Ark Analytics

Management des Kredit-Risikos

Wenn man als Laie das Wort Kredit-Risiko hört, denkt man heute unweigerlich an Griechenland. Das ist ausnahmsweise auch richtig so, denn mit Ark Analytics kommt eins der spannendsten Unternehmen im Bereich des Managements des Kredit-Risikos für Unternehmen aus Griechenland.

Zunächst etwas Theorie: Ein Warenkredit in Industrie und Handel ist quasi das Pendant zu einem Konsumentenkredit oder Bankkredit, der jedoch zwischen zwei Unternehmen vereinbart wird, um beispielsweise die Zahlungen zu strecken. Statt sofort zu zahlen, vereinbaren sie also einen Zahlungsplan über einen definierten Zeitraum. Das ist übliche Praxis und hilft im Endeffekt beim Absatz von Waren. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Konsumentenkredit, bei dem Ratenzahlungen vereinbart werden, wie beispielsweise beim Autokauf – nur eben zwischen zwei Unternehmen.

Natürlich geben Unternehmen nicht blind anderen einen Kredit, sondern versuchen vorab das Ausfallrisiko einzuschätzen und zu minimieren. Je größer die Kredite werden, je mehr Kredite vergeben werden und je variantenreicher die Kredite und Rahmenbedingungen werden, desto unübersichtlicher wird das Ganze. Große Unternehmen beschäftigen ganze Abteilungen, die versuchen, mit hochkomplizierten Berechnungen, Markt- und Kundenanalysen und viel Bauchgefühl das Einzelrisiko, aber auch das Gesamtrisiko zu reduzieren. Immerhin können Ausfälle oder Verzögerungen zu eigenen Liquiditätsengpässen oder Verlusten führen – bis hin zur Insolvenz.

Mehr Fakten, weniger Bauchgefühl.

Startseite-Arkanalytics

Das Hauptprodukt von Ark Analytics ist CreditArk, eine Anwendung (Dashboard) für Kreditmanager in Unternehmen, die automatisch Informationen aus internen und externen Datenquellen zusammenführt. Aufbauend auf diesen zusammengeführten Informationen und mit Hilfe von wissenschaftlichen Berechnungsmethoden kombiniert die Anwendung Finanzdaten, Verhaltensdaten und qualitative Daten, um das Kreditrisiko zu berechnen. Beispiele für solche Daten sind frühere Käufe und Abwicklungen mit dem Kunden, Marktposition, Marktentwicklung, Alter des Unternehmens etc. Neben der eigentlichen Berechnung für den Einzelfall betrachtet die Anwendung auch das gesamte Portfolio, um Frühwarnungen auszusprechen, die beispielsweise durch die Konzentration auf ein bestimmtes Kundensegment entstehen.

Die Anwendung ist als Software as a Service (SaaS) angelegt und wird für jeden Kunden speziell konfiguriert, da jeder Kunde andere Datenquellen und Anforderungen hat.

Folgendes Video zeigt den Gesamtansatz und im zweiten Teil den typischen Ablauf der Anwendung:

FinTech und Predictive Analytics aus Griechenland

Das Unternehmen wurde in Griechenland von Panos Michalopoulos, Michalis Madias, Christos Gianakopoulos und Ilias Panagiotidis im Jahr 2013 gegründet. Die Gründer haben jedoch schon viele Jahre Erfahrung in diesem Bereich. Inzwischen haben sie acht Mitarbeiter und zwei Investoren aus der Schweiz, die früh das Potential von Ark Analytics erkannt haben.

Kunden-Arkanalytics

Ark Analytics kombiniert gleich zwei Bereiche, die in der aktuellen Startup-Euphorie heiß laufen: Technologien für Finanzdienstleistungen (FinTech) und Vorhersagemodelle durch Massendatenauswertung (Predictive Analytics). „Wir wussten von Anfang an, dass unser Markt im europäischen Ausland liegt und haben uns darauf konzentriert“, so Panos Michalopoulos im Interview. Die Entwicklung findet in Griechenland statt, die Kunden sitzen in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland. Von Zürich aus wird die Geschäftsentwicklung betrieben. Besonders beeindruckt war ich von der Kundenliste: Zu ihren Kunden zählen keine geringeren als Novartis oder Lafarge und aktuell haben sie erste Teststellungen bei BASF und BAYWA. Wenn sich solche Kolosse für das Produkt interessieren, dann zeigt das auch, wie groß das Problem der Risikobewertung ist und wie weit vorn Ark Analytics mit seiner Lösung ist.

