Griechenland entschieden, denn: „Der hohe Ausbildungsgrad der Ingenieure in Griechenland in Kombination mit relativ niedrigen Kosten für Büros machen Griechenland zu einem optimalen Standort für uns“. Vielleicht sehen wir ja in Zukunft noch mehr Startups, die in Griechenland gründen – auch wenn deren Ideen irgendwo anders auf der Welt entstanden sind.

Das Wetter ist in Griechenland sicher auch besser als in London oder Berlin.

Startup Safary Athens

Zwei Tage lang die Athener Startup-Szene erleben

Über dieses Blog hatte ich die Gelegenheit, viele Startups und junge Unternehmen aus Griechenland kennenzulernen und ich bin froh darüber, quasi live mitzuerleben, wie sich aus dem Nichts ein ganzes Ökosystem innovativer Unternehmungen in Griechenland gebildet hat. Mein Problem: Es gibt inzwischen so viele Initiativen, Programme, Veranstaltungen und natürlich innovative Gründungen, dass es selbst mir schwer fällt, den Überblick zu bewahren.

StartupSafariAthens_Startseite

Eine gute Gelegenheit, Ein- und Überblick zu bekommen, bietet die „Startup Safary Athens“. Die Idee eines Tages der Offenen Tür für Startups zu machen, kommt übrigens ursprünglich aus Berlin. Vassilis Bartzokas, den wir schon von der Designlobby kennen, hat die Initiative ergriffen und überträgt das Berliner Modell jetzt auf Athen.

Die Safari findet vom 22. bis 23. November 2014 statt. Auch wenn das Programm noch nicht fertig ist, kann man jetzt schon sehen, dass das „Who is Who“ der griechischen Startup-Szene dabei ist. Einige alte Bekannte wie die Gründer von Pollfish, i-Kiosk und Offerial habe ich schon im Programm gesehen und in fast allen Co-working-Spaces, Inkubatoren und „Acceleratoren“ werden zwei Tage lang Kennenlern-Runden und Workshops stattfinden. Sobald das genaue Programm online ist, informiere ich euch darüber.

Ich bin natürlich auch dabei und freue mich auf alte und neue Bekannte und viele neue Ideen, über die ich hier berichten kann.

Vielversprechend #7: Organery

Die Zukunft des Recyclings

Da kann kein produzierendes Gewerbe mithalten: Die Staaten der Europäischen Union produzieren mehr als 2,5 Milliarden Tonnen Abfall pro Jahr, Tendenz steigend. Recycling, Grüner Punkt, Verbrennung und Energiegewinnung: Das Geschäft mit unserem Abfall boomt. Nur die Produzenten des Abfalls gehen leer aus – ich protestiere.

Dabei ist inzwischen bekannt, dass Abfall bares Geld wert ist – natürlich nur, wenn er richtig verwertet wird. Um es auf die Spitze zu treiben: Da ich zu den Produzenten von Abfall gehöre, müsste ich eigentlich auch mit der Wiederverwertung Geld verdienen können. Und nach den gültigen Marktregeln wäre mein Ansporn, zur besseren Verwertung beizutragen, wesentlich höher, wenn ich bei jedem Gang zur Mülltonne noch etwas verdienen könnte.

Intelligente Kompostierung

Organery_Startseite

Ich bin eher zufällig auf die beiden Gründer von Organery bei einem Besuch in Kalamata  gestoßen. Ein Bekannter aus meiner Facebook-Timeline hat mir empfohlen, mich mal mit Yiannis Mourgis und Ippokratis Papadimitrakos in Kalamata zu treffen. Und ich muss sagen, dass ich schwer beeindruckt bin:

Die vielversprechende Idee von Organery besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Zunächst einmal wollen sie intelligente Kompostierungsanlagen bauen, die beim Einwurf von Bio-Abfällen direkt die Qualität prüfen und die Kompostierung vor Ort durchführen. Dadurch erhöht sich die Qualität des Komposts und die Transportkosten werden reduziert, wenn die Kompostierung vor Ort und vor dem Transport stattfindet. Neben der Anlage für Bio-Abfälle haben sie noch eine für Speiseöle in der Planung, die für die Erzeugung von Bio-Kraftstoffen geeignet ist. Das ist natürlich besonders interessant für eine olivenölproduzierende und viel Olivenöl konsumierende Region wie Kalamata.

