OnWebChat

Rede mit deinen Kunden

Eine Sache, die im Zeitalter der elektronischen Geschäftsabwicklung verloren gegangen ist, ist die Möglichkeit, einfach mal mit jemanden, der sich auskennt, zu quatschen – oder Neudeutsch: zu chatten. Mir geht es oft so, dass ich keine Lust oder Zeit habe, mir alle Informationen einer Webseite durchzulesen, bevor ich etwas kaufe. In letzter Zeit beobachte ich auf immer mehr Webseiten sogenannte Chatfunktionen, eine kleine unauffällige Möglichkeit unten rechts am Rand einer Webseite, um mit jemandem direkt zu kommunizieren. Das ist viel zielführender, als beispielsweise irgendwelche Anfrageformulare auszufüllen, die evtl. nie beantwortet werden.

Einfach losquatschen

home_pageIn den Ring der sogenannten Live-Chat-Anwendungen steigt jetzt auch ein neues Startup aus Griechenland. Der Name ist Programm: OnWebChat. Mehr ist fast nicht zu sagen. Ist man auf einer Seite, die OnWebChat eingebunden hat, kann man direkt mit einem Mittarbeiter des Unternehmens „sprechen“, Fragen stellen, zusätzliche Informationen anfragen etc.

Jeder, der eine Webseite betreibt, kann OnWebChat ganz einfach einbinden, entweder über einen kleinen HTML-Code oder über entsprechende Plugins beispielsweise für WordPress oder Joumla. Einmal eingerichtet läuft die Abwicklung komplett über OnWebChat und man bestimmt als Betreiber der Webseite selbst, wann jemand zum Chatten zur Verfügung steht und wann nicht. Als Webseitenbetreiber sieht man über das Besuchermonitoring auch, wer schon mal da war, welche Seiten vor dem Chat besucht wurden etc. Auch ist es möglich, zusätzliche Dokumente über OnWebChat hin- und herzuschicken.

Das Unternehmen und Geschäftsmodell

Periklis2OnWebChat wurde von Periklis Psillakis in Chania gegründet und ist damit das erste Startup aus Kreta, das ich auf Eulen aus Athen präsentiere. Persiklis hat bereits mit smsbox.gr ein erfolgreiches Unternehmen und damit die Entwicklung des neuen Unternehmens komplett selbst finanziert. OnWebChat ist aktuell in einer erweiterten Betaphase mit mehreren hundert Kunden auf der Plattform. Das Geschäftsmodell basiert auf einem Abo-Modell, das man monatlich kündigen kann und dessen Preise vom benötigten Funktionsumfang abhängen. Neben dem erweiterten Funktionsumfang im Vergleich zu anderen Produkten ist es sicherlich auch eins der günstigsten.

Wer also darüber nachdenkt, eine Chatfunktion auf seiner Webseite anzubieten, sollte sich auf jeden Fall OnWebChat anschauen.

Bitcoin und Kapitalverkehrskontrollen

Seit ein paar Jahren haben elektronische Zahlungssysteme Konjunktur, die wie Parallelwährungen funktionieren. Bitcoin ist vermutlich die bekannteste Variante. Statt einer zentralen Abwicklungsstelle (also einer Bank) funktioniert Bitcoin mit Hilfe des Zusammenschlusses mehrerer Rechner über das Internet (Peer-to-Peer) und die Guthaben in Bitcoin werden in digitalen Brieftaschen gehalten. Ähnlich wie bei einer traditionellen Währung wird der Wert eines Bitcoins aufgrund von Angebot und Nachfrage bestimmt (wer es genauer wissen will, Wikipedia ist wie immer ein guter Anfang: https://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin).

Das hört sich zwar nach einem interessanten Experiment an, aber ich habe mich schon immer gefragt, wozu das eigentlich gut ist. Jetzt weiß ich es: Auch wenn die Berichterstattung über Griechenland in den letzten Wochen etwas nachgelassen hat, bleibt das Hauptproblem bestehen. Es ist kaum möglich, unternehmerisch aktiv zu bleiben, solange der internationale Zahlungsverkehr lahmliegt. Selbst Mikrobeträge von ein paar Euro für Hosting oder einen Domänennamen werden zum Problem, da griechische Kreditkarten im internationalen Zahlungsverkehr nicht angenommen werden.