Respekt!

Wachstum durch Investitionen auch über Open Circle

Wie bereits im Artikel über Open Circle kurz erwähnt, ist Ark Analytics eins der Unternehmen, die aktuell über Crowdinvesting weitere Investoren suchen. „Wir sind technologisch sehr innovativ und haben im Moment so viele Anknüpfungspunkte bei großen Unternehmen, dass wir mit den nächsten Investitionen vor allem den Markt in Richtung Großbritannien, Holland, USA und Asien ausbauen wollen“, so Panos.

Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn ausnahmsweise mal FinTech und Predictive Analytics für die Kreditrisikominimierung aus Griechenland für Schlagzeilen sorgt.

Portrait: Apostolos Apostolakis

Der König der Marktplätze

Apostolos ApostolakisJedes neue Jahr sollte man etwas Neues ausprobieren. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, die Aktivitäten in der Startup-Szene etwas zu bündeln: Deshalb möchte ich künftig außer über einzelne Startups auch mehr über bestimmte Cluster oder einzelne Persönlichkeiten berichten, die durch ihr Wirken viel zum neuen Boom beitragen. Den Anfang macht heute Apostolos Apostolakis, der nicht nur ein Multi-Entrepreneur ist, sondern auch maßgeblich zur Formung des neuen griechischen Startup-Systems beigetragen hat.

Ich habe mit Apostolos zum ersten Mal Anfang 2013 gesprochen, also gerade mal ein paar Monate nach meinen ersten Blogbeiträgen. Damals ging es um Doctoranytime, der griechischen Plattform zur Vermittlung von Ärzten. Seitdem begegne ich ihm immer wieder – er ist eine zentrale Person im griechischen Startup-Ökosystem.

Angefangen hat alles im Jahr 1998: Amazon hatte gerade die erste internationale Webseite bereitgestellt, als er zusammen mit 2 Kommilitonen und noch während des Studiums keinen geringeren Anspruch hatte, als das griechische Amazon zu gründen. Gedacht, getan. E-shop.gr war seine erste Gründung und ist bis heute mit knapp 100 Millionen Euro Umsatz der größte Online-Shop Griechenlands. Die Krise hatte zwar zwischendurch auch hier ihre Spuren hinterlassen, aber inzwischen ist das Unternehmen wieder auf starkem Wachstumskurs. Eine echte Erfolgsgeschichte bis heute.

Aber das war erst der Anfang. Nach den ersten Jahren mit e-shop.gr wollte Apostolos etwas breitere Erfahrungen sammeln und seine Studien komplettieren und wechselte für einen MBA in die USA und dann zur Boston Consulting Group. Von 2004 bis 2008 war er wieder Vollzeit bei e-shop.gr, bevor er sich dann langsam aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Diese Erfahrungen haben ihm dabei geholfen, systematisch das noch ganz junge Startup-Ökosystem mit aufzubauen. So hat er beispielsweise zusammen mit den Organisatoren des Open Coffee Greece den ersten griechischen Fund (Open Fund I) aufgebaut. Der Nachfolger Open Fund II, für den er als Berater weiterhin aktiv ist, ist mittlerweile einer der wichtigsten Investitionsinstrumente der noch jungen griechischen Startup-Szene.

In jener Zeit hat er sich auch zum ersten Mal als sogenannter „Angel“ an anderen Startups beteiligt. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich Taxibeat, über das ich ja hier auch schon berichtet habe. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter: Als Gründer und bzw. Investor mit e-food.gr, dem inzwischen größten griechischen Lieferservice in Griechenland (2011), Doctoranytime (2012) und seit letztem Jahr mit e-table zur Reservierung von Tischen in Restaurants, nannuka, ein Marktplatz für Nannies, Funkmartini zur Vermittlung von Kosmetik-Dienstleistungen oder 100mentors, eine Plattform zur Vermittlung von Mentoren, die ich ebenfalls hier im Blog beschrieben habe.