Innovation und Gamification

Der Clou ist aber meiner Meinung nach ihr Ansatz, die Bevölkerung dazu zu bringen mitzumachen: Jeder, der mitmachen möchte, muss sich identifizieren und ein kleines Online-Training durchführen. Dann bekommt er die Freischaltung auf seiner App und muss sich vor dem Einwurf authentifizieren. Wirft er etwas Ungeeignetes ein, wird er verwarnt oder der Zugang wird gesperrt und er muss sich neu prüfen lassen (wie beim Idiotentest für Autofahrer). Ist sein Einwurf qualitativ hochwertig, bekommt er Punkte gutgeschrieben, die er dann in den regionalen Supermärkten in Waren umwandeln kann.

Durch diese Kombination von intelligenter Vorortkompostierung und dem Gamification-Ansatz erhoffen sie sich nicht nur eine bessere Qualität des wiederverwertbaren Materials, sondern auch eine Sensibilisierung für die Notwendigkeit des Recyclings. Dieses Mehr an Qualität und Kosteneinsparung geben sie zu Teilen an den Bürger zurück – sodass der „Produzent“ auch etwas davon hat und motiviert ist mitzumachen.

Aktueller Stand

Die beiden Gründer von Organery haben mit ihrer Idee bereits einige Innovationspreise gewonnen und entwickeln aktuell zusammen mit einem griechischen Hersteller die ersten Prototypen, die noch 2014 fertig werden sollen. Noch ist das ganze Unternehmen selbstfinanziert und die Preise, die sie gewonnen haben, helfen auch ein bisschen. Sie sind außerdem schon im Gespräch mit einigen Gemeinden in Griechenland, die starkes Interesse zeigen und bei der Pilotierung helfen wollen.

Organery_Gründer

Es gibt gute Ideen, große Ideen und sehr große Ideen. Organery gehört mit Sicherheit zur letzten Kategorie. Ich bin mir sicher, dass so oder so ähnlich die Zukunft des Recyclings in Europa und vielleicht in der Welt aussehen wird und würde mich freuen, wenn ich in 1-2 Jahren die ersten Organery-Biotonnen in Deutschland sehen würde.

Vouliwatch

Mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung

Die alten Griechen haben viel über Staatsformen nachgedacht. Das ist vermutlich bekannt. Nach Analyse ihrer jeweils aktuellen Situation haben sie sich ihre Gedanken gemacht und neue Modelle zur Beschreibung der Staatsformen entwickelt und teilweise angewandt –im Streben, korrigierend einzugreifen und eine kontinuierliche Verbesserung herbeizuführen. Am prägnantesten ist vermutlich der Ansatz von Aristoteles, alle möglichen Varianten der Regierungsform in sechs Archetypen aufzuteilen: nach Anzahl der Herrscher und der Zielgruppe.

Staatsformen nach Aristoteles (Quelle: Wikipedia)

Staatsformen nach Aristoteles (Quelle: Wikipedia)

Ich habe mich schon immer gefragt, wieso sich am Ende der Begriff „Demokratie“ für die heutzutage anerkannte ideale Staatsform durchgesetzt hat und nicht „Politie“ (Πολιτεία), aber das führt hier vermutlich zu weit. Wichtiger ist viel mehr, dass Aristoteles eine Staatsform vorschwebte, in der „das Volk über die Wahl der Beamten und die Kontrolle ihrer Amtsführung seinen rechtmäßigen Anteil an der Regierung hat, die insgesamt zum allgemeinen Wohl und nicht zu Lasten eines Teils des Staates ausgeübt werden sollte“. (Quelle: Wikipedia)

Vouliwatch_Startseite

Zentrale Internetplattform für Information und Kommunikation

Um diese Kontrolle als Volk überhaupt ausüben zu können, benötigt man zunächst mal Transparenz des Handelns der Akteure und öffentliche Informationen. Genau hier setzt Vouliwatch an („Vouli“ bzw. Βουλή ist das griechische Wort für Parlament).

