Blueline

Ärztliche Behandlung zu Hause

Blueline_LogoEs scheint wie aus einer anderen Zeit, in Filmen sieht man es noch ab und zu: ein Arzt, der zum Patienten nach Hause kommt. Vielleicht gibt es das noch irgendwo auf dem Land, ich habe es noch nie erlebt. Wenn man heutzutage in der Stadt krank wird, muss man sich üblicherweise zum Arzt schleppen, ein längere Zeit im Wartezimmer zusammen mit anderen Kranken herumsitzen, um dann für ein paar Minuten behandelt zu werden bzw. sein Rezept oder seine Krankmeldung abzuholen . Eine Prozedur, die für einen gesunden Menschen schon nervig ist, für einen Kranken aber wirklich sehr anstrengend –und vermutlich auch nicht gesundheitsfördernd. Als Patient fühlt man sich ein wenig wie eine Ressource in einem auf Hocheffizienz getrimmten Gesundheitsapparat. Dennoch haben wir das inzwischen als selbstverständlich hingenommen und können es uns kaum noch anders vorstellen.

Nicht so das griechische Startup Blueline. Der Bedarf und der Wunsch nach Behandlung zu Hause sind ja immer noch da und Blueline versucht gerade dies wieder zu ermöglichen.

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„Uber für Ärzte“

In der Theorie könnte überall, wo Angebot und Nachfrage bestehen, ein elektronischer Marktplatz entstehen. Patienten suchen Ärzte und Ärzte wollen Patienten behandeln. Also müsste es auch möglich sein, einen elektronischen Marktplatz zu schaffen, der Patienten und Ärzte zusammenbringt. Und genau das macht Blueline. Ärzte registrieren sich bei Blueline und geben Informationen zu ihren Qualifikationen an. Wenn sie Zeit haben, melden sie dem System, dass sie jetzt verfügbar sind. Patienten wiederum können über die Blueline-App nach Ärzten in der Nähe mit bestimmten Qualifikationen suchen, sich evtl. noch Bewertungen anderer Patienten anschauen und einen Arzt anfordern. Nikos Naoum, einer der Gründer von Blueline, meinte dazu „Es ist wie Uber für Ärzte“. Ich hätte eher gesagt, wie Taxibeat für Ärzte, da sich nicht jeder bei der App anmelden kann, sondern nur ausgebildete Ärzte (so wie bei Taxibeat nur lizensierte Taxifahrer mitmachen können).

Fokus auf Großstädte

Ende März soll es in Athen losgehen. Dann geht es weiter in anderen Großstädte Europas und im Rest der Welt. „Auf der Welt leben ca. 1 Milliarde Menschen in Großstädten und der persönliche Arzt ist dort eher eine Seltenheit“, so Nikos Naoum im Gespräch. „Wir sprechen mit Blueline nicht nur Einheimische an, sondern auch Personen, die geschäftlich oder als Tourist unterwegs sind“, so Nikos weiter.

Eine Frage, die ich mir natürlich auch gestellte habe: Ist eine ein Hausbesuch für die meisten nicht viel zu teuer? „Aktuell kann ein privater Termin tatsächlich oft noch recht teuer werden, aber das ist auch dem Gesamtsystem geschuldet. Unser Ziel ist es, über Blueline nicht nur die Qualität der Behandlung zu erhöhen, sondern auch die Kosten für eine private Behandlung zu Hause zu reduzieren“, so Nikos. Um das zu erreichen, setzen sie auch auf junge Ärzte, die sich beispielsweise keine eigene Praxis leisten können. Oder auf Ärzte, die neben ihrer Tätigkeit im Krankenhaus noch zu selbst bestimmten Zeiten Patienten behandeln wollen, um sich so etwas dazuzuverdienen. „Gesamtwirtschaftlich sind wir auch davon überzeugt, dass Kosten durch mehr und vor allem rechtzeitige ambulante Behandlung stark reduziert werden können.“

Das Unternehmen und viele weitere Ideen

Das griechische Startup Blueline wurde von Nikos Naoum, Epistimi Sachitzi, George Dimitriou und George Tesseris gegründet. Erster Investor und Mitgründer ist übrigens Dimitris Tsigos, den ich hier ja hier schon porträtiert habe.

Hier noch ein kleines Video in dem Epistimi Sachitzi sich und Blueline vorstellt:

Die Ideen gehen auch schon weiter. So gibt es erste Überlegungen, das System für Krankenschwestern, Physiotherapeuten etc. auszubauen oder auch in Richtung Tele-Health, also Videoberatung für Patienten anzubieten. Und warum auch nicht gleich noch die Lieferung von Rezepten und Medizin nach Hause? Die Möglichkeiten auf so einem elektronischen Marktplatz für Patienten und Gesundheitsdienstleistungen sind unendlich und ich habe nach dem Gespräch das Gefühl mitgenommen, dass der Arzt, der einen zu Hause besucht, nur der Anfang ist.

Ich hoffe ja, dass ich bei meinen Griechenlandaufenthalten nicht krank werde, aber falls doch, weiß ich jetzt, wo ich schnell einen Arzt herbekomme.

2 Gedanken zu „Blueline

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