Schritt 1: Bitcoin Geldautomat

Quelle: Greek Reporter

Quelle: Greek Reporter

Den ersten Schritt in die Verbreitung von Bitcoin in Griechenland hat Stavros Messinis gemacht, den wir in diesem Blog ja schon ein paar Mal angetroffen haben. In seinem Coworking-Space ‚The Cube‘ hat er den ersten Bitcoin-Geldautomaten Griechenlands installiert. Der funktioniert wie ein normaler Geldautomat, man kann also Geld einzahlen und sich auszahlen lassen, nur dass man statt Euro einen Bitcoin-Beleg bekommt. Damit kann man im Internet an allen Stellen zahlen, die Bitcoins akzeptieren. Und das sind inzwischen recht viele. Unter Coinmap.org sieht man alle Bitcoin-Akzeptanzstellen weltweit:

coinmapSchritt 2: Bitcoin Kreditkarte

Trotz der Vielzahl an Annahmestellen besteht natürlich immer noch ein Problem, wenn man genau einen Service nutzt, der keine Bitcoins als Zahlungsmittel unterstützt. Um auch das zu umgehen hat Panagiotis Vryonis, einer der Gründer, die ich hier auch schon vorgestellt habe, ein Experiment gemacht, dass auf großes Interesse gestoßen ist: Es gibt inzwischen Kreditkarten, die man mit Bitcoins befüllen kann. Zahlen tut man dann ganz normal über Euro oder Dollar. Panagiotis hat also die Bitcoins von Stavros Geldautomaten auf eine solche Kreditkarte eingezahlt und fertig ist das alternative Zahlungssystem. Mit der Kreditkarte kann er jetzt überall auf der Welt mit griechischen Euros zahlen.

Hier zum Artikel von Panagiotis, wie er das gemacht hat: https://blog.vrypan.net/2015/08/01/using-btc-to-buy-anything/

Mir ist klar, dass über solche kleinen Transaktionen nicht alle Probleme, die durch die Kapitalkontrollen entstehen, gelöst werden können, aber es ist ein Anfang.

Besser noch für die Startups und die Wirtschaft in Griechenland wäre, wenn endlich alles getan wird, um die Kapitalkontrollen wieder abzuschaffen.

‘Save Greek Startups’ findet namhafte Unterstützer und verbreitet sich viral

Gerade vorgestern hatte ich hier über die Initiative von Panos und Yiannis vom Zerofund berichtet. Sie versuchen, die Basisinfrastruktur der Startups in Griechenland (Webservices, Hosting etc.) aufrechtzuhalten und helfen kurzfristig mit den aktuell fälligen Raten aus (aus eigener Tasche). Inzwischen gewinnt das Thema an Fahrt. Die ganze Aktion ist sehr lean gestaltet mit einem kleinen Sheet und vielen Mails und wird von den beiden sowie ersten weiteren ‘Aktivisten’ durchorganisiert. Erste fällige Zahlungen werden schon durchgeführt und die Gründer haben zumindest an dieser Front etwas Ruhe.

Inzwischen ist das Thema auch jenseits des Atlantiks angekommen. Marc Andreessen (einer der Internet-Pioniere, bekannt als Gründer von Netscape) hat schon Unterstützung per Twitter zugesagt und Bloomberg View berichtet.

Wie könnt ihr helfen?