Vouliwatch ist als Nichtregierungsorganisation im März 2014 in Griechenland gestartet und betreibt die gleichnamige Internetplattform. „Wir haben auf der Plattform Profile für alle griechischen Abgeordneten im Parlament und im Europaparlament eingerichtet und sie ermutigt, sich an der Plattform aktiv zu beteiligen“, so Antonios Schwarz, einer der Gründer von Vouliwatch. „Am Anfang sind wir auf einiges Misstrauen gestoßen, aber inzwischen beteiligen sich immer mehr Abgeordnete und gehen auf die Fragen und Anregungen der Bürger ein“, so Antonios weiter. Um mehr Transparenz herzustellen, geht es Vouliwatch vor allem um vier Aspekte:

  • Jeder Bürger sollte die Abgeordneten direkt fragen können und auch Antworten bekommen.
  • Durch Crowd-Sourcing der Gesetzgebung können sich Bürger mit eigenen Vorschlägen einbringen oder auch einfach nur Bewertungen und Kommentare zu aktuellen Gesetzesvorschlägen abgeben.
  • Jeden Monat gibt es ein Schwerpunktthema, über das Vouliwatch Gespräche online durchführt oder Events mit Teilnahme der Abgeordneten organisiert.
  • Und schließlich ist da noch „VoteWatch“, in dem jeder nachlesen kann, wie welcher Abgeordnete zu einem bestimmten Gesetz abgestimmt hat.

Crowd-Funding-Kampagne

Normalerweise spreche ich an dieser Stelle von einem Geschäftsmodell. Das ist bei einer Nichtregierungsorganisation natürlich schwierig. Vouliwatch wurde bisher rein mit eigenen Geldern und Engagement aufgebaut und die Organisatoren sind auch bereit, die Plattform weiter auszubauen und zu betreiben. Sie führen Gespräche mit internationalen und nationalen Stiftungen, die die Idee der Transparenz und der Verbesserung der Bürgerbeteiligung teilen.

Als ein zusätzliches Mittel der Finanzierung haben sie vor drei Tagen eine Crowdfunding-Kampagne auf Indigogo gestartet. Das passt auch zum Ansatz der direkten Beteiligung. Obwohl sich die Kampagne vor allem an Griechen wendet, ist natürlich jeder willkommen mitzumachen. Ich habe selbstverständlich auch meinen Beitrag geleistet – wenn ihr wollt, könnt ihr ab 5 Euro ebenfalls dabei sein:

Vouliwatch auf Indigogo unterstützen.

Einbettung in europäische Initiativen

Aktuell besteht das Team aus sieben direkten Mitarbeitern und vielen Unterstützern. Die ursprüngliche Idee wurde übrigens in Deutschland geboren und die erste Plattform dieser Art war http://www.abgeordnetenwatch.de/. Neben Vouliwatch in Griechenland gibt es inzwischen ähnliche Initiativen in Irland, Luxemburg, Tunesien, Frankreich, Österreich und Marokko.

Vouliwatch_Team_SW

Dabei scheinen sich die Initiativen gegenseitig zu befruchten. Man kennt sich, diskutiert miteinander, was funktioniert und was nicht, und entwickelt ständig neue Ideen. So experimentiert Vouliwatch beispielsweise damit, nicht nur vorhanden Gesetzestexte zu kommentieren, sondern gleich neue Gesetzesvorschläge über die Community zu entwickeln und als Vorschläge einzubringen.

Auch wenn noch nicht alle Mitgliedstaaten der EU dabei sind, merkt man doch, dass sich der Ansatz der direkten Beteiligung und die Erhöhung der Transparenz der Parlamente langsam als soziale Bewegung und mit modernen Mitteln der Kommunikation etabliert. Das wäre sicherlich auch ein interessanter Ansatz für die EU selbst.

Ich freue mich, dass Griechenland eines der ersten Länder ist, in der neue Formen der Bürgerbeteiligung und Transparenz ausprobiert werden.

Aristoteles würde sich bestimmt auch freuen.

Vouliwatch_Team_Farbe

Athener Entdeckungen

eulenausathen:

Wenn in einem Beitrag der Mechanismus von Antikythira, Rethink Athens und die Free Thinking Zone vorkommen, dann muss ich auf jeden Fall rebloggen. Hier der Beitrag von Petra über unseren Spaziergang durch Athen.

Ursprünglich veröffentlicht auf Philea's Blog:

21AthenMuseumscafeFür die einen ist Athen groß, laut und dreckig, für mich ist Athen eine der schönsten und interessantesten Städte, die ich kenne. Und jedesmal entdecke ich Neues, Interessantes, Skurriles. So auch diesmal, als ich an einem warmen Spätsommertag mit meinem Liebsten durch Athen spazierte.

