Portrait: Dimitris Tsigos

Der Serieninkubator

10513441_10152233682606476_954572767124566068_nWenn man sich mit der griechischen Startup-Szene beschäftigt, kommt man nicht umhin, sehr bald auf Dimitris Tsigos zu treffen. Sei es auf irgendeiner Veranstaltung oder in den sozialen Netzen. Ich kenne wenig Menschen, die so allgegenwärtig sind und so viele Sachen gleichzeitig machen – und viele davon sehr erfolgreich. Er war natürlich auch einer der Ersten, die mir bei meinen Blog-Aktivitäten über den Weg gelaufen sind (siehe hier). Aber eins nach dem anderen.

Dimitris Tsigos wurde 1977 in Aspropirgos in der Nähe von Athen geboren und hat in den 90er Jahren auf Kreta Informatik studiert. Ich kann mich noch erinnern, dass Kreta bereits damals zu einer der renommiertesten Informatik-Fakultäten in Griechenland zählte, unter anderem wegen der vielen Professoren, die aus den Vereinigten Staaten kamen. „Auf Kreta herrschte damals schon eine andere Einstellung zum Gründen von Unternehmen, was mir auch sehr geholfen hat“, so Dimitris im Gespräch. Seine Professoren waren es, die ihn damals auch dazu bewegt haben, unternehmerisch zu handeln. In einem der Seminare wurde angeregt, statt einfach nur ein Gruppenprojekt durchzuführen, spielerisch ein Unternehmen zu gründen. Aus den Studentengruppen wurden plötzlich Unternehmen und man machte sich neben der Technik Gedanken zu Marketing und Wirtschaftlichkeit. „Dieses ‚Spiel‘ ging ein Jahr und war sehr entscheidend für mich“, sagt Dimitris und so haben Dimitris und drei weitere Studenten noch während des Studiums ihr erstes Unternehmen im Bereich Content Management gegründet.

Die ersten Jahre

Diese facebook-20140905-113444erste Gründung hatte viele Höhen und Tiefen. Erste große Kunden, dann fast pleite, Gründer gegangen, neue Ansätze versucht usw. In diesen Jahren haben sie unter anderem Portale für Unternehmen und Banken entwickelt und sogar für das Verteidigungsministerium. „Aus dem ganzen Prozess habe ich viel gelernt und früh festgestellt, dass wir nicht nur reine Dienstleistungen anbieten, sondern auch Software-Produkte entwickeln sollte, um besser skalieren zu können. Mit der Krise ab 2008 kam noch dazu, dass das klassische Dienstleistungsgeschäft quasi am Boden lag“. Hieraus hat Dimitris schrittweise einen ganzen Prozess zur Gründung von Unternehmen entwickelt. Wenn man so will, war das der Grundstein für seine heutigen Unternehmungen.

Starttech Ventures

Starttech Ventures heißt sein Unternehmen, das die Klammer zu allen seinen Unternehmungen und Beteiligungen bildet. Man könnte es als Inkubator bezeichnen oder als Company-Builder. Die Grundidee von Starttech Ventures ist folgende: Über Beratungsdienstleistungen und Forschungsprojekte werden erste Prototypen und Produkte entwickelt. Aus diesen werden dann eigene Firmen gegründet, die jedoch unter dem Dach von Starttech Ventures als Investor bleiben. Systemadministration, Office, Rechtsanwälte, Finanzen etc. werden zentral organisiert und sparen damit Kosten und Overheads und die Gründer können sich um das Kerngeschäft kümmern. Insgesamt hat Starttech so in den Jahren 2003 bis 2011 12 Firmen gegründet und Investitionen in Höhe von 4 Millionen Euro getätigt. Da es das Prinzip der Risikofinanzierung in Griechenland noch nicht gab, hat Dimitris den größten Teil über private Kredite eingebracht – ein hohes Risiko, das sich aber wohl ausgezahlt hat. Inzwischen arbeiten über 50 Mitarbeiter in den aktuellen Projekten und Unternehmen.

Die Projektleiter der neuen Projekte werden zu Gründern und erhalten Gehalt und Anteile von den Neugründungen. Was sich am Anfang noch rein instinktiv entwickelt hat, ist inzwischen als Inkubationsprozess formalisiert und Starttech Ventures gründet kontinuierlich weitere Unternehmen. Nicht alle erfolgreich, aber doch recht viele davon.

Das wirtschaftlich erfolgreichste Startup aus der ersten Serie war Abzorba Games, über das ich hier schon berichtet hatte. Aber auch andere Unternehmen wie Epignosis entwickeln sich immer weiter. Epignosis ist mit dem Produkt eFront einer der bekanntesten europäischen Anbieter für eLearning-Software und expandiert selbst inzwischen rasant mit weiteren Produkten wie TalendLMS, die ich vor drei Jahren hier vorgestellt habe, und ganz neu Snapico.

Und es geht gerade so weiter. Zur Familie von Starttech gehören unter anderem yodeck, eine Plattform für die Steuerung digitaler Werbeflächen, Pakia, eine Plattform zur Verwaltung von Versicherungen, oder Elurus zur Verwaltung der Finanzen und Rechnungen für kleine Unternehmen. Insgesamt findet man im Portfolio von Starttech Ventures aktuell 14 Unternehmen.

Starttech_Portfolio

Spannend finde ich, dass Dimitris von Griechenland aus inzwischen auch international investiert, wie beispielsweise in das russisches Startup Mailburn oder das israelische Startup Take&Make.

Vielseitiges Engagement als „aktiver Bürger“

Wenn man Dimitris Aktivitäten verfolgt, fällt auf, wie viel er neben den Gründungen noch macht. In den Sozialen Netzen ist er omnipräsent, er schreibt Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen in Griechenland, war einer der Treiber und Gründer des griechischen Startup-Verbandes und fünf Jahre Präsident der European Confederation of Young Entrepreneurs (YES). Darüber hinaus ist er Board Member im European Business Angel Network EBAN.

Tsigos_Session

Durch dieses Engagement und oft kritische Äußerungen zum aktuellen politischen Geschehen in Griechenland eckt er sicherlich auch an und wurde schon oft gefragt, ob er Politiker werden will. Dem widerspricht er und sieht sich selbst einfach nur als „aktiver Bürger“.

Ich habe großen Respekt vor seinem Engagement und seinen vielen wichtigen Beiträgen im sich immer schneller entwickelnden Startup Ökosystem Griechenlands.

3 Gedanken zu „Portrait: Dimitris Tsigos

  1. Pingback: Blueline | Eulen aus Athen

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