  1. Der ganze Prozess läuft über Prepaid-Kreditkarten, die irgendjemand erstmal spendet. Wer also eine solche Prepaid-Kreditkarte bereitstellen will, kann das über das Formular von Zerofund tun [hier klicken]. Ich bin mir sehr sicher, dass alle Gründer das Geld zurücküberweisen werden, sobald sie können. Eine Garantie gibt es dafür natürlich nicht, da der ganze Prozess nicht irgendwie rechtlich abgesichert ist und sich natürlich auch nicht alle persönlich kennen. Also im Worst-Case war es die gute Tat des Jahres.
  2. Wenn ihr wisst, wo man einfach und online und idealerweise günstig Prepaid-Kreditkarten in Deutschland (oder woanders) kaufen kann, gerne einen Kommenar hinterlassen. Ich habe eben kurz recherchiert, aber habe nur sehr eigenartige Angebote gefunden oder ein sehr umständliches Vorgehen. In den USA scheint man die als Gift-Card an jeder Ecke zu bekommen.
  3. Wenn ihr jemanden bei Hetzner oder anderen Service-Anbietern (wie z.B. Amazon Web Services) kennt, der auch etwas entscheiden kann, schickt ihnen eine Mail. Die beiden genannten sind offensichtlich sehr beliebt bei griechischen Startups. Es wäre ein echtes Zeichen der Solidarität, wenn Multimillionen-Konzerne Ihren treuen Kunden wegen 30 € nicht gleich den Saft abdrehen, nur weil im Moment der internationale Zahlungsverkehr aus Griechenland nicht funktioniert. Es sind nur Mikrobeträge, aber lebensnotwendig. Sie sollten es als Marketing sehen, da im Moment jede solche Mail in Griechenland durch alle Medien geht. Atlassian macht sich zum Beispiel in Griechenland gerade wegen 80 € sehr unbeliebt (siehe Bild hier).

Am Ende ist es natürlich jedem selbst überlassen. Ich würde mich freuen, wenn auch etwas Support aus Deutschland kommt. Unabhängig von seiner Meinung zum Thema Griechenland und Europa und auch wenn es nur symbolisch ist.

Die Kreativität in den Zeiten der Kapitalverkehrskontrolle

Die Welt ist vernetzt und jedes Startup nutzt Dienste, die irgendwo anders auf der Welt bereitgestellt werden. Solche Dienste, wie Hosting, Amazon Web Services, Google Docs , Shop-Systeme in der Cloud, Domänenregistrierung etc., kosten üblicherweise nur ein paar Euro im Monat, sind aber gleichzeitig die Grundvoraussetzung für die Existenz des Unternehmens. Das Problem: ohne Kreditkarte, kein Service. Im Rahmen der aktuellen Kapitalverkehrskontrolle, die diese Woche in Griechenland eingeführt worden ist, platzen immer mehr Transaktionen, die lebensnotwenig für das unternehmerische Handeln eines jeden Startups sind. Größere Unternehmen mögen darauf eingestellt sein, aber viele Startups haben natürlich keine ausländischen Konten oder Kreditkarten.

Zerofund agiert als Stellvertreter

zerofund-StartseiteUm das Problem ad hoc (oder heute würde man vielleicht „lean“ sagen) zu lösen, haben Panos Papadopoulos und Yiannis Vlachoyiannis, die beiden Gründer von Bugsense (siehe hier und hier) und zerofund (siehe hier), die inzwischen in San Francisco sitzen, kurzerhand einen sehr schlanken Ansatz zur Überbrückung geschaffen: Sie zahlen die Rechnungen für Services, die kurz vor dem Ausfall stehen, aus eigener Tasche mit einer US-Kreditkarte. Sobald die Startups eine Möglichkeit sehen, das Geld irgendwie zu transferieren, schicken sie es ihnen.

Und das funktioniert tatsächlich! Ich bin beeindruckt, wie viele Transaktionen innerhalb kurzer Zeit bereits getätigt wurden und alle ohne kompliziertes Vertragswerk und rein auf Vertrauensbasis. Das erinnert mich an legendäre Geschichten über ehrenwerte Kaufleute im Mittelmeerraum oder auch in der Hanse, die per Handschlag einen Deal gemacht haben, teilweise über viele Kilometer Entfernung und ohne jegliche Chance, ihr Recht auch einzufordern.

Griechische Startups, die kurzfristig Unterstützung brauchen, können sich hier anmelden:

http://zerofund.org/

Weitere Initiativen

Im Schatten der sehr intensiven Diskussion über das Ja oder Nein, die natürlich auch in Griechenland die Medien dominiert, haben auch andere Startups solidarisch Aktionen gestartet. Immer mehr Service-Anbieter gehen proaktiv auf ihre Kunden aus Griechenland zu und lassen Services für 1-2 Monate laufen, ohne irgendwelche Mahnungen oder gar Sperrungen durchzuführen. Das Startup Workable von Nikos Moraitakis hat gleich allen griechischen Startups die nächsten 3 Monate geschenkt. Ein anderes Beispiel ist Moosend, das diverse Rabattaktionen und alternative Zahlungsmethoden für seine Kunden eingeführt hat.