1Athen_Haus

Wer schon einmal in Athen war, kennt die vielen Athener Bausünden, aber es gibt auch noch einige gepflegte alte Häuser – ich wünschte, es wären mehr. Athen muss einmal, auch architektonisch, eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Heute erschließen sich die Schönheiten manchmal erst auf den zweiten Blick.

2AthenFTZWir begannen unseren Rundgang quasi in einem Grenzgebiet, nämlich zwischen Kolonaki, einem der besten Stadtviertel Athens, und Exarchia, einem Studentenviertel mit Hafenstraßencharme. Dort nämlich befindet sich die Buchhandlung Free Thinking Zone, die so viel mehr als eine Buchhandlung ist. Über sie werde ich euch in einem Extra-Beitrag mehr erzählen.

3AthenSouterrain15AthenSouterrain3Not macht erfinderisch: Da etliche Läden im Souterrain liegen und…

Original ansehen noch 368 Wörter

Megaventory

Lagerverwaltung in der Cloud

Die Lagerverwaltung für jegliche Güter ist nicht nur ein Jahrtausende altes Problem, sondern auch einer der Klassiker der Informatik. Von einfachen Fragen, wie „Wie viele Artikel von einem bestimmten Produkt habe ich noch auf Lager?“ bis hin zu komplexen Warenwirtschafts- und ERP-Systemen mit Überwachung und Planung von Zulieferketten über mehrere Standorte und Produktlinien. Kolosse wie SAP sind damit groß geworden (und immer noch groß) und die Komplexität, die hinter den Systemen von Amazon steckt, ist auch nur zu erahnen.

Man könnte meinen, dass das Thema abgefrühstückt ist, aber wie es so ist mit neuen technologischen Trends: Alte Probleme, werden neu und elegant gelöst und plötzlich ergeben sich neue Chancen und Möglichkeiten für kleine und mittelständische Unternehmen.

Megaventory_Startseite

Cloud als Chance, auch für Kleine

Einen Trend, den man seit einiger Zeit beobachten kann, ist, dass mit der Verlagerung aller Geschäftsprozesse in die Cloud die Nutzung von Software plötzlich auch von kleineren Unternehmen einfach wird, die vielleicht keine mehrköpfige IT-Abteilung zur Verwaltung der Software haben. Das griechische Unternehmen Megaventory adressiert genau diese Unternehmen, die mit wenigen Mitarbeitern Handel betreiben und weder die Mittel noch den Bedarf für eine schwergewichtige IT haben. Angefangen hat alles, als Dr. Kostis Mamassis einen eShop für Tauchausrüstung auf Chios aufbauen wollte. Obwohl 2008 die ersten Cloud-Ansätze bereits da waren, gab es für jemanden wie ihn keine geeignete Software zur Lagerhaltung, die ohne eigene Administration auskam. So ist die Grundidee von Megaventory entstanden.

Megaventory_Funktionen

Internationaler Kundenstamm

Ich habe mich lange mit Dimitris Athanassiadis über die Chancen in diesem hoch kompetitiven Markt unterhalten. Er war lange Dienstleister für Megaventory, bevor er selbst ins Team gewechselt ist. „Seit der initialen Idee haben wir das Unternehmen sukzessive ausgebaut. Mit der Verlagerung der gesamten Verwaltung der Lagerhaltung in die Cloud war Megaventory eines der ersten Unternehmen, das mit einem extrem günstigen Kostenmodell plötzlich attraktiv für die ‚kleinen‘ Händler weltweit wurden“, so Dimitris. Inzwischen hat Megaventory hunderte Kunden weltweit und das komplett ohne Fremdfinanzierung. Interessanterweise sitzen die Kunden weniger in Griechenland, sondern in den USA, in Japan und Australien – da, wo sich die Cloud-Ansätze schon früher durchgesetzt haben. Erste Kunden aus Deutschland haben sie auch schon. Die Cloud macht es möglich.

Übrigens, wer bei der Cloud-Diskussion immer gerne die Angst vor der Speicherung der Daten in Übersee anbringt: Die Server von Megaventory stehen in Deutschland.

tape.ly

Die guten alten Mixtapes sind wieder da!