Bei all seinen Gründungen handelt es sich um sogenannte Virtuelle Marktplätze (e-marketplaces), also Portale, die irgendetwas zwischen Produzenten/Dienstleistern und Konsumenten vermitteln. Seien es Tische im Restaurant, Mentoren oder eben Nannies. Damit ist Apostolos Apostolakis in Griechenland sicherlich der „König der Marktplätze“. Und das Beste: Bei all seiner Zielstrebigkeit ist er sehr sympatisch und hilfsbereit, mit dem man sich gut über alle Mögliche unterhalten kann.

„Bisher habe ich mich vor allem auf den griechischen Markt konzentriert. Das ist zwar ein kleiner Markt, aber er hat einen wesentlichen Vorteil: Man kann über Jahre unter dem Radar der Großen dieser Welt fliegen und damit starke Unternehmen aufbauen“ so Apostolos zu seinem Ansatz. „Seit 2014 konzentriere ich mich zusätzlich auf den Aufbau von internationalen Marken“, so Apostolos weiter. Das zeigt auch die internationale Ausrichtung beispielsweise von nannuka und 100mentors.

Ich wünsche ihm dabei viel Glück und immer ein gutes Händchen. Ich bin mir sicher, wir werden noch einige Gründungen sehen, die Apostolos Apostolakis Handschrift tragen.

Apostolos Apostolakis_Presentation

Aufbruchsstimmung in der „Digitalen Welt“

Einige „Eulen aus Athen“ in der Zeitschrift „Digitale Welt“

Letzte Woche kam die erste Ausgabe der Zeitschrift „Digitale Welt“ heraus. Es ist eine neue Zeitschrift, die in Kooperation mit der Gesellschaft für Informatik erscheint, quasi dem Dachverband der Informatiker in Deutschland mit ca. 20.000 Mitgliedern. Sie wird an die Mitglieder verschickt, kann aber auch am Kiosk gekauft werden.

Besonders freut mich, dass es in dieser historischen Erstausgabe mein Beitrag zu Startups aus Griechenland auf die Titelseite geschafft hat. Mir ist es nicht leicht gefallen, eine Auswahl zu treffen, da ich inzwischen auch das ganze Heft hätte füllen können. Also habe ich mich, nach einem Schnelldurchlauf durch die Szene, auf vier Startups konzentriert, die für die Leser hoffentlich auch unter dem Gesichtspunkt der Informationstechnologie interessant sind:

  • NOOWIT – das personalisierte Magazin
  • Jupitee – Apps für Jedermann
  • Fleksy – Intelligente Tastaturen
  • Intelen – Energieeffiziente Gebäude

Genannt werden noch Taxibeat, tradeNOW und i-kiosk.

Einen gewissen Charme hat der Anachronismus: Die „Digitale Welt“ erscheint nur analog (also auf Papier).

Viel Spaß bei der Lektüre!

Micro2Gen

Molekulardiagnose in wenigen Minuten

Wenn zu einem Krankheitsbild viele mögliche Ursachen in Frage kommen, dann passiert es leider viel zu häufig, dass falsch diagnostiziert wird. Besonders, wenn es umständlich und zeitaufwändig ist, die Ursache festzustellen. So ist das beispielsweise bei Zöliakie und die betrifft immerhin 1% aller Europäer. Bei Zöliakie entstehen Schmerzen durch die Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, dem in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweiß.

micro2gen-Startseite

Ähnlich wie Zöliakie gibt es viele Krankheitsbilder, die unter anderem auf genetische Ursachen zurückzuführt werden können. Eine schnelle Untersuchung und dann noch nach unterschiedlichen potentiellen genetischen Ursachen ist heutzutage nur aufwändig und im Labor möglich.