Artikel zum Thema

Den einzigen deutschsprachigen Artikel zum Thema habe ich bei wired.de gefunden:

– WIRED: Griechenlands Startups kämpfen gegen das Chaos

In Griechenland wird das natürlich schon mehr thematisiert, wie beispielsweise hier:

Sicher werden diese Initiativen die Solidarität zwischen den Startups noch mehr stärken. Auch wenn das keine langfristigen Lösungen sind, helfen sie doch schon alleine durch ihre symbolische Kraft.

Möge diese unmögliche Episode bald vorübergehen!

Campus Bus

Aktiv werden, unternehmerisches Handeln fördern

Ich bin sprachlos. Dachte ich. Ich bin machtlos. Dachte ich. Doch es sind genau diese Momente, in denen ich Personen begegne, die sich nicht von den aktuellen Ereignissen unterkriegen lassen.

Einer von ihnen ist Stavros Messinis, der unermüdlich in seiner Mission ist, unternehmerisches Handeln in Griechenland und Europa zu unterstützen. Zusammen mit seiner Frau Maria Calafatis betreibt er The Cube, den größten Coworking-Space in Griechenland, und ist in Deutschland vermutlich der bekannteste Startup-Grieche: als Moderator bei den Startup Weekends in Saarbrücken oder Hamburg und natürlich als Oberpirat auf dem Pirate Summit in Köln.

Campus-Bus-TeamEine seiner vielen Initiativen ist auch der Campus Bus. Letzten Sommer ist er mit einem kleinen Bus und seinem Team in 5 Monaten in 12 Städten Griechenlands gewesen, um über 2000 Personen, wie er selbst sagt „einen kleinen Schubs“ zu unternehmerischem Handeln und Gründen zu geben. Es sind solche Grassroot-Bewegungen, die sich aktuell überall in Griechenland bilden, und die es gilt zu unterstützen.

Dieses Jahr will er die Aktion wiederholen und – vielleicht mit eurer Unterstützung – noch größer aufziehen. Da ein solches Unterfangen auch Sponsoren benötigt, hat er eine Indigogo-Kampagne gestartet, an der sich jeder mit ein paar Euro beteiligen kann.

Ich würde mich natürlich freuen, wenn ein paar meiner Leser, die gerade sprachlos die Nachrichten hören, einfach mal selbst aktiv werden und genau denen helfen, die versuchen, ein anderes Griechenland jenseits der politischen Verkrustungen zu aktivieren.

Hier geht’s zur Kampagne: https://www.indiegogo.com/projects/campusbus-greece#/story

Ark Analytics

Management des Kredit-Risikos

Wenn man als Laie das Wort Kredit-Risiko hört, denkt man heute unweigerlich an Griechenland. Das ist ausnahmsweise auch richtig so, denn mit Ark Analytics kommt eins der spannendsten Unternehmen im Bereich des Managements des Kredit-Risikos für Unternehmen aus Griechenland.

Zunächst etwas Theorie: Ein Warenkredit in Industrie und Handel ist quasi das Pendant zu einem Konsumentenkredit oder Bankkredit, der jedoch zwischen zwei Unternehmen vereinbart wird, um beispielsweise die Zahlungen zu strecken. Statt sofort zu zahlen, vereinbaren sie also einen Zahlungsplan über einen definierten Zeitraum. Das ist übliche Praxis und hilft im Endeffekt beim Absatz von Waren. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Konsumentenkredit, bei dem Ratenzahlungen vereinbart werden, wie beispielsweise beim Autokauf – nur eben zwischen zwei Unternehmen.

Natürlich geben Unternehmen nicht blind anderen einen Kredit, sondern versuchen vorab das Ausfallrisiko einzuschätzen und zu minimieren. Je größer die Kredite werden, je mehr Kredite vergeben werden und je variantenreicher die Kredite und Rahmenbedingungen werden, desto unübersichtlicher wird das Ganze. Große Unternehmen beschäftigen ganze Abteilungen, die versuchen, mit hochkomplizierten Berechnungen, Markt- und Kundenanalysen und viel Bauchgefühl das Einzelrisiko, aber auch das Gesamtrisiko zu reduzieren. Immerhin können Ausfälle oder Verzögerungen zu eigenen Liquiditätsengpässen oder Verlusten führen – bis hin zur Insolvenz.