Über Jahrzehnte waren Schallplatten und ihre Cover von einer untrennbar Ästhetik, die den Zeitgeist oder ein persönliches Gefühl ausdrückten. Die Gestaltung von Plattencovern war eine Design-Disziplin für sich und neue Plattencover waren Diskussionsthema und Ausdruck einer Gesamtstimmung und Zugehörigkeit zu einer Gruppe, sei sie sozial oder von einer bestimmten politischen Einstellung geprägt. Damals waren auch die selbstaufgenommenen Kassetten, die man vielleicht seiner Angebeteten schenkte, nichteinfach nur eine „Playlist“. Oft lag ihnen ein Konzept zugrunde, mit dem man versuchte, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen oder die Beschenkte vermittels Musik in eine bestimmte, gemeinsamkeitsstiftende Stimmung zu versetzen – manchmal von Erfolg gekrönt, manchmal auch nicht.

Tapely_Start_me_upMit der Digitalisierung der Musik verschwand sukzessive die Untrennbarkeit von Design und Musik. Die CDs hatten zwar noch etwas Fläche für Bilder, aber das ist schon kein Vergleich mehr zu einem Plattencover. Inzwischen sind auch die CDs quasi verschwunden und in „Playlists“, die über USB-Sticks ausgetauscht oder über die Cloud verwaltet werden, aufgegangen. Das Gleiche gilt für die guten alten Kassetten. Die Sehnsucht aber nach Ausdrucksformen, die Musik, Ästhetik und Botschaft kombinieren, ist geblieben.

Zurück zum Gesamtkunstwerk

Tapely_Startseite

Das griechische Startup tape.ly hat den Bedarf erkannt und möchte den langweiligen Playlists etwas entgegensetzen. Musikauswahl und Musikempfehlungen sollen wieder die dazu passende Ästhetik zurückbekommen. „Wie früher mit gestalteten Kassetten kann jeder Musikfreund nun mit tape.ly sein eigenes Gesamtwerk schaffen und für sich und seine Freunde wieder Musik und Gestaltung kombinieren“, so Alexandros Nikolaidis, der Gründer von tape.ly. „Der große Unterschied zu Playlists von anderen Cloud-Diensten ist, dass der Nutzer nicht nur die Musik auswählt, sondern gleich den ganzen Bildschirm zur Gestaltung nach seinen Vorstellung und seiner Stimmung bekommt“, so Alex weiter. Und das Beste dabei: tape.ly ist komplett kostenlos.

Neben Privatpersonen, die ihren Freunden eine Freude machen wollen, werden immer mehr Medienagenturen auf die Möglichkeiten von tape.ly aufmerksam. „Ich bin selbst überrascht, wie kreativ die Nutzer sind, und freue mich täglich über neue Einsatzgebiete“. So gibt es typische Nutzer aus der Musikbranche, wie Musik-Blogs, die ihre Seiten mit tape.ly anreichern, oder Musiksendungen, die nach einer Sendung die Stücke mit entsprechenden Bilder versehen veröffentlichen. Aber eben auch ein Verlag, der einem Roman Noir ein Jazz-Mixtape beigelegt hat, oder ein Dokumentarfilmer, der eine Dokumentation über die Geschichte des Hip-Hops gedreht und die Musik aus dem Film als Begleitung auf tape.ly gestellt hat. Es gibt auch Professoren, die ihre Musikstudenten bitten, Lieder nach bestimmten Kriterien auszuwählen und über tape.ly bereitzustellen (siehe Kommentar auf Twitter), oder Fotoshootings von Stars, die mit passenden Mixtapes ergänzt werden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Obwohl der Dienst gerade mal ein paar Monate jung ist, sind die Nutzer bereits extrem kreativ und haben über 15.000 Tapes kreiert. „Dabei hilft natürlich auch der virale Charakter von tapely“, so Alex weiter. Niemand gestaltet ein Tape für sich selbst, sondern immer für andere. Wenn ich mein Tape fertig habe, schicke ich es meinen Freunden oder verbreite es über die sozialen Medien, sodass immer mehr Personen auf tape.ly aufmerksam werden. Inzwischen kann man sein Tape auch in Blogs und Webseiten einbinden.

Mein erstes Tape

Es ist ganz einfach, mit tape.ly seine erstes „Tape“ zu erstellen. Nach der Registrierung über die Webseite erhält man alle Werkzeuge, um Musik auszuwählen und seinem Tape hinzuzufügen und das Cover zu gestalten.