Ein ganzes Labor auf einem Chip

In den letzten Jahren beschäftigen sich immer mehr Forschungseinrichtungen mit dem Thema, wie man beispielsweise Blutanalysen vor Ort, schnell und ohne externe Labore durchführen kann. Allerdings verlässt das Thema die Forschung noch selten. Die beiden griechischen Unternehmer Thanos Demiris und Spyros Blionas haben es gewagt und 2007 ihr Unternehmen Micro2Gen in Athen gegründet. Das Ziel von Micro2Gen ist es, eine Apparatur zu bauen, mit der man in jeder Praxis Blutuntersuchungen direkt vor Ort machen kann.

micro2gen-Prototyp

Beide griechischen Gründer kommen aus der medizinischen Informatik und haben viele Jahre Berufserfahrung in dem Bereich. Nach jahrelanger Forschung steht nun auch ein erster Prototyp, mit dem man solche Untersuchungen machen kann.

micro2gen-SW-Flow-Analysis

Sie spezialisieren sich dabei nicht, wie man zunächst annehmen würde, auf die Chips selbst, sondern auf den technischen Mechanismus, mit dem man mehrere solcher Chips systematisch und kombiniert nutzen kann. Die Chips werden in Zusammenarbeit mit strategischen Partnern in Spanien und Deutschland entworfen und produziert. Finanziert haben sich die beiden Gründer von Micro2Gen über mehrere europäische Forschungsprojekte sowie viel Eigeninvestition. Das Ergebnis: eine ganze Reihe an Patenten im Bereich der Flusskontrolle (Flow-Control) bei den Analysen.

Das Geschäftsmodell: Nespresso für Ärzte

Obwohl ich aus der „Technik“ komme, war es auch für mich nicht ganz einfach zu verstehen, was sie eigentlich genau machen. Thanos Demiris erklärte mir das so: Das System könnten man als Nespresso für Ärzte bezeichnen – nur wesentlich komplexer. Die Apparatur wird mit unterschiedlichen Chips bestückt und es wird ein Tropfen Blut dazugegeben. Das System übernimmt dann die Einzelprüfungen über die konfigurierten Chips und gibt nach einer oder zwei Stunden das Ergebnis aus.

Zukünftige Entwicklung

Noch finanziert sich Micro2Gen vorrangig über Dienstleistungen im Bereich medizinische Informatik mit Kunden in Deutschland, Spanien, aber auch Griechenland. Ihre Vision, ein Labor auf einem Chip zu bauen, verlieren sie dabei nie aus den Augen. Der aktuelle Prototyp ist ungefähr so groß wie ein handelsüblicher Drucker und kann bereits bestimmte Prüfungen beispielsweise für Zöliakie durchführen. Laut Thanos Demiris werden sie jedoch noch 3-4 Jahre Forschung und Entwicklung benötigen, bevor das Produkt marktreif ist.

Thanos Demiris war übrigens mit mir auf der Deutschen Schule Athen (einer der Klassenbesten) und spricht sehr gut Deutsch, da er auch in Heidelberg medizinische Informatik studiert hat. Ich freue mich daher doppelt, dass er das Risiko eingegangen ist, in Griechenland ein Unternehmen mitzugründen. Das Risiko hat sich gelohnt, das Unternehmen hat inzwischen 10 Mitarbeiter.

Ich wünsche den beiden noch viel Erfolg.

LazyPub

Auf allen Kanälen gleichzeitig veröffentlichen

Auch wenn HTML5 einen riesigen Sprung im Bereich der Webentwicklung gemacht hat, kommt es noch bei weitem nicht an die gestalterischen Möglichkeiten professioneller Deskop-Publishing-Werkzeuge heran. Webseiten werden noch eine ganze Weile weniger elegant daher kommen und PDF als Druckformat für Zeitschriften, Kataloge  oder auch Firmenbroschüren bleibt weiterhin König.

Dennoch besteht ein immer höherer Bedarf, mit den erzeugten Inhalten und Designs die Leser und Käufer auf unterschiedlichen Kanälen zu bespielen, sei es im Browser, auf dem Smartphone oder dem Tablet. Und wenn man sich die Zeitschriften schon auf dem Tablet anschaut, wären ein paar interaktive Inhalte auch schön. Das griechische Startup LazyPub positioniert sich genau in diesem Markt, PDF-Dokumente auf allen Kanälen zu veröffentlichen mit der  Möglichkeit, interaktive Inhalte einzubinden – und das von einer Stelle aus für alle Kanäle.