Mehr Fakten, weniger Bauchgefühl.

Startseite-Arkanalytics

Das Hauptprodukt von Ark Analytics ist CreditArk, eine Anwendung (Dashboard) für Kreditmanager in Unternehmen, die automatisch Informationen aus internen und externen Datenquellen zusammenführt. Aufbauend auf diesen zusammengeführten Informationen und mit Hilfe von wissenschaftlichen Berechnungsmethoden kombiniert die Anwendung Finanzdaten, Verhaltensdaten und qualitative Daten, um das Kreditrisiko zu berechnen. Beispiele für solche Daten sind frühere Käufe und Abwicklungen mit dem Kunden, Marktposition, Marktentwicklung, Alter des Unternehmens etc. Neben der eigentlichen Berechnung für den Einzelfall betrachtet die Anwendung auch das gesamte Portfolio, um Frühwarnungen auszusprechen, die beispielsweise durch die Konzentration auf ein bestimmtes Kundensegment entstehen.

Die Anwendung ist als Software as a Service (SaaS) angelegt und wird für jeden Kunden speziell konfiguriert, da jeder Kunde andere Datenquellen und Anforderungen hat.

Folgendes Video zeigt den Gesamtansatz und im zweiten Teil den typischen Ablauf der Anwendung:

FinTech und Predictive Analytics aus Griechenland

Das Unternehmen wurde in Griechenland von Panos Michalopoulos, Michalis Madias, Christos Gianakopoulos und Ilias Panagiotidis im Jahr 2013 gegründet. Die Gründer haben jedoch schon viele Jahre Erfahrung in diesem Bereich. Inzwischen haben sie acht Mitarbeiter und zwei Investoren aus der Schweiz, die früh das Potential von Ark Analytics erkannt haben.

Kunden-Arkanalytics

Ark Analytics kombiniert gleich zwei Bereiche, die in der aktuellen Startup-Euphorie heiß laufen: Technologien für Finanzdienstleistungen (FinTech) und Vorhersagemodelle durch Massendatenauswertung (Predictive Analytics). „Wir wussten von Anfang an, dass unser Markt im europäischen Ausland liegt und haben uns darauf konzentriert“, so Panos Michalopoulos im Interview. Die Entwicklung findet in Griechenland statt, die Kunden sitzen in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland. Von Zürich aus wird die Geschäftsentwicklung betrieben. Besonders beeindruckt war ich von der Kundenliste: Zu ihren Kunden zählen keine geringeren als Novartis oder Lafarge und aktuell haben sie erste Teststellungen bei BASF und BAYWA. Wenn sich solche Kolosse für das Produkt interessieren, dann zeigt das auch, wie groß das Problem der Risikobewertung ist und wie weit vorn Ark Analytics mit seiner Lösung ist.

Respekt!

Wachstum durch Investitionen auch über Open Circle

Wie bereits im Artikel über Open Circle kurz erwähnt, ist Ark Analytics eins der Unternehmen, die aktuell über Crowdinvesting weitere Investoren suchen. „Wir sind technologisch sehr innovativ und haben im Moment so viele Anknüpfungspunkte bei großen Unternehmen, dass wir mit den nächsten Investitionen vor allem den Markt in Richtung Großbritannien, Holland, USA und Asien ausbauen wollen“, so Panos.

Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn ausnahmsweise mal FinTech und Predictive Analytics für die Kreditrisikominimierung aus Griechenland für Schlagzeilen sorgt.

Wie kann ich in Startups investieren?

Crowdinvesting in griechische Startups mit Open Circle

Das habe ich schon oft gehört: “Ist ja alles toll, was du hier schreibst, aber kann ich auch in die Startups und Unternehmen investieren?“. Die Antwort lautet natürlich „ja“, allerdings ist es nicht ganz einfach. Mal abgesehen von einer gewissen Bürokratiehürde, die bald als olympische Disziplin eingeführt wird, ist auch der Kreis derer, die mal nebenbei ein paar hunderttausend Euro in ein Innovationsunternehmen stecken können, doch relativ überschaubar. Und selbst, wenn man das kann, möchte man sich vielleicht erst einmal etwas herantasten und nicht gleich alles auf eine Karte setzen – immerhin sind frühe Investitionen in Innovationen nicht nur mit hohen Renditechancen, sondern auch mit sehr hohen Risiken verbunden.