Das kann ich auch, habe ich mir gedacht. Hier also mein erster Versuch. Passend zum Blog ist das Motiv natürlich Griechenland. Allerdings wollte ich jetzt nicht einfach eine Auswahl an griechischer Musik beisteuern. Stattdessen habe ich mich für einen wilden Mix aus Stücken entschieden, die man nicht unbedingt mit Griechenland verbindet, die aber entweder einen griechischen Ursprung haben oder von Griechen neuinterpretiert wurden. Hier meine Auswahl (Auf Bild klicken oder diesem Link folgen: http://tape.ly/eulen-aus-athen) :

Tapely_EulenAusAthen-Mix

  • Jump Around – neu interpretiert von den Noise Only aus Drama
  • Misirlou – bekannt aus dem Film Pulp Fiction, Original von Tetos Demetriades
  • Honeymoon Song – von den Beatles bzw. eigentlich von Mikis Theodorakis
  • Loop de Love – von Juan Bastos. Großer Hit in den 70ern auf der Grundlage eines alten Volksliedes von der Insel Kalymnos
  • Theme from Serpico – Musik des Films Serpico mit Al Pacino und Musik von Theodorakis.
  • I remembered the time – Dirty Three. Original von Spanos und Arleta (http://en.wikipedia.org/wiki/Horse_Stories)
  • Darla Dirladada – noch eine klassische Interpretation von Dalida des Liedes aus Kalymnos. Dieses Mal von Dalida
  • Ein Schiff wird kommen – hier eine Interpretation der Marktmusikanten des Liedes von Manos Hadzidakis (bekannt vor allem über Melina Merkuri und natürlich Lale Andersen)
  • Last but not least: Zorba the Greek – diesmal interpretiert von John Murphy und David Hughes für den Film Bube, Dame, König, Gras (Lock, Stock and Two Smoking Barrells).

Vielen Dank an dieser Stelle auch an meinen Cousin Vassilis Botoulas, der mich auf einige dieser Perlen aufmerksam gemacht hat.

Wie geht es weiter?

Bis vor ein paar Wochen ist Alexandros Nikolaidis mit seinem Team noch ganz ohne Finanzierung ausgekommen. Sie haben die Lösung aufgebaut und waren selbst überrascht über den raschen Erfolg, vor allem auch außerhalb von Griechenland. Nur 5% der Nutzer kommen aus Griechenland. Der Rest aus der ganzen Welt, besonders viele aus den USA und immerhin schon 8% aus Deutschland.

Tapely-Team vor der Akropolis. Ganz rechts Alexandros Nikolaidis

Tapely-Team vor der Akropolis. Ganz rechts Alexandros Nikolaidis

Seit kurzem haben die Firmengründer jetzt eine Finanzierung über den Open Fund gesichert und streben eine schnelle internationale Expansion an. Der Dienst ist komplett kostenlos, sodass sich natürlich die Frage nach dem Geschäftsmodell stellt: Das aktuelle Angebot soll dabei weiterhin kostenlos bleiben und irgendwann durch zusätzlich Werkzeuge für Design und Umsetzung ergänzt werden, die dann kostenpflichtig sind.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht, und freue mich täglich über neue „Featured Tapes“: Selbst wer keine Muße hat, eigene Tapes zu erstellen, findet sicher etwas auf tape.ly.

WM-Loch

Der Juni scheint sich bei mir als schreibfauler Monat herauszustellen, wie schon die aussagekräftige Statistik aus dem Jahresrückblick 2013 gezeigt hat. Diesmal habe ich aber eine gute Ausrede: Die WM läuft. Und da geht traditionell nicht viel, außer arbeiten, arbeiten und eben WM (und dazwischen natürlich noch das erstaunlich gute Wetter genießen).

Bei anderen Bloggern habe ich gesehen, dass sie das Thema aufgreifen und halt WM-Spiele analysieren, wie beispielsweise die hervorragenden Fußballanalysen von Gerhard Mersmann. Auch eine Idee. Als Grieche und Deutscher, der in der Nähe der Schweiz und Frankreichs lebt (und irgendwie auch nicht weit von Belgien und Holland), vertrete ich sozusagen Europa bei der WM. Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich eine gewisse Sympathie für die Mannschaften vom amerikanischen Kontinent hege, da ich das Gefühl nicht loswerde, dass die gerade das Fußball-Zepter wieder in die Hand genommen haben und dabei sind, eine neue Fußball-Ära einzuleiten (nach dem eher europäischen und irgendwann langweiligen Cartenaccio oder Tiki-Taka). Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit dem Ausgang der WM zufrieden bin und sie mir auch bis zum Schuss anschaue, ist also recht hoch.