Lazypub Startseite

Die Anwendung

„Durch die vielen neuen Endgeräte, wird es für Anbieter von Publikationen und Dokumenten immer aufwändiger, all diese Endgeräte zu bespielen. Schön gestaltete PDF-Dokumente erzeugen die Publisher sowieso. Der Name LazyPub („fauler Publisher“) spielt daher darauf an, dass es möglichst einfach sein sollte, diesen Veröffentlichungsprozess auf unterschiedlichsten Geräten zu steuern und zu vereinfachen“,  so der Gründer Antonis Frigas. LazyPub ist als Dienst im Internet konzipiert, über den der gesamte Prozess der Veröffentlichung neuer Dokumente abgewickelt wird. Der Benutzer lädt seine Dokumente hoch, reichert sie gegebenenfalls noch um interaktive Komponenten an (Videos oder Links im Dokument) und bestimmt, auf welchen Endgeräten sie bereitgestellt werden sollen.

Lazypub Detailinfo

„Neben der Veröffentlichung im Zeitungskiosk (wie Newsstand App auf dem iPad) zusammen mit anderen Zeitungen, können die Inhalte auf einer eigenen Unternehmens-App oder auch im Web bereitgestellt werden, und das alles zeitgleich“, sagt Antonis. Über den zentralen Login kann der Publisher auch immer verfolgen, welches Angebot wie genutzt wird, also beispielsweise wie oft eine Ausgabe heruntergeladen wurde, wie oft sie geöffnet wurde, wie lange sie gelesen wurde oder welche Artikel besonders interessant waren.

Übrigens unterstützt LazyPub auch HTML- und ePub-Dateien.

Der Markt und erste Erfolge

Natürlich fallen einem als erstes Zeitschriften als Zielgruppe ein, doch der Markt ist wesentlich größer: „Von Unternehmen, die ihre Jahres- oder Quartalsberichte  in Hochglanz herausbringen, über Produktkataloge bis hin zu Wochenangeboten vom lokalen Supermarkt – alle gestalten ihre Angebote als PDF und suchen nach Möglichkeiten, diese Inhalte einfach und schnell zu verteilen“, erklärt mir Antonis im Gespräch. LazyPub kann über einen geringen monatlichen Beitrag genutzt werden, der abhängig von der Häufigkeit der Veröffentlichung, der Größe der Dokumente und der Downloads ist.

LazyPub hat es bereits vor dem offiziellem Launch in die Shortlist von The Europas 2013 geschafft. Seit  März ist der Dienst online und hat bereits einige namhafte Unternehmen als Kunden, wie den Versicherungskonzern Interamerican, den TüV-Austria Hellas , die  Zeitschrift EMEA und eins meiner Lieblingsunternehmen Coco-Mat, das vermutlich weltweit eine der besten Matratzen produziert.

Das Unternehmen und die Unternehmer

LazyPub wurde von Dr. Antonis Frigas gegründet. Er hat Informatik in Athen studiert und im Bereich der Bilderkennung promoviert. Antonis hat schon vor mehreren Jahren das Unternehmen beeherd gegründet, das sich in Griechenland als Unternehmen für Apps für Facebook und Smartphones positioniert hat. Die Entwicklung von LazyPub begann im Oktober 2012 und wurde bisher vollständig privat finanziert. Im Team sind neben Antonis Frigas  noch Pericles Maravelakis als CTO sowie Christos Tsiavos und Ioanna Kalligerou.

Gestartet ist das Unternehmen in Griechenland, aber Europa und die USA sind schon im Visier. Parallel schaut sich Antonis auch nach potentiellen Investoren um. Bezeichnend fand ich daher das Statement von Antonis in seinem Twitter-Profil, die das Gefühl beschreibt, das viele Startup-Gründer haben, mit denen ich gesprochen habe: “Entrepreneur by day, software engineer by night.”

cssigniter

Schöne Web-Designs für alle

WordPress ist eine der am weitesten verbreiteten Plattformen für Blogs. Eulen aus Athen ist ja auch ein WordPress-Blog. Was ich nicht wusste: WordPress inzwischen zu einem der größten Content Management Systeme geworden, über das alle möglichen Webseiten betrieben werden (Top 10). Schätzungen zufolge sind das bereits 16% aller Webauftritte weltweit (siehe z.B. hier).