OpenCircle_StartseiteAus dieser Überlegung heraus entstehen (vor allem in Europa) immer mehr sogenannte Crowdinvesting-Plattformen. Die Idee ist einfach: Ein zentraler Träger (die Plattform) trifft eine Vorauswahl, hilft den Startups bei der Präsentation, macht die Unternehmensprüfung („due diligence“) und koordiniert die gesamte Abwicklung der Investitionen. So weit, so gut.

Das magische Wort ist „Crowd“. Statt 2-3 großer Investoren organisiert die Plattform viele Kleininvestoren, die zusammen investieren. Das hat mehrere Vorteile: Auch Personen mit einem kleineren Portemonnaie können sich an Startups beteiligen, man kann das Risiko selbst etwas streuen, indem man sich an mehreren Unternehmen beteiligt und – ebenfalls nicht unwesentlich: Die Beteiligung durch viele kann einen viralen Effekt bewirken, da viele Kleinanleger über ihre Investitionen sprechen, diese fördern und somit das Unternehmen und deren Produkte bekannter machen.

Open Circle

Seit diesem Jahr gibt es nun auch in Griechenland die erste Crowdinvesting-Plattform mit dem Namen Open Circle. Das Unternehmen hinter Open Circle heißt Parnasse und wurde von Socratis Ploussas, Xenofon Krokkidis und Youri Dabrowski gegründet. Bisher haben sie das gesamte Unternehmen selbst finanziert und entwickelt. Sie sind also, wenn man so will, selbst ein Startup. „Unser Hauptanliegen aktuell ist es, Vertrauen aufzubauen und die Plattform auf solide Füße zu stellen“, so Socratis im Interview.

Um das zu erreichen, haben sie sehr viel Arbeit und Detailliebe in die Rechtskonformität gesteckt, was in Griechenland (und vermutlich auch in Deutschland) bei so einem Projekt nicht ganz trivial ist. Aber der Lohn der Anstrengungen ist, dass sie jetzt offiziell gestartet sind und gleich mit zwei Startups, die es in sich haben: Sowohl von ArkAnlytics als auch von Pinnatta wird man demnächst sicher noch einiges hören (u. a. natürlich auf diesem Blog).

OpenCircle_Startseite_InvestmentOpportunitiesWie kann man investieren?

  • Wenn man Investor werden will, muss man sich über die Plattform registrieren (Ausweis und Wohnortnachweis), sodass man freigeschaltet werden kann.
  • Das Startup bestimmt die benötigte Gesamtmenge und die minimale Beteiligungshöhe.
  • Interessiert man sich für eins der Startups, meldet man das und überweist den Beteiligungsbetrag.

Der Deal kommt nur zustande, wenn sich genügend Investoren gefunden haben.

OpenCircle_Startseite_How-it-WorksIn der Anfangsphase liegen die Investitionen bei Open Circle noch in der Höhe von 5.000 €-25.000 € pro Investor. Ziel ist es aber, mittelfristig immer kleinere Beträge und mehr Investoren pro Startup zu bekommen.

Besonders interessiert ist Open Circle natürlich auch an Investoren außerhalb Griechenlands, sei es die griechische Diaspora oder einfach Leute, die davon überzeugt sind, dass man trotz oder gerade wegen der Krise in Griechenland bzw. griechische Startups investieren sollte, die auch international nicht nur mithalten, sondern brillieren können.

Vielversprechend #8: Archon

Eigenes Auto war gestern

Eine Sache, die ich sicher nie mit Griechenland in Verbindung gebracht habe, ist der Bau von Flugzeugen. Umso verwunderter war ich, als ich kürzlich zum ersten Mal von Archon gehört habe. Es handelt sich dabei um ein ultraleichtes Aluminium-Flugzeug von der Firma e-aerosports.

archonGeorgos Iliopoulos stammt aus Florina (im Norden Griechenlands) und ist im Hauptberuf Polizist. Seinen ersten Prototypen “Lygistis” hat er wohl noch mit diversen recycelten Wertstoffen wie alten Möbeln und Metallen in den 80er Jahren gebaut.

Wie das heutige Modell in Aktion aussieht, kann man im folgenden Video sehen.