Die Tatsache, dass ich bei unserem Firmen-WM-Tippspiel gerade um den Klassenerhalt kämpfe, hilft mir allerdings nicht, mich als Autorität zum Thema Fußball zu positionieren. Immerhin habe ich den Sieg Griechenlands gegen die Elfenbeinküste vorausgesagt (das ist dokumentiert). Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich immer auf Griechenland tippe – und 2004 mit der Strategie auch recht erfolgreich war.

Um dennoch das Thema des Blogs nicht ganz zu verlassen, habe ich noch ein paar Tipps für die Glücklichen, die gerade in Brasilien sind: Taxibeat, die super-coole App, um Taxis nach Fahrern, Autos und anderen Kriterien auszuwählen, gibt es zwar noch nicht in Deutschland, aber dafür in Brasilien. Für die Tage zwischen den Spielen kann ich noch berichten, dass erste Privat-Yachten über Incrediblue auch in Brasilien zu finden sind (die gibt es aber auch in Deutschland). Und ich habe auch schon erste peeks über Peekintoo aus Brasilien entdeckt. Leider noch keine aus einem Stadion. Würde mich freuen.

So schließt sich der Kreis wieder zum Runden im Eckigen.

Kalamata Valley

Eine Tech-Szene im Werden

Ich weiß nicht, wie viele von euch Kalamata kennen oder wer gar schon mal da war. Bekannt sind die Stadt Kalamata und die Region Messinien auf dem Südpeleponnes wegen der Oliven. Als einziges mir bekanntes „Brand“ im Bereich Oliven findet man Kalamata-Oliven und das entsprechende Olivenöl auf der ganzen Welt. Wir haben es sogar einmal in einem kleinen Supermarkt eines verschlafenen Nests in Oregon gefunden. Da meine Eltern dort ein Ferienhaus haben, habe ich das Glück, ab und zu dort meine Ferien zu verbringen – im eigenen Olivenhain, sehr schön! – und bringe uns immer eigenes Olivenöl mit, sehr lecker!

Kalamata_Valley

Dieses Jahr war ich wieder dort und habe mir gedacht, ich schau mir mal die lokale Startup- und Tech-Szene an. In meinen früheren Gesprächen ist mir aufgefallen, dass einige der Gründer, mit denen ich geredet habe, aus Kalamata kommen, wie beispielsweise die Gründer von Locish, Intelen und Peekintoo. Alle drei Startups sind inzwischen mehr in Athen, New York und San Francisco unterwegs, aber dennoch. Ich habe also eine kurze Anfrage in Facebook gepostet und siehe da: Immerhin 7 Namen sind gefallen. Ich habe mich mit einigen getroffen und so einen kleinen Einblick bekommen. Los geht’s:

Events

Einen ersten Impuls zu Organisation der Tech-Szene in Kalamata lieferte Yiorgos Dedes. Er ist selbst ein „Neig‘schmeckter“ und organisiert zusammen mit Panagiotis Lyras und weiteren Freunden das Open Coffee Kalamata. Im Open Coffee, das in Athen, Thessaloniki und anderen griechischen Städten ebenfalls organisiert wird, ist ein inoffizielles Treffen von Startups und Technologiebegeisterten. Das Open Coffee Kalamata hat sich inzwischen etabliert und finden alle 1-2 Monate statt. Yiorgos überlegt gerade, ob er auch hilft, einen Co-Working-Space zu organisieren, einmal für die ansässigen Gründer, aber warum nicht darüber hinaus für Gründer und Entwickler aus der ganzen Welt? Ich kann mir gut verstellen, dass viele gerne eine Zeitlang in einer der schönsten Gegenden der Welt zwischen Meer und Bergen arbeiten würden; vorausgesetzt es gibt WLAN – und das gibt es.

Ein anderes Event, das auch international viel Aufsehen erregt hat, ist das TEDxKalamata. Als Sommerevent konzipiert, findet die Veranstaltung mit internationalen Rednern einmal im Jahr statt – und das Besondere: Es ist weltweit die einzige TEDx-Konferenz, die in der einmaligen Atmosphäre eines antiken Amphitheaters stattfindet (in Messene).