Neben der Tatsache, dass der Einstieg kostenlos und WordPress extrem einfach zu bedienen ist, hat zum Erfolg sicherlich auch beigetragen, dass man sehr schnell und einfach neue Designs aufsetzen kann, mit dem Ergebnis, dass selbst private Blogs manchmal mit extrem professionellen Designs daherkommen – Eulen aus Athen als Ausnahme bestätigt die Regel 😉

cssigniter-Startseite

Individuelle Designs von der Stange

Gerasimos Tsiamalos und Anastis Sourgoutsidis haben diesen Trend hin zu WordPress früh aufgespürt und gemeinsam das griechische Unternehmen cssigniter gegründet. cssigniter entwickelt in regelmäßigen Abständen wunderschöne WordPress-Designs für unterschiedliche Branchen und Aufgaben. Der Clou: Statt für jeden Kunden ein individuelles Design zu entwickeln, stellen cssigniter die Designs als Abonnement bereit, sodass sich andere Webentwickler und Designer davon bedienen und für ihre Kunden wiederum neue Webseiten erstellen können.

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Die Unternehmer und das Geschäftsmodell

Die beiden griechischen Unternehmer aus Thessaloniki  beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit Webseiten-Entwicklung und -Design und gehörten auch zu den Ersten, die sich in Griechenland auf WordPress-Designs spezialisiert haben. 2010 haben sie dann den Entschluss gefasst, die Designs zu standardisieren und mit cssigniter ein eigenes Unternehmen zu gründen. „Der Anfang war schwer, da wir noch recht wenige Designs hatten und unbekannt waren. Inzwischen haben wir mehrere tausend Mitglieder, sodass wir profitabel sind und auch weitere Designer und Entwickler beschäftigen können. Dabei haben wir bisjetzt noch nichts für Marketing ausgegeben“, so Gerasimos Tsiamalos.

Das Geschäftsmodell ist sehr einfach: Regelmäßig stellt cssigniter neue Designs vor und für einen fixen Jahresbetrag von 39$ kann man beliebig viele der Designs und beliebig oft für seine Kunden nutzen. Inzwischen bieten sie auch ein Affiliate-Programm an, über das auch Dritte die Designs vermarkten können. „Im nächsten Schritt denken wir über eine stärkere Vertikalisierung nach, also beispielsweise Musiker, die besondere Anforderungen an ihre Designs und vor allem an die bereitgestellte Funktionalität haben“.

Die meisten Kunden von cssigniter kommen übrigens aus den USA, aber auch in Deutschland gibt es schon über 200 Kunden.

Voraussetzung für die Nutzung der Designs von cssigniter ist allerdings, dass man WordPress selbst hostet bzw. bei einem Hoster nutzt. Nun wisst ihr auch warum ich nicht gleich selbst auf ein cssigniter-Design umgestellt habe.

Natürlich gibt es auch Platzhirsche im Bereich der WordPress-Designs, wie elegant themes aus den USA oder Woo Themes aus Südafrika, aber ich freue mich, dass auch ein griechisches Unternehmen in dieser Liga mitspielt.

pollfish

Das Ei des Kolumbus für Umfragen

Ich habe in meinem Leben vielleicht 3 oder 4 Umfragen gemacht, aber meist mit mittelmäßigem Erfolg. Früher wurden Umfragen mühsam mit Zettel und Stift und von Tür zu Tür durchgeführt. In neuerer Zeit immerhin online, aber Umfragen sind immer noch ein schwieriges Geschäft: Zum einen benötigt man immer einen großen Personenkreis, teilweise verteilt auf mehrere Länder und Kontinente, und zum anderen will man diesen Kreis auch noch zielgruppenscharf einteilen. Darüber hinaus ist es natürlich essentiell, dass die Personen in der Zielgruppe auch mitmachen – also motiviert sind, daran teilzunehmen und die Umfrage selbst für sie so einfach wie möglich ist. Die fünf Gründer des griechischen Unternehmens pollfish haben eine weltweit einmalige Lösung geschaffen, um umfangreiche, zielgruppengenaue und einfach durchführbare Umfragen zu erstellen. Eigentlich liegt die Lösung auf der Hand – man muss nur darauf kommen:

pollfish_startseite

Naheliegend und doch weltweit erstmalig

Die fünf Gründer von pollfish, Ioannis Papadakis, Andreas Vourkos, Giannis Zaoudis, Vasileios Mitrousis und Zissis Bellas hatten die Idee, die Umfragen dort erscheinen zu lassen, wo sich die Zielgruppe gerade befindet und wo sie Zeit hat mitzumachen, nämlich unterwegs und auf dem SmartPhone. Die Lösung von pollfish ist eigentlich nur ein Stück Software (SDK), das von einem App-Entwickler in jede herkömmlichen App integriert werden kann. „Angelehnt an das Paradigma der Online-Werbung bei Apps, bietet pollfish statt Werbung die Möglichkeit, an Umfragen teilzunehmen“, so Ioannis Papadakis.

Eine Unternehmen oder Marktforschungsinstitut, das eine Umfrage starten will, setzt die Umfrage auf der Webseite von pollfish auf und gibt die Zielgruppe an, an die sich die Umfrage richten soll. pollfish verteilt die Umfrage zielgruppenscharf an alle teilnehmenden Apps und bei den Nutzern der App erscheint ein unauffälliges Zeichen am Rand, um ihn auf die Umfrage aufmerksam zu machen.

„Durch die Integration in vorhandene und weitverbreitete Apps sind wir in der Lage, innerhalb kürzester Zeit weltweite Umfragen zu starten“, sagt Ioannis Papadakis, der übrigens in Deutschland geboren ist und erst mit fünf Jahren nach Griechenland kam.

OMG! Kaum gegründet und schon 2.193.547 Nutzer weltweit

Ich kann mich noch erinnern, wie ich vor wenigen Monaten zum ersten Mal von pollfish gehört habe. Das war im Februar 2013 im Zusammenhang mit ihrer Bewerbung bei zerofund. Inzwischen sind sie unter den letzten beiden Favoriten und können bereits eine beeindruckende Nutzerzahl vorweisen. Auf der Webseite läuft ein Ticker, über den man zuschauen kann, wie die Nutzerzahl steigt. Als ich den Screenshot gemacht habe, waren es 107 Apps mit 2.193.547 Nutzern und als ich den Artikel online gestellt habe bereits 2.194.709 Nutzer – beeindruckend.

2 Mio-pollfish

Das Geschäftsmodell

Obwohl sie noch in der Entwicklungsphase sind und die Finanzierung noch nicht mal steht, haben sie bereits drei große griechische Marktforschungsinstitute als Kunden gewinnen können, u. a. Kapa Research und Abacus Research. Parallel dazu haben sie angefangen, sich in England und Deutschland nach Kunden umzuschauen.

Das Geschäftsmodell ist übrigens auch für App-Entwickler und für App-Nutzer sehr attraktiv: Das Unternehmen, das die Umfrage startet, gibt einen bestimmten Betrag für einen Fragebogen aus und davon geht ein bestimmter Anteil an die Entwickler der App. Unter den Nutzern wiederum werden kontinuierlich Wertgutscheine verlost. Ab und zu mal an einer Umfrage teilnehmen zu können, finde ich persönlich wesentlich angenehmer als die ständige Werbung auf den Apps.

Interessant fand ich übrigens, dass die Gründer das Thema Verteilung auch auf das Unternehmen selbst abbilden: zwei der Gründer sitzen in Athen, einer auf Chios und zwei auf Zypern.

Manches ist so naheliegend. Und doch muss man erst einmal darauf kommen. Ich bin mir sicher, dass pollfish die Art revolutioniert, wie Umfragen in Zukunft gemacht werden, und freue mich, dass auch diese Idee aus Griechenland kam.

Ich wünsche den fünf Gründern noch viel Erfolg!