Marketingmäßig sollten Gründer noch etwas nachlegen, aber selbstbewusst sind sie schon, wie man der Webseite entnehmen kann: „Here is a true revolutionary design. It brings the future in the aviation technology“. Offensichtlich gibt es auch erstes Interesse aus den USA, wie der Greek Reporter informiert: http://greece.greekreporter.com/2015/05/26/u-s-firms-interested-in-greek-designed-experimental-aircraft/

Ein eigenes Auto war gestern. Falls unter meinen Lesern noch jemand ein Privatflugzeug benötigt, Bestellungen werden hier angenommen: http://aerosports.gr/

Thessaloniki Startup City

Eine Stadt im Gründungsfieber

Auffallend oft bin ich bei meinen Interviews auf Startups gestoßen, die aus dem Großraum Thessaloniki kommen. Teilweise sind sie noch da, teilweise haben sie ihr Hauptquartier nach Athen oder gleich ins Ausland verlegt, aber alle sind international aktiv. Einige Beispiele, die ich hier auf dem Blog schon vorgestellt habe, sind: cssigniter, schooX, goodvid.io, vidavo oder instabuck.

Mit knapp einer Million Einwohnern (inkl. Großraum) ist Thessaloniki die zweitgrößte Stadt in Griechenland. Ich hatte eigentlich selbst vor, ein paar Tage hinzufahren, um mir einen Überblick zu verschaffen. Leider habe ich das bisher noch nicht geschafft. Solange verweise ich daher auf einen neu erschienenen Artikel von Dimitri Ntembos, den Thessaloniki Startup City Guide, der gerade im StartUs-Magazin erschienen ist

http://magazine.startus.cc/thessaloniki-startup-city-guide/

Startup City Guide Thessaloniki (c) StartUs Magazine

Startup City Guide Thessaloniki (c) StartUs Magazine

Dimitris Ntembos selbst ist übrigens Organisator von Startup Live Thessaloniki, Gründer und Mitwirkender in diversen Startup-Initiativen und aktuell Marketing Engineer bei codebender.

Merke: Beim nächsten Trip nach Griechenland auf jeden Fall mal nach Thessaloniki fahren.

Grexit #3: e-FOOD.gr

Deutsches Startup Delivery Hero kauft griechisches Startup e-FOOD.gr

e-food-logoDie Nachricht ging letzte Woche wie ein Lauffeuer durch die griechischen Medien (z.B. EMEAStartups): Das deutsche Startup Delivery Hero hat den größten Anbieter Griechenlands im Bereich der Online-Essensbestellung e-FOOD.gr aufgekauft. Delivery Hero ist eine der großen Beteiligungen von Rocket Internet, eines der auffälligsten deutschen Internetunternehmen um die Brüder Samwer, das im Oktober 2014 an die Börse gegangen ist.

e-FOOD.gr ist der größte Dienst dieser Art in Griechenland. In Deutschland wird Online-Essensbestellung vermutlich oft mit Pizza-Service assoziiert. Ich habe selbst schon ein paar Mal über e-FOOD.gr Gyros Pitta mit Pommes bestellt und muss sagen: funktioniert einwandfrei. Natürlich decken sie auch das gesamte Spektrum ab, von Burger bis Sushi. Am Unternehmen war auch Apostolos Apostolakis beteiligt („der König der Marktplätze in Griechenland“), den ich hier ja schon mal vorgestellt habe.

e-food-StartseiteIch freue mich, dass damit der erste deutsch-griechische Startup-Deal zustande gekommen ist – und das in der aktuellen Zeit. Ist doch ein schönes Zeichen, dass es sich auch für deutsche Investoren lohnen kann, in Griechenland zu investieren.

Schade finde ich, dass die deutschen Medien und auch die offizielle Pressemitteilung von Rocket Internet vor allem vom Kauf des türkischen Pendants Yemek Sepeti reden  (sollte ich da vielleicht den Begriff TRexit einführen?). Die sind sicherlich größer, aber gerade in diesem verrückten Jahr wäre die Meldung doch auch mal ein schönes Signal: Wenn man noch gemeinsam Geschäfte macht, dann bekommt man den Rest hoffentlich auch noch hin.

Dann mal guten Appetit beim nächsten Griechenlandurlaub und einer Bestellung über e-FOOD.gr!