Kochen wie ein Grieche

Ganz bescheiden wirken die beiden Unternehmer Stella Tsala und Konstantinos Kokkorogiannis, die ich im Café getroffen habe. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie das größte Portal und die größte Community mit griechischen Rezepten aufgebaut haben. Sintagespareas.gr beschäftigt inzwischen 20 Mitarbeiter, hat über 17.000 Rezepte und einige Millionen Nutzer. Wen man sich online mit griechischer Küche beschäftigen will, kommt man nicht an den beiden vorbei. Aktuell ist das Portal nur auf Griechisch verfügbar, aber die Vorbereitungen für ihren internationalen Launch laufen. Unter dem Motto „cook like a greek“ wollen sie das zentrale Portal für griechische Küche weltweit werden. Spannend fand ich auch ihren Ansatz zur verteilten Organisation des Unternehmens: Außer den beiden Gründern, die bewusst nach Kalamata gezogen sind, sind alle Mitarbeiter quer über Griechenland und die Welt verteilt – Internet, Skype und Hangouts machen es möglich.

LIA Olivenöl

Bemerkenswert fand ich auch den Ansatz von Cristina Stribacu. Ausgehend von der eigenen Olivenöl-Produktion ihres Bruders ist sie gerade dabei, ein eigenes Label für Olivenöl zu kreieren, einschließlich internationaler Vertriebsnetze über Delikatessläden in der ganzen Welt. Auch wenn Lia kein klassisches Technologie-Startup ist, fand ich doch sehr interessant, wie systematisch und professionell Cristina ihr internationales Geschäft aufbaut. Ausgehend von einem hochqualitativen Öl, verpackt in einem sehr schönen Flacon, geht Lia Olivenöl wie ein Startup vor und durchläuft aktuell das Inkubationsprogramm von Orange Grove. In Paris kann man das Öl schon kaufen. 15 weitere Städte oder Länder sind das Ziel für dieses Jahr. Ich bin gespannt, wann die ersten Delikatessen-Läden in Deutschland Lia-Öl vertreiben werden.

LIA

Organery

Der innovativste Ansatz, den ich in diesen Tagen kennen gelernt habe, kommt von den beiden Gründern von Organery, Yiannis Mourgis und Ippokratis Papadimitrakos. Ein Mülltrennungskonzept mit Kompostierung vor Ort und Gamification-Ansatz. Aber ich will noch nicht zu viel verraten, da ich dazu einen separaten Beitrag verfassen werde.

Gesamteindruck

Zugegebenermaßen ist Kalamata und die Region sicher noch nicht das Tech-Zentrum, das es vielleicht sein könnte. Aber es sind schon mehr Initiativen und Personen aktiv, als man mal eben besuchen kann. Man merkt auch, dass viele, die in der Region verwurzelt sind, oder sich Kalamata zur Wahlheimat gemacht haben, auch dort bleiben wollen. Und sie fangen an, sich zu organisieren. Die ersten Keimzellen sind da, eine Universität und eine Fachhochschule gibt es auch und seit ein paar Jahren sogar einen internationalen Flughafen. Zusammen mit der atemberaubenden Landschaft, dem urbanen Stadtkern und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten in den Bergen und an oder auf der See: ein optimaler Standort für ein „Kalamata Valley“.

Kalamata_Valley_2

Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt, und bleibe schon aus persönlichem Interesse sicher dran.

Guinness-Weltrekord für magische Tastatur von Fleksy

In meinem Beitrag vom März 2013 habe ich ja schon das dritte Clarksche Gesetz bemüht, um auf die Magie der Smartphone-Tastatur von Fleksy hinzuweisen. Jetzt ist es auch offiziell: Wie das griechische Portal EMEA berichtet, wurde der Weltrekord im Schnelltippen auf einem Smartphone mit der Tastatur des griechischen Startups Fleksy gebrochen.

Fleksy world record

Es gibt auch schon ein Kurzfilm zum Weltrekord:

Die Nachricht geht gerade um die Welt. Erste Pressstimmen und Infos auf die Schnelle:

Übrigens: Der frühere Weltrekordhalter war kein Geringerer als Microsoft. Das kann ja noch was werden.

Herzlichen Glückwunsch an Ioannis Verdelis und Kostas Eleftheriou. Ich freue mich, dass der Traum, den sie vor über einem Jahr formuliert haben, langsam Realität wird. Und vielleicht hilft der Weltrekord ja auch, auf ein paar andere griechische Startups aufmerksam zu machen.